Neugier ist etwas Gutes

Ich find Neugier ja was Gutes. Und immer mal was Neues auszuprobieren. Seit das Knie nicht mehr so zwickt, mach ich das auch wieder mit dem Joggen. Mit das Beste ist eigentlich, dass man da gut nachdenken kann, dass man rumkommt, Orte entdeckt und dass man Menschen beobachten kann. Das hab ich immer schon gern gemacht. Ich bin gerade in Greifswald und hier ist die Strecke beispielsweise wunderschön: von der Altstadt über den Museumshafen den Fluss Ryck entlang bis zum Fischerdorf-Stadtteil Wieck, dort zur Klosterruine Eldena, kurz die Luft der Geschichte einatmen und dann zurück wieder den Fluss entlang in den Sonnenuntergang hinein. Was mir heute dabei wieder aufgefallen ist: Während ich da langhechele, ist es ja so, dass man alle vorbeilaufenden Jogger kurz grüßt. Also zumindest so 80 Prozent, die dann rüberschauen und nicht zu cool dafür sind. Das gilt aber nur für Typen. Bei denen waren es heute so 15/20 an der Zahl. Ungefähr genauso viele Frauen sind vorübergelaufen, haben aber meist nicht mal geschaut und wenn dann habe ich anders als letzte Woche auf dem kuschlig-netten Usedom auch nicht initial gegrüßt, weil es sich hier creepy anfühlt. Im ersten Moment wundert man sich vielleicht, aber ich kann das nach kurzem Nachdenken sehr gut verstehen. Wobei es schon auch verrückt ist. Während man als Typ wann immer man Lust hat da so die Strecke langwackelt, sich Null Gedanken macht, das Abendlicht genießt und zwischenmenschlich ständig nette Rückmeldungen bekommt, bedeutet die ganze Situation für Frauen eher eine ständige latente Gefahr. Sobald die Sonne runter ist, sieht man nachvollziehbarerweise gar keine Frau mehr alleine laufen. Wenn man nur dieses eine winzige Element mal auf ein ganzes Leben hochrechnet, dann macht das doch einen gewaltigen Qualitätsunterschied aus. Das sind so Punkte, über die ich jetzt öfter nachdenke. Ich will einfach auch verstehen, wo diese tiefen Emotionen bei „Gender-Themen“ herkommen. Das muss ja Gründe haben, die nur oft außerhalb der eigenen männlichen Erfahrungswelt liegen. Ich versteh immer gar nicht, wie man das nicht verstehen wollen kann. Stichwort Neugier. Analog dann bei #MeTwo & Co. Es ist in der heutigen Welt und wenn wir künftig gut zusammenleben wollen ja zunehmend eine Kernaufgabe – Dinge zu versuchen zu verstehen, die außerhalb der eigenen Erfahrungswelt liegen. Ich übe mal weiter.

Jeder Tag im Internet so

 

Etwas Gutes passiert. – „Aber es hat auch Nachteile.“

Etwas Gutes passiert. – „Aber es hätte auch besser sein können.“

Etwas Gutes passiert. – „Das ist aber nicht neu.“

Jüngst immer beliebter: Etwas Gutes passiert. – „Das ist Fake News.“

 

„Wer über Rechtspopulismus einfach nur berichtet, wird ein Teil von ihm.“

Lesenswertes Interview von ZEIT ONLINE mit Jay Rosen zum Kernproblem der heutigen politischen Öffentlichkeit und dem Journalismus im Wandel:

Eine Lehre ist: Wer über Rechtspopulismus einfach nur berichtet, wird ein Teil von ihm. Es reicht nicht aus zu sagen: „Das ist passiert, also berichten wir darüber.“ Eine andere Mahnung lautet: Weil Trump ein völlig schamloser Politiker ist, ist es unmöglich, ihn mit irgendetwas zu beschämen. Es bringt nichts, ihm vorzuhalten, wie viel negatives Feedback er für diese oder jene politische Maßnahme bekommen würde. Denn Trump lebt von der Kontroverse. Gewissermaßen lebt er sogar vom Hass gegen ihn, denn der hilft ihm, das Land weiter zu polarisieren. Wenn ein Medium nicht zu einem Teil der rechtspopulistischen Agenda werden möchte, dann muss es eine eigene ‚reporting agenda‘ entwickeln und öffentlich machen. 

