Schlagwort: Urheberrecht

TED-Vortrag: Embrace the remix

In diesem TED-Vortrag fasst Kirby Ferguson seine Sicht auf die Rolle von Remixes zusammen:

Nothing is original, says Kirby Ferguson, creator of Everything is a Remix. From Bob Dylan to Steve Jobs, he says our most celebrated creators borrow, steal and transform.

(Video, 10 min.)

‚Everything is a Remix‘ ist eine bekannte 4-teilige Videoreihe von Ferguson, in der er die übliche Darstellung des Themenfeldes Remixing, Urheberrecht, Patente u.ä. hinterfragt und dabei viele bekannte Persönlichkeiten und deren Aussagen mit einbezieht:

via: Nerdcore

Rechtswissenschaftler Thomas Hoeren u.a. über Urheberrecht, Kreative, Verwerter, Vergütung, Piraten …

In Gänze sehr lesenswertes Interview der brand eins mit dem Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Hoeren, in dem dieser aber noch stärker zwischen Buch- und Presse-Verlagen hätte differenzieren können:

Der Rechtswissenschaftler Thomas Hoeren über die Inflation der Manifeste zum Urheberrecht, vernünftige Richter und gierige Verlage

Aus Kreativen-Sicht u.a. interessant, weil es diesbezüglich ja jüngst eine Klage und reichlich Aufregung gab („VG Wort will vorerst kein Geld an Urheber ausschütten„):

(…)
Nehmen Sie etwa die großen Verwertungsgesellschaften VG Wort und Gema. Das sind eigentlich Organisationen für Autoren und Komponisten. Diese Gesellschaften sammeln große Mengen Geld ein von Unternehmen oder Privatleuten, als Gegenleistung dafür, dass urheberrechtlich geschützte Werke etwa im Radio gespielt oder privat kopiert werden dürfen. Jeder, der zum Beispiel einen USB-Stick, einen Kopierer oder einen Scanner kauft, zahlt über den Ladenpreis eine Geräteabgabe an die Verwertungsgesellschaften. Dieses Geld fließt aber nicht komplett an die Urheber, wie es eigentlich sein müsste. Auch Verlage und Musik-Label kassieren mit, ohne juristisch dazu einen Hauch von Berechtigung zu haben.

Wie kam es dazu?

Die Musik-Label etwa haben irgendwann entdeckt, dass die Gema über eine Sonderkonstruktion aus den Dreißigerjahren, die ausnahmsweise angewandt wurde, nicht nur Geld an Komponisten, sondern auch an Musikverlage ausgeschüttet hat. Das waren Unternehmen wie zum Beispiel Schott, die Musiknoten verlegt haben und keine Tonträgerhersteller waren. Die großen Label haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg da rangehängt, haben sich zum Teil pro forma Musikverlage zugelegt oder selbst einen gegründet und gesagt, sie wollen auch Geld haben. Sie haben es bekommen und bekommen es bis heute, je nach Ausschüttung sind es rund 40 Prozent der Gesamtsumme.
(…)

Typischer Fall: Otto Waalkes lehnt für Nachwuchs-Künstler die Art Inhalte-Nutzung ab, die ihn mit groß gemacht hat

Otto Waalkes scheint als Künstler ein typischer Fall zu sein: Er war früher selbst gewissermaßen Pirat und hat es mit dem Urheberrecht nicht so genau genommen, wie er im FAZ-Interview zugibt. Heute sieht er die Risiken, die daraus folgen, wenn es jeder so machte wie er damals, was aufgrund der neuen technischen Rahmenbedingungen ja möglich ist. Deshalb scheint er für die Nachwuchs-Künstler das abzulehnen, was ihn mit groß gemacht hat. Zugleich sorgt er sich aber um deren Förderung:

(…)
FAZ: Ihre Meinung zur Piratenpartei?

Waalkes: Die Filmpiraten in „Ice Age“ sind mir lieber. Ich bin aber kein Urheberrechtsexperte und habe zu einer Zeit angefangen, als man mehr als lax mit dem Eigentumsbegriff umgegangen ist, mit dem geistigen sowieso.

FAZ: So ist ja Ihre Kooperation mit Gernhardt entstanden: Sie haben ohne Genehmigung einen Text von ihm auf der Bühne vorgetragen, worauf er sich bei Ihnen meldete.

