Schlagwort: social graph

Comm.unity: Segmentierung des Social Graph mittels Reality Mining

Comm.unity nutzt einen intelligenten Ansatz: Online-Kontakte einer Person werden hier nicht durch manuelle Kontaktanfrage und -freigabe hergestellt. Vielmehr wird analysiert, mit wem diese Person tatsächlich kommuniziert. Dies entspricht auch eher dem realen Networking.

Comm.unity is an ongoing project started in 2007 and led by Nadav Aharony. Comm.unity is a software framework in development, which is intended to allow developers and researchers to easily create applications that are proximity aware and socially aware, and can run on a large set of existing consumer devices. It implements a wireless, device-to-device information system that bypasses the need for any centralized servers, coordination, or administration. It also supports the social learning and user profiling features described above, and designed to span an extensible set of radio interfaces (WiFi, Bluetooth, IR, etc.).

MIT Media Lab LabCast (5 min.):

 

Talk at the Civic Media Communications Forum (5 min.):

Personera verkauft personalisierte Kalender – Facebook sei Dank

Personalisierte Produkte werden immer wichtiger und auch immer leichter herstellbar. Die Personalisierung kann zudem Produkte aufwerten, die sonst nur auf begrenztes Interesse stoßen. Das haben sich auch die Macher von Personera gedacht.

Personera ermöglicht das Einloggen via Facebook Connect und somit den Zugriff auf den individuellen Social Graph. Diese Daten über die eigenen Freunden und sonstigen bei Facebook hinterlegten Daten werden dann genutzt, um individuelle Kalender zu erstellen. So kann für die jeweiligen Tage im Kalender angezeigt werden, wer Geburtstag hat oder welche Veranstaltungen stattfinden. Ein kluger Ansatz.

Calendar features:

  • Includes a free year planner, removable photo collage and cut-out birthday cards!
  • Size: 11.7″ x 16.6″
  • Drag and drop photos from Facebook
  • Add your Facebook friends’ birthdays
  • Include Facebook and custom events
  • Auto-fill empty calendar blocks with thumbnail photos
  • Choose a design theme to suit your style
  • Begin your 12-month calendar on any month

via: TechCrunch

Facebook: Warum ein öffentliches Profil für Ihr Unternehmen sinnvoll sein könnte

Facebook ist der Identity und Social Graph Provider im heutigen Internet – mit inzwischen ca. 200 Millionen Mitgliedern weltweit. Grund genug, sich als Unternehmen mit der Plattform ernsthaft auseinanderzusetzen. Vor allem aber ist Facebook den bekannten deutschen Plattformen wie StudiVZ strategisch und technisch haushoch überlegen. Ein Umstand, der auch am Beispiel der vor kurzem neu gestalteten öffentlichen Profile deutlich wird.

Zu eben jenen öffentlichen Profilen hat Wildfire Interactive ein nettes Video (2:30 min.) veröffentlicht:

via: Enterprise 2.0 Blog

Internetnutzung ist wie Liebesbriefe schreiben

Bezüglich des Internets kursieren meiner Meinung nach einige Missverständnisse. Ein solches Missverständnis ist die Annahme, Plattformen wie Facebook oder StudiVZ seien Communities. Natürlich kann man sie dazu nutzen, um Communities aufzubauen. Tatsächlich aber handelt es sich bei solchen Plattformen aus meiner Sicht v.a. um Infrastrukturanbieter, die ihren Nutzern die Pflege ihres Kontaktnetzes bzw. neudeutsch ihres Social Graphs ermöglichen.

Konsequenterweise beschränken die erfolgreichen dieser Anbieter ihr Angebot nicht nur auf die eigene Plattform. Sie bieten ihre Dienstleistungen überall dort im Internet an, wo die Nutzer sich aufhalten. Das ist angesichts des immer kleinteiligeren Social Webs auch sinnvoll. So ermöglicht Facebook mit Facebook Connect jedem Website-Betreiber im Internet die Integration von Social-Networking-Elementen. StudiVZ hat diese Entwicklung hingegen leider verschlafen. Dort fokussiert man sich noch immer zu stark auf Werbeerlöse.

Das Social Web wird also komplexer und vernetzter. Immer mehr Plattformen beginnen sich zu öffnen und ermöglichen ihren Nutzern einen plattformübergreifenden Datenaustausch. Das bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. Hier zeigt sich ein weiteres Missverständnis.

