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Paper.li als Beispiel für ein Produkt mit einprogrammierter Viralität

Viele Leute kreieren ein Produkt und versuchen dann Viralität darauf zu satteln. Das ist meist nur begrenzt erfolgreich. Bessere Ansätze hat Martin Oetting in diesem Vortrag aufgezeigt, in dem er eine Art Hierarchie der Viralität von Produkten aufzeigt, bei der der erste Punkt das Ideal darstellt:

  1. Produkte verbreiten sich schon allein durch die Nutzung
    Beispiel: Fußzeile bei Hotmail
  2. Die Nutzer wollen aus Eigeninteresse, dass andere Leute das Produkt auch nutzen
    Beispiel: Social Networks, Skype
  3. Das Produkt ist so gut, dass die Nutzer anderen Leuten davon erzählen
    Beispiel: Google

So weit, so bekannt. Heute musste ich aber daran denken, als ich mal wieder die Website Paper.li besucht habe, die sich seit einiger Zeit großer Beliebtheit erfreut. Dort kann man sich mit seinem Twitter-Account anmelden und aus den Beiträgen der eigenen Twitter-Kontakte automatisiert eine Link-Aufbereitung im Zeitungslook erstellen lassen. Doch was nützt die interessanteste Informationsaufbereitung, wenn sie keiner sieht? Daher bietet Paper.li als Basis-Funktion an, dass die Nutzer „ihre Zeitung“ automatisiert mit einem Tweet bewerben, wann immer sie „erscheint“. Das kann ein- oder zweimal am Tage oder einmal in der Woche geschehen.

Wir sehen also, dass die Viralität auch bei Paper.li einprogrammiert ist. Das Produkt verbreitet sich durch die Nutzung quasi von selbst, weil es im ureigensten Interesse der Nutzer ist, auf Paper.li zu verlinken. Jeder Link wiederum ist sehr wertvoll, weil er Paper.li neue potenzielle Nutzer zuführt. Noch dazu werden in den automatisch erstellten Tweets jene Twitter-Nutzer per @Reply erwähnt, die die Top-Beiträge der „Zeitung“ geliefert haben, wodurch sie ganz besonders stark auf Paper.li aufmerksam gemacht werden:

Obwohl Paper.li erst ein paar Monate auf dem Markt ist, hat dieser intelligente Ansatz dazu geführt, dass die Website laut BackType schon über 1 Million Mal von Twitter aus verlinkt wurde, was ich ziemlich beachtlich finde:

Wie man Produkte zusammen mit der Community entwickelt

Ich habe ja schon öfter darüber geschrieben, dass es aus meiner Sicht immer wichtiger wird, Zielgruppen als Communities zu verstehen, zu behandeln und mit ihnen entsprechend auf Augenhöhe zu interagieren. Stichwort Community First.

Loïc Le Meur sieht das ähnlich. Für ihn ist die Community einer der absolut zentralen Faktoren bei der Produktentwicklung. Zudem kann er seine Ansichten mit Beispielen aus seinem eigenen Unternehmen untermauern. Dies hat er nun vor MBA-Studenten der Golden Gate University auch getan:

Listening and sharing with your community is the best way to build a product I think as it has a high chance to meet their needs. Here is what I can share building Seesmic and Twhirl in the open, with all the feedback of our friends.

Hier seine Präsentation, die viele wichtige und richtige Erkenntnisse enthält:

 
Zusätzlich binde ich noch das Video der Veranstaltung ein. Obwohl es relativ lang ist (54 min.), lohnt sich das Anschauen. Die meisten Kerninformationen sind allerdings in der Präsentation oben enthalten.

via: Loïc Le Meur