Schlagwort: Schriftsteller

Leipziger Autorenrunde – Konferenz der #lbm15 für Autoren. Organisiert von Leander Wattig.

Leipziger Autorenrunde | 14.03.2015 | #lar15

News | Über uns | Programm | Tickets | Teilnehmer | Ort | Kontakt

Veranstalter

Sponsoren

                                     
 

3sat-Kulturzeit-Bericht: „Vom Schreiben kann niemand leben“

Dass Schriftsteller schlecht verdienen, ist keine Neuigkeit. Dass es ihnen jedoch im Zuge der Digitalisierung immer schlechter geht, ist alarmierend. Verlage investieren weniger, es gibt weniger Stipendien, weniger Lesungen finden statt, große Lesefestivals konzentrieren sich gerne auf die bekannten Bestseller-Autoren. Keine gute Zeit, um Schriftsteller zu werden, oder?

„Vom Schreiben kann niemand leben“ – Wie es ist, heutzutage Schriftsteller zu sein

Spiegel-Online-Reihe: Wie und wovon Urheber und Medienleute leben

Seit einigen Jahren erscheinen bei Spiegel Online immer wieder mal interessante Beiträge von Künstlern und Medienleuten, in denen diese ihre Berufstätigkeit aus wirtschaftlicher Sicht beschreiben:

Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig über ihre Tätigkeiten, ihre Einnahmequellen und ihre Einnahmen

Die freie Autorin und Journalistin Kathrin Passig gibt uns einen interessanten Einblick und nennt auch harte Zahlen – ihr Beitrag zur Debatte über Urheberrechte:

Kathrin Passig: Und dann ist da noch mein T-Shirt-Shop

Seit Anfang 2006 lebe ich überwiegend von klassischen Buchvorschüssen.
(…)
Ein weiteres Standbein ist mein T-Shirt-Shop zufallsshirt.de, ein selbstgebauter Motivgenerator, der bei jedem Reload ein neues T-Shirt mit Zufallsbild und Zufallsaufschrift erzeugt. Die Shirts haben im letzten Jahr ungefähr 3000 Euro eingebracht
(…)
Am Ende kommen dabei im Jahr ungefähr 20 000 bis 25 000 Euro vor Steuern heraus.

Theodor Fontanes Gönnergalerie – Crowdfunding im 19. Jahrhundert

Eine meiner Tätigkeiten neben dem eigentlichen Job ist mein Engagement als Vorstandsmitglied der Theodor Fontane Gesellschaft. Viele, die den Namen Theodor Fontane nur hören, machen sogleich lange Gesichter. :) Ich finde aber sowohl sein Werk als auch sein Leben sehr interessant und die Beschäftigung damit überaus bereichernd. Besonders schön sind die Momente, da man wieder einmal feststellt, dass doch nicht alle Dinge dieser Welt in unserer Zeit erfunden wurden, obwohl wir uns das immer gern einbilden. Das Thema Crowdfunding gehört ja bekanntlich dazu.

Ende September hielt mein Vorstandskollege Professor Dr. Roland Berbig (HU Berlin) in Leipzig einen sehr interessanten Vortrag zu diesem Thema: „Fontanes Gönnergalerie. Ein typologischer Streifzug von MacDonald über Franz Kugler bis Heinrich von Mühler“. Eine lesenswerte Zusammenfassung von Uta Beyer findet sich im von mir eingerichteten Blog der Fontane-Gesellschaft.

Hier folgen ein paar Auszüge, die zeigen, dass Crowdfunding in Form eines Mäzenatentums im 19. Jahrhundert für Schriftsteller einer der Wege war, um zu existieren. Viele der heutigen Erlösquellen gab es nicht und es ist ja nicht unwahrscheinlich, dass es sie auch künftig nicht mehr in der heutigen Form geben wird, sodass wir uns langsam wieder an die Situation des 19. Jahrunderts annähern werden. Insofern dürfte auch das Thema Mäzenatentum wieder wichtiger werden. Eine Beschäftigung damit lohnt also, weil sich auch hier aus der Vergangenheit Vieles lernen lässt.

