Schlagwort: privatsphäre

Mein Wort zum Sonntag ;)

Viele Bedenken der Internet-Skeptiker kann ich letztlich gut nachempfinden. Wenn ich mir überlege, wie stark sich mein Privatsphäre-Empfinden in den letzten 5 Jahren nur dadurch gewandelt hat, dass ich blogge und sehr aktiv im Netz und mobil unterwegs bin. Was nicht heißt, dass ich heute alles frei gebe, sondern dass ich die Außenwahrnehmung versuche bewusst zu steuern, was ein besserer Selbstschutz ist als die reine Entsagung, die ja zum einen gar nicht schützt und zum anderen aber auch viele Vorteile des Netzes verhindert. Gerade diese Gestaltungsmöglichkeit bleibt aber abstrakt, wenn die eigene praktische Erfahrung fehlt. Man müsste die Grund-Scheu weiter abbauen. Daher ist es bedauerlich, dass in Deutschland Risiken immer überbetont und von den Massenmedien in den Mittelpunkt gerückt werden, nur weil sie ein Geschäftsmodell-Problem mit dem Internet haben. Es bräuchte mehr positive Vorbilder.

Marilyn Manson schützt seine Privatsphäre, indem er Paparazzo-Fotos von sich gezielt entwertet

2010 fand ich den Ansatz von Ashton Kutcher spannend, der sich z.T. gezielt entblößt, um seine Privatsphäre vor Paparazzi zu schützen: Schaffung eines Überangebotes von Bildern der eigenen Person, um so die Preise und damit die Attraktivität des Auflauerns zu senken.

Jetzt bin ich auf einen Beitrag gestoßen, in dem es heißt, Marilyn Manson schreibe Schimpfwörter auf sein Gesicht, bevor er öffentliche Plätze wie Flughäfen betritt, um so die Fotos der wartenden Paparazzi gezielt zu entwerten. Clever und marktnah gedacht.

I just went through the LAX security line with Marilyn Manson. He had „FUCK“ scrawled in large letters across the bottom half of his face, with what appeared to be a grease pencil. As we each removed our boots in the security line, he kindly explained that it was not directed at me or anyone else in the airport, but rather at the paparazzi, so that they couldn’t sell any photos of him that they took. He was really apologetic about it, and covered his mouth around young children while apologizing to their parents for exposing their child to profanity.

UPDATE: Der Trick klappt offensichtlich nur bei den US-Medien:

Wir opfern weite Teile unserer Privatsphäre freiwillig und aus rationalen Gründen

Überall wird über die zunehmende Bedeutung von Reputation gesprochen. Diese soll beschreiben helfen, wie sich jemand oder etwas in der Zukunft wahrscheinlich verhalten wird. Letztlich ist die Einschätzung der Reputation ein Informationsersatz für die wirkliche Qualität, die Außenstehende kaum je zutreffend bewerten können.

So eine Art Abschätzung des Verhaltens im Voraus kann aber nur gelingen, wenn Informationen aus der Vergangenheit vorliegen. Fehlen diese, kann das schnell reputationsmindernd wirken. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Personaler die Namen von Bewerbern googlen und nichts finden. Dann haben sie zwar nichts Negatives in der Hand. Allein schon das Fehlen von Positivem wirkt aber verdächtig. Dieses kleine Beispiel zeigt, dass – gleiche Qualität vorausgesetzt – derjenige in Reputationsfragen im Vorteil ist, der Informationen von/über sich preisgibt.

Diesen schlichten Gedanken finde ich wichtig, wenn wir über die Privatsphäre und den Datenschutz reden. Meistens wird bei diesbezüglichen Diskussionen suggeriert, dass irgendeine böse Macht – wahlweise mit den Namen Google, Facebook oder Apple – sich an uns heranpirscht und uns armen Unschuldigen unsere Daten klaut, um sie für ihre Machenschaften zu missbrauchen, ohne dass wir uns wehren könnten. Tatsächlich ist es aber so, dass wir häufig u.a. aus Gründen des Reputationsaufbaus in Bereichen, die für uns persönlich wichtig sind, die allermeisten unserer Daten freiwillig herausgeben, weil wir eben einen handfesten Vorteil dadurch haben. Das kann die Reputation auf Berufsfeldern sein. Aber allein schon die Stellung in der Freundesgruppe kann als Grund ausreichen, um Intimstes zu veröffentlichen.

