Schlagwort: Recht

TED-Vortrag: Embrace the remix

In diesem TED-Vortrag fasst Kirby Ferguson seine Sicht auf die Rolle von Remixes zusammen:

Nothing is original, says Kirby Ferguson, creator of Everything is a Remix. From Bob Dylan to Steve Jobs, he says our most celebrated creators borrow, steal and transform.

(Video, 10 min.)

‚Everything is a Remix‘ ist eine bekannte 4-teilige Videoreihe von Ferguson, in der er die übliche Darstellung des Themenfeldes Remixing, Urheberrecht, Patente u.ä. hinterfragt und dabei viele bekannte Persönlichkeiten und deren Aussagen mit einbezieht:

via: Nerdcore

Neue Bewegung? – Nina Paley plädiert für Urheberrechts-Ungehorsam analog zum zivilen Ungehorsam

Im Interview mit O’Reilly (s.u.) erklärt die Künstlerin Nina Paley, auf die ich hier schon öfter hingewiesen habe, warum sie das Urheberrecht analog zum zivilen Ungehorsam künftig ganz bewusst verletzen möchte und nicht wie andere nachträglich entschuldigend oder mit versuchten Rechtfertigungen. Interessant finde ich ihre Künstler-Perspektive, die man nicht teilen muss, die aber gesellschaftlich wichtige Punkte berührt, über die diskutiert werden sollte.

Dass sich bezüglich des Urheberrechts grundsätzlich etwas ändern muss, erkennt inzwischen ja sogar der Buchbranchen-Verband an und lädt zur Diskussion konkreter Anpassungen ein. Selbst mit Extrem-Standpunkten wird sich anlässlich aktueller Buch-Publikationen differenziert auseinandergesetzt.

(Video, 7 min.)

via: Techdirt

Online-Journalist darf sich über Künstlersozialkasse (KSK) versichern

Interessanter Fall und interessante Begründung:

Die Künstlersozialkasse – kurz KSK genannt – bietet selbständigen Künstlern und Publizisten viele Vorteile. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, eine günstige Kranken- und Pflegeversicherung abzuschließen, auch eine eigene Altersvorsorge wird seitens der KSK angeboten. Die Beiträge werden nur zu einem geringen Teil [ca. 50 %, siehe Kommentare] von den Versicherten selbst übernommen. Den überwiegenden Part der Finanzierung übernehmen die Auftraggeber sowie der Bund. Dadurch ist die finanzielle Belastung für den einzelnen Künstler meist recht überschaubar und dementsprechend groß ist das Interesse, bei der KSK versichert zu sein. Ob auch Journalisten aus dem Online-Bereich die KSK in Anspruch nehmen können, zeigt dieser Podcast.

Online-Journalist darf sich über Künstlersozialkasse (KSK) versichern

Ungewohnte Aussage vom Buchbranchen-Verband: „Das Urheberrecht behindert Kreativität in bestimmten Bereichen“

Als Pinterest in Deutschland bekannt wurde, habe ich versucht zu beschreiben, dass selbst wohlmeinende Menschen aufgrund des aktuellen Urheberrechts arge Probleme haben, selbst einfachste Dinge im Internet zu tun, die ganz alltägliche persönliche Kommunikation betreffen.

Von daher freue ich mich sehr, dass der Börsenverein von seinen offiziellen Beton-Positionen abzurücken scheint, wie sie regelmäßig im Rahmen der Buchmessen formuliert werden. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, hat jetzt ansich Banales, aber für diesen Verband Bemerkenswertes festgestellt:

Unser Standpunkt bisher klingt fest: Das Urheberrecht ist gut so, wie es ist; es bedarf keiner Veränderungen. Jeder, der dagegen verstößt, muss verfolgbar sein. Das Recht muss in jedem Fall durchgesetzt werden. Unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten sind alle diese Positionen absolut richtig. Mit der Lebenswirklichkeit und den Gesetzen der Internetkommunikation haben sie allerdings immer weniger zu tun.

Es ist offensichtlich geworden, dass das Urheberrecht in bestimmten Bereichen vor allem der sozialen Kommunikation im Netz die Entfaltung von Kreativität eher behindert als fördert. Damit steht es dort auch der Verbreitung und Nutzung unserer Inhalte entgegen.

