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ZDFneo-Beitrag: Wie neue Technik und Self-Publishing den Porno-Markt verändern

Ich bin am Wochenende zufällig auf die ZDFneo-Sendung Wild Germany aufmerksam geworden, die interessante Themen wie Fußball-Ultras, Metal, Schlager, Reeperbahn und Bugchasing beleuchtet und dabei vor allem auch zeigt, was für Menschen hinter diesen Themen stehen und was sie antreibt. Gerade das finde ich interessant.

Ein Beitrag dreht sich rund um den Porno-Markt und er zeigt sehr viel von dem, was wir auch in Bezug auf andere Medienbranchen ständig diskutieren: neue Technik verändert die bestehenden professionellen Marktstrukturen, Amateure drängen mit einer kostenarmen Organisation auf den Markt und betreiben Self-Publishing, neue Geschäftsmodelle werden erprobt, eine stärkere Kundenorientierung hält Einzug in Form von Community-Denke und Mitmach-Kultur usw. usf. Zwei Self-Publisher und deren Arbeit werden konkret vorgestellt.

Pornografie ist allgegenwärtig. Ob in der soften Variante, nachts im deutschen Fernsehen, oder härter, in den Videotheken, Sexshops und Sexkinos, oder Hardcore, auf etwa 37 Prozent aller Seiten des Internets. Trotz alledem, oder gerade deshalb, sank der Umsatz der deutschen Pornoindustrie in den letzten Jahren erheblich. Vorbei sind die goldenen Zeiten der künstlerischen Report-Filme der 70er Jahre wie „Schulmädchenreport“ oder „Mädchen beim Frauenarzt“. Durch den technischen Fortschritt und flächen-deckenden Internetzugang sah sich die Porno-Industrie in den letzten Jahren zu gravierenden Veränderungen gezwungen. Manuel Möglich begibt sich auf eine Reise durch die Geschichte des deutschen Pornofilms, um genau diese Veränderungen nachzuvollziehen.

Der Beitrag dauert 30 Minuten und kann in der Mediathek angesehen werden – aufgrund einer Altersbeschränkung aber erst ab 22 Uhr:

Wild Germany – Porno

Interview: Journalist und TV-Moderator Richard Gutjahr über seine Vermarktungs-Erfahrungen als Blogger

Wer sind Sie und was machen Sie?

Mein Name ist Richard Gutjahr. Ich bin seit über 15 Jahren Journalist, habe u.a. für die Süddeutsche Zeitung gearbeitet, für Bayern 3 sowie für die Talkshow „Live aus dem Alabama“. Ich bin freier Mitarbeiter beim Bayerischen Fernsehen, moderiere die Spätnachrichten. 2009 habe ich begonnen zu bloggen, um mir ein zweites Standbein aufzubauen. Am Anfang war das nur ein Hobby. Mittlerweile könnte ich sogar fast schon davon leben.

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

Im letzten Jahr hatte ich eine Million Pageviews. Das ist eine Menge dafür, dass ich die Seite ja nur in meiner Freizeit betreibe. Aber die Masse allein ist für mich nicht entscheidend. Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, war mein Ziel, dass sich die Seite irgendwann selbst trägt. Heute dient mir das Blog als Plattform, um im Netz gefunden zu werden, um Teil der Konversation zu sein. Das ist Voraussetzung dafür, um mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, und natürlich auch dafür, um neue Aufträge zu generieren. Allein im letzten Jahr habe ich zwei Buchangebote bekommen. Ohne mein Blog undenkbar.

Stichwort Vermarktung: Wo sehen Sie die wichtigen Ursachen für Ihren Erfolg?

Schwer zu sagen. Ein Punkt ist sicher, dass ich Dinge gerne ausprobiere. Ein Beispiel: Als die Hartz-Gesetze eingeführt wurden, wurde viel in den Medien theoretisiert, was das wohl für Arbeitslose bedeutet. Mir war das alles zu abstrakt. Darum habe ich meinen Chef gebeten, mich zu feuern. Einen Monat habe ich Jobcenter besucht, Mini- oder 1-Euro-Jobs gemacht. Danach wusste ich mehr über das Thema, als die meisten Experten. Wichtiger noch: Ich komme in Kontakt mit echten Menschen, Betroffene wie auch Publikum, die mir laufend Fragen stellen können. Ein unschätzbarer Vorteil gegenüber vielen meiner Kollegen, die ein Thema googeln und das dann Recherche nennen.

Welche konkreten Vermarktungsmaßnahmen waren besonders erfolgreich und warum?

Für mich und mein Blog sind zwei Dinge entscheidend: Die Nähe zu meinen Lesern sowie gute Themen. Ich achte darauf, dass ich regelmäßig exklusive, selbst recherchierte Geschichten biete, die sich vom allgemeinen Medien-Mainstream abheben. Ob das der Blogpost zu den unerhörten Geschäftsbedingungen des ePostbriefs der Deutschen Post war oder die Story um die gefälschten WeTab-Kundenrezensionen bei Amazon. Wenn die Geschichte stimmt, läuft die Vermarktung ganz von allein. Ein Tweet, ein Kommentar bei Facebook, und die Sache kommt ins Rollen.

Welche konkrete Vermarktungsmaßnahme hat wider Erwarten gefloppt und warum?

Videos sind zur Zeit noch ein mühsames Geschäft. Wenn man nicht diszipliniert ist und nicht jede Woche was Neues bietet, baut man nicht genug Traffic auf. Das habe ich unterschätzt. Gleichwohl glaube ich daran, dass Bewegtbild die Zukunft gehört. Deshalb bleibe ich dran und investiere fast meine gesamten Blog-Einnahmen in eine neue Kameraausrüstung. Wenn Apple-, Google- oder ein anderes Netz-TV kommt, will ich bereit sein.

Was machen Sie selbst und was erledigen andere für Sie?

Meine WordPress-Seite hat Thomas Pfeiffer von den Webevangelisten programmiert. Ich bin kein Coder, was ich sehr bedauere. Abgesehen davon bemühe ich mich aber sonst, alle Inhalte selbst zu gestalten, also Audios, Videos, Schaubilder, solche Sachen. Beim Fernsehen bin ich es gewohnt, in einem großen Team aus Kameraleuten, Cuttern und Grafikern zu arbeiten. Im Web genieße ich die Unmittelbarkeit und auch das „Handgemachte“, was nicht immer perfekt sein muss, dafür aber authentisch ist.

Was würde Ihnen bei der Vermarktung noch helfen, d.h., was ist ein typisches Problem?

Die Frequenz. Ich würde mein Blog gerne häufiger aktualisieren, würde gern mehr Videos und mehr investigative Geschichten anbieten. Leider komme ich nicht dazu. Mein Blog hat auch dazu geführt, dass ich in E-Mails schwimme: Interview-Wünsche für Masterarbeiten, Anfragen für Diskussionsrunden oder Firmen, die wollen, dass ich über ihre Produkte blogge. Ich bemühe mich, allen so gut es geht zu antworten, aber das kostet Zeit, die mir woanders dann natürlich fehlt.

Welchen Vermarktungsansatz würden Sie wählen, wenn Sie heute neu starten würden?

Mein Motto würde lauten: Tue Gutes und rede darüber. Niemals umgekehrt. Aus meiner Fernsehmentalität heraus kommend habe ich gedacht, die Tatsache, dass ich blogge, würde schon allein reichen, dass die Menschen mich finden und regelmäßig zu mir kämen. Ein Irrtum. Das Netz funktioniert so nicht. Wenn Du eine gute Geschichte hast, ist es egal, ob Du Tagesschau oder Max Mustermann bist. Die Leute werden Dich finden. Umgekehrt: Wenn Du nichts zu bieten hast, hilft Dir auch kein Markenname und auch keine Marketing-Kampagne.

Welcher andere Kreative – den vielleicht noch nicht jeder kennt – fällt Ihnen ein, der in der Vermarktung Vorbildhaftes leistet?

Da gibt es unendlich viele. Wer mir in letzter Zeit besonders aufgefallen ist, ist .aequitaS, ein unglaublich talentierter Musiker, den ich bislang nur von YouTube kannte und den ich zum ersten Mal live beim Webvideopreis in Düsseldorf gesehen habe. Mit seinem Blog und seinen Videos erreicht er Hundertausende – ganz ohne Plattenfirma und Management. Solche Menschen inspirieren mich.

Wo finden wir Sie im Internet?

gutjahr.biz
twitter.com/gutjahr
facebook.com/gutjahr
facebook.com/richardgutjahr

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Mathias Vietmeier

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weitere Interviews mit Kreativen über ihre Vermarktungs-Erfahrungen
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3sat-Kulturzeit-Bericht: „Vom Schreiben kann niemand leben“

Dass Schriftsteller schlecht verdienen, ist keine Neuigkeit. Dass es ihnen jedoch im Zuge der Digitalisierung immer schlechter geht, ist alarmierend. Verlage investieren weniger, es gibt weniger Stipendien, weniger Lesungen finden statt, große Lesefestivals konzentrieren sich gerne auf die bekannten Bestseller-Autoren. Keine gute Zeit, um Schriftsteller zu werden, oder?

„Vom Schreiben kann niemand leben“ – Wie es ist, heutzutage Schriftsteller zu sein

Warum nur eine „TagesWebSchau“? – Social-Web-Themen gehören in die echte Tagesschau

Die ARD will mal wieder jung sein und denkt offensichtlich sehr konkret über die Etablierung einer „TagesWebSchau“ nach:

In der wenige Minuten langen Sendung, die eine Ergänzung zur klassischen „Tagesschau“ sein soll, soll das „Tagesgeschehen im Spiegel des Netzes“ beleuchtet werden. Gleichzeitig soll das Internet auch als Themenlieferant dienen, so Radio Bremen-Intendant Jan Metzger.

Sehr typisch: Es wird natürlich unterschieden zwischen den „echten“ Nachrichten und dem Junge-Leute-Zeug, das wohlweislich gleich ins Netz und auf Spartensender abgeschoben wird:

Zu sehen sein wird die Sendung sowohl im linearen Fernsehen auf dem Digitalkanal EinsExtra als auch auf Abruf im Web.

Diese Art von Trennung, welche fast immer anzutreffen ist, ist aus meiner Sicht einer der Gründe, warum das Themenfeld Social Web in Deutschland schief wahrgenommen wird. Warum integriert man die Stimmen der Menschen nicht dort, wo sie thematisch passen und hingehören, anstatt nach technischen Plattformen zu unterscheiden? Mir scheint es doch eher so zu sein, dass über das Social Web am Orte des Geschehens getroffene Aussagen oft viel relevanter sind als die von Reportern, welche sich nachträglich für das Fernsehen „live vor Ort“ hinstellen und bedeutungsschwanger einfach nur die Aussagen Dritter wiedergeben. Letzteres ist ja nach wie vor üblich – trotz der Möglichkeiten des Social Webs.

Fortschrittlicher scheint mir da schon die Situation in Russland zu sein – jetzt mal unabhängig von den sonstigen politischen Umständen, die ich hier nicht diskutieren will, obgleich sie diskussionswürdig sind. Ich war letzte Woche in Moskau und dort berichtete mir Ksenia Ryklin (Goethe-Institut) über die selbstverständliche Einbindung von Stimmen aus dem Netz in die Hauptnachrichten:

(Video, 1 min.)

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Über das erfolgreiche Geschäftsmodell der Abmahnung

Bei Internet-Geschäftsmodell-Diskussionen bleibt oft unerwähnt, dass sich ein sehr einträgliches Geschäftsmodell bereits fest etabliert hat: das Verschicken von Abmahnungen. Der unten zu sehende MDR-Beitrag aus dem März 2011 beleuchtet dieses Geschäftsmodell und erklärt, wie leicht es geht und dass kein Normal-Nutzer davor geschützt ist – unabhängig vom Surfverhalten. Wenn man aber Abmahnungen verschickt – egal ob berechtigt oder nicht – zahlt ein gewisser Prozentsatz der Beschuldigten immer. Das macht es so lukrativ.

Wer für eine positive Wahrnehmung des Internets in Deutschland sorgen wollte, müsste gerade auch an dieser Stelle ansetzen. Hier werden viele Durchschnittsnutzer verschreckt, die es ja eigentlich für die Chancen der digitalen Welt zu begeistert hieße. Zudem führt der Abmahn-Wahn zwangsläufig zu einer negativeren Einstellung gegenüber dem gesamten Urheberrecht, was dann auch dort schadet, wo das Urheberrecht sehr sinnvoll ist. Vielleicht sollte man mal einen Internet-Pranger einrichten, wo diejenigen aufgeführt werden und recherchierbar sind, die abmahnen oder abmahnen lassen. Speziell im Medienbereich könnte man dann bspw. zumindest mit Liebes- also Link-Entzug antworten …

(Video, 15 min.)

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Bewerbung 2.0: Michael Jäger möchte Tatort-Kommissar werden

Ich finde den Ablauf einer herkömmlichen Bewerbung in Zeiten des Internets seit langem fragwürdig. Man präsentiert sich auf dem Papier ansprechend und muss dann an dem einen großen Tag, dem des Vorstellungsgesprächs, absolut in Form sein. Kleine Zufälle können das Ganze sehr leicht positiv oder negativ beeinflussen. Dank des Internets ist man aber nicht mehr (ausschließlich) darauf angewiesen. Heute kann man an 365 Tagen im Jahr sehr leicht zeigen, was in einem steckt.

Beispielsweise ist auf dieser Website mein Lebenslauf hinterlegt. So hat jeder, der meinen Blog gut findet, die Chance, einen Gesamteindruck von mir zu bekommen. Zudem kann jeder leicht Kontakt zu mir aufnehmen und ein zwangloses Gespräch führen. Auf diesem Wege hat man jeden Tag die Chance, „entdeckt“ zu werden und muss sich nicht allein auf eine klassische Bewerbung verlassen.

Nun suche ich derzeit gar keinen Job. Andere schon und sie machen sich ebenfalls das Netz zunutze. Der Schauspieler Michael Jäger, bekannt u.a. aus „Marienhof“, ist Ende September auf folgenden Beitrag bei stern.de gestoßen:

stern.de sucht „Tatort“-Kommissare

„Ich bin begeistert über jeden originellen Vorschlag“, sagt Liane Jessen. Die Fernsehspielchefin des Hessischen Rundfunks steht vor einer großen Herausforderung: Sie sucht das neue „Tatort“-Team für Frankfurt.

Michael Jägers Reaktion:

Ich will Tatort-Kommissar werden und benötige dazu Deine Unterstützung!

Seit vielen Jahren sage ich jedem, der es hören will oder nicht, dass ich irgendwann mal den Kommissar im Tatort spielen möchte. In jedem Interview bringe ich diesen Wunsch unter, bei allen Gelegenheiten äussere ich diesen Wunsch. Das Ziel, als Tatort-Kommissar arbeiten zu wollen, habe ich, seit ich mit der Schauspielerei angefangen habe.

Seitdem erprobt er eine „Bewerbung 2.0“, die er in diesem Beitrag von münchen.tv erklärt (5 min.):

 

Für seine Bewerbung fordert er aber nicht nur die Unterstützung Anderer ein, sondern tut auch selbst etwas, indem er zeigt, wie er sich als Tatort-Kommissar machen würde:

Video (5:30 min.):

 

Aus meiner Sicht ist die Aktion eine gute und unterstützenswerte Sache, weil sie das Internet als Chance begreift und nutzt. Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, weshalb man Michael Jäger noch helfen kann.

Hier findet sich eine Übersicht zu den Aktionen der Unterstützer:

Eure Unterstützung für meinen Traum Tatort-Kommissar finde ich grossartig!

Michael Jäger nutzt für seine Aktion u.a. folgende Plattformen des Social Web:

Facebook
Twitter
YouTube
Blog
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