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„Wer über Rechtspopulismus einfach nur berichtet, wird ein Teil von ihm.“

Lesenswertes Interview von ZEIT ONLINE mit Jay Rosen zum Kernproblem der heutigen politischen Öffentlichkeit und dem Journalismus im Wandel:

Eine Lehre ist: Wer über Rechtspopulismus einfach nur berichtet, wird ein Teil von ihm. Es reicht nicht aus zu sagen: „Das ist passiert, also berichten wir darüber.“ Eine andere Mahnung lautet: Weil Trump ein völlig schamloser Politiker ist, ist es unmöglich, ihn mit irgendetwas zu beschämen. Es bringt nichts, ihm vorzuhalten, wie viel negatives Feedback er für diese oder jene politische Maßnahme bekommen würde. Denn Trump lebt von der Kontroverse. Gewissermaßen lebt er sogar vom Hass gegen ihn, denn der hilft ihm, das Land weiter zu polarisieren. Wenn ein Medium nicht zu einem Teil der rechtspopulistischen Agenda werden möchte, dann muss es eine eigene ‚reporting agenda‘ entwickeln und öffentlich machen. 

 

„Journalisten werden die Öffentlichkeit selbst verteidigen müssen“

Menschenvernetzer – neue ORBANISM-Interviewreihe

Wir bei ORBANISM mögen Menschen, die Menschen zusammenbringen. Deshalb stellen wir sie in unserer „Menschenvernetzer“-Interviewreihe künftig regelmäßig im Blog vor. So entstehen Beiträge, die Aufmerksamkeit auf jene lenken, die sonst andere auf die Bühnen dieser Welt heben, und die zeigen, wie Gemeinschaft heute in den unterschiedlichsten Kontexten erfolgreich gelebt werden kann. Ich freue mich sehr darüber.

Los geht’s mit Markus Gogolin, Director Marketing Strategy bei der Frankfurter Buchmesse. Weitere folgen. Über Ideen für andere interessante Gesprächspartner freue ich mich immer.

 

Markus Gogolin: Das Wichtigste passiert zwischen den Slots

Markus Gogolin mit Leander Wattig im ORBANISM SPACE 2015

Interview zu meinen Job, Leben, zu Gott und der Welt

An sich interviewe ich ja lieber selbst andere Leute. Ich kenne aber nur wenige so sympathische Menschen wie Melanie Raabe, deswegen ist es toll, ihr Rede und Antwort zu stehen. Bei ein paar Fragen musste ich erstmal kurz in mich gehen. Was aber nicht unbedingt heißt, dass dabei was Sinnvolles rausgekommen ist. :)

Leander, du hältst unglaublich viele Bälle gleichzeitig in der Luft. Du bist Blogger, Berater, Vortragsredner, seit vergangenem Jahr Dozent an der Universität der Künste in Berlin und zeichnest für viele spannende Projekte innerhalb der Buchbranche verantwortlich. So viele, dass ich sie hier gar nicht alle aufzählen kann. Was antwortest du auf die Cocktailpartyfrage: „Und, was machen Sie so?“

Biographilia – inspiring people next door: Leander, 33, Berlin

Über den Stand des Social Media Marketing in der Buchbranche – Interview beim Buchreport

Anlässich des Virenschleuder-Preises 2013 hat mich der Buchreport zum Stand des Social Media Marketing in der Buchbranche und zu weiteren Einschätzungen interviewt. Exciting Commerce findet es „lesenswert“ und daher weise ich hier mit darauf hin:

Leander Wattig über die Entwicklung des Social Media Marketings: „Je schwieriger der Vertrieb, desto wichtiger wird Social Media Marketing“

„Reden wir über Geld“: Interview-Reihe von sueddeutsche.de mit zahlreichen Kreativschaffenden

Auf sueddeutsche.de gibt es eine interessante Reihe mit dem Titel „Reden wir über Geld – Das menschliche Verhältnis zu Geld„, in der mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten – darunter auch zahlreiche Kreativschaffende – zu Wort kommen:

In der Gesprächsserie „Reden wir über Geld“ erzählen berühmte und weniger berühmte Menschen über ihr Verhältnis zum Geld: der Benediktinerpater Anselm Grün, der Rapper Bushido oder der ehemalige Finanzminister Theo Waigel.

Nachfolgend habe ich mal ein paar für uns hier interessante Namen herausgesucht. Wer die Reihe verfolgen möchte, kann das auf deren Hauptseite und über den RSS-Feed tun.

Hans Söllner, Musiker
In seinen Liedern hat Hans Söllner Politiker und Polizisten beleidigt. Dafür musste er hohe Strafen zahlen. Jetzt verkauft er sein Haus.

Juli Zeh, Schriftstellerin
Die Schriftstellerin Juli Zeh über den Mythos vom armen Poeten, Liebe als Kreativitätskiller und warum sie die Globalisierung gut findet.

Michael Michalsky, Modedesigner
Modedesigner Michael Michalsky über die Vergänglichkeit des Geldes, sündhaft teure Jeans – und warum er für ein T-Shirt nicht mehr als zehn Euro bezahlt.

Dieter Hildebrandt, Kabarettist
Ein Gespräch mit dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt über Pointen am Lagerfeuer der Hitlerjugend, den Moment, als er Erich Kästner zum Lachen brachte – und seine Kritik an Mario Barth.

Gülcan Kamps, Moderatorin
Moderatorin Gülcan Kamps über die Zurschaustellung ihres Privatlebens, ihr Honorar – und das Glück, unterschätzt zu werden.

Claus Peymann, Intendant
Claus Peymann, der Intendant des Berliner Ensembles, über Ausbeutung im Weltmaßstab, was er für Kommunismus à la Brecht übrig hat und warum er sich nicht zum Robin Hood eignet.

Robert Harris, Buchautor
Während der Recherche ist Buchautor Robert Harris richtig wütend geworden: wütend auf die Hedgefonds-Manager, die jenseits aller Moral Gewinne maximieren, selbst wenn der Preis der Weltuntergang wäre. Harris über Angst, Geldhaie – und wie Hitler seinen Landsitz finanzierte.

Barbara Schöneberger, Moderatorin
Na, welchen Blond-Faktor haben Sie? Mit einer Talkshow, in der es um diese Frage ging, gelang Barbara Schöneberger der Durchbruch. Heute moderiert, singt und schauspielert sie. Ein Gespräch über peinliche Momente in einer einsamen Jugend, getrennte Bankkonten in der Ehe und einen Ausrutscher, der ihr 9000 Euro an einem Abend brachte.

Henry Hübchen, Schauspieler
Henry Hübchen zählte schon in der DDR zu den bekanntesten Schauspielern und reüssierte auch nach der Wende. Er findet, dass man über Geld, Krankheiten und Kommunismus nicht redet – tut es aber doch. Ein Gespräch über Lebensziele, seine Entscheidungsschwäche und die Frage, ob er ein Playboy ist.

Alfred Dorfer, Kabarettist
Der Wiener Kabarettist Alfred Dorfer nimmt gerne Männer in der Midlife-Crisis aufs Korn. Dabei steckte er selbst lange in einer: Er trank, zog zeitweise nach Rom und schrieb eine Doktorarbeit. Ein Gespräch über seine Kindheit in einer Sozialsiedlung, versoffene Fußballtrainer und die abendliche Gage.

Franz Xaver Kroetz, Dramatiker
Der Dramatiker Franz Xaver Kroetz war schon früh sehr erfolgreich – und sehr links. Erst trat er in die DKP ein, dann fuhr er mit seinem Mercedes zu den Parteitagen. Er spielte Baby Schimmerlos in Kir Royal und wurde noch populärer. Ein Gespräch über Geld, Aufmerksamkeit und Porno-Drehbücher.

Uwe Boll, Regisseur
Uwe Boll gilt als schlechtester Regisseur der Welt. Trotzdem verdient er mit seinen gewalttätigen Filmen Millionen. Jetzt will er einen Streifen über die Finanzkrise drehen – inklusive Massaker an der Wall Street.

Markus Lüpertz, Maler und Bildhauer
Markus Lüpertz ist einer der bedeutendsten deutschen Künstler – einer der bescheidendsten ist er nicht. Der Maler und Bildhauer über Selbstinszenierung, die Pleite seines Vaters und hohe Partykosten.

Bodo Kirchhoff, Schriftsteller
Schriftsteller Bodo Kirchhoff erzählt, wie die Finanzbranche Beziehungen verändert und eine Leiche ihn zum Autor machte.

