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Reichweiten-Tipps von Upworthy – dem weltweit offenbar am schnellsten wachsenden Publishing-Start-up

Upworthy ist ein erst im März 2012 gegründetes Publishing-Start-up mit 14 Mitarbeitern und kann schon beeindruckende Zahlen vorweisen:

Today, it is the fastest growing media company in the world. Upworthy finished October with 8.7 million monthly uniques, up from 6 million the month prior. In August, it hit four million uniques, up from 2.5 million in July. Its fast growth was rewarded with $4 million from investors.

Allein bei Facebook hat das Unternehmen in den wenigen Monaten schon über 600.000 „Fans“ gewonnen.

Der Anspruch ist auch kein geringer, wie auf der Website nachzulesen ist:
We’re a social media outfit with a mission: To make meaningful stories go viral.
bzw.:
„Hi, we’re Upworthy, a new social media outfit with a mission: to help people find important content that is as fun to share as a FAIL video of some idiot surfing off his roof.“

Die Seite sieht tatsächlich etwas anders aus als die üblichen Websites und die Sharing-Buttons sind ziemlich groß. :) Letztlich setzen sie den Curation-Ansatz einfach sehr konsequent und netz-adäquat um – auch was die Erlösseite betrifft. Währenddessen dürfen wir uns in Deutschland über die sensationelle Meldung freuen, dass hiesige Nachrichtenseiten doch tatsächlich im Jahr 2012 anfangen könnten, aufeinander zu verlinken. ;)

Dem Business Insider hat der noch aus der Filter-Bubbler-Diskussion bekannte Mitgründer und CEO Eli Pariser eine Reihe von Reichweiten-Tipps gegeben, die verantwortlich für den Erfolg von Upworthy sein sollen (und die hier mitsamt Erläuterungen nachzulesen sind):

  • Don’t write about politics.
  • Find story ideas on social media feeds, not other websites.
  • Focus on Facebook, not Twitter
  • Write 25 headlines for every article
  • It’s ok to trick someone into reading an article IF you know they’ll love the content.
  • Use A/B testing and analytics to juice content.
  • Think about advertising differently.
  • Don’t worry about keeping readers on your site.
  • Being first doesn’t matter
  • Mobile is important, but it isn’t everything
  • Only write something 1,000,000 people would be happy to learn about

Interview: Branchenanalyst Jochen Krisch über seine Vermarktungs-Erfahrungen als Blogger

Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin Jochen Krisch, habe Informatik studiert und dann – Mitte der 90er Jahre – sehr schnell meine Leidenschaft für den Handel entdeckt, erst als Daten- und Businessanalyst im TV bei HSE24, dann online. Seit 2005 betreibe ich Exciting Commerce als Branchenblog für den Online-Handel. Gestartet habe ich das Blog, um über alternative Verkaufsmodelle zu schreiben. Inzwischen hat es sich zu einem der führenden Branchendienste entwickelt und ist die Basis für jährlich zwei große Fachkonferenzen mit 500 bzw. 1.000 Teilnehmern.

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

Eine regelmäßige Leserschaft im fünfstelligen Bereich, die uns in den Lesercharts kontinuierlich nach oben bringt, Einnahmen im mittleren sechsstelligen Bereich. Um einnahmenseitig nicht zu abhängig zu werden von ein paar wenigen Werbepartnern und Sponsoren, finanzieren wir uns inzwischen zu einem guten Teil durch Veranstaltungen wie die Exceed– oder die K5-Konferenz. So können auch die Leser ihren Beitrag leisten.

Stichwort Vermarktung: Wo sehen Sie die wichtigen Ursachen für Ihren Erfolg?

Vornehmlich in der Relevanz. Wir versuchen trotz wachsendem Team, täglich nicht mehr als 2 bis 3 Beiträge zu bringen. Und legen extremen Wert auf kurze, kompakte Beiträge und Analysen, die die Orientierung erleichtern. Exciting Commerce hat sich unter Brancheninsidern zwar relativ schnell herumgesprochen, wir hoffen aber, dass wir noch möglichst lange als Geheimtipp wahrgenommen werden. Eine ständige Herausforderung ist es, nicht beliebig zu werden, sondern mit jedem neuen Beitrag das eigene Profil zu schärfen – als unabhängige Stimme für den Online-Handel.

