Schlagwort: Social Media

Interview: Self-Publishing-Millionärin Tina Folsom über ihre Vermarktungs-Erfahrungen

Wer sind Sie und was machen Sie?

Ich bin Tina Folsom und schreibe seit 2008 paranormale Liebesromane. Mitte 2010 habe ich angefangen, die selbst zu verlegen, sowohl als eBooks als auch als Taschenbücher. Mittlerweile habe ich 15 englischsprachige Titel herausgegeben sowie 5 in deutscher, 6 in spanischer und 2 in französischer Sprache. Meine Scanguards-Vampirserie ist ein internationaler Bestseller.

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

In den letzten 2 Jahren habe ich über 400.000 Exemplare verkauft (99% davon eBooks) und dabei über 1 Million US-Dollar verdient, das Meiste davon auf dem amerikanischen Markt. Seit Anfang dieses Jahres habe ich allerdings auch einige meiner Bücher ins Deutsche übersetzen lassen und da ich jetzt mittlerweile schon 4 Romane und eine Kurzgeschichte auf dem deutschen Markt habe, haben sich meine Verkaufszahlen dementsprechend verbessert. Mittlerweile ist Deutschland für 20 % meiner Umsätze verantwortlich. Das dürfte sich noch steigern, wenn alle 15 Titel auf Deutsch erhältlich sind und sich die deutschen Leser mehr und mehr eReader zulegen.

Stichwort Vermarktung: Wo sehen Sie die wichtigen Ursachen für Ihren Erfolg?

Ja, wo soll ich da anfangen? Es gibt so viele Sachen, die für meinen Erfolg wichtig waren. Zum Ersten: Ich schreibe Serien. Da baut man sich ganz automatisch Anhänger auf. Die Leser sind von den Charakteren eingenommen und wollen wissen, wie es weitergeht. Einen großen Teil meines Erfolges verdanke ich den Bloggern, die geholfen haben, mich und meine Bücher bekannter zu machen. Ich habe anfangs viele Blogs angeschrieben und sie gebeten, meine Bücher zu rezensieren.

Welche konkreten Vermarktungsmaßnahmen waren besonders erfolgreich und warum?

Ich habe viele Giveaways gemacht: also Bücher und auch eReader verschenkt, z.B. einen Kindle und einen Nook. Das brachte viel Aufmerksamkeit und hat mich vielen neuen Lesern vorgestellt. Auch die Interaktion auf Facebook mit meinen Fans finde ich sehr positiv. Die Leser fühlen sich einbezogen und das schafft Loyalität. Ein Newsletter ist auch ein absolutes „Muss“, deshalb habe ich immer hinten in meinen Büchern einen Link drin, über den die Leser meinen Newsletter abonnieren können. Das ist sehr wichtig, wenn ich ein neues Buch heraus bringe, denn so kann ich den Verkaufslink zu Amazon in meinen Newsletter einbauen und meine loyalen Leser kaufen dann das Buch gleich nach Erscheinen. Das hilft sehr, um bei Amazon einen super Verkaufsrang zu erhalten und das wiederum schafft Sichtbarkeit.

Welche konkrete Vermarktungsmaßnahme hat wider Erwarten gefloppt und warum?

Bezahlte Anzeigen auf Facebook haben relativ wenig eingebracht. Ich habe da kaum einen Anstieg meiner Verkaufszahlen gesehen. Ich denke, dass viele Leute einfach die Anzeigen satt haben. Sie hören viel lieber auf ihre Peers, also auf andere Leser und nehmen sich deren Empfehlungen zu Herzen.

Was machen Sie selbst und was erledigen andere für Sie?

Ich mache fast alles selbst. Ich beschäftige allerdings die folgenden Freiberufler:

  • eine Grafikerin, die mir die Cover macht (aber die Fotos suche ich selbst aus und mache auch Vorschläge, was ich auf dem Cover haben will),
  • einen Lektor, der jedes Buch korrigiert,
  • für die fremdsprachigen Bücher: Übersetzer, Lektoren und Korrekturleser,
  • und für mein erstes Audiobuch, das bald herauskommt (auf Englisch): einen professionellen Synchronsprecher.

Alles andere mache ich selbst. Deshalb arbeite ich auch meistens 60-80 Stunden pro Woche und nehme mir selten mal ein Wochenende frei.

Was würde Ihnen bei der Vermarktung noch helfen, d.h., was ist ein typisches Problem?