 

„Journalisten werden die Öffentlichkeit selbst verteidigen müssen“

Melanie Raabe ist für weniger Dünkel bei der Literaturvermittlung

„Das ist nur die halbe Wahrheit. ‚Die Leute‘ sollen nicht nur endlich wieder (mehr) lesen. Sie sollen auch das lesen, was wir vermeintliche Experten uns so vorstellen.“

<3

Ich fand es schon immer befremdlich, dass oft die Nase gerümpft wird über genau die Produkte und Kunden, die den eigenen Laden querfinanzieren. Umso mehr befürworte ich, was die Bestseller-Autorin Melanie Raabe anlässlich des Rückgangs der Buchkäuferzahlen in derstandard.at schreibt – es braucht frische Formen der Vermittlung ohne Scheuklappen:

Wer möchte, dass andere sich öffnen, muss sich selbst öffnen

 ‚The Art of Gathering: How We Meet and Why It Matters‘ (Englisch) von Priya Parker (Riverhead Books, 2018)„To get the group to be vulnerable, he said, we facilitators needed to share an even more personal story than we expected our clients to. We would set the depth of the group by whatever level we were willing to go to; however much we shared, they would share a little less. We had to become, in effect, participants.“
― Priya Parker

 

Aus dem Buch: The Art of Gathering: How We Meet and Why It Matter

(via swissmiss)

Birgit Schmitz (HoCa): Der schrumpfende Literaturmarkt braucht mehr Veranstaltungen

Birgit Schmitz, Programmleiterin beim Hoffmann und Campe Verlag, bringt aktuell in der ZEIT buchbranchenseitig recht gut auf den Punkt, warum wir ORBANISM machen und als Werkzeugkasten für Begegnungsformate entwickeln:

„Man müsse davon ausgehen, ‚dass sich der Literaturmarkt auf einem niedrigeren Niveau konsolidieren wird.‘ (…) In der Praxis sieht Schmitz vor allem zwei Verbesserungsmöglichkeiten: Mehr Veranstaltungen rund um das Buch, um es im öffentlichen Raum sichtbar zu machen.“ (via Buchreport)

Letztlich zeigt ja auch die inzwischen berühmt-berüchtigte 6-Millionen-Buchkäuferschwund-Studie vom Juni 2018 im Ergebnis, dass es genau davon mehr braucht.

6 Arten des Gebens

„We’ve found six profiles of giving:

  • Experts share knowledge.
  • Coaches teach skills.
  • Mentors give advice and guidance.
  • Connectors make introductions.
  • Extra-milers show up early, stay late, and volunteer for extra work.
  • Helpers provide hands-on task support and emotional support.“

Ein insgesamt lesenswerter Beitrag bei Harvard Business Review für alle, die in Netzwerkbeziehungen arbeiten – also alle: Beat Generosity Burnout

(via swissmiss)

Die Qualität von Beziehungen ist entscheidend

Interessante Untersuchung: These charts show who you’ll spend your time with across your lifetime

Daraus:

„And from the age of 40 until death, we spend an ever-increasing amount of time alone.
(…)
An interesting note: One doesn’t have to be alone to be lonely. More than half of the lonely respondents in the UCSF study lived with a partner. To feel connected to others, it seems, the number of hours spent on relationships is less important than the quality of the relationship itself.“

(via Florian Blaschke)

Der denkbar schüchternste Mensch

„Etwa die Hälfte der Befragten gibt an, sie hätten Hemmungen, Menschen auf Messen anzusprechen, die sie nicht kennen. Hier können Networking-Events Abhilfe schaffen und den ersten persönlichen Kontakt erleichtern, so die Autoren der Studie.“ 
(via „Millennials wünschen sich interaktivere Messen“)

Meine gedankliche Leitfigur bei der Konzeption solcher Anlässe ist deshalb immer der schüchternste denkbare Mensch.

Siehe dazu auch:

(via Anne Seubert)