Schlagwort: YouTube

Warum media-TREFF nervt

Weil ich zwar relativ selten, aber doch immer mal wieder bei media-TREFF – einem Informationsangebot von Vogel Business Media – etwas Interessantes finde, habe ich den Blog abonniert. Es nervt aber wahnsinnig, dass die Betreiber die YouTube-Videos, welche sich in fast jedem Beitrag finden, auf Autoplay gestellt haben. Zeitweise befanden sich sogar in der Seitenleiste Videos, die automatisch abgespielt wurden, wenn man irgendeine Unterseite der Website aufgerufen hat. Das Ganze wird extra aufwändig in den Code integriert:

object data=“http://www.youtube.com/[…];autoplay=1

Ich habe auf deren Fanpage schon auf diesen Miss-Stand hingewiesen und weiß, dass auch andere Blogger/Multiplikatoren sich schon beschwert haben. Reaktionen kamen keine. Warum aber wird das nicht geändert, sondern stets extra so eingestellt? Sollen die Views der Videos hochgetrieben werden?

Da jedes Video automatisch startet, ist es interessant, sich die Views mal anzuschauen. Das Video zu diesem Beitrag vom 01.06. hat bei YouTube beispielsweise 8 Views, was ziemlich bescheiden ist, wenn man sich als „der Treffpunkt für Marketing- und Vertriebsprofis zum Thema B2B-Marketing, Kommunikation und Vertrieb“ positioniert:

In diesem Beitrag vom 25.05.2011 sind es Stand heute 29 Abrufe. Bei den anderen Videos scheint es sich in ähnlichen Dimensionen zu bewegen. Also, entweder hat media-TREFF vergleichsweise schlechte Traffic-Zahlen oder die Views werden von YouTube als künstlich gepusht erkannt und aussortiert:

Leider gibt es Leute, die versuchen, die Zahl der Aufrufe künstlich anzuheben. (…) Um zu verhindern, dass ungültige Aufrufe gezählt werden, ergreifen wir folgende Maßnahmen: Wenn wir feststellen, dass versucht wurde, die Anzahl der Aufrufe künstlich zu erhöhen, verlangsamen wir die Zählung der Videoaufrufe. In seltenen Fällen wird die Zählung auch ganz gestoppt.

Egal, ob YouTube eingreift oder die Traffic-Zahlen von media-TREFF einfach gering sind – die Views sind so oder so niedrig. Warum verhindert man dann nicht wenigstens, dass die treuen Nutzer genervt werden? Gerade wenn man sich an „Führungs- und Fachkräfte“ wendet, sollte man doch dementsprechend seriös auftreten. Mir fällt spontan kein (Hobby-)Blogger ein, der ebenso vorgehen würde …

Was YouTube und die Websites der Öffentlich-Rechtlichen gemeinsam haben

Neulich hat Marcel Weiß darauf hingewiesen, wie clever YouTube mit auf seiner Plattform nicht mehr verfügbarem Content umgeht. Es nennt offen die Akteure, die für die Nicht-Verfügbarkeit verantwortlich sind, und lenkt somit potenziellen Groll auf sie:

Als vor längerer Zeit die heute übliche Praxis begann, nicht autorisierte oder nicht lizensierte Musikvideos auf YouTube massenhaft zu sperren, dachte ich mir, wie brillant die Vorgehensweise von YouTube-Betreiber Google ist: Statt die entsprechenden Videos komplett zu entfernen und dem verdutzten Nutzer eine leere Suchergebnisseite vorzusetzen, behält man den Kontext bei und sagt dem Nutzer etwas in der Art von: “Die Spielverderber von den Majorlabels wollen nicht, dass wir Dir zeigen, was Du sehen willst.”

 

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit Änderungen des Rundfunkstaatsvertrag aus dem Jahr 2009, die dazu führen, dass mit Steuergeldern erstellte Inhalte der Öffentlich-Rechtlichen nach kurzer Zeit wieder aus dem Netz genommen werden müssen. Gerade habe ich selbst erfahren, was das bedeutet, als ich mich über eine Studie zu dem Einfluss von Medien auf Gerichtsbeschlüsse informieren wollte und dabei über Google auf einen vielversprechenden Artikel von 3Sat stieß:

http://www.3sat.de/specials/rechtbrisant/135345/index.html

Wenn man auf den Link klickt, wird man auf diese Seite umgeleitet:

Das besonders Absurde an diesem Fall ist, dass der Beitrag über den Google-Cache ganz kurz angezeigt wird, bevor auf die Informationsseite umgeleitet wird. Wenn man bei der Umleitung schnell genug einen Screenshot erstellt, kann man den Beitrag sogar noch sichtbar machen. Daher ärgert man sich am Ende noch mehr, dass der Inhalt nicht verfügbar ist:

 

So also sieht der neue Trend des „Depublizierens“ aus. Jedenfalls stimme ich den Vertretern der Öffentlich-Rechtlichen in dem unten zu sehenden Zapp-Beitrag zu, dass die Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens kaum vermittelbar ist, da solche gesperrten bzw. gelöschten Inhalte mit unser aller Geld erstellt worden sind. Aber auch hier – ähnlich wie im erwähnten Fall von YouTube – wird die Ursache des Ärgernisses benannt, sodass der Groll in diese Richtung geleitet und Druck aufgebaut wird, der vielleicht auch zu Anpassungen dieses Vorgehens führen wird.

Video (8 min.):

via: netzpolitik.org