Waalkes: Ja, in dem Sinne war ich eigentlich ein früher Pirat. Gefahren sehe ich heute natürlich darin, dass der Zugriff so vereinfacht ist. Das mindert das Unrechtsbewusstsein und kann den unschönen Nebeneffekt haben, dass Talente nicht mehr gefördert werden. Mir wird ja gern vorgeworfen: Du machst nur Blödsinn. Das stimmt, aber Nonsens ist kein reiner Schwachsinn, es ist ein verweigerter Sinn. Der Betrachter wird in ein scheinbar stabiles Sinngebäude gelockt – und dann lassen wir ihn voll gegen die Wand laufen. Das kostet schon eine gewisse Mühe.
(…)

Man sollte jetzt aus einer Interview-Antwort nicht zu viel ableiten wollen. Ich glaube aber, dass die Tendenz, die hier anklingt, ziemlich typisch ist: Viele Künstler scheinen recht ratlos zu sein. Das Urheberrechts-Dilemma wird zwar erkannt, nicht aber Auswege aus dem Dilemma. Daher wird im Zweifel eher auf die strikte Durchsetzung des bestehenden Urheberrechts gesetzt, allein schon um die eigenen Einkünfte zu sichern, was sehr verständlich ist. Ich unterstelle aber auch mal, dass vielen Künstler nicht immer komplett bewusst ist, was die konsequente Durchsetzung des bestehenden Urheberrechts in der heutigen Internet-Zeit an Restriktionen bedeuten würde. Leider kommt in Deutschland von den etablierten Künstlern auch wenig Input, was neue Geschäftsmodell-Ansätze betrifft. Die Ratlosigkeit scheint doch zu überwiegen.

Wenn man sich dann überlegt, dass Leute wie Otto Waalkes als Medien-Profis das Feld schon nicht so recht überblicken und dies auch ohne Image-Verlust zugeben können („bin aber kein Urheberrechtsexperte“), finde ich es umso gewagter, dass heute Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher als Internet-Nutzer zu Urheberrechtsexperten mutieren sollen …

Neue Bewegung? – Nina Paley plädiert für Urheberrechts-Ungehorsam analog zum zivilen Ungehorsam

Im Interview mit O’Reilly (s.u.) erklärt die Künstlerin Nina Paley, auf die ich hier schon öfter hingewiesen habe, warum sie das Urheberrecht analog zum zivilen Ungehorsam künftig ganz bewusst verletzen möchte und nicht wie andere nachträglich entschuldigend oder mit versuchten Rechtfertigungen. Interessant finde ich ihre Künstler-Perspektive, die man nicht teilen muss, die aber gesellschaftlich wichtige Punkte berührt, über die diskutiert werden sollte.

Dass sich bezüglich des Urheberrechts grundsätzlich etwas ändern muss, erkennt inzwischen ja sogar der Buchbranchen-Verband an und lädt zur Diskussion konkreter Anpassungen ein. Selbst mit Extrem-Standpunkten wird sich anlässlich aktueller Buch-Publikationen differenziert auseinandergesetzt.

(Video, 7 min.)

via: Techdirt

Ungewohnte Aussage vom Buchbranchen-Verband: „Das Urheberrecht behindert Kreativität in bestimmten Bereichen“

Als Pinterest in Deutschland bekannt wurde, habe ich versucht zu beschreiben, dass selbst wohlmeinende Menschen aufgrund des aktuellen Urheberrechts arge Probleme haben, selbst einfachste Dinge im Internet zu tun, die ganz alltägliche persönliche Kommunikation betreffen.

Von daher freue ich mich sehr, dass der Börsenverein von seinen offiziellen Beton-Positionen abzurücken scheint, wie sie regelmäßig im Rahmen der Buchmessen formuliert werden. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, hat jetzt ansich Banales, aber für diesen Verband Bemerkenswertes festgestellt:

Unser Standpunkt bisher klingt fest: Das Urheberrecht ist gut so, wie es ist; es bedarf keiner Veränderungen. Jeder, der dagegen verstößt, muss verfolgbar sein. Das Recht muss in jedem Fall durchgesetzt werden. Unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten sind alle diese Positionen absolut richtig. Mit der Lebenswirklichkeit und den Gesetzen der Internetkommunikation haben sie allerdings immer weniger zu tun.

Es ist offensichtlich geworden, dass das Urheberrecht in bestimmten Bereichen vor allem der sozialen Kommunikation im Netz die Entfaltung von Kreativität eher behindert als fördert. Damit steht es dort auch der Verbreitung und Nutzung unserer Inhalte entgegen.

Wir als Branche müssen uns die Frage stellen, ob nicht gerade in dem genannten Bereich Korrekturen notwendig sind. Ich denke an den Literaturfan, der zwei Seiten aus einem Roman auf seine Facebook-Seite stellt, um den Text mit seiner Community zu diskutieren. Solange wir Fälle wie diesen für verfolgungswürdig halten, reden wir einem Urheberrecht das Wort, das die Urheber nicht nur schützt, sondern ihnen indirekt auch schadet. Auf der anderen Seite muss verdeutlicht werden, dass das Urheberrecht grundrechtlich geschützt ist. Es bildet nämlich die Existenzgrundlage derer, die ihre Arbeitskraft für eine immaterielle Leistung einsetzen und auf diese Weise wertvolle und stark nachgefragte Beiträge zur Entwicklung unserer Gesellschaft erbringen.

Das geht auf jeden Fall in die richtige Richtung … Wenn wir nicht aufpassen, wird die Buchbranche noch cool … ;)