Schlagwort: medienwandel

Francis Ford Coppola freute sich schon 1991 über die Demokratisierung der Medienwelt

Die kleinen fetten Mädchen aus Ohio werden bei den allgemeinen Diskussionen oft vergessen. Was wir nicht sehen, können wir auch nicht als Verlust empfinden. Aber ist es nicht toll, dass jetzt jeder solche Chancen hat? Natürlich wird nicht jeder ein Mozart. Aber wenn es nur 1 oder 2 schaffen, dann wäre das schon Gewinn genug … Und wer weiß, wie viele Mozarts in der Vergangenheit durch die ungünstigen Umstände verhindert wurden.

(Video, 30 Sekunden)

Francis Ford Coppola weiter:

This idea of Metallica or some rock n’ roll singer being rich, that’s not necessarily going to happen anymore. Because, as we enter into a new age, maybe art will be free. Maybe the students are right. They should be able to download music and movies. I’m going to be shot for saying this. But who said art has to cost money? And therefore, who says artists have to make money?

In the old days, 200 years ago, if you were a composer, the only way you could make money was to travel with the orchestra and be the conductor, because then you’d be paid as a musician. There was no recording. There were no record royalties. So I would say, “Try to disconnect the idea of cinema with the idea of making a living and money.” Because there are ways around it.

via: Dirk von Gehlen, neunetz.com

Schreibmaschinen wird es immer geben

Ein Feld meines „Buchmarkt-Bullshit-Bingo“ habe ich genannt: Das Argument: Papierne Bücher gibt’s auch in Zukunft – Wohlgemerkt geht es hier nicht um den Fakt, der nicht zu bestreiten ist, sondern um die häufig anzutreffende Instrumentalisierung dieses Umstandes als Argument gegen den Medienwandel. Wenn nicht gleich hinkende Vergleiche bemüht werden, hört die Diskussion nämlich oft bei der Feststellung auf, dass auch gedruckte Bücher – wie jede andere Technik-Form – nicht aussterben werden. Ach ne, echt …? ;)

Ein Beispiel dafür habe ich hier festgehalten: Ebenfalls typisch bei diesem kleinen Beitrag ist, dass die Antwort an der Frage vorbei geht. Natürlich wird es auch in 20 Jahren noch papierne Bücher und den Wunsch, sie ordentlich zu lagern, geben. Fast keine Technik verschwindet völlig. Auch heute werden noch Schwerter geschmiedet und es werden Dampfmaschinen gebaut. Es wandelt sich aber durchaus die (wirtschaftliche) Bedeutung von bestimmten Techniken. Es wird also mit Sicherheit auch in Zukunft noch Leute geben, die sich Bücher aus Papier kaufen und diese sammeln. Das unterstreicht ja auch Paschen kräftig. Damit ist aber noch lange nicht gesagt, dass es genug Leute sein werden, um als buchregal-produzierendes Unternehmen in der heutigen Form von ihnen leben zu können. Dieser Aspekt kommt überhaupt nicht zur Sprache.

Diese Argumentation ist genauso wenig hilfreich wie die Feststellung, dass es – wie im eingebundenen kleinen Video-Beitrag zu sehen – auch heute noch Schreibmaschinen gibt und es sie auch in Zukunft geben wird. Aber wie groß ist der Markt im Vergleich zu früher? Könnte es nicht doch sein, dass die allermeisten Hersteller heute pleite sind oder etwas anderes fertigen? Eigentlich banal das Ganze, aber in Diskussionen kommt der Punkt halt immer wieder auf …

via Boing Boing

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Ich hoffe, der Börsenvereins-Vorsteher ist nicht nur mir peinlich …?

Verschiedentlich habe ich darauf hingewiesen, dass der Buchbranchen-Verband Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Buchmarkt falsch abgrenzt. Dort wird sich fokussiert auf die traditionellen Marktteilnehmer. Autoren kommen gar nicht vor, sind demnach also offiziell gar kein Teil des Buchmarktes. Das ist im Zeitalter des allerorten stattfindenden Selfpublishings absurd. Doch nicht nur die Autoren werden vom Buchbranchen-Verband gern ignoriert. Wir reden nicht umsonst von Prosumenten, d.h. jeder Autor ist Leser und jeder Leser ist Autor.