Vor diesem Hintergrund finde ich ebenso wie Thomas Knüwer bemerkenswert, was unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel in der BILD zum Thema privat vs. öffentlich gesagt hat:

(…)
BILD: Stichwort „Google Street View“. Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem im Internet?

Merkel: Zum großen Teil liegt es an einem selbst, was man im Internet von sich preisgibt. Der Staat muss die Privatsphäre aber schützen, wo der Einzelne zwar Schutz in Anspruch nehmen möchte, ihn aber nicht selbst herstellen kann. Genau darüber berät die Bundesregierung derzeit intensiv.
(…)

Wo der Einzelne sich schützen will, aber nicht kann, sollte also Hilfe geboten werden. Ich denke, da stimmen wir alle zu. Natürlich gehen Unternehmen wie Facebook häufig ziemlich intransparent vor und nutzen das Unwissen der Leute aus, worauf entsprechend reagiert werden muss.

Wo aber der Einzelne zum eigenen Vorteil freiwillig persönliche Informationen preisgibt und sich dann hinterher angesichts von absehbar auftretenden Nachteilen darüber beschwert, dass seine Informationen nun öffentlich sind, sollte auf die persönliche Verantwortung gepocht werden. Das wird leider häufig nicht gemacht. An dieser Stelle scheint mir daher so manche Diskussion etwas scheinheilig geführt zu werden.

Insgesamt nehme ich an, dass wir langfristig Vieles aus der bisherigen Privatsphäre freiwillig öffentlich machen werden, weil es in der Summe Vorteile für uns hat und nicht, weil uns irgendein böses Unternehmen hinter’s Licht führt.

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von jeffschuler

Wer sich entblößt, schützt seine Privatsphäre mitunter am besten

Leute wie Klaus Eck propagieren ja seit langem, dass man, um seine Reputation zu schützen, das Internet mit Informationen fluten soll, die positiv geprägt sind. Dann sind eventuell erscheinende negative Beiträge nicht so leicht zu finden und das Gesamtbild bleibt eher ein positives.

Zugleich führen wir ja ständig sehr emotionale Privatsphären-Diskussionen. Darin wird die Frage gestellt, wie wir unsere Privatsphäre schützen können. Bei der Suche nach Antworten ist es interessant zu beobachten, wie Prominente mit dem Thema umgehen, denn die haben am ehesten Probleme mit dem Schutz der Privatsphäre, während für viele von uns Unbekannte die Diskussion ja in so mancher Hinsicht eine eher theoretische ist.

Vor diesem Hintergrund finde ich das Interview mit Ashton Kutcher in der Neon-Ausgabe vom August 2010 sehr interessant, der das von Klaus Eck propagierte Prinzip auf sein Problemfeld übertragen erfolgreich anwendet. In diesem Interview-Ausschnitt beantwortet Kutcher Fragen zu dem Thema: [Verlinkungen von mir]

(…)
Sie nehmen das mit der eigenen Öffentlichkeitsarbeit sehr ernst.
Ich habe einige Möglichkeiten ausprobiert, um mich und meine Familie vor unzulässiger Berichterstattung zu schützen. Ich wollte meinen Namen als Markenzeichen schützen lassen, habe Klagen angestrengt und sogar versucht, die Gesetze in Bezug auf Persönlichkeitsrechte von Prominenten ändern zu lassen. Nichts davon hat funktioniert, also habe ich die Angelegenheit per Twitter und Facebook selbst in die Hand genommen.
Sie stehen hinter Britney Spears auf Platz zwei der Twitter-Top-Ten. Beruht dieser Erfolg tatsächlich auf der Idee, sich gegen die Boulevardpresse zur Wehr zu setzen?
Ich wollte mir meine Worte nicht mehr verdrehen lassen, und es war mir bewusst, dass ich mich dafür entblößen muss. Gleichzeitig war ich aber sicher, dass ich die Art der Entblößung auf diese Weise kontrollieren könnte. Klatschblätter leben davon, aus dem Leben anderer Menschen eine Soap Opera zu machen. Ich dachte also: Was wäre, wenn ich die Storyline für diese Seifenoper selber bestimmen könnte?

