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Marilyn Manson schützt seine Privatsphäre, indem er Paparazzo-Fotos von sich gezielt entwertet

2010 fand ich den Ansatz von Ashton Kutcher spannend, der sich z.T. gezielt entblößt, um seine Privatsphäre vor Paparazzi zu schützen: Schaffung eines Überangebotes von Bildern der eigenen Person, um so die Preise und damit die Attraktivität des Auflauerns zu senken.

Jetzt bin ich auf einen Beitrag gestoßen, in dem es heißt, Marilyn Manson schreibe Schimpfwörter auf sein Gesicht, bevor er öffentliche Plätze wie Flughäfen betritt, um so die Fotos der wartenden Paparazzi gezielt zu entwerten. Clever und marktnah gedacht.

I just went through the LAX security line with Marilyn Manson. He had „FUCK“ scrawled in large letters across the bottom half of his face, with what appeared to be a grease pencil. As we each removed our boots in the security line, he kindly explained that it was not directed at me or anyone else in the airport, but rather at the paparazzi, so that they couldn’t sell any photos of him that they took. He was really apologetic about it, and covered his mouth around young children while apologizing to their parents for exposing their child to profanity.

UPDATE: Der Trick klappt offensichtlich nur bei den US-Medien:

Die größte Terrorgefahr sind du und ich

Allerorten regt man sich über den Überwachungsstaat à la Stasi 2.0 auf oder warnt vor den Datensammlungsexzessen von Unternehmen wie Google. Dies alles in Teilen zu Recht. Doch die Überwachung „von oben“ stellt leider nur eine Gefahrenquelle für Otto Normalbürger dar.

Eine andere bis dato weniger beachtete Gefahrenquelle ist die Überwachung „von unten“. Zu einer regelrechten Terrorquelle könnten sich Menschen wie du und ich entwickeln. Schließlich laufen die allermeisten von uns im Alltag inzwischen mit dem Instrumentarium eines Paparazzo herum. Denn wer nennt nicht ein Foto-Handy oder eine Digitalkamera sein Eigen?

Wer also künftig in der Öffentlichkeit durch Peinlichkeiten auffällt, muss unter Umständen nicht nur den Spott der Anwesenden ertragen, sondern auch den der Leserschaft oder Online-Nutzerschaft großer Zeitungsmarken. Denn wir alle sind potenzielle Amateur-Reporter. Es lohnt sich ja auch. Die Bild beispielsweise zahlt für ein als geeignet eingestuftes Amateur-Video bis zu 500 Euro. Um den Überwachungselan noch zu befeuern, verkauft die Bild nun in Kooperation mit Lidl (ja, jener Discounter, welcher seine Angestellten systematisch überwachen ließ) sogenannte Leser-Reporter-Kameras.

Im Interview mit Turi2 weist Michael Paustian, stellvertretender Chefredakteur der Bild-Zeitung, zu Recht darauf hin, dass Journalisten nicht überall sein und viele „gute und tolle Geschichten“ und wertvolle Zeitdokumente nur mithilfe der Fotos und Video-Mitschnitte von normalen Bürgern entstehen könnten. Da stimme ich ihm voll zu. Nur leider hat jede Sache zwei Seiten und die Nachteile sind in diesem Falle die einer ständigen potenziellen Überwachung. Daran ist gewiss nicht Bild schuld. Bild und seine Aktionen stehen jedoch für eine Problematik, mit der wir alle langfristig leben müssen. Seien wir Normalbürger zumindest froh, dass wir keine Prominenten sind.

Kritische Stimmen zu der Kamera-Verkaufsaktion von Bild und Lidl gibt es natürlich etliche: Zapp berichtet aktuell darüber, ebenso die Süddeutsche in einem Beitrag von Hans-Jürgen Jakobs und Jürgen Schmieder.