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Wikipedia entwickelt eine Art offenes Content-Management-System für die ganze Welt

Viele Verlage haben, um sich fit für die digitale Welt mit der dort notwendigen Vielzahl an Produkten zu machen, erstmal ein zentrales CMS eingeführt, aus dem sich die unterschiedlichen Inhalte-Produkte speisen sollen. Vielen steht das aber auch noch bevor. In den meisten Häusern ist so eine Software-Einführung ein mit großen Herausforderungen verbundenes Projekt (Change-Prozesse werden ausgelöst, Produktpolitik muss überdacht werden, Mitarbeiter müssen sich umgewöhnen, …).

Wikipedia macht jetzt etwas ganz ähnliches. In diesem Fall werden die dann zentral gepflegten Daten aber frei zur Verfügung stehen und auch auf fremden Websites sowohl technisch als auch rechtlich nutzbar sein. Wenn das erstmal steht, ist es für die Nutzer eine super Sache und für manchen Verlag ein durchaus relevanter Wettbewerber:

Vom 30. März bis 1. April findet in Berlin die jährliche Wikimedia Conference mit Teilnehmern aus 40 Ländern statt. Zeitgleich startet Wikimedia Deutschland mit Wikidata ein völlig neues Wikimedia-Projekt. Wikidata wird eine offene Datenbank für das Wissen der Welt werden, an der jeder mitarbeiten kann. Das erste Ziel des Projekts ist es, die mehr als 280 Sprachversionen von Wikipedia mit einer einzigen gemeinsamen Datenquelle auszustatten. Damit können weltweit die Daten der Artikel in allen Sprachen der freien Enzyklopädie ergänzt und zentral gepflegt werden. Aber auch außerhalb von Wikipedia können die Daten verwendet werden, zum Beispiel in Blogs oder auf Webseiten. Das Prinzip einer gemeinsamen Datenquelle soll die Qualität und Übereinstimmung von Wikipedia-Artikeln verbessern. Durch Wikidata werden mehr Informationen in kleineren Sprachversionen von Wikipedia verfügbar gemacht. Gleichzeitig wird es für Zehntausende freiwillige Wikipedia-Autoren erheblich einfacher, Daten in der Enzyklopädie aktuell zu halten.

Der Vorstand von Wikimedia Deutschland, Pavel Richter, erklärt : “Wir betreten Neuland. Wikidata ist das größte technische Projekt, das jemals eine der 40 Länderorganisationen der Wikimedia-Bewegung in Angriff genommen hat. Wikimedia Deutschland widmet sich mit Begeisterung der Aufgabe, durch Wikidata die Datenverwaltung der größten Wissenssammlung der Menschheit deutlich zu verbessern.”

Es gibt auch schon einen ersten Screenshot:

Bildquelle: Wikimedia (Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication.)
via: netzpolitik.org

Encyclopedia Britannica öffnet sich für Nutzer – ein bisschen

Die Lexikon-Verlage tun sich im Wettbewerb mit Wikipedia ungemein schwer. Die jüngste Geschichte von Brockhaus spricht für sich. Doch nicht nur Brockhaus muss auf Wikipedias Dominanz im Internet reagieren. Die Encyclopedia Britannica hat nun angekündigt, sich stärker für ihre Nutzer öffnen zu wollen. Jorge Cauz, President der Encyclopædia Britannica Inc., dazu in einem Interview mit dem Sidney Morning Herald:

What we are trying to do is shifting … to a much more proactive role for the user and reader where the reader is not only going to learn from reading the article but by modifying the article and – importantly – by maybe creating his own content or her own content …

Die Nutzer können nun, wie erstmals von Wikipedia vorexerziert, Änderungen an den Artikeln vornehmen. Diese werden allerdings vor einer Freigabe von den Britannica-Mitarbeitern geprüft. Eine solche Freigabe soll innerhalb von 20 Minuten erfolgen, so Cauz. Manche der Änderungen sollen später auch in der Druck-Ausgabe des Lexikons erscheinen. Um Änderungen vornehmen zu können, müssen sich die Nutzer – anders als bei Wikipedia üblich – unter Angabe ihres Namens und ihrer Adresse registrieren.

Die 241 Jahre alte Encyclopedia Britannica öffnet sich also – ein bisschen. Das Hauptproblem ihres Hybrid-Modells beschreibt Frederic Lardinois bei ReadWriteWeb: Es ist nicht ausreichend skalierbar. Denn jeder kann Änderungsvorschläge einbringen. Das Ziel müsste also sein, dass möglichst viele Nutzer dies auch tun. Allerdings überprüft nur eine begrenzte Anzahl an Mitarbeitern die Änderungen. Ab einem gewissen Punkt werden diese die Fülle der Anfragen nicht mehr zeitnah bearbeiten können. Dadurch wird jedoch die Motivation der Nutzer sinken, Änderungen tatsächlich vorzuschlagen.

Der Vorteil von Wikipedia ist, dass die Community die Qualitätsprüfung übernimmt und die „Mitarbeiter“-Zahl dementsprechend größer ist. Das ist auch notwendig, da bei Wikipedia jeden Tag mehr als 150.000 Änderungen vorgenommen werden. Frederic Lardinois bringt es auf den Punkt: There is simply no way for Britannica’s editors to approve this many edits – the process simply wouldn’t scale unless they hired a lot of highly qualified (and fast) editors.

via: Sidney Morning Herald, ReadWriteWeb

Zu kurz gedacht: Lutz Heilmann & Co.

Viele Menschen tun sich schwer, die neuen durch das Internet geschaffenen Realitäten zu akzeptieren. Das liegt u.a. daran, dass sie die neuen Medien schlicht nicht (gut genug) kennen. Daher fehlt ihnen auch die zu deren Einschätzung und Beurteilung nötige Kompetenz.

Ein schönes Beispiel hierfür war in den letzten Tagen wieder einmal zu beobachten. Da versuchte der Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann mittels einer einstweiligen Verfügung die Verbreitung von aus seiner Sicht unwahren Informationen über Wikipedia zu verhindern. Erreicht hat er angesichts seiner mangelnden Medienkompetenz das glatte Gegenteil. Dank des ungeschickten Vorgehens hat nun alle Welt über Heilmanns Fall, die missliebigen Informationen und seinen letztlichen Rückzieher berichtet:

Es scheint immer noch nicht in allen Köpfen angekommen zu sein, dass wir in Zeiten einer Medienrevolution leben. Konkret heißt das, dass heute jeder Zugang zur Öffentlichkeit hat, was früher fast ausschließlich Medienunternehmen vorbehalten war. Dadurch kann aber auch jeder seine persönlichen Meinungen in die Öffentlichkeit tragen. Einzelne Meinungen unterdrücken zu wollen – gerade als in der Öffentlichkeit stehende Person – ist in den meisten Fällen sinnlos oder gar kontraproduktiv. Es ähnelt einem Kampf mit der Hydra, bei dem für einen abgeschlagenen Kopf sogleich zwei neue nachwachsen. Herr Heilmann hätte sich in der Rückschau sicherlich gewünscht, dass es nur zwei gewesen wären …