1. Medienmacher Meetup in Berlin

Ich unterstütze Steady grad dabei, eine schöne Meetup-Reihe zu entwickeln. Das Thema liegt mir sehr am Herzen. Es ist ja die alte Frage, warum in den letzten 10-15 Jahren so wenig Nachhaltiges mit starker gesellschaftlicher Stimme aus der Bloggerecke entstanden ist – eben weil wir ein Geschäftsmodellproblem haben im Bereich der Nischen-Publikationen mit Einzel- oder Kleinredaktionen und viele dann in der ewigen Querfinanzierung versanden. Was kann man da tun? Das soll da alles diskutiert werden mit wechselnden Gästen, die konkrete Werkstatteinblicke und Erfahrungsberichte beisteuern. Daneben wollen wir auch einfach eine gute Zeit haben. Los geht’s am 12. Dezember mit Stefan Niggemeier von Übermedien. Eintritt frei, aber mit Anmeldung vorher. Kommt vorbei!

Der eigene Weg ist lang

Grad gedacht: hui, Oktober war doch die Zeit. Köpper ins kalte Wasser. Nach einigen Kundenprojekten schon als Student hab ich mich vor inzwischen 11 Jahren mit Überreichung des Diploms in Leipzig selbstständig gemacht. Alter weißer Mann kommt näher. Jeder ist da anders und alles ist ok, aber ich wollte immer was machen, das mich in der Abschätzung eben auch als alter weißer Mann noch begeistern wird, und mir da entsprechend was aufbauen. Zugleich war ich nie der Typ, der schon mit 5 wusste, was genau das ist. Nicht mal Lokführer wollte ich werden. Dann geht es nur übers schrittweise Ausprobieren und Schärfen, was dann gerne mal ein paar Jahre dauert, auch wenn man erfolgreich ist, und was nie ganz zu Ende geht. Wenn ich jedenfalls eines gelernt hab in der Zeit, dann dass man echt an sich glauben muss – bei gleichzeitiger Demut. Sobald man da ins Schwanken gerät, schwankt alles. Passiert eh ab und an, völlig ok, aber man sollte halt nicht aus der Kurve fliegen. Letztlich könnten wir noch viel mehr Initiativen und Formate gebrauchen, die den Leuten Mut machen und Wege aufzeigen, wie man „sein Ding“ finden kann. Zumindest für die, die so ähnlich gepolt sind. Weil das dann einfach ein gutes, eben ein sich selbst gemäßes Leben ist. In der Summe kommt uns das zudem als Gesellschaft zugute und es reichte ja auch nicht, einfach nur ein bedingungsloses Grundeinkommen zu haben, wenn ohne Plan. Ich unterstütze für meinen Teil alles, was in diese Richtung geht und die/den Einzelne(n) auf dem eigenen Weg stärkt. Denn der ist lang. Weiter geht’s.

Arne Helm hat jedenfalls alles richtig gemacht, wie ich irgendwann mal auf Hiddensee entdeckt hab. :)

Frankfurter Buchmesse 2018

Wollte dieses Jahr ursprünglich kürzer bleiben, aber am Ende wurden es doch wieder 6 Tage – voller Sonne, Sommergefühl, mit unzähligen tollen Menschen und Begegnungen, wichtigen Themen, vielen Projekten und auch ein bisschen Frankfurt-Liebe, die ich mit mir trage, seit ich hier gewohnt hab. Buchmessen können immer noch dieses Flow-Gefühl erzeugen, das sehr besonders und anziehend ist, wenn man es mal erlebt hat. Zugleich hatte ich den Eindruck, dass nicht nur etliche Verlagspartys abgesagt wurden, sondern dass sich auch alle möglichen Empfänge, Feiern und Zusammenkünfte schneller leerten als „früher“. Wenn ich überlege, mit welchen positiv Verrückten man vor 6, 7, 8 Jahren noch so unterwegs war, dann sind viele davon gar nicht mehr in der Branche und vielleicht fehlt das dann halt irgendwann auch einfach. Man spürt natürlich auch den wirtschaftlichen Druck ob des Buchkäuferschwunds. Zugleich sehe ich überall Menschen, die gute Geschichten lieben und suchen und die sich über tiefe Inhalte mit anderen, die ihr Thema teilen, zusammenfinden und was erleben wollen. Da geht so viel, es sieht dann vielleicht nur auch mal etwas anders aus. Neige ja eh dazu, eher die Chancen zu sehen, und wünsche mir noch mehr Aufbruchstimmung für die nächsten Jahre. Ich mach da auf jeden Fall mit. – Jetzt erstmal zurück nach Berlin, wo es ja auch ganz schön ist. 😊

Stellvertretender Vorsitzender der Theodor Fontane Gesellschaft

Jahrestagung der Theodor Fontane Gesellschaft, September 2018

Ein bunter Tag gestern in Dresden: Moderation der Mitgliederversammlung, Theodor Fontanes Ururenkel verabschiedet unseren Sekretär nach 27 Jahren Tätigkeit für die Fontane Gesellschaft mit einer grandiosen Rede in den Ruhestand, ein neuer Vorstand wird gewählt (wiedergewählt, yay) und unser neuer Vorsitzender, Prof. Dr. Roland Berbig, hat mich kalt erwischt, indem er mich zu seinem Stellvertreter ernannt hat. Freue mich auf jeden Fall auf die erweiterte Rolle bei der Aufgabe, die Gesellschaft zu verjüngen und das Modell Literaturgesellschaft für die Zukunft zeitgemäß aufzustellen. Wir haben immerhin ca. 800 Mitglieder, die jedoch nicht jünger werden, und zugleich springen da draußen viele Fontane-Fans rum, denen es passende Angebote zu machen gilt.

Neugier ist etwas Gutes

Ich find Neugier ja was Gutes. Und immer mal was Neues auszuprobieren. Seit das Knie nicht mehr so zwickt, mach ich das auch wieder mit dem Joggen. Mit das Beste ist eigentlich, dass man da gut nachdenken kann, dass man rumkommt, Orte entdeckt und dass man Menschen beobachten kann. Das hab ich immer schon gern gemacht. Ich bin gerade in Greifswald und hier ist die Strecke beispielsweise wunderschön: von der Altstadt über den Museumshafen den Fluss Ryck entlang bis zum Fischerdorf-Stadtteil Wieck, dort zur Klosterruine Eldena, kurz die Luft der Geschichte einatmen und dann zurück wieder den Fluss entlang in den Sonnenuntergang hinein. Was mir heute dabei wieder aufgefallen ist: Während ich da langhechele, ist es ja so, dass man alle vorbeilaufenden Jogger kurz grüßt. Also zumindest so 80 Prozent, die dann rüberschauen und nicht zu cool dafür sind. Das gilt aber nur für Typen. Bei denen waren es heute so 15/20 an der Zahl. Ungefähr genauso viele Frauen sind vorübergelaufen, haben aber meist nicht mal geschaut und wenn dann habe ich anders als letzte Woche auf dem kuschlig-netten Usedom auch nicht initial gegrüßt, weil es sich hier creepy anfühlt. Im ersten Moment wundert man sich vielleicht, aber ich kann das nach kurzem Nachdenken sehr gut verstehen. Wobei es schon auch verrückt ist. Während man als Typ wann immer man Lust hat da so die Strecke langwackelt, sich Null Gedanken macht, das Abendlicht genießt und zwischenmenschlich ständig nette Rückmeldungen bekommt, bedeutet die ganze Situation für Frauen eher eine ständige latente Gefahr. Sobald die Sonne runter ist, sieht man nachvollziehbarerweise gar keine Frau mehr alleine laufen. Wenn man nur dieses eine winzige Element mal auf ein ganzes Leben hochrechnet, dann macht das doch einen gewaltigen Qualitätsunterschied aus. Das sind so Punkte, über die ich jetzt öfter nachdenke. Ich will einfach auch verstehen, wo diese tiefen Emotionen bei „Gender-Themen“ herkommen. Das muss ja Gründe haben, die nur oft außerhalb der eigenen männlichen Erfahrungswelt liegen. Ich versteh immer gar nicht, wie man das nicht verstehen wollen kann. Stichwort Neugier. Analog dann bei #MeTwo & Co. Es ist in der heutigen Welt und wenn wir künftig gut zusammenleben wollen ja zunehmend eine Kernaufgabe – Dinge zu versuchen zu verstehen, die außerhalb der eigenen Erfahrungswelt liegen. Ich übe mal weiter.

Jeder Tag im Internet so

 

Etwas Gutes passiert. – „Aber es hat auch Nachteile.“

Etwas Gutes passiert. – „Aber es hätte auch besser sein können.“

Etwas Gutes passiert. – „Das ist aber nicht neu.“

Jüngst immer beliebter: Etwas Gutes passiert. – „Das ist Fake News.“

 

„Wer über Rechtspopulismus einfach nur berichtet, wird ein Teil von ihm.“

Lesenswertes Interview von ZEIT ONLINE mit Jay Rosen zum Kernproblem der heutigen politischen Öffentlichkeit und dem Journalismus im Wandel:

Eine Lehre ist: Wer über Rechtspopulismus einfach nur berichtet, wird ein Teil von ihm. Es reicht nicht aus zu sagen: „Das ist passiert, also berichten wir darüber.“ Eine andere Mahnung lautet: Weil Trump ein völlig schamloser Politiker ist, ist es unmöglich, ihn mit irgendetwas zu beschämen. Es bringt nichts, ihm vorzuhalten, wie viel negatives Feedback er für diese oder jene politische Maßnahme bekommen würde. Denn Trump lebt von der Kontroverse. Gewissermaßen lebt er sogar vom Hass gegen ihn, denn der hilft ihm, das Land weiter zu polarisieren. Wenn ein Medium nicht zu einem Teil der rechtspopulistischen Agenda werden möchte, dann muss es eine eigene ‚reporting agenda‘ entwickeln und öffentlich machen. 

 

„Journalisten werden die Öffentlichkeit selbst verteidigen müssen“

Melanie Raabe ist für weniger Dünkel bei der Literaturvermittlung

„Das ist nur die halbe Wahrheit. ‚Die Leute‘ sollen nicht nur endlich wieder (mehr) lesen. Sie sollen auch das lesen, was wir vermeintliche Experten uns so vorstellen.“

<3

Ich fand es schon immer befremdlich, dass oft die Nase gerümpft wird über genau die Produkte und Kunden, die den eigenen Laden querfinanzieren. Umso mehr befürworte ich, was die Bestseller-Autorin Melanie Raabe anlässlich des Rückgangs der Buchkäuferzahlen in derstandard.at schreibt – es braucht frische Formen der Vermittlung ohne Scheuklappen:

Wer möchte, dass andere sich öffnen, muss sich selbst öffnen

 ‚The Art of Gathering: How We Meet and Why It Matters‘ (Englisch) von Priya Parker (Riverhead Books, 2018)„To get the group to be vulnerable, he said, we facilitators needed to share an even more personal story than we expected our clients to. We would set the depth of the group by whatever level we were willing to go to; however much we shared, they would share a little less. We had to become, in effect, participants.“
― Priya Parker

 

Aus dem Buch: The Art of Gathering: How We Meet and Why It Matter

(via swissmiss)