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Spiegel-Online-Reihe: Wie und wovon Urheber und Medienleute leben

Seit einigen Jahren erscheinen bei Spiegel Online immer wieder mal interessante Beiträge von Künstlern und Medienleuten, in denen diese ihre Berufstätigkeit aus wirtschaftlicher Sicht beschreiben:

Profi-Blogger Sascha Pallenberg: Wie die deutsche Blogosphäre veramerikanisiert wird

Treffender Vortrag des Profi-Bloggers Sascha Pallenberg auf der re:publica 2012 – jetzt auch zum Anschauen:

2012 wird der deutschen Blogosphaere wieder einmal vor Augen fuehren, wie unprofessionell sie sich positioniert. Anstatt sich staerker zu vernetzen und miteinander zu kooperieren, ist sie staerker denn je fragmentiert, kreist aber immer noch wunderbar um sich selbst. Unbemerkt von den wenigen professionellen deutschen Bloggern, greifen nun die US-Netzwerke an und werden im Jahre 2012 deutsche Angebote ihrer erfolgreichen Blogs starten. Huffington Post, Techcrunch, Boy Genius Report und ein halbes Dutzend weiterer prominenter Namen schwappen ueber den Atlantik rueber und besetzen ein Vakuum, welches die Deutsche Medienlandschaft nicht mit Inhalten fuellen konnte. Dem Warum, Weshalb und Wieso wird in meiner Session auf den Grund gegangen, wobei die Defizite der deutschen Bloglandschaft schonungslos offenbart werden

(Video, 32 min.)

Dietrich Brüggemann: Der Schlüssel zum Habenwollen ist Liebe

Dietrich Brüggemann gibt uns einen sehr interessanten persönlichen Einblick zu diesem Thema: Mein Plattenladen heißt Herunterladen

Alle kloppen sich. Und zwar wegen Urheberrechten sowie einer Partei, die die Piraterie im Namen trägt. (…) Alle reden immer nur von den anderen. Niemand redet von sich selber. Aber wenn man herausfinden will, wie Menschen funktionieren, ist es meistens genau die richtige Strategie, von sich auf andere zu schließen. Diese Lücke würde ich also gern schließen und ein wenig von mir selber reden.

Der Text ist in Gänze sehr lesenswert. Unterstrichen wird einmal mehr, dass es für Künstler bzw. Urheber allgemein ohne echte Fans künftig nicht geht:

Der Schlüssel zum Habenwollen ist, schlicht und ergreifend: Liebe. Auf dem Haldern Pop Festival hörte ich 2006 eine Band namens Guillemots. Noch nie vorher hatte ich solche Musik gehört. Gegen ihre Songs klang alles andere wie einfallsloses Gedudel. Ich kaufte, kopierte, überspielte, bestellte, holte mir alles, was ich von ihnen kriegen konnte. (Für meinen neuen Film habe ich fast nur Musik von dieser Band verwendet – von Produktionsseite fließt da jetzt Geld, aber das kriegt leider nur die Plattenfirma, weil die Band denen noch was schuldet). Wenn ein Buch, ein Film oder ein Lied mich wirklich berührt, dann berührt es eine ganz andere Abteilung in meinem Kopf als die Finanzverwaltung. Und das ist auch das Geschäftsmodell der Indie-Labels, deren Musik ja das vergangene Jahrzehnt maßgeblich geprägt hat. Die machen Musik, die von Leuten wirklich geliebt wird. Das bewegt sich finanziell immer auf dünnem Eis, aber irgendwie funktioniert es dann doch. Ich empfinde die Musiklandschaft jedenfalls heute als deutlich reichhaltiger und interessanter als vor zehn oder zwanzig Jahren.

Mir gefällt auch die Differenzierung bzgl. der Downloads, die meinem Empfinden sehr nah an der Realität ist und betont, dass nicht jeder Gratis-Download zwingend einen Schaden bedeutet – eine Erfahrung, die auch Buchautoren machen:

Und dabei kann auch ein Download ein Liebesbeweis sein. Es gibt nämlich zwei Sorten von illegalen Kopien. Die Liebeskopie, die oft später in einen Kaufakt mündet, und die mir-doch-egal-Kopie, die zu Datenleichen auf der Festplatte führt. Erstere kann ein wirtschaftlicher Schaden für den Künstler sein, kann sich auf lange Sicht aber auch lohnen. Letztere ist kein Schaden, denn der Kopist hätte das Werk ja so oder so nicht gekauft.

Francis Ford Coppola freute sich schon 1991 über die Demokratisierung der Medienwelt

Die kleinen fetten Mädchen aus Ohio werden bei den allgemeinen Diskussionen oft vergessen. Was wir nicht sehen, können wir auch nicht als Verlust empfinden. Aber ist es nicht toll, dass jetzt jeder solche Chancen hat? Natürlich wird nicht jeder ein Mozart. Aber wenn es nur 1 oder 2 schaffen, dann wäre das schon Gewinn genug … Und wer weiß, wie viele Mozarts in der Vergangenheit durch die ungünstigen Umstände verhindert wurden.

(Video, 30 Sekunden)

Francis Ford Coppola weiter:

This idea of Metallica or some rock n’ roll singer being rich, that’s not necessarily going to happen anymore. Because, as we enter into a new age, maybe art will be free. Maybe the students are right. They should be able to download music and movies. I’m going to be shot for saying this. But who said art has to cost money? And therefore, who says artists have to make money?

In the old days, 200 years ago, if you were a composer, the only way you could make money was to travel with the orchestra and be the conductor, because then you’d be paid as a musician. There was no recording. There were no record royalties. So I would say, “Try to disconnect the idea of cinema with the idea of making a living and money.” Because there are ways around it.

via: Dirk von Gehlen, neunetz.com