Wie hat sich das Leben für Sie und Ihre Frau Demi Moore dadurch verändert?

Auf fantastische Weise. Es geht schon damit los, dass ich wieder normal aus meiner Ausfahrt fahren kann, weil sie nicht mehr von Reportern belagert wird. Wir haben den Markt einfach mit Fotos von uns gesättigt. Paparazzi lauern uns nun nicht mehr auf, weil Schnappschüsse von uns nichts mehr wert sind. Weil jeder diese Fotos kostenlos sehen kann, muss niemand mehr ein Klatschmagazin kaufen.
(…)

Meine Interpretation: Letztlich heißt das, dass nicht nur für Top-Prominente eine große Chance darin liegt, aktiv und gezielt in die Öffentlichkeit zu treten und aus sich selbst eine Marke zu machen, die ein ganz bestimmtes gewolltes Bild vermittelt. Die so beeinflusste Fremdwahrnehmung gibt aber nur einen kleinen Ausschnitt des Eigenbildes wider. Da dieser Ausschnitt idealerweise in der Öffentlichkeit aber dominant ist und die diesen Eindruck vermittelnden Informationen so präsent sind, werden auf diese Weise andere Bereiche der Person/Persönlichkeit geschützt.

Beim Lesen des Interviews musste ich unweigerlich an Karl Lagerfeld denken, der es in der Anwendung dieses Prinzips ja zur Meisterschaft gebracht hat. Wie er in diversen Interviews (zwischen den Zeilen) gesagt hat, muss man, wenn man es so weit treibt wie er, dann aber wieder aufpassen, dass das Außenbild nicht so bestimmend wird und die Vermittlung dessen nicht einen so großen Teil des Lebens einnimmt, dass man irgendwann selbst nicht mehr zwischen sich und der Marke unterscheiden kann bzw. dass sich das Eigenbild nicht immer stärker dem (reduzierten) Außenbild angleicht.

Jedenfalls scheint mir dieser Ansatz für den Selbstschutz besser geeignet zu sein als der reine Rückzug, bei dem das Feld anderen überlassen wird. Leider wird Letzteres derzeit in den meisten Diskussionen als das zu bevorzugende Mittel der Wahl präsentiert.

Bildquellen: David Shankbone (Namensnennung 2.0 US-amerikanisch); Georges Biard (Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported)

Datenschutz im Internet: Brauchen wir eine gesellschaftlich vereinbarte Schweigepflicht?

Wenn sich heute Menschen in der Öffentlichkeit wie bspw. auf der Straße oder im Zug unterhalten, hören oft irgendwelche anderen Menschen mit. Diese könnten auch heute das Gehörte aufnehmen oder mitschreiben, Fotos der Unterhaltungspartner (sicherheitshalber mit genug Menschen im Hintergrund) machen, deren Identität ermitteln und das Ganze anschließend weiterverbreiten. Doch selbst wenn es im konkreten Fall nicht strafbar wäre, so würde dies doch ein ungutes Licht auf denjenigen werfen, der solche privaten Dinge aktiv weiterträgt. Auch heute ist also nicht alles, was technisch machbar ist, auch sozial akzeptiert. Das wiederum ist oft ein sehr wirkungsvoller Schutz.

Inzwischen finden aber viele private Gespräche im Internet statt. Dort ist es technisch viel leichter möglich, diese privaten Informationen weiterzuverbreiten. Um das zu verhindern, wird meist nach technischen Maßnahmen gerufen, welche den Zugang zu solchen Daten verhindern sollen. Es stellt sich aber die Frage, ob es in jedem Fall möglich und auch wünschenswert ist, den Zugang zu blockieren? Oder ob es nicht vielmehr darum geht, wie wir mit solchen uns zugänglichen privaten Daten umgehen? Vor diesem Hintergrund finde ich folgenden Beitrag von Bob Blakley sehr lesenswert:

Gartner Gets Privacy Dead Wrong

Seine Grundthese:

Privacy is the problem you have after you share sensitive information.