Ein typisches Problem beim Vermarkten ist ganz einfach der Zeitmangel. Ich kann leider nicht ständig auf Facebook oder Twitter sein, um dort meine Follower-Zahlen zu erhöhen und immer etwas Interessantes zu finden, das ich dort sagen kann. Ich kann leider nicht jeden Blog selbst anschreiben oder jedes Interview annehmen oder viele Gastbeiträge schreiben. Ebenso nimmt es viel Zeit in Anspruch, einen Giveaway zu organisieren. Also beim Vermarkten geht es oft nicht ums Geld, sondern um den Zeitaufwand, der damit verbunden ist. Denn viele Promo-Möglichkeiten sind ja kostenlos. Aber man muss halt Zeit haben, sie zu finden und sie dann einzusetzen.

Welchen Vermarktungsansatz würden Sie wählen, wenn Sie heute neu starten würden?

Ich würde mich sofort auf Social Media stürzen und nicht so lange warten, wie ich das getan habe. Ich fing damit erst wirklich ein Jahr nach der Veröffentlichung meines ersten Romans an. Also: Facebook aufbauen, Twitter anfangen. Sofort eine Autorenseite auf Goodreads.com erstellen. Und dann die Blogs: alle Blogs meines Genres anschreiben und Giveaways anbieten.

Welcher andere Kreative – den vielleicht noch nicht jeder kennt – fällt Ihnen ein, der in der Vermarktung Vorbildhaftes leistet?

Ganz eindeutig meine Freundin Bella Andre. Sie hat einfach immer super Ideen und führt sie auch glänzend aus. Von ihr habe ich wahnsinnig viel gelernt.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.tinawritesromance.com
authortinafolsom.blogspot.com
www.facebook.com/TinaFolsomFans
www.twitter.com/Tina_Folsom

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Tina Folsom

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weitere Interviews mit Kreativen über ihre Vermarktungs-Erfahrungen
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Social-Media-Nutzung macht einsam – aber alleine zu lesen ist sexy?

Schon öfter habe ich mich gefragt, was den „Buch-Besonderheits-Status“ ausmacht: „Bücher, sagt sie, veredeln. Sogar Nicht-Bücher.“ Sicherlich spielt eine wichtige Rolle, dass wir über Jahrhunderte hinweg „people of the book“ waren, während wir heute „people of the screen“ sind oder zumindest werden. In Büchern war ein Großteil der für unsere Gesellschaft und Kultur relevanten Inhalte abgespeichert und es gab einen Qualitätsfilter, indem nicht jeder Bücher weithin zugänglich machen konnte. Jedenfalls ist es noch heute so, dass Aussagen wie diese sichere Beifalls-Catcher sind, was den „Buch-Besonderheits-Status“ ganz gut verdeutlicht:

Wer Bücher und das Bücher-Lesen preist, ist gewissermaßen auf Seite der Guten und muss sich nicht rechtfertigen. Anders ist das im Internet-Kontext. Hier werden immer wieder Probleme intensiv wahrgenommen und thematisiert. Eine beliebte These lautet beispielsweise, dass die Nutzung von Social-Media-Instrumenten und der Vernetzungsmöglichkeiten ganz allgemein die Menschen vereinsamt. Vertreten wird diese These u.a. von der US-Soziologin Sherry Turkle: „Mehr Vernetzung führt zu mehr Einsamkeit“.

Probleme gibt es im Internet-Kontext natürlich zuhauf und sie müssen diskutiert werden. Vielleicht hat Turkle auch (teilweise) Recht. Erschwert wird eine ausgewogene Diskussion, welche nicht nur Probleme, sondern auch Chancen betont, jedenfalls u.a. dadurch, dass die durch eine Veränderung ausgelösten Herausforderungen meist leichter erkennbar sind als das, was man künftig gewinnen könnte. Diese Diskussion will ich hier jetzt aber auch gar nicht führen, obwohl ich Turkles These skeptisch gegenüber stehe. Meine persönliche Erfahrung besagt zumindest etwas ganz anderes – nämlich, dass gerade die Vernetzungskünstler meist sehr soziale Typen sind. Auch in der „realen Welt“, wie es Turkle formuliert.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang vor allem, dass wir an manchen Stellen sehr kritisch zu sein und die potentiellen Probleme mit der Lupe zu suchen scheinen, während andere Bereiche kaum hinterfragt werden. Letzteres betrifft gerade das Bücher-Lesen. Mike Masnick verweist aus meiner Sicht zu Recht auf diese Tweets von Mathew Ingram, die es schön auf den Punkt bringen:

Olivier Blanchard über die Berechnung des Werts von Social-Media-Kontakten

Olivier Blanchard, dessen Buch Social Media ROI ich ohnehin empfehlen kann, hat 5 Regeln zum Thema Wert von Social-Media-Kontakten wie Fans, Followers u.ä. formuliert, die sich angenehm von den überall zu lesenden und deshalb nicht minder fragwürdigen Patent-Rezepten abheben. In seinem Beitrag wird das natürlich noch weiter ausgeführt:

The 5 basic rules of calculating fan (or follower) value

  • A Facebook fan’s value is not the same as the cost of that fan’s acquisition
  • A Facebook fan’s value is relative to his or her purchasing habits (and/or influence on others’ purchasing habits)
  • Each Facebook fan’s value is unique
  • A Facebook fan’s value is likely to be elastic
  • A Facebook fan’s value varies from brand to brand and from product to product

Eigentlich banal das Ganze – dennoch …

Teil des „Buchmarkt-Bullshit-Bingo“: Kundendialog und -beziehungen an Agenturen outsourcen

Ich erinnere mich noch gut, wie ich zu Beginn meines Studiums bei meiner ersten Fahrt auf die Frankfurter Buchmesse enttäuscht war. Ich hatte eine spezielle Frage, die ich einem Verlag stellen wollte, und ging zu dessen Stand. Dort erfuhr ich dann, dass mir niemand weiterhelfen könne, weil die Auskunftgeberin eine eigens für die Buchmesse engagierte Studentin war, die vom eigentlichen Geschäft des Verlages keine Ahnung hatte. Da fragte ich mich, wozu der Verlag durch den Einsatz der Studentin Kommunikationsbereitschaft signalisiert, wenn er selbst doch eigentlich gar nicht präsent ist und somit bei ehrlich Interessierten nur Ernüchterung erzeugen kann. Ganz ähnlich kommt mir heute die Situation im Social Web oft vor:

Ein Feld meines „Buchmarkt-Bullshit-Bingo“ habe ich „Keine Zeit für Kundendialog“ genannt. Die große Chance durch das Netz ist ja gerade, den direkten Kontakt zu den eigenen und künftigen Kunden aufzubauen und bspw. ein Direktmarketing zu etablieren. Gerade in Zeiten des schwächer werdenden stationären Sortimentes und der neuen Gatekeeper im Internet à la Amazon ist das ein sehr wichtiger Punkt. Wer dafür keine Zeit hat, sagt letztlich, dass der Erfolgszusammenhang nicht gegeben ist, was sehr oft aber schon allein daran liegt, dass Erfolg nicht definiert, gezielt herbeigeführt und/oder gemessen wird.

Natürlich kann man über die so genannten „Social-Media“-Plattformen klassisches Marketing betreiben. Das hat dann aber wenig mit „social“ zu tun. „Social“ bedeutet für mich, echte Kundenbeziehungen aufzubauen und zu pflegen. Wer das bisher schon machen wollte, musste aber nicht erst auf die Erfindung des Internets warten. Das Internet schafft jedoch neue Möglichkeiten, „social“ zu sein. Beim Thema „social“ geht es also weniger darum, was man tut, sondern darum, wie man ist. Es geht darum, ob die eigene Unternehmenskultur darauf ausgerichtet ist, Kundenbeziehungen zu würdigen – egal mit welchen Mitteln. Mirko Lange hat die „Social Media“ zu Recht mal als Persönlichkeitsverstärker bezeichnet.

Dementsprechend sollten die Unternehmensaktivitäten auf den „Social-Media“-Plattformen der eigenen Kommunikationskultur entsprechen, wie sie auch andernorts im und vom Unternehmen gelebt wird. Ich treffe bei meiner Beratungstätigkeit öfter auf Fragen zu diesem Feld. „Müssen wir unsere Kunden auf Facebook duzen, weil das ja alle dort so machen?“ Natürlich nicht, wenn das sonst bei anderen Kontaktpunkten mit dem Kunden nicht auch getan wird. Wie gesagt, die Unternehmenskultur sollte nicht verändert werden, nur weil man auf Facebook unterwegs ist, sondern die neuen Plattformen sollten dazu dienen, das sichtbar zu machen, was das eigene Unternehmen ausmacht.

