Schlagwort: vergleiche

Schreibmaschinen wird es immer geben

Ein Feld meines „Buchmarkt-Bullshit-Bingo“ habe ich genannt: Das Argument: Papierne Bücher gibt’s auch in Zukunft – Wohlgemerkt geht es hier nicht um den Fakt, der nicht zu bestreiten ist, sondern um die häufig anzutreffende Instrumentalisierung dieses Umstandes als Argument gegen den Medienwandel. Wenn nicht gleich hinkende Vergleiche bemüht werden, hört die Diskussion nämlich oft bei der Feststellung auf, dass auch gedruckte Bücher – wie jede andere Technik-Form – nicht aussterben werden. Ach ne, echt …? ;)

Ein Beispiel dafür habe ich hier festgehalten: Ebenfalls typisch bei diesem kleinen Beitrag ist, dass die Antwort an der Frage vorbei geht. Natürlich wird es auch in 20 Jahren noch papierne Bücher und den Wunsch, sie ordentlich zu lagern, geben. Fast keine Technik verschwindet völlig. Auch heute werden noch Schwerter geschmiedet und es werden Dampfmaschinen gebaut. Es wandelt sich aber durchaus die (wirtschaftliche) Bedeutung von bestimmten Techniken. Es wird also mit Sicherheit auch in Zukunft noch Leute geben, die sich Bücher aus Papier kaufen und diese sammeln. Das unterstreicht ja auch Paschen kräftig. Damit ist aber noch lange nicht gesagt, dass es genug Leute sein werden, um als buchregal-produzierendes Unternehmen in der heutigen Form von ihnen leben zu können. Dieser Aspekt kommt überhaupt nicht zur Sprache.

Diese Argumentation ist genauso wenig hilfreich wie die Feststellung, dass es – wie im eingebundenen kleinen Video-Beitrag zu sehen – auch heute noch Schreibmaschinen gibt und es sie auch in Zukunft geben wird. Aber wie groß ist der Markt im Vergleich zu früher? Könnte es nicht doch sein, dass die allermeisten Hersteller heute pleite sind oder etwas anderes fertigen? Eigentlich banal das Ganze, aber in Diskussionen kommt der Punkt halt immer wieder auf …

via Boing Boing

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Der Medienwandel als Blütezeit der hinkenden Vergleiche

Vergleiche hinken bekanntlich immer. Manche liegen aber schon förmlich am Boden – oder man selbst nach der Lektüre … ;)

Besonders hübsch finde ich den von Ralf Frenzel, Verleger des Tre Torri Verlages, der mir in der Oktober-Ausgabe des buchreport.magazin über den Weg gelaufen ist:

Ohne die Gewürze Bits und Bytes geht es also nicht …
Ja, aber das gedruckte Buch wird immer die Herleitung sein. Es gab in den 70er-Jahren die Schlagzeile „Das Kino ist tot, es lebe das Video“. Wo ist denn heute das Video und wo ist die DVD? Das Kino ist immer noch das wichtigste Medium, um einen großen Film wirklich in den Markt zu heben. Dass die Verwertungsstufen schneller aufeinander folgen, ist eine andere Frage.

Da passt aus meiner Sicht einiges nicht zusammen: Die Zeit seit den 1970ern ist nur bedingt vergleichbar mit der durch das Internet dominierten Zeit. Ich glaube auch nicht, dass das E-Book zum papiernen Buch im gleichen Verhältnis steht, wie die DVD zum Kino. Da gibt es ganz grundlegende technische Unterschiede. Ich glaube weiterhin nicht, dass das gedruckte Buch immer die Herleitung für digitale Bücher sein wird, sondern eher anders herum. Das besonders Erfolgreiche wird auch künftig zu Papier gebracht werden. Dafür muss es sich aber im digitalen Raum bewährt und eine Nachfrage aufgezeigt haben. Außerdem bleibt noch die Frage, wie groß dieser Markt für Gedrucktes sein wird im Vergleich zu heute. Nur dass einer existieren wird, heißt ja noch nicht, dass sich alle heutigen Akteure auch zukünftig dort werden betätigen können.

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