Die Privatsphäre und der Datenschutz bedeuten also nicht eine komplette Kontrolle und Abschottung unserer privaten Daten und Informationen. Die Frage ist vielmehr, was mit unseren Daten und Informationen passiert, nachdem wir sie bestimmten Personen/Personenkreisen zugänglich gemacht haben:

That’s how privacy works; it’s not about secrecy, and it’s not about control: it’s about sociability. Privacy is a social good which we give to one another, not a social order in which we control one another.

Hier sieht Blakley ein grundsätzliches Problem, da häufig versucht wird, das Thema „Privacy“ mit technischen Mitteln zu lösen.

We technologists have tried to solve the privacy problem in this technology frame for about a decade now, and, not surprisingly (information wants to be free!) we have failed.

Er schlägt einen anderen Ansatz vor:

Privacy is a social problem; the solution is to ensure that people use sensitive personal information only in ways that are beneficial to the subject of the information.

Blakley plädiert eher für zwischenmenschliche Vereinbarungen, die es ja auch auf vielen anderen Feldern gebe, welche durch die technischen Rahmenbedingungen ermöglicht werden sollten. Technik könne also vielfach nur die Voraussetzungen schaffen:

Society can and routinely does solve the privacy problem in the social frame, by getting the vast majority of people to behave sociably. Privacy isn’t a new problem. It’s existed in all human societies for as long as there have been human societies. Lawyers have solved it. Doctors have solved it. Priests have solved it. Friends have solved it. They’ve solved it by creating social structures which discourage monstrous behavior.

Wichtig sei jedoch auch und gerade, dass technische Lösungsansätze die Situation nicht verschlimmerten:

For example, if we accept the „privacy is defined as control of secrecy“ frame, then we will start to believe (perhaps as a society, and perhaps even as a matter of law) that as soon as someone learns a piece of information about us, that information is no longer private, and we lose subsequent protections.

Bildquelle: jeffschuler (CC-Lizenz)

Internetnutzung ist wie Liebesbriefe schreiben

Bezüglich des Internets kursieren meiner Meinung nach einige Missverständnisse. Ein solches Missverständnis ist die Annahme, Plattformen wie Facebook oder StudiVZ seien Communities. Natürlich kann man sie dazu nutzen, um Communities aufzubauen. Tatsächlich aber handelt es sich bei solchen Plattformen aus meiner Sicht v.a. um Infrastrukturanbieter, die ihren Nutzern die Pflege ihres Kontaktnetzes bzw. neudeutsch ihres Social Graphs ermöglichen.

Konsequenterweise beschränken die erfolgreichen dieser Anbieter ihr Angebot nicht nur auf die eigene Plattform. Sie bieten ihre Dienstleistungen überall dort im Internet an, wo die Nutzer sich aufhalten. Das ist angesichts des immer kleinteiligeren Social Webs auch sinnvoll. So ermöglicht Facebook mit Facebook Connect jedem Website-Betreiber im Internet die Integration von Social-Networking-Elementen. StudiVZ hat diese Entwicklung hingegen leider verschlafen. Dort fokussiert man sich noch immer zu stark auf Werbeerlöse.

Das Social Web wird also komplexer und vernetzter. Immer mehr Plattformen beginnen sich zu öffnen und ermöglichen ihren Nutzern einen plattformübergreifenden Datenaustausch. Das bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. Hier zeigt sich ein weiteres Missverständnis.

Wenn man im „echten“ Leben einer anderen Person Informationen übermittelt, muss man darauf vertrauen, dass sie diese nicht missbraucht. Egal, ob man sich mit mit einer Person unterhält, mit ihr Visitenkarten austauscht oder ihr Liebesbriefe schreibt – die übermittelten Informationen werden unwiderruflich aus den Händen gegeben. Diese Informationen können später nicht einfach wieder komplett zurückgefordert oder anderweitig aus der Welt geschafft werden. Auch wenn man sich das bisweilen wie im Falle mancher Liebesbriefe durchaus wünschen würde. Irgendetwas bleibt immer zurück.

Woran liegt es nun aber, dass diese Informationen nicht mehrheitlich missbraucht werden? Es besteht ein sozialer Druck, dies nicht zu tun. Ein solches soziales Verhalten würde sich rächen und später bestraft werden. Der Nutzen ist für das Individuum also oft größer, wenn es die Informationen nicht missbraucht. Somit baut sich über längere Zeit Vertrauen zwischen den Akteuren auf, welches im Falle eines Missbrauchs schnell verspielt wäre. Natürlich muss man zu jeder Zeit stark differenzieren, wem man vertrauen und demzufolge sensible Informationen übermitteln kann.

Nun erwarten viele im Internet, dass sie sich (auch mit Unbekannten) unbegrenzt vernetzen und Daten austauschen können. Social Networks wie Facebook sollen das ermöglichen und entsprechende Funktionalitäten anbieten. Zur gleichen Zeit sollen die gleichen Plattformen aber auch dafür garantieren, dass alle jemals über die Plattform ausgesendeten Informationen im Falle der Account-Löschung ebenfalls mit einem Knopfdruck gelöscht werden. Es sollen alle Informationen zurückgeholt werden können, die man vorher ausgesendet und geteilt hat. Nur leider ist das allein technisch kaum möglich. Zudem ist es auch fragwürdig, ob das aus Sicht der anderen Nutzer gerechtfertigt wäre. Schließlich habe ich normalerweise auch nicht das Recht, alle einer Person geschriebenen Briefe zurückzufordern.

Selbst im Internet lassen sich nicht alle Emails in anderer Leute Postfächern löschen, wenn wir einen Anbieter wie GMX verlassen. Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass die Internetnutzung sich immer mehr dem „echten“ Leben annähert und wir es dort auch mit den gleichen Menschen und den gleichen Zwängen zu tun haben. Wir sollten den Menschen also vertrauen können, ehe wir ihnen sensible Informationen übermitteln. Denn zurückholen lässt sich im Zweifel nichts. Es kommt auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen an und man sollte diese auch nicht durch falsche Sicherheitsversprechen unterdrücken.

Gerade in jüngster Zeit gab es eine Kontroverse im Rahmen der AGB-Änderungen von Facebook. Ich bin gar nicht per se pro Facebook in dieser Sache. Nur wurde aus meiner Sicht bei aller berechtigten Kritik diese größere Perspektive leider nicht genug thematisiert. Ich halte das aber für wichtig, da es sich bei dem Umgang mit Daten in einem zunehmend offenen und vernetzten Social Web um ein sehr wichtiges Thema handelt, das unser aller digitale Zukunft betrifft. Es ist nicht damit getan, Facebook Raffgier und Eigennutz zu unterstellen.

Leider wird Facebook in diesem Fall zum Verhängnis, dass sie die am weitesten entwickelte Plattform haben. Insofern sind sie auch nur bedingt mit deutschen Plattformen wie StudiVZ, Lokalisten und anderen zu vergleichen (Spiegel Online hat es dennoch gemacht). Dadurch muss Facebook viele dieser Themen als Erstes durchfechten und ein Bewusstsein für sie schaffen. Andernfalls könnten sie ihren richtigen und erfolgreichen Weg als Infrastrukturdienstleister für soziale Interaktion nicht weitergehen. Zudem hat Mark Zuckerberg durchaus konstruktiv auf die Kritik reagiert. Schließlich weiß er am besten, dass er langfristig nicht gegen die Interessen seiner Nutzer handeln und so deren Vertrauen verspielen kann, wenn er Erfolg haben will:

Mark Zuckerberg: On Facebook, People Own and Control Their Information
One of the questions about our new terms of use is whether Facebook can use this information forever. When a person shares something like a message with a friend, two copies of that information are created—one in the person’s sent messages box and the other in their friend’s inbox. Even if the person deactivates their account, their friend still has a copy of that message. We think this is the right way for Facebook to work, and it is consistent with how other services like email work. One of the reasons we updated our terms was to make this more clear.

