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Rede-Honorare zeigen den Wert der Reputation von Personen

Im Web wird ja vielerorts versucht, die Reputation von Einzelpersonen über die Analyse von Twitter, Facebook & Co. zu messen. Ein anderer guter Indikator für die Reputation einer Person ist die Höhe des Honorars, welches sie für eine Rede erhält. Daher habe ich mit Interesse, diesen ursprünglich im Handelsblatt erschienenen Beitrag gelesen:

Teure Redner mit Amtsbonus

Genannte Redehonorare:

  • Bill Clinton: „soll schon Vortragshonorare vereinbart haben, die jenseits der 200.000-Marke liegen“
  • Joseph Stiglitz: „dessen Vortragssalär bei 100.000 Euro liegen dürfte“
  • Gerhard Schröder: „gerne mal 70.000 bis 100.000 Euro“
  • Joschka Fischer: „Etwa 35.000 bis 50.000 Euro“
  • Peer Steinbrück: „bis zu 20.000 Euro“
  • Hans-Olaf Henkel: ähnlich wie Steinbrück
  • Klaus Töpfer: ähnlich wie Steinbrück
  • Hans Eichel: „mindestens 8000 Euro“
  • Spitzensportler, Religionswissenschaftler oder Nachhaltigkeitsexperten: „meist weniger als 10.000 Euro“
  • Einsteigerhonorar für einen No-Name-Parlamentarier oder den Emporkömmling aus der Wirtschaft: „1500 Euro“

(…) Allerdings: Ein für alle Veranstaltungen durchgängig gültiges Honorar gibt es nicht. (…)

Es gibt für die Vermittlung von Rednern der ersten Liga natürlich auch spezialisierte Agenturen – in Deutschland angeblich ca. ein Dutzend von Bedeutung:

Interessant ist auch, dass die Politikerreputation schnell abnimmt:
„Die Halbwertszeit eines Bundespolitikers liegt bei etwa zwei bis vier Jahren“, sagt Torsten Fuhrberg, Chef der Agentur Celebrity Speakers (CSA) in Düsseldorf.

Außerdem gibt es Bereiche, die als Reputations-Katalysator wirken:
Wer sich sonntagabends im Wortgefecht bei Anne Will gut schlägt, wird montagmorgens gerne mal von den Kunden angefragt.

Bildquelle: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von gruntzooki

Über die Nutzung des Internets für politische Zwecke

Die Politiker hierzulande schauen sicher etwas neidisch über den Atlantik, wo sie den Wahlerfolg von Barack Obama bestaunen können. Dieser wird in starkem Maße seinem klugen Einsatz des Internets zugeschrieben. So sehr, dass mir in den Betrachtungen manchmal die sonstigen und z.T. wichtigeren Einflussfaktoren wie die politische Stimmung infolge der Politik von George W. Bush zu kurz kommen.

Zweifelsohne hat das Internet aber eine sehr wichtige Rolle gespielt und wird das auch in Zukunft tun. Ich denke, selbst in Deutschland wird das der Fall sein, wo bedeutende Politiker bis vor kurzem noch Derartiges ungestraft von sich geben und sich letztlich damit brüsten konnten, vom Internet keine Ahnung zu haben:

Kinder fragen Politiker nach dem internet

 

Natürlich stellen sich gerade für Politiker viele und auch schwierige Fragen beim Umgang mit dem Internet. Einen interessanten Einblick in ihre diesbezügliche Gedankenwelt hat uns nun Andrea Nahles (SPD) gewährt:


Zwischen Tür und Angel: Andrea Nahles from politik-digital on Vimeo.

via: Carta

Zu kurz gedacht: Lutz Heilmann & Co.

Viele Menschen tun sich schwer, die neuen durch das Internet geschaffenen Realitäten zu akzeptieren. Das liegt u.a. daran, dass sie die neuen Medien schlicht nicht (gut genug) kennen. Daher fehlt ihnen auch die zu deren Einschätzung und Beurteilung nötige Kompetenz.

Ein schönes Beispiel hierfür war in den letzten Tagen wieder einmal zu beobachten. Da versuchte der Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann mittels einer einstweiligen Verfügung die Verbreitung von aus seiner Sicht unwahren Informationen über Wikipedia zu verhindern. Erreicht hat er angesichts seiner mangelnden Medienkompetenz das glatte Gegenteil. Dank des ungeschickten Vorgehens hat nun alle Welt über Heilmanns Fall, die missliebigen Informationen und seinen letztlichen Rückzieher berichtet:

Es scheint immer noch nicht in allen Köpfen angekommen zu sein, dass wir in Zeiten einer Medienrevolution leben. Konkret heißt das, dass heute jeder Zugang zur Öffentlichkeit hat, was früher fast ausschließlich Medienunternehmen vorbehalten war. Dadurch kann aber auch jeder seine persönlichen Meinungen in die Öffentlichkeit tragen. Einzelne Meinungen unterdrücken zu wollen – gerade als in der Öffentlichkeit stehende Person – ist in den meisten Fällen sinnlos oder gar kontraproduktiv. Es ähnelt einem Kampf mit der Hydra, bei dem für einen abgeschlagenen Kopf sogleich zwei neue nachwachsen. Herr Heilmann hätte sich in der Rückschau sicherlich gewünscht, dass es nur zwei gewesen wären …