Berbig skizzierte zunächst das Ende des klassischen Mäzenatentums, das einen literarischen Markt eröffnet habe, auf dem sich die Autoren des 19. Jahrhunderts zu bewähren hatten. Gleichsam erschienen weiterhin sogenannte moderne Mäzene im Literaturbetrieb, die als (literarische) Gönner für Schriftsteller mehr oder weniger umfassend gewirkt und deren Werke vermittelt und medial beworben haben (Gönnerinnen und Autorinnen sind hier stets mitgemeint). Die angenommene Dankbarkeit Schutzbefohlener widerspiegelte sich vielfach in den mit dem jeweiligen Förderer geführten Korrespondenzen, die üblicherweise mit Anreden wie „Hochverehrter Freund, sehr verehrter Gönner“ eingeleitet wurden. Die damals modische Charakterisierung als Gönner beinhaltete demzufolge keine einfache Geschäftsbeziehung, sondern kennzeichnete darüber hinausgehend eine komplexe, vielfach freundschaftliche Verbindung zwischen dem Mentor und seinem Stifter, die auch als Wohltäterschaft oder Protektorat ihre Funktion verrät.

Auch die Motive von damaligen Mäzenen kamen zur Sprache:

Am Ende des Rundgangs durch die Gönnergalerie Theodor Fontanes unterschied Berbig gemeinsame Motive von unterschiedlichen Anlässen, den Dichter gefördert zu haben: Während einerseits das Poetische die Verbindungslinie zwischen Stifter und Stipendiat geschaffen habe und somit soziale Differenz vermitteln konnte, waren andererseits sachliche Gründe ausschlaggebend, den heimatländisch-repräsentativen Autor zu managen. Diese ambivalenten Ursachen aus heutiger Zeit betrachtend, warf Berbig die Frage auf, ob das aktuelle Wissen um die politische Haltung und grundsätzliche Lebenseinstellung einzelner Protektoren deren Gönnertum im Nachhinein schmälert. Schließlich aber hielt er fest, dass die Geber und Beschützer im weitesten Sinne als Karrierehelfer fungiert haben, als Lektoren tätig waren, als Vermittler und Sponsoren wirken konnten, sodass sich eine Typologie aus den in der Gönnergalerie auswahlweise betrachteten Personen ableiten lässt, die als Mischtyp kategorisiert werden kann, wenn Edelsinn, Freundschaft und Güte, Einfluss und Macht einander ergänzt und in der Gesamtheit eine multiple Gönnerschaft erzeugt haben.

—————————————————-
Abo + Austausch: Feed, E-Mail, Facebook, Google+, Twitter, Xing, LinkedIn

Theodor Fontane Chronik: Ideal geeignet für ein Google-Maps-Mashup

Im November dieses Jahres wird ein bemerkenswertes Buch erscheinen: die Theodor Fontane Chronik von Prof. Dr. Roland Berbig.

Worum geht’s in dem Buch?

Die Chronik von Leben und Werk des Schriftstellers Theodor Fontane schließt nach der 2006 erschienenen Bibliographie die zweite seit langem beklagte Lücke in der Fontane-Forschung. Erstmals werden alle zugänglichen Quellen zur Lebens- und Werkgeschichte Fontanes systematisch erschlossen und die daraus gewonnenen Informationen nach Einzelrubriken (Tagesereignisse, Begegnungen, Arbeit, Lektüre, Drucke, Briefe von und Briefe an Fontane) geordnet und chronologisch präsentiert. Jeder Eintrag wird mit seiner Quelle nachgewiesen. Die Chronik stützt sich dabei sowohl auf die umfangreichen Brief- und Tagebücher-Editionen der letzten Jahrzehnte als auch auf unveröffentlichte Materialien aus Archiven. (Quelle: Walter de Gruyter)

Weitere Informationen zu dem Buchprojekt finden sich bei der HU Berlin:

Ziel des Projektes ist es, eine umfassende Sammlung von Daten zu Fontanes Leben als chronologisch geordnete Liste so aufzubereiten, daß für die Fontane-Forschung, aber auch für andere (literatur-)historische Forschungsinteressen ein informatives, vielfältiges und zuverlässiges Nachschlagewerk entsteht. Gerade im Fall Theodor Fontanes scheint ein solches Unternehmen erfolgversprechend: Fontanes ereignisreiches, eng mit der Zeit- und der Literaturgeschichte verwobenes Leben bietet reichhaltiges und reizvolles Material und kann überdies – im Vergleich zu anderen Autorenviten – als hervorragend dokumentiert gelten. Mit Hilfe einer dichten, gut strukturierten Chronik ließen sich sowohl einzelne Informationen schnell verifizieren, als auch Verknüpfungen und Kontextualisierungen unter verschiedensten Fragestellungen herstellen. (Quelle: HU Berlin)

Es handelt sich bei der Chronik also um einen unglaublichen Schatz an Informationen. Für jeden Tag im Leben des Schriftstellers werden alle verfügbaren Informationen aufgelistet. So lässt sich weitgehend rekonstruieren, was er wann wo warum gemacht hat. Doch nicht nur sein Leben wird so erschlossen. Gleiches gilt für sein Werk und konkret für seine Figuren. Um einen Eindruck von der Art der Informationen zu vermitteln, liste ich hier beispielhaft die Daten zu zwei Januartagen des Jahres 1882 auf:

17.1.82 Di 

• F besucht die Karl-Blechen-Ausstellung in der Nationalgalerie

• Besuche bei Alexandrine Gräfin zu Eulenburg und bei dem Pfarrer der französischen Klosterkirche Albert Cazalet

• Diner bei Carl Robert Lessing

• abends Geburtstagsbesuch bei Marie von Wangenheim (66)

18.1.82 Mi 

• nachmittags Besuch bei Professor Behrendt, einem Verwandten Karl Blechens; F erhält Einblick in »so ’was wie Blechens italienisches Tagebuch«

• Gesellschaft bei August von Heyden; Gespräch mit Ernst von Wildenbruch über dessen Tragödie Harold und mit General Wilhelm von Fabre du Faure über Bismarck (67)

B an Wilhelm Hertz (68)

Solche Daten, wo auch immer sie wie im Falle Fontanes erhalten und entsprechend aufbereitet sind, scheinen mir ideal geeignet zu sein für eine Verknüpfung mit dem Fundus weiterer im Internet verfügbarer Daten – z.B. in Form von Mashups:

Mashup (von engl.: „to mash“ für vermischen) bezeichnet die Erstellung neuer Medieninhalte durch die nahtlose (Re-)Kombination bereits bestehender Inhalte. (Quelle: Wikipedia)

Bei der Fontane Chronik stelle ich mir insbesondere eine Kombination der vorliegenden Daten mit den geographischen Daten von Google Maps hochreizvoll vor. So ließe sich eine Welt- oder doch zumindest Europa-Karte erstellen, auf der all die Orte markiert wären, an denen sich Fontane zu irgendeiner Zeit seines Lebens aufgehalten hat. Zudem könnte man sich für einzelne Orte, Straßen und sogar Häuser die Aufenthalte Fontanes anzeigen lassen und würde erfahren, wann und aus welchem Grunde er dort gewesen ist.

Ein ganzes Leben ließe sich so abbilden. Doch nicht nur das. Selbst einzelne Romane, Erzählungen und Gedichte könnten in die Betrachtung einbezogen werden. Besonders spannend wären die Verknüpfungen von Leben und Werk. So ließe sich bspw. darstellen, dass er 1868, 1877 und in den frühen 1880er Jahren in Thale am Harz zur Sommerfrische weilte und dass später ebendort der erste Teil seines 1887 in Buchform erschienenen Romans Cécile spielte. Eine ganze Fülle solcher interessanter Zusammenhänge würde sich auftun dank dieser Art der Datenaufbereitung und -verknüpfung.

Noch als Anregung: Ein Webprojekt, das seit einigen Jahren Ähnliches umzusetzen versucht, ist Handlungsreisen.de:

Im Februar 2004 entstand die Idee, die Handlungsorte der Literatur auf einer Weltkarte einzuzeichnen. Daraus wurde der Atlas für Handlungsreisen.de – ein Kartenwerk der Literatur, gespeist von zahlreichen Leserinnen und Lesern. Mit seiner Hilfe lässt sich das Wechselspiel zwischen Orten und Literatur entdecken.

Paulo Coelho im Social Web

Paulo Coelho ist einer der weltweit erfolgreichsten Schriftsteller. Seine Bücher wurden in 67 Sprachen übersetzt und erreichten in 150 Ländern weltweit eine Gesamtauflage von über 100 Millionen.

Dennoch oder gerade deshalb ist er überaus aktiv im Social Web. Er bemüht sich sehr, den Kontakt mit seinen Anhängern aufzunehmen und zu pflegen. Hierzu bedient er sich der verschiedensten Online-Plattformen. Neben seinem Blog nutzt Coelho diese Dienste direkt oder indirekt für die Kommunikation mit seinen Fans:

Die Frage, in welchem Maße die Aktivität auf den einzelnen Plattformen auch zu größerem Erfolg für Coelho führt, ist natürlich offen. Die Länge der Liste ist aber ein starkes Indiz dafür, dass es sich in der Gesamtheit lohnt, auf diesem Wege die Marke „Paulo Coelho“ zu pflegen.

Interessanterweise verlinkt Coelho auf seinem Blog auch die Seite Pirate Coelho, über die man zu Raubkopien seiner Werke gelangt. Er sieht diese nicht als Gefahr, sondern vielmehr als Marketing für seine Bücher. Zitat: „Piracy should be stimulated!“

Auf der LeWeb’08 hat Coelho über seine Erfahrungen mit dem Internet gesprochen: