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Keine Überraschung: Viele Fachexperten sind einflussreicher als Promis

Bekanntlich gibt es ja Studien für alles. Jetzt gibt es auch eine Untersuchung, die besagt, dass Prominente wie Ashton Kutcher mit ihren Millionen Followers bei Twitter & Co. tatsächlich weniger Einfluss haben als etliche Themen-Experten:

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Researchers at Northwestern University said with new technology they can sift through the tens of millions of tweets sent each day on the microblogging website to pinpoint the most influential people on the hot topic of the day.

And it may not be the celebrity with the most followers.

„People think that just because you have a huge number of followers you may potentially be an influencer, and that is not the case,“ said Professor Alok Choudhary, the chair of the electrical engineering and computer science department at Northwestern University in Illinois.

Sports star LeBron James, for example, may influence people when he tweets about basketball but he does not have as much clout if he voices his ideas about the appointment of a new Supreme Court justice, according to Choudhary.
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Solche Untersuchungen wirken auf mich oft etwas bemüht und auf Wirkung hin kalkuliert. Man nehme ein Trendthema, bezeichne eine irrige Annahme als allgemein verbreitet und widerlege diese Annahme sodann mit viel Aufhebens. Tatsächlich finde ich die erwähnte Erkenntnis aber wenig überraschend.

Letztlich geht es doch im Netz bei Reichweitenthemen stets darum, was das Interesse ist, welches die Nutzer verbindet. Das Interesse richtet sich auf bestimmte Themen. Hier stellt sich wiederum die Frage, welches Reichweitenpotenzial das jeweilige Thema bietet. So kann das Thema „Fußball“ lauten oder auch „Ashton Kutcher“. Klar ist aber, dass das Thema „Fußball“ ein höheres Reichweitenpotenzial aufweist als das Thema „Ashton Kutcher“.

Nun ist es aber so, dass niemand allein für das Thema „Fußball“ steht. Daher wird man sich auch schwer tun, als Fußballexperte mehrere Millionen Followers zu bekommen. Ashton Kutcher steht jedoch für das Thema „Ashton Kutcher“. Daher wird er einen Großteil derer erreichen, die sich für das Thema „Ashton Kutcher“ interessieren und das können nachweislich ein paar Millionen sein. Wenn nun aber Ashton Kutcher eine Nachricht zum Thema „Ashton Kutcher“ aussendet, die einen Nerv trifft und sich in der Zielgruppe maximal verbreitet, wird die Reichweite dennoch geringer sein, als wenn ein Fußballexperte – mit weniger Followers – eine Nachricht zum Thema „Fußball“ aussendet, die einen Nerv trifft und sich in der Zielgruppe maximal verbreitet.

Die absolute Follower- bzw. Abonnentenzahl ist eben nicht mehr entscheidend, da wir über Netzwerke und nicht über Massenmedien sprechen …

via: Mashable.com

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Jesse Kruger

Wer sich entblößt, schützt seine Privatsphäre mitunter am besten

Leute wie Klaus Eck propagieren ja seit langem, dass man, um seine Reputation zu schützen, das Internet mit Informationen fluten soll, die positiv geprägt sind. Dann sind eventuell erscheinende negative Beiträge nicht so leicht zu finden und das Gesamtbild bleibt eher ein positives.

Zugleich führen wir ja ständig sehr emotionale Privatsphären-Diskussionen. Darin wird die Frage gestellt, wie wir unsere Privatsphäre schützen können. Bei der Suche nach Antworten ist es interessant zu beobachten, wie Prominente mit dem Thema umgehen, denn die haben am ehesten Probleme mit dem Schutz der Privatsphäre, während für viele von uns Unbekannte die Diskussion ja in so mancher Hinsicht eine eher theoretische ist.

Vor diesem Hintergrund finde ich das Interview mit Ashton Kutcher in der Neon-Ausgabe vom August 2010 sehr interessant, der das von Klaus Eck propagierte Prinzip auf sein Problemfeld übertragen erfolgreich anwendet. In diesem Interview-Ausschnitt beantwortet Kutcher Fragen zu dem Thema: [Verlinkungen von mir]

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Sie nehmen das mit der eigenen Öffentlichkeitsarbeit sehr ernst.
Ich habe einige Möglichkeiten ausprobiert, um mich und meine Familie vor unzulässiger Berichterstattung zu schützen. Ich wollte meinen Namen als Markenzeichen schützen lassen, habe Klagen angestrengt und sogar versucht, die Gesetze in Bezug auf Persönlichkeitsrechte von Prominenten ändern zu lassen. Nichts davon hat funktioniert, also habe ich die Angelegenheit per Twitter und Facebook selbst in die Hand genommen.
Sie stehen hinter Britney Spears auf Platz zwei der Twitter-Top-Ten. Beruht dieser Erfolg tatsächlich auf der Idee, sich gegen die Boulevardpresse zur Wehr zu setzen?
Ich wollte mir meine Worte nicht mehr verdrehen lassen, und es war mir bewusst, dass ich mich dafür entblößen muss. Gleichzeitig war ich aber sicher, dass ich die Art der Entblößung auf diese Weise kontrollieren könnte. Klatschblätter leben davon, aus dem Leben anderer Menschen eine Soap Opera zu machen. Ich dachte also: Was wäre, wenn ich die Storyline für diese Seifenoper selber bestimmen könnte?

Wie hat sich das Leben für Sie und Ihre Frau Demi Moore dadurch verändert?

Auf fantastische Weise. Es geht schon damit los, dass ich wieder normal aus meiner Ausfahrt fahren kann, weil sie nicht mehr von Reportern belagert wird. Wir haben den Markt einfach mit Fotos von uns gesättigt. Paparazzi lauern uns nun nicht mehr auf, weil Schnappschüsse von uns nichts mehr wert sind. Weil jeder diese Fotos kostenlos sehen kann, muss niemand mehr ein Klatschmagazin kaufen.
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Meine Interpretation: Letztlich heißt das, dass nicht nur für Top-Prominente eine große Chance darin liegt, aktiv und gezielt in die Öffentlichkeit zu treten und aus sich selbst eine Marke zu machen, die ein ganz bestimmtes gewolltes Bild vermittelt. Die so beeinflusste Fremdwahrnehmung gibt aber nur einen kleinen Ausschnitt des Eigenbildes wider. Da dieser Ausschnitt idealerweise in der Öffentlichkeit aber dominant ist und die diesen Eindruck vermittelnden Informationen so präsent sind, werden auf diese Weise andere Bereiche der Person/Persönlichkeit geschützt.

Beim Lesen des Interviews musste ich unweigerlich an Karl Lagerfeld denken, der es in der Anwendung dieses Prinzips ja zur Meisterschaft gebracht hat. Wie er in diversen Interviews (zwischen den Zeilen) gesagt hat, muss man, wenn man es so weit treibt wie er, dann aber wieder aufpassen, dass das Außenbild nicht so bestimmend wird und die Vermittlung dessen nicht einen so großen Teil des Lebens einnimmt, dass man irgendwann selbst nicht mehr zwischen sich und der Marke unterscheiden kann bzw. dass sich das Eigenbild nicht immer stärker dem (reduzierten) Außenbild angleicht.

Jedenfalls scheint mir dieser Ansatz für den Selbstschutz besser geeignet zu sein als der reine Rückzug, bei dem das Feld anderen überlassen wird. Leider wird Letzteres derzeit in den meisten Diskussionen als das zu bevorzugende Mittel der Wahl präsentiert.

Bildquellen: David Shankbone (Namensnennung 2.0 US-amerikanisch); Georges Biard (Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported)