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Warum nur eine „TagesWebSchau“? – Social-Web-Themen gehören in die echte Tagesschau

Die ARD will mal wieder jung sein und denkt offensichtlich sehr konkret über die Etablierung einer „TagesWebSchau“ nach:

In der wenige Minuten langen Sendung, die eine Ergänzung zur klassischen „Tagesschau“ sein soll, soll das „Tagesgeschehen im Spiegel des Netzes“ beleuchtet werden. Gleichzeitig soll das Internet auch als Themenlieferant dienen, so Radio Bremen-Intendant Jan Metzger.

Sehr typisch: Es wird natürlich unterschieden zwischen den „echten“ Nachrichten und dem Junge-Leute-Zeug, das wohlweislich gleich ins Netz und auf Spartensender abgeschoben wird:

Zu sehen sein wird die Sendung sowohl im linearen Fernsehen auf dem Digitalkanal EinsExtra als auch auf Abruf im Web.

Diese Art von Trennung, welche fast immer anzutreffen ist, ist aus meiner Sicht einer der Gründe, warum das Themenfeld Social Web in Deutschland schief wahrgenommen wird. Warum integriert man die Stimmen der Menschen nicht dort, wo sie thematisch passen und hingehören, anstatt nach technischen Plattformen zu unterscheiden? Mir scheint es doch eher so zu sein, dass über das Social Web am Orte des Geschehens getroffene Aussagen oft viel relevanter sind als die von Reportern, welche sich nachträglich für das Fernsehen „live vor Ort“ hinstellen und bedeutungsschwanger einfach nur die Aussagen Dritter wiedergeben. Letzteres ist ja nach wie vor üblich – trotz der Möglichkeiten des Social Webs.

Fortschrittlicher scheint mir da schon die Situation in Russland zu sein – jetzt mal unabhängig von den sonstigen politischen Umständen, die ich hier nicht diskutieren will, obgleich sie diskussionswürdig sind. Ich war letzte Woche in Moskau und dort berichtete mir Ksenia Ryklin (Goethe-Institut) über die selbstverständliche Einbindung von Stimmen aus dem Netz in die Hauptnachrichten:

(Video, 1 min.)

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FullTextRssFeed.com: Praktisches Tool liefert Volltext-Feeds in den Reader – Ist Nutzung unmoralisch?

Wer viel im Netz liest, nutzt häufig RSS-Feeds. Über einen Reader wie den Google Reader kann man sich seinen persönlichen Nachrichtenticker zusammenstellen. Viele Nachrichtenquellen liefern aber nicht die kompletten Feeds aus, sondern nur Auszüge, um die Leser auf die Website zu locken und dort mehr Geld mit ihnen zu verdienen. Das ist völlig legitim.

Wer aber Quellen wie die Heise Online News gern liest, ärgert sich schon zuweilen darüber, dass nur die Überschriften ausgegeben werden und man immer auf die Website wechseln muss, um die Lesenswürdigkeit des Beitrags zu überprüfen. Besonders, wenn man mobil unterwegs ist, kann das störend sein. Wie gesagt, es ist aber völlig legitim.

Bei Nerdcore bin ich auf ein Tool gestoßen, das – unabhängig von seiner Zulässigkeit – auf jeden Fall sehr praktisch ist: Full Text RSS Feed Builder

Dort gibt man den entsprechenden RSS-Feed ein und bekommt einen neuen ausgegeben, der dann wiederum den Volltext der Beiträge anzeigt. Das Ganze sieht wie folgt aus – sodass ich mich frage, ob es unmoralisch ist, so ein Tool zu nutzen?:

Über Gemeinsamkeiten von iranischen Geldscheinen, Graffiti und Werbung

Mehr oder weniger jeder, der im Netz aktiv ist, versucht Botschaften auszusenden. Vielen ist es dabei wichtig, dass diese Botschaft eine möglichst hohe Reichweite erzielen. Doch auch offline bedient man sich der verfügbaren Netzwerke, um Botschaften auszusenden. So nutzen Regimegegner im Iran beispielsweise Geldscheine, um ihre Nachrichten abzusetzen und um ihnen eine hohe Reichweite zu bescheren:

 

Ähnliche Versuche mit Geldscheinen soll es auch hierzulande schon gegeben haben, als in den 1980ern gegen die Volkszählung protestiert wurde.

Man kann für seine Botschaften schnell zirkulierende Objekte wie Geldscheine nutzen. Vom Prinzip her ganz ähnlich verhält es sich mit Graffitis auf U-Bahnen oder anderen Verkehrsmitteln. Auch hier werden Botschaften auf einem Objekt fixiert, die durch dessen Bewegung die Chance haben, die Aufmerksamkeit vieler Menschen zu erregen.

 

Ein etwas anderer Ansatz ist das Aufbringen der Botschaften auf Objekte, die sich selbst nicht bewegen, die sich jedoch an Punkten befinden, wo sich viele Menschen aufhalten oder die von vielen Menschen passiert werden. Nicht umsonst befindet sich besonders viel Graffiti an Bahnhöfen und sonstigen Verkehrswegen.