Michel Friedman, Anwalt, Moderator und Publizist
Er ist Anwalt, Moderator und Publizist. Für viele Menschen ist er aber vor allem ein Provokateur. Michel Friedman über den beruflichen Neustart nach Koks und Prostituierten, antisemitische Banker und die Frage, wie viel Geld er im Sonnenstudio lässt.

Pegah Ferydoni, Schauspielerin
Sie floh als Kind aus Teheran und lebte im Asylheim: Schauspielerin Pegah Ferydoni über Flucht, Neuanfang und ihre Rollen.

Peter Schwenkow, Konzertveranstalter und Kulturmanager
Peter Schwenkow vermarktet internationale Stars wie Anna Netrebko. Ein Gespräch über die Veränderungen in der Musikszene, seine Beinahe-Pleite – und die Frisur von Hansi Hinterseer.

Jochen Hörisch, Literaturwissenschaftler
Was ist eigentlich Geld? Ein Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch über Potenz und Faszination des Monetären – und die Frage, was Wirtschaftsbosse von Goethe lernen können.

Matthias Reim, Musiker
Erst zündete er sich eine Zigarette an, dann schmiss er seinen Manager raus: Wie der Sänger Matthias Reim den größten deutschen Hit der neunziger Jahre schrieb, pleiteging – und wie es ist, einfach mal alle Vernunft bleiben zu lassen.

Regina Ziegler, Produzentin
Deutschlands erfolgreichste Produzentin Regina Ziegler über Männer im Filmgeschäft, 300 Euro Rente und Schauspieler als Quotenbringer.

Sven Väth, DJ
Sven Väth, Gottvater des Techno, über seine Anfänge als Muddis DJ, Ayurveda-Kuren – und wie es ist, über den Tisch gezogen zu werden.

Ingrid Steeger, Schauspielerin
Die Schauspielerin Ingrid Steeger wurde bekannt mit der Sendung „Klimbim“ – mittlerweile lebt sie von Hartz IV. Ein Gespräch über die Kunst zu lügen, ihren ermordeten Steuerberater und ihr Verhältnis zu Männern.

Michael Lang, Woodstock-Organisator
Kostspieliger Sommer der Liebe: Woodstock-Organisator Michael Lang über das Plusminusnull nach dem großen Happening 1969 – und das lukrative Geschäft mit Hass.

Helme Heine, Kinderbuchautor
Kinderbuchautor Helme Heine über sein Leben in Afrika und Neuseeland, Millionen-Bestseller, Tantiemen und das Vorbild für sein Schwein Waldemar – Helmut Kohl.

50 Cent, Rapper
Der New Yorker Rapper 50 Cent über seine Vergangenheit als Drogenhändler, das Protzen der Hip-Hop-Stars – und warum sein größtes Problem die Steuern sind.

Ulrich Blumenbach, Übersetzer
Ulrich Blumenbach übersetzte den US-Kultroman „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace – und verdiente damit nur drei Euro pro Stunde. Um zu überleben, bearbeitete er nachts Börsenberichte für eine Bank.

Andreas Richter, Schauspieler
Die Rolle verändert das Leben: Der Oberammergauer Christus-Darsteller Andreas Richter und sein Apostel über den Kreuzigungs-Alltag, die kommunalen Finanzen und den Sündenkatalog der Schauspieler.

Heike Faller, Autorin
Die Autorin Heike Faller über ihr Leben als Spekulantin, Investmentreisen und heiße Tipps zu kasachischen Papierfabriken.

Nick Mason, Pink-Floyd-Schlagzeuger
Rockmusik und Rennen fahren: Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason über frühe Niederlagen, 100 Millionen Dollar für ein Comeback – und fliegende Schweine, die den Londoner Luftraum gefährden.

Karin Beier, Intendantin
Die Intendantin Karin Beier über Regisseure mit goldenen Nasen, Spardiktate der Politik und Garagen-Theater.

Fettes Brot, Hip-Hop-Band
Die Hip-Hop-Band Fettes Brot über ihre Wandlung zu Kapitalisten, das Ende der Plattenkonzerne und warum Fans ruhig Musik illegal kopieren dürfen.

Martin Walser, Schriftsteller
Martin Walser über Geld, sein Verständnis für Steuerflüchtige – und warum auch sein neuer Roman die Liebe alter Männer zu jungen Frauen behandelt.

Günter Wallraff, Buch-Autor und Journalist
Bestseller-Autor und Journalist Günter Wallraff über seine Motivation, sein abgewetztes Sakko – und die Angewohnheit, immer alles aufzuessen.

Frank Dopheide, Werber
Der Werber Frank Dopheide über die Verführung von Kunden, Selbstzweifel im Job und warum Frauen 80 Prozent aller Kaufentscheidungen treffen.

Jürgen Flimm, Regisseur
Jürgen Flimm ist einer der erfolgreichsten deutschen Regisseure. Ein Gespräch über den Neid auf seinen Bruder, seine Kältephobie – und die Frage, wie er mit 1600 Mark im Monat eine siebenköpfige Familie ernährte.

Bushido, Rapper
Er ist der Boss: Der Berliner Skandalrapper Bushido über seine Immobilienfirma, Stundenlöhne von 80.000 Euro, warum er trotzdem Depressionen bekommt – und sich selbst als Spießer bezeichnet.

Sarah Kuttner, Moderatorin
Moderatorin Sarah Kuttner über Honorare im Fernsehgeschäft, ihre neue Sendung und wie es ist, von einem Tag auf den anderen gefeuert zu werden.

Dolly Buster, Porno-Darstellerin
Ex-Erotikdarstellerin Dolly Buster über die Vermarktung ihres Namens, den Preis des Exhibitionismus und die Krise ihres Gewerbes.

Urs Widmer, Schriftsteller
Der Schweizer Autor Urs Widmer über die Sprache der Wirtschaftselite und weinende Banker.

Heinrich Schafmeister, Schauspieler
Schauspieler Heinrich Schafmeister über Existenzsorgen, Monate ohne Arbeit – und den besten Job der Welt.

Josef Hader, Kabarettist
Der Kabarettist Josef Hader über Prügel im Internat und warum er als etabliertes Arschloch beschimpft wird.

Michael Cretu, Song-Produzent
Song-Produzent Michael Cretu über die Kosten für einen Nummer-eins-Hit, den Neid der Deutschen, was Geld mit Habgier zu tun hat und warum es gefährlich werden kann.

Smudo, Musiker
Smudo von den Fantastischen Vier über 50.000 Mark – und das Glück, der Programmiererschule entgangen zu sein.

Clemens Schick, Schauspieler
Schauspieler Clemens Schick über Gagen bei James-Bond-Filmen, seinen ersten Bankkredit und warum er nach acht Monaten aus einem Schweigeorden weggeschickt wurde.

Interview: Journalist und TV-Moderator Richard Gutjahr über seine Vermarktungs-Erfahrungen als Blogger

Wer sind Sie und was machen Sie?

Mein Name ist Richard Gutjahr. Ich bin seit über 15 Jahren Journalist, habe u.a. für die Süddeutsche Zeitung gearbeitet, für Bayern 3 sowie für die Talkshow „Live aus dem Alabama“. Ich bin freier Mitarbeiter beim Bayerischen Fernsehen, moderiere die Spätnachrichten. 2009 habe ich begonnen zu bloggen, um mir ein zweites Standbein aufzubauen. Am Anfang war das nur ein Hobby. Mittlerweile könnte ich sogar fast schon davon leben.

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

Im letzten Jahr hatte ich eine Million Pageviews. Das ist eine Menge dafür, dass ich die Seite ja nur in meiner Freizeit betreibe. Aber die Masse allein ist für mich nicht entscheidend. Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, war mein Ziel, dass sich die Seite irgendwann selbst trägt. Heute dient mir das Blog als Plattform, um im Netz gefunden zu werden, um Teil der Konversation zu sein. Das ist Voraussetzung dafür, um mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, und natürlich auch dafür, um neue Aufträge zu generieren. Allein im letzten Jahr habe ich zwei Buchangebote bekommen. Ohne mein Blog undenkbar.

Stichwort Vermarktung: Wo sehen Sie die wichtigen Ursachen für Ihren Erfolg?