Wir als Branche müssen uns die Frage stellen, ob nicht gerade in dem genannten Bereich Korrekturen notwendig sind. Ich denke an den Literaturfan, der zwei Seiten aus einem Roman auf seine Facebook-Seite stellt, um den Text mit seiner Community zu diskutieren. Solange wir Fälle wie diesen für verfolgungswürdig halten, reden wir einem Urheberrecht das Wort, das die Urheber nicht nur schützt, sondern ihnen indirekt auch schadet. Auf der anderen Seite muss verdeutlicht werden, dass das Urheberrecht grundrechtlich geschützt ist. Es bildet nämlich die Existenzgrundlage derer, die ihre Arbeitskraft für eine immaterielle Leistung einsetzen und auf diese Weise wertvolle und stark nachgefragte Beiträge zur Entwicklung unserer Gesellschaft erbringen.

Das geht auf jeden Fall in die richtige Richtung … Wenn wir nicht aufpassen, wird die Buchbranche noch cool … ;)

Endlich beendet die Buchbranche ihre „Umsonstkultur“ der Zitate aus Presserezensionen

100 vorbildhaft „Kreative“ wie Dieter Gorny, Gottfried Honnefelder und Hans-Peter Friedrich protestieren aktuell im Handelsblatt lautstark gegen die „Umsonstkultur“ im Internet. Denn Sie, die Sie das hier im Internet lesen, wollen ja doch nur alles für umme abgreifen. Ich stimme aber zu: In der Debatte um die „Umsonstkultur“ ist wirklich so einiges umsonst. Umsonst wird beispielsweise betont, dass die allermeisten Beteiligten gar nicht für die Abschaffung des Urheberrechts, sondern für eine Anpassung sind. Sie sind für eine Anpassung schlicht deshalb, weil sich die Welt um uns fundamental gewandelt hat und sich immer weiter wandelt. Dennoch wird seitens solcher „kreativ“ Argumentierenden in der allgemeinen Urheberrechts-Debatte beständig erst ein Abschaffungswille unterstellt und dieser sodann heftig attackiert. Angesichts dieser Rhetorik ist der Dialogwunsch unübersehbar. Doch als verrückt gilt heute ja bekanntlich nicht der, der den Wandel ignoriert, sondern der, der ihn nüchtern registriert:

Revolutions create a curious inversion of perception. In ordinary times, people who do no more than describe the world around them are seen as pragmatists, while those who imagine fabulous alternative futures are viewed as radicals. The last couple of decades haven’t been ordinary, however. Inside the papers, the pragmatists were the ones simply looking out the window and noticing that the real world increasingly resembled the unthinkable scenario. These people were treated as if they were barking mad. Meanwhile the people spinning visions of popular walled gardens and enthusiastic micropayment adoption, visions unsupported by reality, were regarded not as charlatans but saviors.

Jedenfalls können sich die Befürworter der Betonierung des Status quo freuen, dass ein weiterer Sieg errungen wurde. Es ist absehbar, dass mit der „Umsonstkultur“ bei Libri und in vielen Buchverlagen aufgeräumt wird. Endlich wird seitens der verkappten Piraten in der Buchbranche auf die perfiden Zitate aus Presserezensionen verzichtet:

Der Online-Buchhändler und Grossist Libri will nach dem Perlentaucher-Urteil vom Herbst auf Nummer sichergehen und Urheberrechtsstreitigkeiten vermeiden. Man habe sich entschlossen, bis auf Weiteres alle Zitate aus Buchrezensionen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und der Süddeutschen Zeitung (SZ) aus der eigenen Titel-Datenbank zu löschen
(…)
Die Libri-Juristen warnen die Buchverlage zugleich in dem Rundbrief, nicht leichtfertig ihre Werbetexte mit Verweisen auf Besprechungen in der Presse zu schmücken. Der gute Rat lautet: „Wenn Sie weiterhin von Zitaten aus Veröffentlichungen anderer Rechteinhaber in Ihren werbenden Texten Gebrauch machen möchten, sollten Sie mit dem jeweiligen Rechteinhaber die Übernahme des Zitates im Vorfeld rechtssicher abklären.“

All das ist natürlich ausschließlich positiv für alle Beteiligten und überaus praktisch in der täglichen Arbeit. Jedem Zitat seine rechtssichere Abklärung! So viele krisenfeste Geschäftsmodelle wie das der Anwälte haben wir in Zeiten des Internets schließlich nicht und die wenigen Erfolgsmodelle wollen wir doch nicht gefährden. Zudem sind Anwälte bestimmt auch „Kreative“ – oder so.

