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Paulo Coelho lässt nicht gelten, dass Autoren angeblich keine Zeit für den Leserkontakt hätten

Oft hört man von Autoren, dass sie keine Zeit für den direkten Leserkontakt hätten. Oft hat man dann den Eindruck, dass gerade jene Autoren diese Begründung wählen, die der ganzen Entwicklung skeptisch gegenüber stehen …

Interessant am Interview mit der Self-Publishing-Millionärin Tina Folsom finde ich daher, dass sie einerseits ganz klar feststellt, dass Zeitknappheit eine große Herausforderung für Autoren ist. Sie tut das aber, ohne wie andere oft zu klagen. Zugleich betont sie, dass man Social-Media-Instrumente für den direkten Leserkontakt unbedingt nutzen müsse und dass sie selbst viel eher damit hätte beginnen sollen. Trotz des Arbeitsaufwandes.

Dazu passt, was Paulo Coelho im Interview mit der ZEIT sagt:

ZEIT: Wie wirkt sich die Revolution, von der Sie sprechen, auf die Verlage aus?

Coelho: Ich habe über acht Millionen Fans auf Facebook, mein Blog lesen zwei Millionen Menschen im Monat. Ich kann dort direkt zu meinen Lesern sprechen. Die Verlage haben keine Ahnung davon, wie wichtig so etwas ist. Trotzdem ist die traditionelle Marketingmacht der Verlage und der Buchläden weiterhin unverzichtbar. Das können wir Autoren nicht allein stemmen.

ZEIT: Viele Schriftsteller nörgeln über die Sozialen Netzwerke: Sie würden nur die Zeit auffressen, die sie fürs Bücherschreiben brauchten. Und die Leser sollten doch lieber die Schnauze halten und lesen.

Coelho: Das finde ich seltsam. Ich habe immer Zeit dafür: Ich habe Zeit, um meine Bücher zu schreiben, ich habe Zeit zu arbeiten, ich habe Zeit, ein bisschen Sport zu machen. Deshalb denke ich: Einer der wichtigsten Teile im Leben eines Autors ist es, direkt mit seinen Lesern in Kontakt zu treten. Dadurch versteht man sich selbst besser. Es hilft mir als Mensch, nicht nur als Schriftsteller (…)

Coelhos persönliche Begründung, warum viele Autoren noch vor dem direkten Leserkontakt und seinen Mühen zurückschrecken:

Sie haben Angst vor dem direkten Kontakt, das ist ganz menschlich. Was man nicht kennt, stößt man erst mal ab.

Das ZEIT-Interview ist in Gänze lesenswert. Seine zentralen Thesen zur Piraterie sind ja schon lange bekannt. Schön finde ich aber vor allem, dass er nochmal die Bedeutung des Teilens unterstreicht.

via: Anna Kaleri

Eine cloud-basierte Buchwelt könnte das klassische DRM-Problem lösen

Kevin Kelly hatte 2008 festgestellt, dass im Netz alle Inhalte quasi kostenlos und ohne Qualitätsverlust kopierbar und daher im Überfluss verfügbar seien. Das drücke den Preis in Richtung Null. Dazu, dies zu verhindern/einzuschränken, soll ja bekannt DRM dienen. Über die Rolle von DRM wird viel diskutiert und geschrieben. Heute habe ich schon auf eine interessante und sinnvolle Differenzierung von Mike Shatzkin hingewiesen, der den DRM-Einsatz befürwortet: DRM soll nicht Piraterie verhindern, sondern “casual sharing”.

Kelly argumentierte 2008, dass es künftig darum gehe, knappe Güter in der Inhalte-Welt des Überflusses anzubieten, die sich auch dann verkaufen lassen würden. Ein Ansatz dafür sei, den Zugang zu Inhalten zu verkaufen:

Ownership often sucks. You have to keep your things tidy, up-to-date, and in the case of digital material, backed up. And in this mobile world, you have to carry it along with you. Many people, me included, will be happy to have others tend our „possessions“ by subscribing to them.

Interessanterweise scheint die (Buch-)Verlagswelt diese Erkenntnis mittlerweile auch als Lösungsansatz für die DRM-Diskussion zu erkennen. Mike Shatzkin hat nämlich im Rahmen seiner Beiträge zu DRM Entscheider in großen US-Verlagshäusern zu ihrer Sicht auf DRM befragt. Einer dieser Entscheider meinte zwar, DRM sei heute notwendig, um Umsätze mit physischen oder heruntergeladenen Büchern zu schützen, wies aber auf die Cloud hin und meinte, in einer cloud-basierten Buchwelt würde die Notwendigkeit klassisches DRM einzusetzen nachlassen, weil man nicht die Inhalte verkaufe, sondern den Zugangsrechte zu ihnen – der Hinweis in der Klammer stammt von Shatzkin:

“There isn’t really a piracy problem but there isn’t really an alternative to DRM except for the cloud. The cloud means that you buy a product (NB: I personally would say you “license some content”, not you “buy a product”) and you get to access it on every device that you own — so long as you provide your ownership credentials. The cloud effectively means that you work only within a platform and that platform requires your credentials to access your works — so it is, in effect, DRM — but it really isn’t. That said, in order for this to work, it does need to protect files when they are downloaded — and that is true DRM.

“The whole world is moving away from download and own, so DRM is a moot point — only the library fanatics and the digerati care. The library folks are freaked out by the fact that they have no place in a world that makes all content accessible to single users anywhere, anytime — and they think that DRM is the enemy of the good. The digerati hate DRM because, well, they believe it is hindering their utopian digital realm.”