Schlagwort: Thomas Koch

Jeder Verlag braucht ein Mission Statement

Was Thomas Koch hier im Interview mit Lousy Pennies für Presseverlage beschreibt, erkläre ich Buchverlagen auch immer, weil ich es für notwendig halte. Es gilt an sich für jeden Akteur in der neuen Medienwelt:

Was muss ein Verlag tun, um zu überleben?

Ich würde jedem Verleger die Frage stellen: „Was ist Ihr Mission Statement? Was bezwecken Sie außer Geld verdienen?“ Denn das war seine bisherige Absicht.

Warum braucht er dieses Mission Statement?

In den Zeiten der Selbstverständlichkeit der Zeitung hat man völlig vergessen, dem Leser zu erklären, wer man ist und was seine Zeitung mit ihm vor hat. Wenn er in Zukunft Geld verdienen will, braucht er ein Mission Statement, das eine qualitative Aussage hat. Wenn er zum Beispiel sagt, „Ich will Meinungsbildner und Freund sein”, dann muss er nur noch auf seine Zeitung blicken und wird sofort sehen, was er ändern muss.

Thomas Koch über Social Media: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern …

Thomas Koch, Mitglied der Geschäftsleitung von Crossmedia, ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich die Stimmung bzgl. Social-Media-Themen bei den Entscheidern in der Wirtschaft allgemein zu wandeln scheint. Vor ein paar Monaten bezeichnete Koch die Kommunikation auf Social-Media-Plattformen bei kress.de noch als „Müll“:

„Aber was machen die [8 Millionen Nutzer] denn auf Facebook? Die tauschen sich doch nicht über Marken aus. Rund 90% der Facebook-Nutzer schreiben nur Müll und tauschen private Fotos aus. Die müssen wir weiterhin über die klassischen Medien erreichen. Social Media erweitert lediglich das Spektrum.“

Inzwischen wäre das anscheinend etwas zu peinlich, weswegen Thomas Koch nun plötzlich bei der W&V von großer Relevanz spricht, die jedoch im Einzelfall zu hinterfragen sei – was ansich natürlich richtig ist. Leser mit einem Gedächtnis wundern sich aber angesichts der neuen Töne:

„Um auf den ‚Boden der Tatsachen‘ zu kommen: Social Media ist eine Revolution in der Kommunikation der Menschen untereinander. Daran ist alles relevant.“

Jetzt beklagt Koch sogar, dass „wir Deutschen“ es mal wieder zu spät kapieren:

„Wenn wir Deutschen dafür wieder länger brauchen, ist das unsere Schuld.“

Dabei mussten wir so lange warten und nun wollen wir Deutschen – bis auf Thomas Koch natürlich – diese Chance einfach nicht erkennen:

„Jahrzehntelang haben wir vom Dialog geträumt – und jetzt, wo er möglich ist, kneifen wir? Auch das ist wieder typisch deutsch.“

Lieber Herr Koch, ich weiß auch nicht, wer das immer ist, der bei uns Deutschen so lange auf dem Schlauch steht … Böse Zungen könnten behaupten, dass es inzwischen ebenso billig ist, Social Media hochzujubeln, wie es billig ist, auf die Karte „wir Deutschen kapieren es mal wieder nicht“ zu setzen …

NACHTRAG: Thomas Koch hat hier kommentiert.