Welche konkreten Vermarktungsmaßnahmen waren besonders erfolgreich und warum?

Ein Angebot wie Exciting Commerce lebt von seinen Fürsprechern. Wir versuchen immer, alle relevanten Gruppen gleichermaßen zu bedienen – die Brancheninsider aus dem Handel genauso wie die Unternehmensgründer, aber auch die Fachpresse, die für uns in den Zeiten vor Facebook und Twitter ein wesentlicher Multiplikator war, weil sie exklusive Infos, spannenden Themen und pointierte Einschätzungen gerne aufgreift und weiterträgt.

Welche konkrete Vermarktungsmaßnahme hat wider Erwarten gefloppt und warum?

Im Prinzip floppt alles, was seiner Zeit voraus ist. Wir testen immer wieder Vermarktungsmodelle, die auf Relevanz statt auf Reichweite setzen, stellen aber fest, dass Unternehmen 1.000 minderwertige Kontakte lieber haben als 10 extrem hochkarätige. Solange das so ist, können wir unser Vermarktungspotenzial nicht ausspielen, da unsere Stärke ganz klar in letzterem liegt.

Was machen Sie selbst und was erledigen andere für Sie?

Ich versuche, möglichst viel abzugeben in vertrauensvolle Hände. Die Blog- und Eventvermarktung haben wir nach langer Suche seit letztem Jahr komplett ausgelagert, was uns einen richtigen Schub gebracht hat. Auch viele andere Vertriebs- und Businessthemen überlasse ich gerne anderen, die das weitaus besser können. Wichtig ist mir, dass Exciting Commerce sein Profil behält und ich mich weiter inhaltlich engagieren kann und die Linie vorgeben kann.

Was würde Ihnen bei der Vermarktung noch helfen, d.h., was ist ein typisches Problem?

Gute Leute, die wissen, wie man Relevanz statt Reichweite vermarktet.

Welchen Vermarktungsansatz würden Sie wählen, wenn Sie heute neu starten würden?

Ich würde sehr viel früher und sehr viel konsequenter auf Veranstaltungen setzen. Die richtigen Menschen zusammenzubringen und zu vernetzen, schafft einen enormen Mehrwert. Viele sind inzwischen genervt von Fachkonferenzen, die nicht mehr sind als billige Verkaufsshows. Für eine anspruchsvolle Szene qualitativ hochwertige Veranstaltungen auf die Beine zu stellen und zu vermarkten, ist allerdings nicht ganz ohne. Wir haben früh Erfahrungen mit Roundtables gesammelt und uns dann im Lauf der Jahre gesteigert, eigene Formate entwickelt und denken, wir sind da inzwischen auf einem ganz guten Weg.

Welcher andere Kreative – den vielleicht noch nicht jeder kennt – fällt Ihnen ein, der in der Vermarktung Vorbildhaftes leistet?

Ich bin von jungen Selbstdarstellern wie Sami Slimani oder Rob Vegas genauso fasziniert wie von Menschen, die ohne großen Aufhebens einfach ihr Ding machen. Einen tollen Job machen Peter Posztos und Hardy Prothmann bei der Lokalen Stimme, denn gerade kommunale Blogs sind nicht ganz einfach zu vermarkten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Exciting Commerce: www.excitingcommerce.de
@jkrisch: twitter.com/jkrisch

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Jochen Krisch

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weitere Interviews mit Kreativen über ihre Vermarktungs-Erfahrungen
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Beispiel für die Verbreitung von Inhalten dank Creative-Commons-Lizenz

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In Beratungsgesprächen empfehle ich Kunden stets, jene Inhalte, die ohnehin zu Werbezwecken her- und bereitgestellt werden, möglichst einfach verwendbar zu machen. Schließlich soll mit ihnen die größtmögliche Wirkung erzielt werden. Tatsächlich erschweren viele Unternehmen aber die Nutzung ihrer Inhalte, indem sie nicht an die Vorab-Einräumung bestimmter Nutzungsrechte bspw. mithilfe von Creative-Commons-Lizenzen denken. So begrenzen sie ihre eigene potenzielle Reichweite, was auch die Verantwortlichen meist bedauerlich finden, nachdem sie auf den Umstand hingewiesen worden sind.