Video: Urheberrecht und Patente sollten vor allem dem Gemeinwohl dienen

Unten finden Sie ein sehenswertes Video, welches die Themen Urheberrecht und Patente sehr grundsätzlich aufgreift und einen wichtigen Punkt unterstreicht: Am Ende sollte es bei all dem um das Gemeinwohl gehen. Das Einzelwohl hat zurückzustehen, wenn die Nachteile für die Gesellschaft zu groß werden. Bezogen auf das Urheberrecht gilt das aus meiner Sicht beispielsweise dort, wo wie hier beschrieben sich dank der Möglichkeiten des Social Web ganz normale persönliche Gespräche ohne Gewinnerzielungsinteresse in das Internet verlagern und dort in Teilen behindert, wenn nicht gar verhindert werden. – Wichtig finde ich noch zu betonen, dass diesen Punkt zu unterstreichen nicht bedeutet, als angebliches Mitglied einer angeblichen „Internetgemeinde“ für „Rechtlosigkeit“ einzutreten. Für mich hat das mehr mit gesundem Menschenverstand zu tun, der ganz selbstverständlich auch dafür ist, dass geistige Leistungen honoriert werden.

(Video, 15 min.)

via: Dirk von Gehlen

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Abmahn-Versicherungen als „innovatives“ Geschäftsmodell

Oft wird ja gesagt, ein aufgrund des massiv gewandelten technologischen Umfeldes nicht mehr zeitgemäßer rechtlicher Rahmen begünstige ausschließlich die alten Geschäftsmodelle etablierter Unternehmen und verhindere die Entwicklung neuer Erlösquellen. Das ist nur teilweise richtig. Es gibt durchaus Geschäftsmodelle und Märkte, die neu entstehen und sogar regelrecht aufblühen in einem Umfeld, für das selbst ein Rechtsanwalt wie Thomas Schwenke Folgendes feststellen muss:

Angesichts des Umstandes, dass man das moderne Netz kaum nutzen kann ohne Rechtsverletzungen zu begehen (…)

Das ist die Situation, die dazu geführt hat, dass sich das Abmahnwesen überaus prächtig entwickeln konnte. Doch damit nicht genug. Die direkte Ableitung ist nun die folgende Diskussion, die für einen weiteren hochattraktiven Markt stehen dürfte:

Kann man sich gegen Abmahnungen im Social Media Marketing versichern? – Interview mit Ralph Günter von exali.de

Weil alle Angst haben (müssen), können Versicherer „innovative“ Geschäftsmodelle entwickeln und umsetzen. Ob all das gesellschaftlich dann so überaus sinnvoll ist, ist eine andere Frage.

Während manche Ministerin sich gefühlt ausschließlich mit ständiger Facebook-Schelte zu profilieren sucht, was dem Verbraucher wenig bis nichts bringt, scheint wenigstens Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wirklich etwas Konkretes und Hilfreiches im Bereich der Netz-Nutzung bewirken zu wollen. Drücken wir ihr die Daumen.

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Probleme beim Umgang mit dem Urheberrecht am Beispiel der Web-Plattform Pinterest

Vor 1-2 Wochen habe ich ein länger nicht gekanntes Gefühl genossen. Ich habe mit Pinterest eine Plattform für mich entdeckt, die mich wirklich begeistert und für die ich demzufolge auch schon fleißig Werbung gemacht habe. Aus der Selbstbeschreibung:

Pinterest lets you organize and share all the beautiful things you find on the web. People use pinboards to plan their weddings, decorate their homes, and organize their favorite recipes. Best of all, you can browse pinboards created by other people. Browsing pinboards is a fun way to discover new things and get inspiration from people who share your interests.

Pinterest wächst derzeit wahnsinnig schnell, weil die Plattform gerade auch Leute jenseits der Tech-Szene anspricht und begeistert und weil über einen langen Zeitraum das Kernprodukt selbst „ansteckend“ gemacht wurde, sodass die Viralität im Produkt selbst steckt.