Sehenswert ist in diesem Zusammenhang auch eine dem Thema gewidmete Folge des SocialWeb.tv (17 min.), die gestern erschienen ist. Überhaupt kann ich die Sendung auch allgemein sehr empfehlen:

via: TheSocialWeb.tv

Datenkontrolle: Reflexartige Facebook-Schelte wird dem Thema nicht gerecht

Die jüngsten Änderungen der AGB von Facebook sorgen für viele hitzige Diskussionen. Ich teile die grundsätzlichen Anliegen vieler Kritiker. Allerdings sind die Dinge wie immer kompliziert. Auf der einen Seite wollen die Nutzer von Diensten wie Facebook maximalen Funktionsumfang und Service. Auf der anderen Seite wollen sie auch die volle Kontrolle über ihre Daten. Beides gemeinsam zu realisieren, stellt allein technisch zumindest eine Herausforderung und oft auch eine Unmöglichkeit dar. Zudem hinkt gerade aufgrund der Qualität und des Funktionsumfangs von Facebook der Vergleich bei Spiegel Online mit anderen Social Networks etwas. Mark Zuckerberg hat mit einem Blog-Beitrag auf die Kritik reagiert und formuliert durchaus Nachvollziehbares:

Mark Zuckerberg: On Facebook, People Own and Control Their Information

One of the questions about our new terms of use is whether Facebook can use this information forever. When a person shares something like a message with a friend, two copies of that information are created—one in the person’s sent messages box and the other in their friend’s inbox. Even if the person deactivates their account, their friend still has a copy of that message. We think this is the right way for Facebook to work, and it is consistent with how other services like email work. One of the reasons we updated our terms was to make this more clear.

In der US-Blogosphäre finden sich etliche Blog-Posts, die die Dinge etwas differenzierter darstellen als nur zu sagen „Facebook ist böse“:

Chris Brogan: Wake Up to How You Share on the Web

But think about it: every service you use on the web owns your data to some degree. Read the TOS for Google Docs. Read the terms at most sites. If you’re freaked out by Facebook, go back and take a serious look at ALL the places you’re using on the web and ask yourself what the impact of them owning your stuff really is. It’s not what you think. It’s either worse or a non-issue, depending on how you see things.

Robert Scoble: User data ownership on Facebook and why it doesn’t matter

If you are uploading your content to, and participating online with, you are giving a HUGE amount of ownership to services that, well, you really don’t control. (…) I dealt with it by having Fast Company own its own servers and content. It’s a real pain, too, takes me a lot longer to upload my videos to FastCompany.tv than it does to upload them to TubeMogul. But then we have control and we know when ads will be put on top of our content, etc.

Zwar keine Lösungen, aber einige berechtigte Fragen bietet TechCrunch:

Erick Schonfeld: Zuckerberg On Who Owns User Data On Facebook: It’s Complicated

If I upload a picture which I later regret uploading, why shouldn’t I be able to erase it from Facebook forever, even if some of my friends have already seen it? And should there be different rules for different media? Most people consider the messages in their inbox to be theirs, even if the sender wishes they’d never sent it? And as this data is shared beyond Facebook across the Web, who controls what becomes even harder to determine. Like Zuckerberg says, it’s complicated.

Viele, die sich zurzeit aufregen und Facebook quasi reflexartig verdammen, machen es sich etwas zu einfach. Jedem Nutzer solcher Plattformen müssen die Konsequenzen seines Tuns klar sein. Ich kann nicht meinen Email-Verkehr über Soziale Netzwerke wie Facebook oder StudiVZ abwickeln und mir hinterher die Augen reiben, wenn diese Firmen versuchen, mit meinen Daten auf irgendeine Weise Geld zu verdienen. Es sind ja keine Non-Profit-Organisationen und deren Investoren sind es auch nicht. Zudem dürfte jedem bekannt sein, dass die Geschäftsmodelle der Social Networks schon in Boom-Zeiten keine übergroßen Erträge lieferten.

Wer seine Daten sicher kontrollieren können möchte, darf sie überhaupt nicht ins Internet stellen. Er darf sie nicht einmal auf einen Computer laden, der mit dem Internet verbunden ist. Wenn man seine Daten ins Internet stellt und sie dennoch weitgehend kontrollieren können möchte, sollte man zumindest eigenen Webspace nutzen, so wie ich es mit diesem Blog tue.

Nicht vergessen werden sollte bei der Diskussion, dass das Problem gar nicht immer der böse Kapitalist sein muss, der mit den eigenen Daten Schindluder treibt. Ebenso schlimm dürfte es für viele Nutzer sein, wenn ihre Daten schlicht verloren gehen. Dies ist ja in jüngster Zeit bspw. bei Ma.gnolia passiert. Dann gibt es noch ungewollte Datenlecks usw. usf.