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Das Start-up Shaker geht ein interessantes „soziales“ Problem an, das vorerst aber nicht zu lösen sein wird

Shaker hat jüngst einen der renommiertesten Start-up-Preise der USA gewonnen und beschreibt das wichtige Problem, für welches es die Lösung bieten will, sehr gut in dem Video unten. Dieses Thema finde ich hochspannend. Ich denke aber, dass wir uns zwar weiter stückweise einer Lösung annähern können, dass wir aber das soziale Erlebnis einer physischen Begegnung unter Menschen rein webbasiert nicht werden lösen können. Dafür sind wir als Menschen biologisch viel zu sehr auf die Präsenzkommunikation ausgerichtet (bis hin zu Geruchswahrnehmungen u.ä.). Viel mehr Potenzial sehe da beim Transfer des Internets ins „echte“ Leben über mobile Dienste und beim Social Web der Dinge, welches unterstützend genutzt werden kann.

(Video, 3:30 min.)

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Abo + Austausch: Feed, E-Mail, Facebook, Google+, Twitter, Xing, LinkedIn

Das Teilen im Internet entspricht einem über Jahrzehntausende erfolgserprobten Verhalten

Vor dem Hintergrund der noch immer ständig geführten Diskussionen über die Sinnhaftigkeit des Teilens und Kooperierens im Internet (und andernorts) ist es sehr interessant, sich diesen Beitrag (9 min.) der ZDF-Sendung Abenteuer Wissen von Ende Juli über die Grundlagen unseres Kommunikationsverhaltens anzusehen. Er zeigt, dass viele Phänomene im Netz einem urmenschlichen, d.h. keineswegs einem naiven, sondern einem über Jahrzehntausende erfolgserprobten Verhalten entsprechen – Stichwort: Herstellung von Win-Win-Situationen:

Ursprung der Kommunikation – Der Mensch ist ein „Wir“-Tier

Wenn es um das Lösen von Kooperationsaufgaben geht, sind Kinder wesentlich motivierter ein Gruppenziel zu erreichen als unsere nächten Verwandten, die Schimpansen. Michael Tomassello: „Sie lassen sich auf ein gemeinsames Ziel ein und handeln entsprechend. Wenn ein Schimpanse seine Belohnung bekommen hat, hört er auf. Bei Kindern dagegen haben wir festgestellt, wenn der andere noch keine Belohnung hat, dann kooperieren sie so lange, bis auch der andere sein Teil auch bekommt.“

Das Internet ist ein Dorf

Ein Freund von mir hat vor Jahren seine Lehre in einem brandenburgischen Dorf gemacht. Wann immer ich ihn allein oder zusammen mit anderen Freunden während dieser Zeit dort besuchte, habe ich erfahren, was es heißen kann, in einem Dorf zu leben. Wenn wir die Straße entlang gingen, verlangsamten die vorbeifahrenden Autos ihre Geschwindigkeit und die Insassen schauten, wer denn da Fremdes im Dorf sei. Menschen kamen an die Fenster ihrer Häuser und schauten. Hinter dem eigenen Rücken hörte man es bisweilen tuscheln. Als Städter bekam man schnell das Gefühl, auf Schritt und Tritt beobachtet zu werden.

Eigentlich ist dieses Bild aber sehr gut auf das heutige Internet bzw. Social Web übertragbar. Schließlich ist eine der wichtigsten Veränderungen, die uns das Internet gebracht hat, die enge Verbindung der Menschen untereinander und die daraus folgende Transparenz. Im Gegensatz zur Anonymität einer Großstadt oder des „Web 1.0“ wird im Social Web wie auch in einem Dorf potenziell jeder Schritt beobachtet. Wenn dabei Besonderheiten auffallen – egal, ob positiv oder negativ – macht dies sehr schnell die Runde. Das hat einen disziplinierenden Effekt, indem es eine Ordnung schafft.

Wünschenswert wäre, dass diese Ordnung beinhaltet, dass man beispielsweise nicht irgendwelchen Nachbarn frech in die Fenster schaut oder auf andere Weise deren Privatsphäre verletzt, was man auch in einem Dorf nicht tun würde. Ebenso sollten wir es unterlassen, jede private Information, die heute durch das Internet öffentlich zugänglich ist, auch öffentlich zu machen und zu nutzen. Solche Probleme lassen sich nicht zur Gänze durch technische Vorkehrungen lösen, sondern erfordern eine gesellschaftliche Vereinbarung, wie wir mit diesen Dingen umgehen.