Das wiederum führt aber zu einem weiteren Punkt des „Buchmarkt-Bullshit-Bingo“: „Agenturen für Kundendialog und -beziehungen“ – Es gibt ja inzwischen diverse Agenturen auch speziell auf dem Buchmarkt, die bspw. anbieten, die Kommunikation auf den unternehmenseigenen Facebook-Seiten zu übernehmen. Ich berate ja selbst Verlage, Buchhandels- und andere Unternehmen; ich selbst würde das als Dienstleistung aber nicht anbieten, weil ich es für nicht zielführend halte und ich finde jene Akteure tendenziell fragwürdig, die das tun. Es ist einfach nicht im Sinne des Endkundens. Der Endkunde sucht den Kontakt zum Unternehmen, so wie ich es damals auf der Buchmesse auch gemacht habe. Wenn dann aber jemand antwortet, der gar nicht im betreffenden Unternehmen verankert ist, ist das aus den verschiedensten Gründen schon einmal ungünstig (u.a. oft mangelnde Sachkenntnis). Noch dazu kommt, dass ein Agenturmensch eben anders kommuniziert – so wie es seiner Art oder der Kultur der Agentur entspricht – sodass kein authentisches Bild vom beauftragenden Unternehmen vermittelt wird.

Das Problem ist, dass viele der Agenturen argumentieren, dass eine solches Outsourcing der Kommunikation sinnvoll sein kann, wenn dem Auftragsunternehmen die Zeit fehlt. Die Zeit kann aber nur dann fehlen, wenn ein Erfolgszusammenhang nicht ausreichend sichtbar ist, denn sonst würden natürlich sofort Leute für diese Tätigkeit eingestellt werden. Es ist also vielmehr die Aufgabe von Beratern und Agenturen, diesen Erfolgszusammenhang herzustellen und erkennbar zu machen. Denn u.a. in den Bereichen Marktforschung, Erfolgsmessung und Konzeption – beim Know-how-Ausbau allgemein – kann eine externe Unterstützung durchaus sinnvoll sein. Im Idealfall setzt eine „Social-Media“-Beratung dort an und macht sich schnellstmöglich selbst überflüssig.

Wenn aber „Social Media“ tatsächlich Persönlichkeitsverstärker für Unternehmen sind, die zutage tretende Persönlichkeit aber weder positiv noch anziehend ist – was sollte dann getan werden? Da gibt es zumindest zwei Ansatzpunkte:

1.) Wenn ein Unternehmenscharakter für die Kunden nicht attraktiv genug ist, bleibt nur, ihn zu ändern. Hier kommt sogleich das Unternehmensberatungs-Buzzword „Change Management“ ins Spiel. Es geht also nicht darum, ein paar Marketingprogramme o.ä. anzupassen, sondern den Kern des Unternehmens zu verändern. Also nicht primär das, was es tut, sondern das, wie es ist. Die Diskussion, wie so etwas gelingen kann, wird zu selten geführt, obwohl ich sie für sehr wichtig halte.

2.) Der zweite Ansatzpunkt betrifft die Frage, wen ich als Unternehmen überhaupt einstelle. Viele Unternehmen schauen noch immer vor allem auf die fachliche Eignung von Bewerbungskandidaten. Doch gerade in Zeiten von „Social Media“ wird die Persönlichkeit der Mitarbeiter – also der „culture fit“ – immer wichtiger, weil sie sehr stark die Persönlichkeit des Unternehmens prägt. Ich vermute, dass wir uns in vielen Bereichen dem Ansatz des Internet-Schuh/Mode-Versands Zappos annähern werden. Zappos stellt Bewerber auch bei allerbester fachlicher Eignung nicht ein, wenn sie nicht zur Unternehmenskultur passen. Zappos bezahlt den Mitarbeitern sogar Geld, wenn sie das Unternehmen verlassen, damit wirklich nur die Überzeugungstäter an Bord bleiben. Zappos betrachtet aber auch das Telefon als Social-Media-Instrument und betreibt sein Call-Center inhouse, um so den Kundenkontakt im eigenen Sinne zu gestalten. Kurzer Einblick:

(Video, 3 min.)

Wenn also das Social Web tatsächlich die Zukunft ist, wie Viele es annehmen, dann hängt der Unternehmenserfolg künftig wesentlich von der Kommunikation und Interaktion mit den Kunden ab. Es kommunizieren und interagieren aber auch in Unternehmen immer Menschen. Menschen unterscheiden sich am Ende vor allem durch ihre Persönlichkeit. Das gilt in Zeiten von häufig stark austauschbaren Produkten auch für Unternehmen. Die Persönlichkeit eines Unternehmens ist also einer der wichtigsten USPs, den es im Social Web gibt. Persönlichkeit lässt sich nicht outsourcen.