 

Interessant ist es nun zu überlegen, wie man solche Ansätze auf das Marketing übertragen kann. Letztlich ähnelt Graffiti an Bahnhöfen ja sehr der Display-Werbung auf Webseiten. Wenn man es geschafft hat, eine Webseite mit hoher Reichweite aufzubauen, sodass wie an einem Bahnhof viele Menschen dort vorbeikommen, versieht man sie mit Werbebannern. Je beliebter eine Website ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dort Werbebanner zu finden. Ganz ähnlich ist es auch bei Bahnhöfen. Je größer der Bahnhof und die umgebende Stadt ist, desto mehr Graffiti findet sich in der Regel auch an den umliegenden Gebäuden.

Doch wie schafft man es nun, das andere Prinzip der bemalten Geldscheine und Züge im Marketing zu nutzen? Eine Möglichkeit ist sicher das Product Placement. Zum anderen kann man Viren programmieren und losschicken, die die gewünschte Botschaft verbreiten. Wenn wir von solch fragwürdigen Maßnahmen absehen, bleibt die Möglichkeit, das Produkt oder die Inhalte selbst möglichst attraktiv (bzw. „viral“) zu machen, sodass sie sich quasi von selbst verbreiten. Ein erfolgreicher Ansatz dafür ist seit Jahrtausenden erprobt und heißt Storytelling (Ira Glass gibt Tipps).

Dennoch werden kreative Köpfe noch weitere Ansätze finden. Beispielsweise lassen sich die Profilbilder der Mitglieder in Social Networks einsetzen. Gary Vaynerchuk hat sich diese bei der Werbung für sein Buch Crush It zunutze gemacht, indem er Fans bat, das Cover in ihr Profilbild zu integrieren. Vorgemacht worden war dies im Zuge der Proteste im Iran, wo von Unterstützern allerorten die Farbe Grün eingesetzt wurde. Auch während der Studentenproteste in Österreich wurden Twitter-Profilbilder mit Symbolen markiert.

Ich habe ebenfalls schon versucht, mir ähnliche Effekte bei der Aktion Ich mach was mit Büchern zunutze zu machen. Die Idee hierbei ist, dass alle, die sich Büchern z.B. über ihre Arbeit verbunden fühlen, diese Grafik auf ihrer Website, ihrem Blog o.ä. einbinden und so für ihre Aktivitäten und für das Buch ansich Werbung machen.

Welche weiteren Beispiele solcher Effekte kennen Sie?

via: Payvand.com, Nerdcore
Bildquellen: aeroSoul (CC-Lizenz), urbanartcore.eu (CC-Lizenz)

Dallas Morning News: Redakteure sind Werbeverkäufern künftig direkt unterstellt

Zeitungshäuser schreiben sich gern und oft Qualitätsjournalismus auf die Fahnen. Doch die Krise macht es immer schwerer, diesem Bild gerecht zu werden. Inzwischen wird selbst Grundlegendes hinterfragt. So geschehen bei den Dallas Morning News. Deren Redakteure erhielten am 2. Dezember ein Schreiben von Herausgeber Bob Mong und von Cyndy Carr, die Senior Vice President of Sales ist. Darin heißt es:

To better align with our clients‘ needs, we will be organized around eleven business and content segments with similar marketing and consumer profiles including: sports, health/education, entertainment, travel/luxury, automotive, real estate, communications, preprints/grocery, recruitment, retail/finance, and SMB/Interactive.

Each segment will be led by a General Manager (GM), a newly-defined role, each reporting to Cyndy Carr, charged with analyzing and growing the business by developing solutions that meet consumer needs and maximize results for our clients. Their responsibilities will include sales and business development. They will also be working closely with news leadership in product and content development.

In the Sports and Entertainment segments, the senior news editors will report directly to the GM while retaining a strong reporting relationship to the editor and managing editor.

(…)

The segment restructure is one of several key strategies we have implemented this year to better serve our advertising clients

 

Konkret bedeutet das, dass etliche Redakteure künftig an diejenigen berichten werden, die für den Werbeverkauf verantwortlich sind. Zudem sollen die Inhalte auf die Bedürfnisse der Werbekunden hin ausgerichtet werden. Ob das die richtige Reaktion auf die Krise ist? In gewisser Weise ist es ja nur konsequent, könnte man sagen …

In dem Schreiben wird witizgerweise gleich zu Beginn ein Vertrauensgewinn prognostiziert – jedoch nicht gegenüber den Lesern:

Today we are launching a new business segment structure as the next step toward becoming the most comprehensive and trusted partner for local businesses in attracting and retaining customers and continuing to generate important, relevant content for our consumers.

via: Techdirt

Bei manchen Nachrichtenmedien könnte man fragen: Wo ist die Realität?

