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Wer erfindet einen Leisesprecher? Oder gibt es den schon?

Heute wird im öffentlichen Raum soviel kommuniziert, wie vielleicht noch nie zuvor. Im Gegensatz zu früher spricht man heute aber nicht mehr unbedingt mit anderen physisch Anwesenden, sondern mit Menschen in aller Welt. Angesichts der zunehmenden Verbreitung von mobilen Geräten, die über einen Internetzugang verfügen, ist auch nicht davon auszugehen, dass das wieder nachlassen wird.

Das bisweilen Unangenehme ist jedoch, dass dadurch permanent auch private Kommunikation in den öffentlichen Raum getragen wird. Vor ein paar Tagen durfte ich beispielsweise wieder mal während einer Bahnfahrt die gesamte Beziehungsgeschichte eines telefonierenden Mädels kennenlernen. Ein Ignorieren war nicht möglich.

Das Interessante ist, dass sich jeder aufregen würde, wenn jemand in der Bahn laut Musik hören würde. Wenn laut kommuniziert wird, nimmt man das viel eher hin. Für ersteren Fall gibt es ja schließlich Kopfhörer. Doch was ist mit dem Lärm, der nicht von Geräten, sondern von Menschen erzeugt wird?

Wäre es nicht an der Zeit, dass mal jemand einen simplen Schalldämpfer erfindet, der am Mund getragen wird? So ein „Leisesprecher“ wäre doch arg praktisch in einer Zeit, in der quasi jeder mit jedem kommuniziert und in der diese Kommunikation den öffentlichen Raum immer stärker durchdringt. Oder gibt es das schon?

Bildquelle: ValetheKid (CC-Lizenz)

Sehenswerte Dokumentation: Künstler und Medien im Netz der CIA

Meinung wird mithilfe der Medien und zunehmend auch im Internet gemacht. Doch nicht nur Journalisten und PR-Firmen versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Nicht zuletzt von staatlicher Seite wird immer wieder Einfluss genommen. Jüngst ließ sich das ja in der „Causa Brender“ nachverfolgen.

Um eine Ahnung davon zu bekommen, welche Arten der Einflussnahme in der Gegenwart und Zukunft auch im Internet prinzipiell möglich sein könnten, hilft vielleicht ein Blick in die Vergangenheit. In diesem Zusammenhang ist die folgende ZDF-Dokumentation sehr interessant, die 2006 erstmals bei ARTE ausgestrahlt worden ist. Dort heißt es:

Der amerikanische Geheimdienst CIA finanzierte nach dem Zweiten Weltkrieg enorme Summen, um hochrangige europäische Künstler und Schriftsteller zu manipulieren. Die Dokumentation weist nach, dass die Einflussnahme des CIA bis in die Redaktionen westdeutscher Verlage und Sendeanstalten reichte und dass prominente Künstler wie der spätere Nobelpreisträger Heinrich Böll unwissentlich für den amerikanischen Geheimdienst tätig waren.

Video (51 min.):

Politik: Das Internet macht das Aussitzen von Affären immer schwerer

Führende Politiker unseres Landes konnten sich in der Vergangenheit allerhand leisten. Ein paar Beispiele, die mir spontan einfallen und die klar nachgewiesen sind: Dieter Althaus (CDU) wurde 2009 von einem Gericht in Österreich wegen fahrlässiger Tötung verurteilt und ist dennoch zur Wiederwahl als Ministerpräsident von Thüringen angetreten und heute noch Mitglied des Thüringer Landtages. Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) hat dienstlich angesammelte Bonusmeilen aus dem Vielfliegerprogramm Miles & More der Lufthansa für Privatreisen genutzt und ist später dennoch Bundesvorsitzender seiner Partei geworden und bis zum heutigen Tage geblieben. Gregor Gysi (Die Linke) war 2002 ebenfalls in die Bonusmeilen-Affäre verstrickt und ist dennoch bis heute Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Bundestag. Wolfang Schäuble (CDU) hat im Zuge der CDU-Spendenaffäre vor dem Deutschen Bundestag einen Teil der Wahrheit „vergessen“ und wurde später dennoch u.a. Innen- und Finanzminister unseres Landes.

Den Politikern aller Parteien ist es also immer wieder gelungen, die Turbulenzen nach selbst schwerwiegensten Verfehlungen so zu überstehen und auszusitzen, dass sie auch danach bedeutende politische Ämter bekleiden konnten. Eine Ursache dafür waren sicher auch die Strukturen und begrenzten Möglichkeiten der traditionellen Medien sowie das kurze Gedächtnis der Öffentlichkeit. An dem grundsätzlichen Rechtsempfinden der Bürger hat es sicher nicht gelegen, die oft genug ehrlich empört gewesen sind. Doch worüber nicht mehr in der Zeitung oder im Fernsehen berichtet wird, das existiert für Viele auch nicht (mehr). Daher können wir froh sein, inzwischen das Internet zu haben, wodurch es immer besser gelingt, unser aller Gedächtnis regelmäßig aufzufrischen und den notwendigen Druck auf die Politiker auszuüben.

Ein schönes Beispiel dafür liefert der Fall Schäubles. Nach der Bundestagswahl 2009 – also viele Jahre nach der Spendenaffäre – brachte ein holländischer Journalist anlässlich Schäubles Ernennung zum Finanzminister den „alten“ Fall wieder zur Sprache (s.u., Video 1). Das führte zu über 600.000 Aufrufen des betreffenden Videos bei YouTube. Das wiederum führte zu vielen Berichten in anderen Medien, die es ohne die erneute öffentliche Aufmerksamkeit wohl nicht gegeben hätte. Das wiederum führte nun dazu (s.u., Video 2), dass Schäuble im ZDF persönlich mit dem Fall konfrontiert wurde, wobei er keine gute Figur machte.

Auf mich wirkt die Reaktion Schäubles im zweiten Video ebenso arrogant, wie auch jene von Merkel im ersten Video. Ein bisschen mehr Demut stünde den Politikern meiner Meinung nach gut zu Gesicht. Hoffen wir also, dass uns viele ähnliche Fälle schrittweise auf Augenhöhe mit den Politikern bringen, sodass man zumindest ein bisschen Bemühen spürt, auf (berechtigte) Kritik konstruktiv einzugehen. Dieser Verlauf zeigt zumindest, dass letztlich jeder einzelne Aufruf eines YouTube-Videos die Politik beeinflussen kann.

Video 1

Video (1 min.):

Video 2

Video (1:30 min.):

via: Spreeblick