Das Geniale an Pinterest ist u.a. die ansprechende Optik, die Wirkung der Fotos und Videos auf der Seite und die Einfachheit, Inhalte zu entdecken und weiterzuempfehlen sowie sie mithilfe von „Boards“ zu organisieren. Pinterest ist auch für den E-Commerce sehr gut geeignet (u.a. eigene “Pin It” Buttons). Zudem löst die Plattform Herkunftsfragen eines Fotos sehr webgemäß und fair, indem aus dem Netz gepinnte Fotos immer einen Link zur Quelle behalten. Es ist also bestmöglich gegeben, dass der Urheber einen Reputationsgewinn für das Erstellen des Fotos erfährt und dass der „Kurator“ einen Reputationsgewinn erfährt für das Zusammenstellen attraktiver Inhalte. Beide profitieren also und nicht einer auf Kosten des anderen. Zudem sind die jeweiligen Fotos auch auf externen Plattformen einbindbar (ein Erfolgsprinzip des Social Webs), wobei auch hier der Quellenbezug bestehen bleibt. Hier ein Beispiel für einen Embed:

Source: flickr.com via Leander on Pinterest

 

Bei Google+ warf Kerstin Hoffmann sogleich die Frage der Nutzbarkeit der Plattform aus rechtlicher Sicht auf. Eine wichtige Frage. Nun ist es ja – soweit ich das überblicke – in Deutschland so, dass die Nutzung jedes noch so kleinen Bildes die vorherige Einräumung der entsprechenden Nutzungsrechte durch den Urheber oder Rechteinhaber erfordert. Eine Ausnahme ist das Bildzitat, für das aber schon sehr anspruchsvolle Voraussetzungen gegeben sein müssen. Von daher ist die gedankenlose freie Nutzung von Pinterest (und anderen Plattformen) natürlich nicht zulässig.

Das Problem hier ist, dass innovative Plattformen, zumindest in Deutschland, oft nicht oder nicht mit angemessenem Aufwand genutzt werden können (selbst wenn es dem Urheber zugute kommt und er die Nutzung wünscht). Als Nutzer lebt man dauerhaft mit der Unsicherheit, wegen auch kleinster Urheberrechtsverstöße abgemahnt zu werden und finanziell zu bluten. Das ist ein Punkt, der das gesamte Ökosystem hemmt. Wir reden ja in den meisten Fällen nicht über eine gewerbliche Nutzung fremder Inhalte, sondern über die in die Nutzung von Web-Diensten einprogrammierte Weiterverbreitung von fremden (Bild-)Inhalten.

Natürlich könnten wir Pinterest nutzen, indem wir nur eigene Bilder, für die wir selbst die Rechte haben, auf die Plattform hochladen. Wenn das aber jeder machte, was wäre der Sinn? Der Sinn von Pinterest ist ja gerade das Teilen und Neu-Zusammenstellen. Andere Leute dürften meine Inhalte dann aber nicht dafür verwenden, ohne mich zu fragen.

Einen Ausweg gibt es: Creative-Commons-Lizenzen, bei denen nicht alle Rechte vorbehalten sind, sondern nur einige, wodurch ein Foto auch ohne Rücksprache unter den angegebenen Voraussetzungen verwendet werden kann. Wer Fotos wie das oben eingebettete von Mario Sixtus weiterverbreitet, die mittels Creative Commons lizenziert sind, kann sich frei entfalten. Pinterest hat den Dienst wie erwähnt auch so gestaltet, dass der Quellenlink möglichst an allen Stellen erhalten bleibt. Beim Embed bspw. ist unter dem Bild nicht nur vermerkt, dass ich das Foto gepinnt habe, sondern auch, dass es von Flickr stammt – mit Link zur Ursprungsseite von Mario Sixtus. Noch dazu habe ich in der Bildunterschrift vermerkt, welche Art von Lizenz durch Sixtus gegeben ist. Das sieht zwar nicht so schön aus, aber wer es schön haben will, muss eben eigene Bilder nutzen (wobei die dann streng genommen von anderen wieder nicht verwendet werden dürfen):

 

Es sind bei solchen Web-Diensten aber eben auch die Kleinigkeiten, die einen Unterschied machen. Denn am Ende geht es auch um den Aufwand der Nutzung. Wenn ich nun bei Pinterest ein Foto (= ein Pin) weiter verbreite („Repin“), dann wird der Text der Bildunterschrift mitgenommen, sodass der CC-Hinweis erhalten bleibt und nicht wieder manuell eingegeben werden muss. Damit ist der Aufwand für eine rechtskonforme Nutzung aus meiner Sicht noch einigermaßen beherrschbar:

 