Leser wiederum sind Kunden. Auch diese scheinen aber in der traditionellen Denkwelt einiger Börsenvereins-Repräsentanten keine Rolle zu spielen:

Wann immer der Vorsteher des Börsenvereins, Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, zu Buchmesse-Eröffnungen und ähnlichen Anlässen eine Rede hält, bin ich sehr gespannt, was er dieses Mal wieder raushauen wird. Es gab schon etliche absurde Äußerungen, die ich hier im Blog z.T. aufgegriffen habe. Auch zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse 2011 vor einigen Tagen war es also wieder soweit. In deren Rahmen brachte er aus meiner Sicht seine Kernbotschaft und seine vermutliche Denkwelt dahinter exakt auf den Punkt:

„Die Gesellschaft braucht kein neues Urheberrecht – sie braucht Regeln für die Freiheit im Netz“.

Ich lese heraus: Liebe Kunden, Eure Welt und Eure Bedürfnisse sind mir egal, wenn Euer Tun und Nutzen der neuen Möglichkeiten meine Interessen tangiert, dann werde ich das in meinem Sinne „regeln“. Suggeriert wird auch einmal mehr, es gäbe keine Regeln – Stichwort Internet „als rechtsfreier Raum„, in dem die „Internetgemeinde“ wie ein Haufen Banditen haust.

Entweder Prof. Honnefelder vertritt hier singuläre Standpunkte, dann wäre er stark zu hinterfragen, oder er vertritt die Konsens-Meinung seiner Stakeholder, dann wäre diese stark zu hinterfragen. Wenn Letzteres zutrifft, sollten sich die Unternehmen mal fragen, ob das wirklich der Weg in eine erfolgreiche Zukunft ist …

Schon heute stellen wir fest, dass die Branche ein Problem hat, gute Leute zu finden. Ich wundere mich nicht, wenn „branchenfremde“ (um einen der vielen witzigen Buchbranchen-Termini zu nutzen) Leute Statements wie das von Prof. Honnefelder lesen, bei denen eine ganze Denkwelt mitschwingt, und dann zu dem Schluss kommen: „geht sterben“. Zumindest werden sie in einer solchen Branche nicht unbedingt arbeiten wollen. Entsprechend stellt auch die Personal-Expertin Kirsten Steffen fest, wobei sie sicher schon sehr professionell-zurückhaltend formuliert:

„Die Branche muss aufpassen, dass sie für Talente weiterhin attraktiv bleibt.“

Folgenden Satz von Kirsten Steffen lese ich auch als Ratschlag an den Börsenvereins-Vorsteher:

„Die digitalen Themen erfordern eine Kompetenzentwicklung des gesamten Personals“

Ich finde es unglaublich, dass sich der Börsenvereins-Vorsteher seit 5 Jahren mit Statements wie dem oben zitierten als die Buchbranche repräsentierend darstellen darf. Und das in einer Zeit des großen Wandels, wie es ihn seit Jahrhunderten nicht gegeben hat. Mir ist das peinlich. Ich finde es auch unglaublich schade, dass manche Unternehmen dadurch vielleicht wirklich falsche Vorstellungen von den Herausforderungen der Zeit bekommen. Vielleicht haben sie dadurch wirklich das Gefühl, sie müssten sich nicht bewegen, um die eigene Zukunft neu zu erfinden. Als wäre die Aufgabe einzig, möglichst harte „Regeln für die Freiheit“ anderer, die die Chancen nutzen, zu etablieren. Jan Tißler bringt das transportierte Denken gut auf den Punkt:

Ja, leider typisch. Nicht denken: „Wow, was können wir daraus machen?“. Sondern: „Wow, wie können wir das verhindern?“ :-/

So geht wertvolle Zeit verloren, der die Unternehmen später hinterherlaufen und -trauern werden.

Wohin ein Denken wie das durch den Börsenvereins-Vorsteher formulierte eine Branche gesamthaft führt, zeigt – sorry, wieder einmal – der Musikmarkt. Sean Parker, u.a. Mitgründer von Napster und heute bei Spotify involviert, bezeichnet im Video unten in der Rückschau zwar als den größten Fehler von Napster, dass sie rein auf P2P gesetzt und nicht mit den Labels gesprochen hätten. Allerdings beschreibt er auch das Scheitern der Musikindustrie, deren Markt von 48 Milliarden auf 12 Milliarden Dollar Umsatz geschrumpft ist, weil sie sich jahrelang gegen den Wandel gesperrt hat. Er beschreibt das für den Musikmarkt, was ich auch für den Buchmarkt erwarte: Bewegen werden sich viele Unternehmen und Akteure erst, wenn es richtig weh tut. Aus meiner Sicht wäre es Aufgabe des Börsenvereins, den Wandel nicht weg- oder kleinzureden, wie es durch den Vorsteher seit Jahren geschieht, sondern die eigenen Mitglieder zu ermahnen, sich schneller zu bewegen. Das wäre ein sinnvoller Beitrag. Unterstützenswerte Ansätze von Börsenvereins-Mitarbeitern gibt es ja auch, die die Aufmerksamkeit viel mehr verdient hätten.

