Schlagwort: preispolitik

Preisdruck auf digitalen Inhalte-Märkten entsteht unabhängig von Piraterie

Bei Techdirt ist vor ein paar Tagen ein interessanter Beitrag erschienen, der sich mit der Frage auseinander setzt, ob die Major-Labels im Musikmarkt ihren Bedeutungsverlust hätten verhindern können, wenn sie das iTunes-Modell früher angewandt hätten: Did The Recording Industry Really Miss The Opportunity To ‚Monetize‘ Online Music?

Besonders treffend finde ich die Betonung, dass der durch die Verfügbarkeit quasi kostenloser digitaler Inhaltekopien ausgelöste Preisdruck im Musikmarkt unabhängig von Piraterie entsteht:

Tim Lee, who pointed us to this piece in the first place, tacks on the point that „the economic argument for free music is unrelated to ‚piracy.'“ This is, indeed, a key point and one we’ve tried to make in the past, but one that sometimes gets lost in the shuffle. The basic economics of music suggest that it was going to face downward pricing pressure all along. That has little to do with unauthorized access to music or whether or not the major record labels sucked it up and did licensing deals with Napster. It was just where the market was going to head one way or the other — because, over time, more and more people would begin to realize that free music was an excellent promotional tool for other things, and that would drive more business to those other areas. That, in turn, would lead more and more musicians and their business partners to recognize the benefit as well. In fact, we’re seeing that happen today. The fact that unauthorized access to files online may have helped push that realization forward doesn’t change the fact that those pressures were going to come one way or the other.

Das ist in der Argumentationsform auch auf den Buchmarkt übertragbar, wo häufig Debatten geführt werden, die von diesem Gesichtspunkt ablenken. Das ist vor allem deshalb schade, weil die Buchbranche noch mehr Zeit zum Handeln hat/hätte als die Musikindustrie. Immerhin gibt es aber inzwischen schon einige innovative Plattformen wie PaperC. Ich halte es jedenfalls mit Gerd Leonhard, der sehr zu Recht sagt: ‚protection‘ is in the business model not the technology

Bildquelle: artemuestra (CC-Lizenz)

Beispiel für unsinnige Buchpreis-Politik

Im Januar 2009 hatte ich gefragt, ob fallende Durchschnitts-Buchpreise unvermeidbar wären. Die Vermutung lag und liegt nahe. Im März 2009 hatte ich ausführlich dargelegt, warum ich denke, dass „Preissünden“ bei E-Books sich rächen werden. Ebenfalls im März hatte ich bei Amazon ein konkretes Beispiel für schwer nachvollziehbare E-Book-Preise gefunden, die über denen des gedruckten Buches liegen.

Nun gibt es bei libreka! ein besonders schönes Beispiel für unsinnige und dem Kunden nicht verständlich zu machende Buchpreise. Hier kostet das Buch SAP für Java-Entwickler in gedruckter Form 9,95 Euro und in elektronischer Form (mit DRM!) stolze 44,95 Euro:

 

via: Hugo E. Martin

 

Update:
Im konkreten Fall scheint es sich um einen Fehler zu handeln. Der Preis von 9,95 Euro kommt wohl über die Daten bei Springer zustande. Bei Amazon wird der gleiche Preis wie für die elektronische Ausgabe angegeben. Danke an @sie_fab für den Hinweis.