Dennoch finde ich, dass Pinterest Creative-Commons-Urheberrechtslizenzen als echtes Feature ähnlich wie Flickr, wie Videoplattformen wie Vimeo und wie Dokumentenplattformen wie Scribd noch in seine Plattform einbinden sollte. Denn am Ende geht es ja auch darum, die Lizenz als Filterkriterium nutzen zu können. So nutze ich niemals nur die einfache Flickr-Suche nach Bildern, sondern stets die erweiterte Suche und dort die Filterung nach der passenden Nutzungslizenz, weil ich nur dann die Suchergebnisse bspw. auf meinen Blogs auch weiterverwenden kann. Ein ähnliches Feature wäre für Pinterest schon deshalb sinnvoll, weil sich daran eben auch die erweiterte Google-Suche anknüpft, bei der man ebenfalls nach Nutzungsrechten filtern kann. Denn das gezielte Gefunden-Werden bleibt auch im Social Web und auf für das Entdecken ideal geeigneten Plattformen wie Pinterest ungemein wichtig. Falsch lizenzierte Inhalte kommen bei einer solchen spezialisierten Suche nicht vor; sie existieren dann quasi gar nicht.

Das führt jedoch zu einem weiteren Punkt, der mich schon seit langem beschäftigt. Selbst als versierter Nutzer des Social Webs, der sich vielleicht Gedanken macht und Dinge berücksichtigt, die Viele nicht im Blick haben, und der Zeit investiert und sich kümmert, komme ich ärgerlicherweise aus der rechtlichen Unsicherheit nicht heraus. Denn ich mag vielleicht CC-Lizenziertes nutzen und das auch brav angeben. Dennoch bin ich der Dumme, wenn der Urheber an der Quelle irgendwann mal die Lizenzangabe ändert. Wenn ich also heute Fotos von Mario Sixtus, die er bei Flickr mit einer CC-Lizenz gepostet hat, einbinde und korrekt auszeichne, er aber morgen die Lizenzangabe ändert (= 1 Mausklick) und mich übermorgen abmahnen lässt, habe ich ein Problem. Wie will ich nachweisen, dass die Lizenz ursprünglich meine Nutzung zugelassen hat? Ich müsste von jedem Bild einen Screenshot als Nachweis anfertigen und selbst dann wäre ich sicherlich noch nicht auf der rechtlich sicheren Seite. Eine notarielle Beglaubigung eines jeden Screenshots wäre wohl am besten. ;) Neulich sprach ich mit einem darauf spezialisierten Anwalt und auch dieser bestätigte mir nochmal die Problemhaftigkeit dieses Feldes. Wer sich also nicht angreifbar machen möchte, der sollte auch keine CC-lizenzierten Inhalte nutzen. Das ist der traurige Status quo in Zeiten des bereits viele Jahre alten Internets.

Für mich stellt sich also nicht die Frage, ob man Plattformen wie Pinterest rechtssicher nutzen kann. Natürlich geht das – irgendwie -, wobei mir dann große Bereiche des Potenzials dieser Plattformen versperrt sind. Für mich ist eher die Frage, wie man das Urheberrecht ggf. ändern könnte, sodass die Möglichkeiten des Webs so nutzbar werden, dass der Urheber, der Nutzer und die Gemeinschaft in der Summe besser da stehen. Hier ist die heutige Situation selbst bei bestem Bemühen der Plattformbetreiber und von deren Nutzern meiner Meinung nach einfach suboptimal. Der sich korrekt verhaltende Nutzer ist derzeit tendenziell immer der Dumme, weil er viele Features meiden muss und weil er deshalb am Ende schlechter dasteht als die etwas forscheren Ausloter der Grenzen, die sich über die Inhalte-Nutzung in Grauzonen eine Reputation und Sichtbarkeit aufbauen, die ihnen auch dann erhalten bleibt, wenn sie irgendwann mal abgemahnt werden. Das führt aber beim Nutzer zu einer Gewöhnung an die permanente Abwägung, ob ein Überschreiten der rechtlichen Grenzen nicht lohnend wäre. Letztlich führt das wiederum zu einer Gewöhnung an die „Kriminalität“. Das damit verbundene negative Gefühl führt dann letztlich vielleicht auch zu etwas, was eine EU-Kommissarin jüngst als Hass auf das Urheberrecht bezeichnet hat:

Meanwhile citizens increasingly hear the word copyright and hate what is behind it. Sadly, many see the current system as a tool to punish and withhold, not a tool to recognise and reward.