(Video, 30 min.)

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Woran erkennt man den Medienwandel? – IKEA optimiert sein BILLY-Bücherregal für „Nonbooks“

The Economist berichtet:

TO SEE how profoundly the book business is changing, watch the shelves. Next month IKEA will introduce a new, deeper version of its ubiquitous “BILLY” bookcase. The flat-pack furniture giant is already promoting glass doors for its bookshelves. The firm reckons customers will increasingly use them for ornaments, tchotchkes and the odd coffee-table tome—anything, that is, except books that are actually read.

Na, das ist doch viel aussagekräftiger als irgendwelche Prognosen irgendwelcher Experten …

Zur Info: Als Nonbook bezeichnet der Buchhändler alle Waren, die kein Buch sind. Die Warengruppe unterliegt nicht der Buchpreisbindung und wird auch nicht mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7%, sondern mit 19% versteuert.

via: The Centered Librarian

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Viele Diskussionen über den Medienwandel drehen sich nicht um den Medienwandel

Was mir gerade durch den Kopf geht:

Ich bin nun seit ein paar Jahren im Medienbereich beratend tätig und beschäftige mich hier vornehmlich mit Internet-Themen. Oft wird ja zu Recht beklagt, dass die Chancen des Internets tendenziell zu wenig und zu langsam genutzt werden. Schneller ginge es nur mithilfe der beteiligten Menschen. Immer wieder habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen die Folgen des Medienwandels ablehnen. Das kann x Gründe haben, von denen ich nur einen möglichen aufgreifen will: Oft habe ich dabei nämlich das Gefühl, dass die Menschen gar nicht primär den Medienwandel ablehnen, sondern eine auf sich selbst bezogene Aussage treffen. Viele Diskussionen über den Medienwandel drehen sich eben nicht um den Medienwandel.

Man kennt das ja aus den Lebensrückblicken diverser Leute. Dort wird resümierend dann meist sinngemäß gesagt: „Ich würde auch aus heutiger Sicht nichts anders machen in meinem Leben, weil all das mich zu dem gemacht hat, der ich heute bin.“ Nun ist es aber so, dass die Arbeit allein schon zeitlich gesehen einen großen Teil unseres Lebens ausmacht. Der Job bestimmt also über die Jahre im großen Maße, wer wir sind. Die Menschen werden also mehr und mehr Aspekte ihrer Arbeit positiv betrachten, weil sie eben elementarer Bestandteil des eigenen Lebens geworden sind.

Wenn nun aber jemand viele Jahre in der Medienbranche tätig ist und ein anderer daher kommt und mit großem Schwung und mit viel Nachdruck vom Medienwandel redet und dass nun alles anders werde, weil das Alte ausgedient habe, wird Ersterer Letzteren oft zurückweisen. Letzterer denkt sich dann vielleicht, dass Ersterer gestrig sei. Vielleicht reden sie aber über ganz unterschiedliche Dinge. Vielleicht wird die Kritik am Bestehenden eben nicht nur als Kritik an der Sache empfunden, sondern als elementare Kritik an dem Menschen, der sie ausübt. Vielleicht wird sie deshalb oft schon ganz grundsätzlich zurückgewiesen.

Vielleicht sollten wir uns alle noch mehr darum bemühen, die Menschen mitzunehmen, wenn wir wollen, dass sie am Wandel mitwirken. Vielleicht sollten wir noch klarer machen, worüber wir sprechen, wenn wir über den Medienwandel und dessen Folgen reden. Vielleicht sollten wir auch ab und an betonen, dass deshalb nicht alles verkehrt und schlecht war und ist, was bisher getan wurde. Denn das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass die Betroffenen sich selbst abgewertet fühlen und deshalb „zu machen“.

Nur ein paar ausschweifende Gedanken …

Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Leonid Mamchenkov