Man könnte darüber diskutieren, welche der gedruckten Nachrichtenmedien zu dem selbst ernannten Qualitätsjournalismus gehören, von dem bspw. Blogger im Gegensatz zu Journalisten beständig abschreiben sollen, wie FAZ-Mitherausgeber Werner D’Inka zur Verleihung des „Sophie von La Roche“-Journalistenpreises feststellte:

Ja, Internet-Blogs können durchaus eine Bereicherung sein, und viele sind originell und anregend. Eine besonders authentische Form des Journalismus sind sie freilich nicht. Die meisten Blogger, die sich als Graswurzel-Journalisten verstehen, überlassen die Recherchearbeit lieber den Mainstream-Medien und erregen sich über deren Fehler, wie Michael Haller von der Universität Leipzig zu recht konstatiert. Die besten und geistreichsten Blogger sind so etwas wie Kolumnisten, die oft originelle Sichtweisen vertreten, die sich aber nicht mit der Mühe ernsthafter Nachrichtenarbeit plagen und stattdessen das abschöpfen, was Zeitungsredaktionen kostenlos ins Netz stellen.

Mal abgesehen davon, dass D’Inka unterstellt, wir alle wollten Journalisten sein, könnte man fragen, wie gut die Recherchearbeit der von D’Inka in Schutz genommenen Mainstream-Medien tatsächlich ist? Ist dort wirklich alles sauber recherchiert, wie D’Inka es suggeriert oder kommt es auch dort zu Verzerrungen oder gar zu Erfindungen von Nachrichten? Dass bspw. solche Erfindungen für Medienunternehmen sehr attraktiv sein können, hatte ich vor ein paar Tagen hier festgestellt. Konkrete Beispiele zu dieser theoretischen Überlegung liefert der folgende Zapp-Beitrag (6 min.):

 

Doch wir müssen mit dem Finger nicht auf Großbritannien zeigen, denn auch hierzulande erleben wir beeindruckende Beispiele für „Qualitätsjournalismus“, mit dem Blogger noch lange nicht konkurrieren könnten, selbst wenn sie wollten: Die unglaubliche Geschichte der Wundersalbe

Wenn aber die Medien sich immer mehr mit „Enten“ füllten, würde das nicht die Realität verzerren? Heinz von Foerster hätte dem so Fragenden vielleicht entgegnet: „Wo ist die Realität?“ – Am Ende komme es nur darauf an, wie interessant die erzählte Geschichte sei …

Video (10 min., Zitat bei 9:38):

via: Alexander Korte
Bildquelle: Wikipedia (CC-Lizenz)

 

Update (ebenfalls vom 29.10.09):

Barack Obama scheint Blogs für unseriös und rein meinungsgetrieben zu halten

Barack Obama, der sich selbst als „big newspaper junkie“ beschreibt, hat vor wenigen Tagen den Zeitungen Pittsburgh Post-Gazette und The Blade im Oval Office ein gemeinsames Interview gegeben. Darin zeigte er sich zu Recht besorgt über die derzeitige wirtschaftliche Situation der Zeitungen und des Journalismus:

Journalistic integrity, you know, fact-based reporting, serious investigative reporting, how to retain those ethics in all these different new media and how to make sure that it’s paid for, is really a challenge. But it’s something that I think is absolutely critical to the health of our democracy.

Von Blogs scheint er in diesem Zusammenhang keine allzu hohe Meinung zu haben, obwohl sie es ja u.a. waren, die seinen Aufstieg befördert haben:

I am concerned that if the direction of the news is all blogosphere, all opinions, with no serious fact-checking, no serious attempts to put stories in context, that what you will end up getting is people shouting at each other across the void but not a lot of mutual understanding.

Hilfsmaßnahmen für Zeitungshäuser mit gestrigen Geschäftmodellen scheinen im Bereich des Denkbaren zu liegen:

I haven’t seen detailed proposals yet, but I’ll be happy to look at them.

Wir dürfen also gespannt sein, was genau er mit dieser Aussage meint bzw. wie stark und in welcher Form er dem Verstehen ggf. nachhelfen würde:

What I hope is that people start understanding if you’re getting your newspaper over the Internet, that’s not free and there’s got to be a way to find a business model that supports that.

Bildquelle: DavidAll06 (CC-Lizenz)

AP und Huffington Post diskutieren über Erfolg mit Inhalten im Internet

Charlie Rose moderierte gestern eine spannende Diskussion zwischen Tom Curley von der Associated Press (AP) und Arianna Huffington von der Huffington Post über den Erfolg von Medienunternehmen mit Inhalten im Internet.

Der Hintergrund:

Kampfeslust in Zeiten der Medienkrise: Die Nachrichtenagentur AP will nicht länger hinnehmen, dass ihre Inhalte von anderen Webseiten verwendet werden. Sie plant einen Aufstand der News-Produzenten gegen Aggregatoren und Abschreiber. (mehr bei Spiegel Online)

Das Video (18 min.):

via: bender’s bookmarks