Wenn man im „echten“ Leben einer anderen Person Informationen übermittelt, muss man darauf vertrauen, dass sie diese nicht missbraucht. Egal, ob man sich mit mit einer Person unterhält, mit ihr Visitenkarten austauscht oder ihr Liebesbriefe schreibt – die übermittelten Informationen werden unwiderruflich aus den Händen gegeben. Diese Informationen können später nicht einfach wieder komplett zurückgefordert oder anderweitig aus der Welt geschafft werden. Auch wenn man sich das bisweilen wie im Falle mancher Liebesbriefe durchaus wünschen würde. Irgendetwas bleibt immer zurück.

Woran liegt es nun aber, dass diese Informationen nicht mehrheitlich missbraucht werden? Es besteht ein sozialer Druck, dies nicht zu tun. Ein solches soziales Verhalten würde sich rächen und später bestraft werden. Der Nutzen ist für das Individuum also oft größer, wenn es die Informationen nicht missbraucht. Somit baut sich über längere Zeit Vertrauen zwischen den Akteuren auf, welches im Falle eines Missbrauchs schnell verspielt wäre. Natürlich muss man zu jeder Zeit stark differenzieren, wem man vertrauen und demzufolge sensible Informationen übermitteln kann.

Nun erwarten viele im Internet, dass sie sich (auch mit Unbekannten) unbegrenzt vernetzen und Daten austauschen können. Social Networks wie Facebook sollen das ermöglichen und entsprechende Funktionalitäten anbieten. Zur gleichen Zeit sollen die gleichen Plattformen aber auch dafür garantieren, dass alle jemals über die Plattform ausgesendeten Informationen im Falle der Account-Löschung ebenfalls mit einem Knopfdruck gelöscht werden. Es sollen alle Informationen zurückgeholt werden können, die man vorher ausgesendet und geteilt hat. Nur leider ist das allein technisch kaum möglich. Zudem ist es auch fragwürdig, ob das aus Sicht der anderen Nutzer gerechtfertigt wäre. Schließlich habe ich normalerweise auch nicht das Recht, alle einer Person geschriebenen Briefe zurückzufordern.

Selbst im Internet lassen sich nicht alle Emails in anderer Leute Postfächern löschen, wenn wir einen Anbieter wie GMX verlassen. Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass die Internetnutzung sich immer mehr dem „echten“ Leben annähert und wir es dort auch mit den gleichen Menschen und den gleichen Zwängen zu tun haben. Wir sollten den Menschen also vertrauen können, ehe wir ihnen sensible Informationen übermitteln. Denn zurückholen lässt sich im Zweifel nichts. Es kommt auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen an und man sollte diese auch nicht durch falsche Sicherheitsversprechen unterdrücken.

Gerade in jüngster Zeit gab es eine Kontroverse im Rahmen der AGB-Änderungen von Facebook. Ich bin gar nicht per se pro Facebook in dieser Sache. Nur wurde aus meiner Sicht bei aller berechtigten Kritik diese größere Perspektive leider nicht genug thematisiert. Ich halte das aber für wichtig, da es sich bei dem Umgang mit Daten in einem zunehmend offenen und vernetzten Social Web um ein sehr wichtiges Thema handelt, das unser aller digitale Zukunft betrifft. Es ist nicht damit getan, Facebook Raffgier und Eigennutz zu unterstellen.

Leider wird Facebook in diesem Fall zum Verhängnis, dass sie die am weitesten entwickelte Plattform haben. Insofern sind sie auch nur bedingt mit deutschen Plattformen wie StudiVZ, Lokalisten und anderen zu vergleichen (Spiegel Online hat es dennoch gemacht). Dadurch muss Facebook viele dieser Themen als Erstes durchfechten und ein Bewusstsein für sie schaffen. Andernfalls könnten sie ihren richtigen und erfolgreichen Weg als Infrastrukturdienstleister für soziale Interaktion nicht weitergehen. Zudem hat Mark Zuckerberg durchaus konstruktiv auf die Kritik reagiert. Schließlich weiß er am besten, dass er langfristig nicht gegen die Interessen seiner Nutzer handeln und so deren Vertrauen verspielen kann, wenn er Erfolg haben will:

Mark Zuckerberg: On Facebook, People Own and Control Their Information
One of the questions about our new terms of use is whether Facebook can use this information forever. When a person shares something like a message with a friend, two copies of that information are created—one in the person’s sent messages box and the other in their friend’s inbox. Even if the person deactivates their account, their friend still has a copy of that message. We think this is the right way for Facebook to work, and it is consistent with how other services like email work. One of the reasons we updated our terms was to make this more clear.

