Schlagwort: internet

Jeder Tag im Internet so

 

Etwas Gutes passiert. – „Aber es hat auch Nachteile.“

Etwas Gutes passiert. – „Aber es hätte auch besser sein können.“

Etwas Gutes passiert. – „Das ist aber nicht neu.“

Jüngst immer beliebter: Etwas Gutes passiert. – „Das ist Fake News.“

 

Schiefe Vergleiche

Letzte Woche im vollbesetzten Zug von Hamburg nach Berlin: Um nicht im Gang stehen zu müssen, setze ich mich in ein Abteil mit 5 Leuten unterschiedlichsten Hintergrundes. Ausgehend von der auf einem herumliegenden Zeitungstitelblatt dokumentierten HSV-Misere diskutieren wir die komplette Fahrt lang über Gott und die Welt – und alle beteiligen sich. Das passiert dann doch gar nicht so oft. Natürlich kommen wir auch auf das Internet zu sprechen. Also perfekte Marktforschungsgelegenheit jenseits der eigenen Filterblasen. Die Skeptiker und Gefahrenbeschwörer überwiegen erwartungsgemäß. Einzig der Geschäftsmann sieht es pragmatisch und holt sich Tipps von mir. Dass beispielsweise auch in Zeiten vor dem Internet Kinder gehänselt und gemobbt wurden in der Schule, sieht die Runde nur widerwillig ein. Um dann aber in Abwägung aller Gesichtspunkte das Risikopotenzial des Internets mit dem der Kernkraft(!) gleichzusetzen. Gefahr in Verzug. Unumkehrbare Langfristschäden für die menschliche Natur hochwahrscheinlich. Die Kinder! – Ich für meinen Teil verlasse die Runde mit viel Gewinn, denn nun weiß ich umso besser, wie schief die Vergleiche sein können, die es aufzufangen gilt. Das Gefährlichste in solchen Diskussionen ist schließlich der Überraschungseffekt.

Mein Wort zum Sonntag ;)

Viele Bedenken der Internet-Skeptiker kann ich letztlich gut nachempfinden. Wenn ich mir überlege, wie stark sich mein Privatsphäre-Empfinden in den letzten 5 Jahren nur dadurch gewandelt hat, dass ich blogge und sehr aktiv im Netz und mobil unterwegs bin. Was nicht heißt, dass ich heute alles frei gebe, sondern dass ich die Außenwahrnehmung versuche bewusst zu steuern, was ein besserer Selbstschutz ist als die reine Entsagung, die ja zum einen gar nicht schützt und zum anderen aber auch viele Vorteile des Netzes verhindert. Gerade diese Gestaltungsmöglichkeit bleibt aber abstrakt, wenn die eigene praktische Erfahrung fehlt. Man müsste die Grund-Scheu weiter abbauen. Daher ist es bedauerlich, dass in Deutschland Risiken immer überbetont und von den Massenmedien in den Mittelpunkt gerückt werden, nur weil sie ein Geschäftsmodell-Problem mit dem Internet haben. Es bräuchte mehr positive Vorbilder.

Angebliche verbreitete Meinung: Man darf im Internet für Arbeit kein Geld verlangen

Falls das Börsenblatt die Aussagen richtig wiedergibt, hat René Strien, Geschäftsführer des Aufbau Verlages und neuer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Publikumsverlage, Folgendes geäußert:

„Wir haben alle ein paar Grundprobleme, die sollen hier verhandelt werden“ (…) Zu diesen Problemen gehöre das mangelnde Verständnis in der europäischen Politik für das Verlagsgeschäft. Die Buchbranche dürfe sich nicht ausruhen auf einer traditionell hohen Wertschätzung der Branche. Insbesondere müsste mit dem Vorurteil von der „Verwertungsmafia“ aufgeräumt werden. Dieses böse Wort unterstelle, das Verlage ja gar nicht die eigentlichen Urheber seien und auch nicht deren, sondern nur eigene Interessen verträten. Es herrsche im übrigen ein sehr eingeschränkter Begriff von der „Freiheit des Internets“ vor, beklagte Strien: Ein Begriff nämlich, der die Freiheit, im Internet für Arbeit Geld zu verlangen nicht mit einschließe.

Interessant finde ich vor allem den letzten Punkt:

Ein Begriff nämlich, der die Freiheit, im Internet für Arbeit Geld zu verlangen nicht mit einschließe.

Ich bin ja seit einiger Zeit recht aktiv im Internet. Ich habe aber noch niemand getroffen – nicht mal unter den Filesharern -, der einen solchen Freiheitsbegriff nutzt. Sonst irgendjemand?

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40 Vortrags-Videos u.a. zu Internetrecht, Datenschutzrecht sowie TK- und Medienrecht

Bei Henning Krieg bin ich auf einen Fundus von 40 frei abrufbaren Vortragsvideos (mitsamt Slide-Shows) der Herbstakademie der Deutschen Stiftung für Recht und Informatik gestoßen – laut Krieg eine „der wichtigsten IT- und onlinerechtlichen Veranstaltungen in Deutschland„.

Die Videos umfassen die Themen Internetrecht, Datenschutzrecht, TK- und Medienrecht, EDV-Recht sowie Steuer- und Strafrecht. Einige Beispiele:

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Mary Meeker: Übersichtspräsentation zu globalen Internet-Trends

(Video, 32 min.)

KPCB Internet Trends (2011)

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Der Megatrend „Lifeblogging“ als wichtige Ursache für die Ver-x-fachung der Datenmengen im Internet

Es stellt sich die Frage, wo die Mengen an vorausgesagten Daten herkommen sollen, die wir künftig teilen:

Mark Zuckerberg sagt voraus: Die Menge der im Social Web geteilten Inhalte wird sich jedes Jahr verdoppeln

Ich denke, verschiedene Datenquellen werden mit hineinspielen. Zum einen wird alles uns Umgebene Teil des Internets und über Sensoren u.ä. zu Datenquellen – eine Art „Outernet“ entsteht. Dieses fordern wir sogar ein, weil wir vom Internet und seinen Möglichkeiten Verwöhnten immer öfter feststellen müssen, dass die analoge Welt in vielen Bereichen neben Vorteilen tatsächlich auch Nachteile hat:

Die analoge Welt ist “broken” – Die Netzwelt als Standard auch im “echten” Leben

Künftig wird also alles – entsprechend über Algorithmen und Social-Media-Crowdsourcing vorgefiltert – abonnierbar sein oder andernfalls an Bedeutung verlieren. Da Zeit das ordnende Prinzip ist, werden wir überall umgeben sein von Streams, in die wir bei Interesse eintauchen können, so wie wir es heute im Netz schon zu tun beginnen:

Alles im Fluss? – Das Social Web als Abo-Dienst

Hinzu kommt aber noch, dass nicht nur die uns umgebenen Objekte Teil des Internets sind/werden, sondern auch wir selbst mit allem was wir haben und was uns ausmacht. Wir Menschen werden zu wandelnden „Lifeblogs“ – was Heavy User von Foursquare & Co. ja schon heute in Ansätzen sind:

The Quantifiable Self

Ein paar aus meiner Sicht besonders interessante Zitate von Kevin Kelly bzw. Ethan Zuckerman zum Megatrend „Lifeblogging“:

(…)
Through technology we are engineering our lives and bodies to be more quantifiable. We are embedding sensors in our bodies and in our environment in order to be able to quantify all kinds of functions. Just as science has been a matter of quantification — something doesn’t count unless we can measure it — now our personal lives are becoming a matter of quantification. So the next century will be one ongoing march toward making nearly every aspect of our personal lives — from exterior to interior — more quantifiable. There is both a whole new industry in that shift as well as a whole new science, as well as a whole new lifestyle.
(…)
These lifestreams intersect with each other and are, in a way, creating a new media. If we organize computation around lifestreams, an intersection between our lifestreams is a communication, an event of some sort. The media we are in is these streams of data. Everything around us has a sliver of intelligence in it, and is generating bits of data. Each of those objects has a lifestream of data, from the hotel room to your shoes. This environment, with data streams and life streams, is the space where we’ll do the work of the quantified self.
(…)

Gerade für Verlage, die sich als Erlebnis-Agenturen verstehen, bieten sich hier Chancen:
We don’t really care about data, he reminds us – we care about experience.

Weiter:

(…)
Everything that can be shared will be shared, because sharing things increases their value.
(…)
The cost of privacy is generic relationships – if you’re unknown to everyone, it’s hard to customize to you. On the other side, you can have high transparency and high personalization, and people seem to be willing to push the slider far in that direction. The difference between quantified self and intimate surveillance is, basically, permission.
(…)
The third question KK offers is who owns this data? Who owns your friendships? There’s another party involved. Who owns your genes? 99.9% are shared by other humans. Who owns your location? The knowledge that you’re in a public space is hard to own. Your reputation or history? Your conversations? The real issue is that we’re moving away from ownership altogether to access.
(…)
We’re going to become quantifiable to the point where we’re real time and changing ourselves in real time.
(…)

Insgesamt alles sehr anregend und bedenkenswert. Viele Vorläufer dieser Zukunft sehen wir heute bereits, wie das immer der Fall ist, was Kelly an anderer Stelle treffend beschreibt:

Well, one lesson we can take from the web today is that any possible behavior is already happening somewhere at least once in the world. The very long tail of the future is already here.
(…)
„The future is unevenly distributed,“ to paraphrase the great Gibson.

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Die analoge Welt ist „broken“ – Die Netzwelt als Standard auch im „echten“ Leben

Interessant ist, mit welchen Nutzungsgewohnheiten Kinder heute aufwachsen. Moderne Hardware prägt hier Erwartungen, wie mit Objekten interagiert werden kann und sollte. Kevin Kelly hat eine Anekdote dazu festgehalten:

Another friend had a barely-speaking toddler take over his iPad. She could paint and handle complicated tasks on apps with ease and grace almost before she could walk. It is now sort of her iPad. One day he printed out a high resolution image on photo paper and left it on the coffee table. He noticed his toddler come up to up and try to unpinch the photo to make it larger, like you do on an iPad. She tried it a few times, without success, and looked over to him and said „broken.“

Während wir heute also noch oft den Anspruch haben, dass die Netzwelt so sein sollte, wie wir es aus dem „echten“ Leben kennen, wird es künftig anders herum sein. Analog werden wir auch offline ähnlich Marketing u.ä. betreiben, wie wir es aus dem Netz kennen. Dafür werden natürlich schon beizeiten die passenden Buzzwords kreiert: TrendONE bspw. spricht in diesem Zusammenhang vom „Outernet“ als Zukunftsthema:

Das Internet dringt über mobile Endgeräte immer nahtloser in unseren realen Alltag ein. Losgelöst von stationären Endgeräten kommt es zu einer Verschmelzung zwischen Internet und realer Welt, in der sich beide Komponenten ergänzen: Das Outernet, die mobilere und allgegenwärtigere Form des Internets, ist geboren. Verlinkungen, Suchfunktionen und Personalisierung können auf physische Objekte übertragen werden, die so zu Informationsträgern werden.

Bildquelle: NamensnennungKeine Bearbeitung Bestimmte Rechte vorbehalten von umpcportal.com

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