Schlagwort: sponsoring

Power-Nerd Robert Scoble finanziert sein Buch über Sponsoren – erste deutsche Autoren machen es auch

Ich bin ein Fan von Robert Scoble, dessen Video-Interviews mit Unternehmen aller Art ich seit Jahren mit viel Gewinn verfolge. Aktuell schreibt er zusammen mit dem Forbes-Autor Shel Israel ein Buch zu einem der heißesten Themen überhaupt: „Age of Context“:

(…) it’s going to focus on how companies are able to build highly anticipatory services (think of Google Now) and highly personalized services (ToyTalk, for instance, is building toys that will interact differently with you depending on who you are and where you are) because of these five things: 1. Sensors that are exponentially increasing (…) 2. Wearable devices (…) 3. Database innovation (…) 4. Rapidly increasing social data (…) 5. Rapidly increasing location data (…) [via]

Bei der Frage, wie das Buch zu finanzieren wäre, haben die Beiden sich zunächst 3 Varianten angeschaut, die die meisten im Blick haben:

  • Traditional publishing
  • Self-Publishing
  • Crowdsourcing/Crowdfunding

Da die beiden aber schon hohe persönliche Reichweiten besitzen, gehen sie einen anderen und sehr interessanten Weg. Sie lassen sich von namhaften Unternehmen wie Microsoft und Autodesk sponsern:

To date, we have raised approximately $100,000. This is about three-times what we heard as a best offer from a traditional publisher. It is enough for me to suspend my consulting practice and focus full time on writing the book and will be sufficient to get it designed, edited and published in hardcover and ebook formats.

Scoble erwähnt noch einen Vorteil des Sponsorings: Dass sie so ebenso flexibel und schnell am Markt sind wie beim ’normalen‘ Self-Publishing, was gerade bei diesem Kontext-Thema wichtig ist:

The $100,000 raised so far is about three times what we would have been able to raise through traditional publisher and has a bigger upside because we can be much more agile and innovative (getting the book on market quicker after being done, for instance, or publishing all of our own work on our blogs)

Sicherlich kein Weg, der für jeden geeignet ist, vor allem als unbekannterer Autor. Aber einer, der viel zu selten genutzt wird. Dass es auch im kleineren Maßstab funktioniert, zeigt der Autor Bastian Backstein, der die lokale Verankerung im Erzgebirge genutzt und mit Kunsthandwerkern der Region kooperiert hat, wodurch sein Buchprojekt ermöglich wurde. Er reißt das hier im Interview bei ‚Ich mach was mit Büchern‘ an.

Die Protagonisten der Geschichte sind typische Figuren der erzgebirgischen Weihnacht, Nussknacker, Räuchermännchen und Co., die gemeinsam ein lustiges Abenteuer erleben. Daher war es naheliegend, Volkskunsthersteller in Sachsen anzusprechen und ihnen das Buch vorzustellen. Ich stieß auf offene Ohren und mehrere Kunsthandwerker übernahmen eine Art Patenschaft für die Buchhelden und finanzierten die Illustrationen. Für jede Figur fand sich eine realer Gegenpart. Selbst der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V. kam mit an Bord und unterstützte das Projekt. Mit dem schon fertiggestalteten Buch konnten wir schließlich den Husum Verlag als weiteren Partner gewinnen.

Bastian Backstein wird übrigens auf der Leipziger Autorenrunde genau darüber sprechen, seine Erfahrungen vorstellen und diskutieren.

Freiwilliges Bezahlen als „Hygienefaktor“ – für uns alle?

Im Handelsblatt vom 19.08.2010 bin ich auf einen interessanten Artikel (Zugang nur für Kunden) zu den Kulturausgaben von Unternehmen und deren Sinnhaftigkeit gestoßen. Darin wird beschrieben, warum Unternehmen Kultureinrichtungen freiwillig finanziell unterstützen. Sie tun dies aus ganz rationalen Gründen, um das Erreichen der Unternehmensziele zu unterstützen:

(…)
Auch die Unternehmen sehen sich vor die Frage gestellt, wie sie ihre Kulturausgaben rechtfertigen und messbar machen können, ohne die Maßnahme selbst wegzurationalisieren. „In einem Bereich, den Sie kaum messen können, trauen sich die wenigsten, Studien in Auftrag zu geben“, sagt Jürgen Bachmann, Kulturreferent bei Audi. „Im kulturellen Bereich gibt es noch keine relevanten Kennzahlen.“ Audi wagt sich trotzdem aus der Deckung. Als eine der ersten lassen die Ingolstädter derzeit eine Studie durchführen, die den Anteil von Kultursponsoring am Konzernergebnis ermitteln soll. So werden unter anderem Aktienkurse von kulturell engagierten und nicht-engagierten Unternehmen oder die Wirkung auf die Mitarbeiter untersucht.

In einem ist sich Studienleiter Professor Manfred Schwaiger von der Ludwig-Maximilians-Universtität München sicher: Kulturkommunikation ist als „Hygienefaktor“ für Führungskräfte nur schwer zu toppen. Er vergleicht sie mit schmutzigen Handtüchern im Hotel. Saubere Exemplare sind Standard, bei dreckigen macht der Gast zu Recht Rabatz.

 

Ich frage mich, inwiefern sich diese Gesichtspunkte auf ganz normale Privatpersonen übertragen lassen, die ja spätestens im Internet auch alle beginnen, an ihrer Reputation zu feilen. Interessant ist das gerade im Kontext der neuen Micropayment-Dienste, die eine freiwillige Unterstützung von anderen sehr einfach und sehr kostengünstig ermöglichen. Heute ist die Nutzung von Flattr & Co. zwar noch etwas Besonderes. Wenn sie sich aber mehr und mehr durchsetzt, könnte das freiwillige Geben irgendwann vielleicht sogar allgemein erwartet werden, sodass sozialer Druck gerade für jene entstünde, die andere Leute im Netz und darüber hinaus nicht unterstützen. Schon heute ist das ja gewissermaßen der Fall, wenn man sich bspw. um einen Job oder ein Stipendium bewirbt. Auch hier wird es gern gesehen und am Ende oft belohnt, wenn die Bewerber sich freiwillig für gesellschaftlich Sinnvolles engagieren und nicht nur egoistisch die eigene Karriere vorantreiben. Wird also das freiwillige Bezahlen zu einem „Hygienefaktor“ für uns alle?

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von TigerDirect.com