Schlagwort: paid content

Viele Paid-Content-Diskussionen ignorieren die heutige kollaborative Natur der Inhalteangebot-Erstellung

Antje Schrupp hat eine wichtige Anmerkung zum Thema direkte Bezahlung für Inhalteangebote, welcher Art sie auch immer erfolgen mag („Warum ich nicht von Euch finanziert werden will„):

Außerdem ist es beim Bloggen ja keineswegs so, dass nur ich den Input und die “Leistung” bringe, während Ihr nur passiv konsumiert. Ihr “investiert”, wenn man so will, eure Aufmerksamkeit und ebenfalls die Zeit, die ihr zum Lesen braucht. Viele von euch schreiben inhaltsreiche und wertvolle Kommentare, die den Blog erst zum Blog machen. Viele von euch verlinken mich oder empfehlen mich in ihren Netzwerken. Gerechtigkeitshalber müsste ich also allen, die gute Kommentare schreiben, dann wieder einen Rabatt geben? Das Gute an Blogs (und das, was sie von den alten Medien unterscheidet) ist doch gerade, dass sie eine kollaborative Entwicklung von Ideen ermöglichen. Und wenn auch der “aktive” Part zwischen Bloggerin und Leserin nicht exakt gleich oder parallel zu sehen ist, so wäre das Verhältnis doch mit “Anbieter” versus “Kunde” ganz falsch beschrieben.

Ich finde auch, dass dem weiten Thema Kommentare viel zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird. Dabei sind diese ein wesentlicher Grund, warum viele Unternehmen gen Facebook strömen, oft ohne dass sie sich das bewusst machen.

via Jochen Krisch

Link-Tipp in eigener Sache: Beitrag zum Thema „Freiwilliges Bezahlen als Chance für den Buchmarkt“

Im Buchreport-Blog habe ich heute mal ein paar Gedanken ausformuliert, die hinter meinem Buchmesse-Vortrag stehen:

Freiwilliges Bezahlen als Chance für den Buchmarkt

(…)
Was passiert aber, wenn aufgrund der viel behaupteten “Gratis-Kultur” im Internet die First Copy Costs von Inhalten nicht mehr finanzierbar sind? Kann es dann nicht sein, dass viele Inhalte nicht mehr erstellt und uns dann fehlen werden? Einfache Antwort: ja.
(…)

Es geht nicht um Paid vs. Free Content – Irgendeiner muss immer zahlen

Häufig wird diskutiert, ob man Inhalte kostenlos abgeben sollte oder nicht. Selbst moralische Argumente werden bisweilen bemüht. Man dürfe doch nicht und man müsse doch … Clay Shirky dazu: “You’re gonna miss us when we’re gone!” has never been much of a business model.

Innovative Vermarktungsansätze von Personen wie Cory Doctorow werden oft selbst dann kleingeredet, wenn sie funktionieren. Letztlich geht es aber gar nicht um die Frage, ob Paid Content oder ob Free Content das Richtige ist. Es geht um funktionierende Geschäftsmodelle. Denn einer muss am Ende immer zahlen, wie Shelly Palmer treffend feststellt:

Free vs. Paid: The Wrong Debate

There are only three business models: I pay, you pay or someone else pays. That’s it. I pay means that I (the publisher of the content) am willing to fund the creation, production and distribution of the content for my own purposes. You pay means that you are willing to pay me for my content. Someone else pays means that a third party is willing to pay me so that you can consume my content. Some of my KPMG friends have pointed out that, from the content producer/publisher’s point of view, there are really only two models: I pay or I get paid. I like to include the idea of third-party involvement, because it is so common to the media business.

Die Frage ist, was unter dem Strich herauskommt, egal auf welche (indirekte) Art für den Inhalt bezahlt worden ist:

Can you frame this conversation as free vs. paid? No. Not if you are trying to get someone to pay you cash directly for something that is ubiquitously available for free. Free vs. Paid is not the great debate, it’s a no-brainer — free wins! Valueless vs Valuable, Scarce vs Ubiquitous, Demanding of attention vs Commanding of attention are the debates and the winners will be the individuals and organizations that can most effectively translate the value of content into wealth.

via: Techdirt
Bildquelle: Simon Blackley (CC-Lizenz)

Wortmeldungen zum Thema Paid Content

Post-Medium Publishing (Paul Graham, September 2009)

In fact consumers never really were paying for content, and publishers weren’t really selling it either. If the content was what they were selling, why has the price of books or music or movies always depended mostly on the format? Why didn’t better content cost more?

A copy of Time costs $5 for 58 pages, or 8.6 cents a page. The Economist costs $7 for 86 pages, or 8.1 cents a page. Better journalism is actually slightly cheaper.

Almost every form of publishing has been organized as if the medium was what they were selling, and the content was irrelevant. Book publishers, for example, set prices based on the cost of producing and distributing books. They treat the words printed in the book the same way a textile manufacturer treats the patterns printed on its fabrics.

Economically, the print media are in the business of marking up paper. We can all imagine an old-style editor getting a scoop and saying „this will sell a lot of papers!“ Cross out that final S and you’re describing their business model. The reason they make less money now is that people don’t need as much paper.

 

Content is a Service Business (Andrew Savikas, O’Reilly Tools of Change for Publishing, Juli 2009)

It’s an acknowledgment that what you’re selling as an artist (or an author, or a publisher for that matter) is not content. What you sell is providing something that the customer/reader/fan wants. That may be entertainment, it may be information, it may be a souvenir of an event or of who they were at a particular moment in their life (Kelly describes something similar as his eight „qualities that can’t be copied“: Immediacy, Personalization, Interpretation, Authenticity, Accessibility, Embodiment, Patronage, and Findability). Note that that list doesn’t include „content.“ The thing that most publishers (and authors) spend most of their time fretting about (making it, selling it, distributing it, „protecting“ it) isn’t the thing that their customers are actually buying.

Whether they realize it or not, media companies are in the service business, not the content business.

 

Wir werden niemals für Musik bezahlen (Johnny Haeusler, Spreeblick, Juni 2009)

Nur für die Musik selbst habe ich nie bezahlt. Sondern immer nur für die Möglichkeit, genau die Musik hören zu können, die ich hören wollte, und zwar wann und wie ich will und am besten auch noch wo ich will. Ich habe Geld bezahlt für verschiedene Möglichkeiten rund ums Musikhören, ich habe Geld ausgegeben, um die von mir favorisierte Musik hören zu können und nicht dem Geschmacksdiktat von Radio oder Fernsehen ausgesetzt zu sein. Ich habe mein Geld in Dienstleistungen, Events, Zubehör und Hardware investiert.

Und genau das tue ich heute noch: Seit den 90ern kaufe ich Festplatten und USB-Sticks und MP3- und Media-Player und lasse mein Geld in Musik-Downloads-Stores, um den Song, den ich hören will, jetzt und sofort genießen zu können. Ich bezahle Geld dafür, jederzeit beinahe jede Musik der Welt zu hören (solange ich Netz habe), um meinen Musikgeschmack anderen mitzuteilen oder um meine Lieblingssongs auf kürzestem Wege Freunden zukommen zu lassen. Dafür gebe ich Geld aus. Aber nicht für die Musik selbst. Weder gestern noch heute noch morgen.

 

Bildquelle: annnna. (CC-Lizenz)