Wie wirkungsvoll die Bereitstellung von Inhalten sein kann, für deren Nutzung nicht extra eine Erlaubnis eingeholt werden muss, will ich anhand eines eigenen privaten Beispiels zeigen:

Im Spätsommer letzten Jahres fuhr ich an einem Wochenende zusammen mit meiner Freundin mit dem Fahrrad nach Meißen, um einen der letzten Sonnentage zu genießen, mir das Umland und die Stadt mitsamt der Porzellan-Manufaktur anzusehen und um einen Schoppen Meißner Wein direkt vor Ort zu trinken. Die Stadt ist sehr sehenswert und steht meiner Meinung nach bspw. einem Rothenburg ob der Tauber in nichts nach – einen Besuch kann ich sehr empfehlen. Jedenfalls habe ich auch ein paar Fotos geschossen, die ich später, am 28. September 2009, bei Flickr in meinem Account veröffentlichte. So auch dieses Foto:

Meißen: Burgberg mit Albrechtsburg und Dom

meissen_3

Wie immer nutzte ich dabei eine Creative-Commons-Lizenz, damit andere Leute bei Bedarf ohne Rücksprache das Foto verwenden können. Konkret handelt es sich bei dem Foto um diese Lizenz:

Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert)

cclizenz

Am 14. Oktober 2009 passierte etwas, das ohne die entsprechende Lizenz nie geschehen wäre: Das Bild wurde bei Wikimedia Commons hochgeladen:

File:Meißen Burgberg mit Albrechtsburg und Dom.jpg

This image, which was originally posted to Flickr, was uploaded to Commons using Flickr upload bot on 21:06, 14 October 2009 (UTC) by Avala (talk). On that date it was licensed under the license below.

wikimedia

Von dort aus hat sich das Bild in Wikipedia verbreitet und tut es noch. Derzeit ziert es die Meißen-Artikel in der deutschen, englischen, französischen und serbischen Wikipedia-Ausgabe:

Wikipedia (deutsche Version)

meissen_de

Wikipedia (englische Version)

meissen_en

Wikipedia (französische Version)

meissen_fr

Wikipedia (serbische Version)

meissen_sr

Auch diverse Websites haben in letzter Zeit mein Foto unter Angabe der Quelle verwendet. So bspw. die italienische Seite „Il Reporter“ in diesem am 21. April 2010 veröffentlichten Beitrag:

Meissen e Dresda, in festa per la porcellana

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Am 3. Mai 2010 erschien im „FlexiJourney Blog“ dieser Beitrag:

66 Beautiful Small Cities & Towns In Europe

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Ich denke, dieses kleine Beispiel zeigt recht gut, dass man selbst als Foto-Laie mit seinen Schnappschüssen eine gewisse Verbreitung erlangen kann. Dementsprechend groß sind die Chancen für professionelle Akteure in Unternehmen. Allerdings sind es oft Details, die den Erfolg ausmachen – so auch hier. Zudem würde es vielen Entscheidern helfen, wenn sie selbst einmal bloggen würden, da sie dann eher verstehen könnten, wie die neuen Multiplikatoren im Internet ticken und warum sie manche Inhalte verwenden und andere links liegen lassen.

Übrigens: Wie in der rechten Seitenspalte zu sehen ist, sind die von mir selbst erstellten Inhalte in diesem Blog ebenfalls mittels Creative Commons lizenziert und daher unter diesen wenigen Bedingungen frei verwendbar.

Über Gemeinsamkeiten von iranischen Geldscheinen, Graffiti und Werbung

Mehr oder weniger jeder, der im Netz aktiv ist, versucht Botschaften auszusenden. Vielen ist es dabei wichtig, dass diese Botschaft eine möglichst hohe Reichweite erzielen. Doch auch offline bedient man sich der verfügbaren Netzwerke, um Botschaften auszusenden. So nutzen Regimegegner im Iran beispielsweise Geldscheine, um ihre Nachrichten abzusetzen und um ihnen eine hohe Reichweite zu bescheren:

 

Ähnliche Versuche mit Geldscheinen soll es auch hierzulande schon gegeben haben, als in den 1980ern gegen die Volkszählung protestiert wurde.

Man kann für seine Botschaften schnell zirkulierende Objekte wie Geldscheine nutzen. Vom Prinzip her ganz ähnlich verhält es sich mit Graffitis auf U-Bahnen oder anderen Verkehrsmitteln. Auch hier werden Botschaften auf einem Objekt fixiert, die durch dessen Bewegung die Chance haben, die Aufmerksamkeit vieler Menschen zu erregen.

 

Ein etwas anderer Ansatz ist das Aufbringen der Botschaften auf Objekte, die sich selbst nicht bewegen, die sich jedoch an Punkten befinden, wo sich viele Menschen aufhalten oder die von vielen Menschen passiert werden. Nicht umsonst befindet sich besonders viel Graffiti an Bahnhöfen und sonstigen Verkehrswegen.

 

Interessant ist es nun zu überlegen, wie man solche Ansätze auf das Marketing übertragen kann. Letztlich ähnelt Graffiti an Bahnhöfen ja sehr der Display-Werbung auf Webseiten. Wenn man es geschafft hat, eine Webseite mit hoher Reichweite aufzubauen, sodass wie an einem Bahnhof viele Menschen dort vorbeikommen, versieht man sie mit Werbebannern. Je beliebter eine Website ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dort Werbebanner zu finden. Ganz ähnlich ist es auch bei Bahnhöfen. Je größer der Bahnhof und die umgebende Stadt ist, desto mehr Graffiti findet sich in der Regel auch an den umliegenden Gebäuden.

Doch wie schafft man es nun, das andere Prinzip der bemalten Geldscheine und Züge im Marketing zu nutzen? Eine Möglichkeit ist sicher das Product Placement. Zum anderen kann man Viren programmieren und losschicken, die die gewünschte Botschaft verbreiten. Wenn wir von solch fragwürdigen Maßnahmen absehen, bleibt die Möglichkeit, das Produkt oder die Inhalte selbst möglichst attraktiv (bzw. „viral“) zu machen, sodass sie sich quasi von selbst verbreiten. Ein erfolgreicher Ansatz dafür ist seit Jahrtausenden erprobt und heißt Storytelling (Ira Glass gibt Tipps).

Dennoch werden kreative Köpfe noch weitere Ansätze finden. Beispielsweise lassen sich die Profilbilder der Mitglieder in Social Networks einsetzen. Gary Vaynerchuk hat sich diese bei der Werbung für sein Buch Crush It zunutze gemacht, indem er Fans bat, das Cover in ihr Profilbild zu integrieren. Vorgemacht worden war dies im Zuge der Proteste im Iran, wo von Unterstützern allerorten die Farbe Grün eingesetzt wurde. Auch während der Studentenproteste in Österreich wurden Twitter-Profilbilder mit Symbolen markiert.

Ich habe ebenfalls schon versucht, mir ähnliche Effekte bei der Aktion Ich mach was mit Büchern zunutze zu machen. Die Idee hierbei ist, dass alle, die sich Büchern z.B. über ihre Arbeit verbunden fühlen, diese Grafik auf ihrer Website, ihrem Blog o.ä. einbinden und so für ihre Aktivitäten und für das Buch ansich Werbung machen.

Welche weiteren Beispiele solcher Effekte kennen Sie?

via: Payvand.com, Nerdcore
Bildquellen: aeroSoul (CC-Lizenz), urbanartcore.eu (CC-Lizenz)