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Gilt auch für Verleger: Erfolgreiches Bloggen erfordert Überzeugung und Leidenschaft

Richard Branson (Virgin) ist ja beileibe kein unbekannter und es ist wenig überraschend, dass er auch für das Thema „Social Media“ ein Händchen hat: Why Richard Branson Always Makes Time for Social Media

Gefragt nach seinem Rat für andere Unternehmen, die die Social-Media-Tools für sich nutzen möchten, sagt er: Be authentic and organic. It can’t be forced or it won’t work. And most importantly, have fun.

Behalten wir das im Hinterkopf.

Im jüngsten Heft des buchreport.magazin, das ich vom Verlag freundlicherweise jeden Monat kostenlos zugeschickt bekomme, habe ich nun ein Interview mit Michael Krüger, dem Verleger des Carl Hanser Verlages, gelesen. Dieser war im September 2011 sehr präsent im Social Web, weil er im ersten Video der YouTube-Reihe „Michael Krüger spricht“ zu sehen war. Dort spricht er einmal im Monat über den Literaturbetrieb. Das wurde in der Branche und auch von mir selbst überaus positiv aufgenommen. Umso erstaunter war ich dann, im buchreport.magazin Folgendes von Krüger zu lesen:

Müssen Verleger mehr Gesicht zeigen?
Ich bin nicht der Meinung, aber meine Kollegen sind der Ansicht, dass es lustig oder interessant sei, diese Textmassen, die wir jährlich herausgeben, mit meinem Gesicht zu verbinden. Jetzt ist es erst einmal mein Gesicht, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass ein Lektor oder jemand aus dem Marketing etwas erzählt.

Dann kommt die Frage nach dem Nutzen, die er ebenfalls mit erstaunlicher Offenheit beantwortet:

Gewinnen Videos als Marketinginstrument an Bedeutung?
Das meint man hier im Verlag in der Tat. Was mich betrifft, habe ich aber kaum Zeit, mir Videos anzuschauen. Was ich, offen gesagt, auch nicht bedaure.

Es kann Michael Krüger also niemand vorwerfen, dass er nicht authentisch wäre. Ganz im Gegenteil. Er bringt sehr gut auf den Punkt, warum solche Themen in vielen Buchverlagen nur schwer voran kommen. Es besteht bei den führenden Personen häufig kein Interesse, vielfach fehlt es auch an Kenntnis (was ja oft daraus folgt) und der Nutzen wird bezweifelt. Das führt mangels Angeboten zu einem Vakuum auf dem Aufmerksamkeitsmarkt, sodass sogar Ansätze, bei denen der Akteur nicht wirklich hinter der Sache steht, sehr stark wahrgenommen werden. Dabei hilft natürlich, dass der Hanser Verlag und sein Verleger im Buchmarkt sehr starke Marken sind. Krüger selbst stellt überrascht fest:

… die Reaktionen sind erstaunlich gut. Man muss ja davon ausgehen, dass da ein alter Mann sitzt, der eigentlich keinerlei Bezug zu diesem Medium hat, und keine Charlotte Roche.

Ich bezweifele aber sehr, dass sich mit dieser Einstellung als (Video-)Blogger, der Krüger ja hiermit geworden ist, allzu viel gewinnen lässt, weil sich die Überzeugungstäter langfristig auf jeden Fall durchsetzen werden, selbst wenn deren Marke zu Beginn nicht so zugkräftig ist. Es gilt also tatsächlich, was Branson sagt: It can’t be forced or it won’t work. And most importantly, have fun.

Umso größer sind die Chancen für jene (Video-)Blogger in den Verlagen, die innerlich getrieben sind und Spaß daran haben, das bestehende Vakuum zu füllen. Ich bin gespannt, wer sich vorwagt. Ich persönlich freue mich über jede Initiative und unterstütze auch im Rahmen von „Ich mach was mit Büchern“ immer gern neue Ansätze.

Witzig finde ich, dass Michael Krüger im gleichen Interview beklagt, dass die „wirklich interessanten“ Autoren und auch die Buchschaffenden kaum je in eine Talkshow eingeladen werden. Warum wohl …? ;)

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