Vielleicht könnte man aber auch versuchen, das Bild des Dorfes auf die Wirtschaft zu übertragen: Jedes Dorf hat einen Dorfplatz und eine Dorfschänke, wo sich die Menschen versammeln und austauschen. Jene Unternehmen, denen es gelingt, solche Dorfplätze im Internet zu schaffen, werden sicher großen Gewinn daraus ziehen können. Ferner gibt/gab es in jedem Dorf Handwerker und Geschäftsleute wie Schmiede, Bäcker und Krämer. Meist gab es aber nur einen oder zwei von jeder Art. Wer hätte auch Bedarf für 5 Schmiede gehabt. Entsprechend könnte man argumentieren, dass man auch im Internet schauen sollte, dass man nichts anbietet, was es schon (mehrfach) gibt, sondern vielmehr versuchen sollte, einzigartig zu sein. Doch gerade im Medien- und speziell im Nachrichtenbereich scheint es mir noch immer so zu sein, dass viele Unternehmen das Gleiche tun und somit austauschbar sind. Manche sind zudem noch der Meinung, dass ihnen trotz Austauschbarkeit eine Bezahlung zustünde.

Interessant finde ich auch, was Seth Godin vor ein paar Monaten gesagt hat: „The only reason that brands exist is because they invented the road.“ Gemeint ist, dass jeder in einem Dorf weiß, ob Fritz der Schmied ein guter Charakter ist und sein Handwerk beherrscht oder ob er sich vor der Arbeit gern mal ein Schlückchen genehmigt und bei der Arbeit pfuscht. Wenn Letzteres der Fall ist, kann man sich aber sicher sein, dass es jeder im Dorf ganz schnell weiß. Marken, so Godin, wurden erst notwendig, als die Waren und Dienstleistungen aus dem Nachbarort kamen, wo man die Leute nicht mehr persönlich kannte. Durch das Internet kehrt sich das Ganze nun zumindest ein Stück weit um. Das sehen wir auch daran, dass Menschen als „Marken“ wieder wichtiger werden.

Soweit ein paar spontane Gedanken. Wie denken Sie darüber?

Bildquelle: kamshots (CC-Lizenz)

Sollte das Altern nicht auch in Social Networks abgebildet werden?

Im „echten“ Leben werden wir jeden Tag älter. Wir lernen aber auch jeden Tag etwas dazu und nehmen neue Einflüsse auf. Über die Jahre verändern sich in diesem Prozess sowohl unser Äußeres als auch unsere Ansichten und Meinungen. Es kommt auch vor, dass der Wandel so stark ist, dass man sich von Ansichten aus weit zurückliegenden Jahren distanzieren möchte. Unsere Gesellschaft hat gelernt, damit umzugehen. So wird man es einem 50-Jährigen eher nachsehen, wenn er als Schüler sehr abseitige Meinungen vertreten hat als wenn er das gestern getan hat.

Doch wie sieht es im Web und speziell in den heutigen Social Networks aus? Dort sind wir immer gleich alt. Wenn ich beispielsweise bei Facebook mein Profilbild ändere, ändert es sich automatisch bei allen Beiträgen, die ich dort jemals veröffentlicht habe. Wäre hier nicht eine Funktion sinnvoll, bei der man auf Wunsch festlegen könnte, nach welchem Zeitraum das neben einem Beitrag angezeigte alte Profilbild bestehen bleibt, wenn man ein neues hochlädt? Könnte man nicht auf diese oder andere Weise den Prozess des Alterns nachahmen, sodass deutlich würde, dass ein veröffentlichter Beitrag, für den man sich vielleicht gar zu rechtfertigen hat, viele Jahre alt ist und aus einer anderen Entwicklungsphase stammt? Wäre es nicht vor allem für jene Beiträge sinnvoll, die sich wie bei so manchem Social Network gar nicht mehr löschen lassen (z.B. alte Forenbeiträge bei Xing)?

Bildquelle: garryknight (CC-Lizenz)