Noch ein darüber hinaus führender Gedanke von meiner rein privaten vieljährigen Web-Nutzer-Warte aus: Wie gehen wir egtl. damit um, dass im Social Web das privat-gesprochene Wort immer öfter dem schriftlich-veröffentlichten Wort oder dem in Videoform fixierten und veröffentlichten Wort entspricht? Es gilt doch zunehmend: Reden = Publizieren. Im Offline-Mündlichen kann ich aus gutem Grund frank und frei all das tun, was die Leute sich nicht zufällig auch für die Web-Kommunikation wünschen. Miteinander zu reden heißt oft, ein Gedanken-Mash-up zu erstellen, ohne vor Formulierung eines jeden Gedankens jene fragen zu müssen, die diesen Gedanken in ganz ähnlicher Form auch schon einmal zum Ausdruck gebracht oder veröffentlicht haben. Es heißt auch, sich Dinge wie Bilder einfach zeigen zu können, ohne den Urheber anrufen und um Erlaubnis fragen zu müssen. Miteinander zu reden heißt aber in Zeiten des allpräsenten Internets auch immer öfter, dies mehr oder weniger öffentlich zugänglich zu tun. So wie es bisher auch schon öffentlich zugänglich war, wenn wir uns auf der Straße unterhalten haben. Nun aber in anderer Qualität zugänglich. Zumindest heißt es, dass Inhalte irgendeiner Art auf Web-Plattform in irgendeiner Art gespeichert werden. Und dabei haben wir noch nicht mal das Internet der Dinge, welches all dies noch potenzieren wird. Gedankenaustausch heißt also immer öfter, dass das Gesprochene auch im Web abgebildet ist. Und wir wollen doch, dass die Menschen miteinander reden und ihre Gedanken frei austauschen. Wir können doch nicht wollen, dass sie sich dafür immer offline treffen müssen und dabei offline bleiben müssen, wenn es auch anders geht und dies der Gemeinschaft zugute kommt. Wie sehr wollen wir die Kommunikation zwischen Menschen erschweren durch Regeln aus einem anderen Jahrhundert, die für ein ganz anderes technologisches Umfeld geschaffen wurden? Unser Urheberrecht stammt nun einmal aus einer Zeit, in der die reine Veröffentlichung schon eine schützenswerte Leistung war. Das ist passé. Daher wirken ja auch viele Vorschriften zunehmend hemmend. Dieser Grundkonflikt bleibt aus meiner Sicht voerst ungelöst, auch wenn bei Zur-Sprache-Bringung solcher Gedanken oft wortreich verschiedenartigste Argumente angeführt werden, warum das bestehende Urheberrecht doch irgendwie so hingebogen werden kann, dass es in unsere Zeit passt. Marcel Weiss hat die Sache vor ein paar Tagen in einem anderen Zusammenhang aus meiner Sicht treffend auf den Punkt gebracht: „Um tatsächlich das Urheberrecht, wie es im 19. Jahrhundert erdacht wurde, auch im 21. Jahrhundert durchzusetzen, müssen online Bürgerrechte beschnitten werden.“ Das Problem dabei ist wie gesagt, dass fast alles künftig in irgendeiner Form online ist.

Zum Abschluss noch eine kleine Anmerkung ;) …
… All das hier (etwas durcheinander) Beschriebene und sämtliche eigenen Erfahrungen, die zu bestimmten Grundannahmen führen, sind natürlich doch nur Quatsch, wie wir dank des Vorstehers des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, wissen:

„Die Gesellschaft braucht kein neues Urheberrecht – sie braucht Regeln für die Freiheit im Netz“.

Update 28.11.2011: Ein paar Blogger-Kollegen haben sich des Themas auch angenommen:
Kerstin Hoffmann: Den Fluss mit den Händen aufhalten? Oder: Warum das Urheberrecht uns nicht retten wird
Martin Weigert: Kuratieren, Modularisieren und Remixen des Webs: Neuer Brandherd der Urheberrechtsdebatte
Marcel Weiss: User Curated Content ist Filesharing im neuen Gewand
netzpolitik.org: Neue Urheberrechtskonflikte am Horizont?

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40 Vortrags-Videos u.a. zu Internetrecht, Datenschutzrecht sowie TK- und Medienrecht

Bei Henning Krieg bin ich auf einen Fundus von 40 frei abrufbaren Vortragsvideos (mitsamt Slide-Shows) der Herbstakademie der Deutschen Stiftung für Recht und Informatik gestoßen – laut Krieg eine „der wichtigsten IT- und onlinerechtlichen Veranstaltungen in Deutschland„.

Die Videos umfassen die Themen Internetrecht, Datenschutzrecht, TK- und Medienrecht, EDV-Recht sowie Steuer- und Strafrecht. Einige Beispiele:

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