Sehenswert ist in diesem Zusammenhang auch eine dem Thema gewidmete Folge des SocialWeb.tv (17 min.), die gestern erschienen ist. Überhaupt kann ich die Sendung auch allgemein sehr empfehlen:

via: TheSocialWeb.tv

Trends im Social Web

Jedem, der sich für die aktuellen Entwicklungen im Internet interessiert, kann ich TheSocialWeb.tv sehr empfehlen. Dort wird in regelmäßigen Videobeiträgen darüber informiert, wie Online-Plattformen heute auf Basis gemeinsamer Standards immer stärker zusammenarbeiten, offene Schnittstellen anbieten und dem Nutzer zunehmend die Kontrolle über seine Daten lassen. Das Team um John McCrea, Joseph Smarr, David Recordon und Chris Messina tritt dabei in wechselnden Besetzungen auf und lädt auch gern weitere Gäste aus der Web-Szene ein.

In einem Vortrag bei Google I/O hat Joseph Smarr im Mai dieses Jahres die aktuellen Trends im Social Web sehr gut und verständlich zusammengefasst und auf den Punkt gebracht. Der Vortrag dauert eine Stunde, die zu investieren sich aber lohnt:

A number of emerging technologies will soon collectively enable an open social web in which users control their information and it can flow between multiple sites and services. OpenID, OAuth, microformats, OpenSocial, the Social Graph API, friends-list portability, and more will be discussed, as well as a coherent vision for how the pieces fit together and how developers can start taking advantage of them now.

Die Präsentation zum Vortrag kann hier heruntergeladen werden.

Besonders spannend ist, dass Joseph Smarr wirklich ein Gesamtbild entwirft, das zeigt, wohin sich das Social Web entwickeln könnte. Er verknüpft viele der Trends und Entwicklungen, von denen man täglich in der Blogosphäre liest. Eines seiner Kerncharts zeigt dabei auf, wie die Nutzung des Social Web künftig aussehen könnte. Demzufolge werden wir immer stärker Hilfsdienste nutzen, um uns im Internet zu bewegen. Konkret handelt es sich dabei um (1) Identity Providers, (2) Social Graph Providers und (3) Content Aggregators:

Doch was sind das nun für Dienste?

  1. Identity Providers sind bspw. Anbieter von OpenID. Eine erfolgreiche Plattform am Markt ist myOpenID. Mit deren Hilfe kann man sich schon heute bei vielen Seiten wie Plaxo oder blogoscoop anmelden. Der Social-Bookmarking-Dienst Ma.gnolia erlaubt sogar nur noch Neuanmeldungen über solche Dienste. Der Vorteil bei der ganzen Sache ist, dass man vor der Nutzung neuer Plattformen im Internet nicht jedes Mal wieder all seine Daten in ein Profil eingeben und immer wieder das eigene Nutzerbild hochladen muss. Dadurch sinkt der Aufwand erheblich, wenn man auf vielen verschiedenen Plattformen im Netz aktiv sein möchte.
  2. Social Graph Providers sind solche Anbieter wie bspw. Facebook, die dem Nutzer das umfassende Management der eigenen Kontakte und auch die Nutzung des eigenen Kontaktnetzwerks auf externen Seiten ermöglichen. So kann man heute bereits auf Plattformen wie The Insider oder in Deutschland seit kurzem bei amiando (von Mark Zuckerberg in München vorgestellt) auf seine Facebook-Daten zugreifen. Schließlich ist es überaus mühsam, auf jeder neuen Seite immer wieder sein Freundesnetzwerk aufbauen zu müssen. Zudem macht die Nutzung vieler Seiten erst Spaß, wenn man dies gemeinsam mit seinen Freunden tun kann.
  3. Ein bekannter Content Aggregator ist FriendFeed. Solche Dienste aggregieren den auf verschiedenen Social-Web-Plattformen erstellten Content und listen ihn auf einer Seite auf. Dadurch müssen die eigenen Freunde nicht all die Seiten aufsuchen, auf denen man Inhalte erstellt, um am eigenen virtuellen Leben teilhaben zu können.

In der Summe werden diese drei Arten von Online-Diensten sicherlich eine immer größere Rolle spielen und die heutige Web-Welt stark beeinflussen und verändern. Für Medienunternehmer haben sie daher eine große Bedeutung. Wer heute Web-Plattformen plant und umsetzt, sollte diese Trends kennen und berücksichtigen, um auch langfristig gut aufgestellt zu sein.

Um nur eine Konsequenz zu nennen: Wenn Internetnutzer auf jeder beliebigen Web-Plattform mit wenigen Klicks ihren gesamten Social Graph importieren können, verlieren die Netzwerkeffekte heutiger Art ein Gutteil ihrer Bedeutung. Dadurch werden auch große und bekannte Angebote nicht mehr dagegen gefeit sein, schnell Nutzer an neue Wettbewerber zu verlieren. Der Erfolg im Social Web wird also künftig umso stärker von der Produktqualität und dem Marketing abhängen.