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Jason Fried: Gute Lehrer sind gute Marketer

Dieser Vortrag ist schon etwas älter und trotzdem nach wie vor sehenswert. Er bringt zudem Vieles von dem auf den Punkt, was mich vor über 2 Jahren hat diesen Blog starten lassen. Aus meiner ganz persönlichen praktischen Erfahrung heraus kann ich auch bestätigen, dass er Recht hat:

Jason Fried is the co-founder and President of 37signals, a privately-held Chicago-based company committed to building the best web-based tools possible with the least number of features necessary. Elegance, respect for people’s desire to simply get stuff done, and honest ease of use are the hallmarks of 37signals products.

Video (19 min.):

Das Teilen im Internet entspricht einem über Jahrzehntausende erfolgserprobten Verhalten

Vor dem Hintergrund der noch immer ständig geführten Diskussionen über die Sinnhaftigkeit des Teilens und Kooperierens im Internet (und andernorts) ist es sehr interessant, sich diesen Beitrag (9 min.) der ZDF-Sendung Abenteuer Wissen von Ende Juli über die Grundlagen unseres Kommunikationsverhaltens anzusehen. Er zeigt, dass viele Phänomene im Netz einem urmenschlichen, d.h. keineswegs einem naiven, sondern einem über Jahrzehntausende erfolgserprobten Verhalten entsprechen – Stichwort: Herstellung von Win-Win-Situationen:

Ursprung der Kommunikation – Der Mensch ist ein „Wir“-Tier

Wenn es um das Lösen von Kooperationsaufgaben geht, sind Kinder wesentlich motivierter ein Gruppenziel zu erreichen als unsere nächten Verwandten, die Schimpansen. Michael Tomassello: „Sie lassen sich auf ein gemeinsames Ziel ein und handeln entsprechend. Wenn ein Schimpanse seine Belohnung bekommen hat, hört er auf. Bei Kindern dagegen haben wir festgestellt, wenn der andere noch keine Belohnung hat, dann kooperieren sie so lange, bis auch der andere sein Teil auch bekommt.“

Sind Blogger wirklich naiv?

Als Blogger – gerade wenn man in der Wirtschaft beruflich tätig ist – wird man häufig etwas mitleidig betrachtet. Ganz so, als ob man zu naiv wäre zu verstehen, dass man sein Wissen doch nicht einfach so ins Internet stellen, also verschenken sollte. Dieses habe doch Wert und gehöre möglichst teuer verkauft. Eine Ansicht, die besonders in Deutschland und allgemein in Europa verbreitet zu sein scheint. Luis Suarez (IBM) dazu:

There is still this notion that knowledge is power and as soon as I let my knowledge go by sharing it with others I lose my power.

Ich persönlich sehe das etwas anders und eher wie Hugh MacLeod: “selling by giving”, or, “gift economics”

Doch bin ich bei weitem nicht der Einzige, der sich mehr Freigebigkeit wünschen würde und sie auch für vorteilhaft für den Gebenden hält:

 

Um zu erklären, dass sich Teilen doch lohnen kann, muss man nicht irgendeine Art neue Geheimwissenschaft bemühen. Dieser Umstand wird lange schon untersucht und Vieles ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Wobei man kein Nobelpreisträger sein muss, um den Zusammenhang zu verstehen oder zumindest zu erahnen. Schon unsere Ahnen wussten: „Wer gibt, dem wird gegeben.“ Unter diesem Titel ist vor 10 Jahren auch folgender Telepolis-Artikel erschienen, der allein schon viel verdeutlicht:

Allerdings ist die Voraussetzung für die Belohnung der Großzügigen, die in dem Experiment auch am meisten virtuelle Franken aufhäufen konnten, dass die anderen eben auch wissen müssen, dass und wie oft man etwas gegeben hat. (…) Im Grunde sagt das Experiment, dass der Großzügige in einer Gemeinschaft am besten fährt, der am besten seine guten Taten öffentlichkeitswirksam darstellen kann – und dass ein geschickter Egoist gelegentlich auch langfristig denken muss und durchaus auch dann zu seinem Vorteil gelangen kann, wenn er nicht sofort belohnt wird.

In einer Zeit, da uns das Internet ermöglicht, andere in unsere Köpfe schauen zu lassen und so Transparenz herzustellen, lohnt es sich also, Wissen zu teilen. Das Teilen kann einen sogar schützen. Beispielsweise dann, wenn man in einem Unternehmen arbeitet, wo es Usus ist, dass die Früchte des eigenen Kopfes von anderen geerntet werden. Vielleicht ist das aber auch ein Grund, warum sich gerade viele Entscheider schwer tun mit dem Internet. Es erschwert so manchen bewährten und sehr vorteilhaften Prozess des „Abschöpfens“.

Luis Suarez: Europäer teilen ihr Wissen nicht gern

Luis Suarez arbeitet für IBM und ist dort Knowledge Manager und Botschafter für Social Software. In dem interessanten Video (s.u.) spricht er über einen ganzen Strauß an Themen wie Social Media, kollaborative Instrumente, Enterprise 2.0, den Sinn und Unsinn von E-Mails und vieles mehr.

Bemerkenswert finde ich einen Vergleich, den Suarez zwischen Europa, Asien und den USA zieht. Er sagt, dass Europäer sich im Vergleich zu anderen recht schwer tun mit dem Teilen von Wissen und Kontakten. Beides werde bei uns vielfach als Grundlage von Macht verstanden, die geschützt und abgeschirmt werden müsse, so Suarez:

There is still this notion that knowledge is power and as soon as I let my knowledge go by sharing it with others I lose my power.

Kernvoraussetzung für den Erfolg in einer Netzwerk-Gesellschaft und -Wirtschaft ist aber das Teilen. Daher könnte man diesen Kulturunterschied sogar als echten Wettbewerbsnachteil betrachten.

Suarez gibt zudem wertvolle Hinweise für all jene, die zu viele Emails bekommen und nach Alternativen suchen.

Das Video (30 min.):

via: Enterprise 2.0 Blog