Schwer zu sagen. Ein Punkt ist sicher, dass ich Dinge gerne ausprobiere. Ein Beispiel: Als die Hartz-Gesetze eingeführt wurden, wurde viel in den Medien theoretisiert, was das wohl für Arbeitslose bedeutet. Mir war das alles zu abstrakt. Darum habe ich meinen Chef gebeten, mich zu feuern. Einen Monat habe ich Jobcenter besucht, Mini- oder 1-Euro-Jobs gemacht. Danach wusste ich mehr über das Thema, als die meisten Experten. Wichtiger noch: Ich komme in Kontakt mit echten Menschen, Betroffene wie auch Publikum, die mir laufend Fragen stellen können. Ein unschätzbarer Vorteil gegenüber vielen meiner Kollegen, die ein Thema googeln und das dann Recherche nennen.

Welche konkreten Vermarktungsmaßnahmen waren besonders erfolgreich und warum?

Für mich und mein Blog sind zwei Dinge entscheidend: Die Nähe zu meinen Lesern sowie gute Themen. Ich achte darauf, dass ich regelmäßig exklusive, selbst recherchierte Geschichten biete, die sich vom allgemeinen Medien-Mainstream abheben. Ob das der Blogpost zu den unerhörten Geschäftsbedingungen des ePostbriefs der Deutschen Post war oder die Story um die gefälschten WeTab-Kundenrezensionen bei Amazon. Wenn die Geschichte stimmt, läuft die Vermarktung ganz von allein. Ein Tweet, ein Kommentar bei Facebook, und die Sache kommt ins Rollen.

Welche konkrete Vermarktungsmaßnahme hat wider Erwarten gefloppt und warum?

Videos sind zur Zeit noch ein mühsames Geschäft. Wenn man nicht diszipliniert ist und nicht jede Woche was Neues bietet, baut man nicht genug Traffic auf. Das habe ich unterschätzt. Gleichwohl glaube ich daran, dass Bewegtbild die Zukunft gehört. Deshalb bleibe ich dran und investiere fast meine gesamten Blog-Einnahmen in eine neue Kameraausrüstung. Wenn Apple-, Google- oder ein anderes Netz-TV kommt, will ich bereit sein.

Was machen Sie selbst und was erledigen andere für Sie?

Meine WordPress-Seite hat Thomas Pfeiffer von den Webevangelisten programmiert. Ich bin kein Coder, was ich sehr bedauere. Abgesehen davon bemühe ich mich aber sonst, alle Inhalte selbst zu gestalten, also Audios, Videos, Schaubilder, solche Sachen. Beim Fernsehen bin ich es gewohnt, in einem großen Team aus Kameraleuten, Cuttern und Grafikern zu arbeiten. Im Web genieße ich die Unmittelbarkeit und auch das „Handgemachte“, was nicht immer perfekt sein muss, dafür aber authentisch ist.

Was würde Ihnen bei der Vermarktung noch helfen, d.h., was ist ein typisches Problem?

Die Frequenz. Ich würde mein Blog gerne häufiger aktualisieren, würde gern mehr Videos und mehr investigative Geschichten anbieten. Leider komme ich nicht dazu. Mein Blog hat auch dazu geführt, dass ich in E-Mails schwimme: Interview-Wünsche für Masterarbeiten, Anfragen für Diskussionsrunden oder Firmen, die wollen, dass ich über ihre Produkte blogge. Ich bemühe mich, allen so gut es geht zu antworten, aber das kostet Zeit, die mir woanders dann natürlich fehlt.

Welchen Vermarktungsansatz würden Sie wählen, wenn Sie heute neu starten würden?

Mein Motto würde lauten: Tue Gutes und rede darüber. Niemals umgekehrt. Aus meiner Fernsehmentalität heraus kommend habe ich gedacht, die Tatsache, dass ich blogge, würde schon allein reichen, dass die Menschen mich finden und regelmäßig zu mir kämen. Ein Irrtum. Das Netz funktioniert so nicht. Wenn Du eine gute Geschichte hast, ist es egal, ob Du Tagesschau oder Max Mustermann bist. Die Leute werden Dich finden. Umgekehrt: Wenn Du nichts zu bieten hast, hilft Dir auch kein Markenname und auch keine Marketing-Kampagne.

Welcher andere Kreative – den vielleicht noch nicht jeder kennt – fällt Ihnen ein, der in der Vermarktung Vorbildhaftes leistet?

Da gibt es unendlich viele. Wer mir in letzter Zeit besonders aufgefallen ist, ist .aequitaS, ein unglaublich talentierter Musiker, den ich bislang nur von YouTube kannte und den ich zum ersten Mal live beim Webvideopreis in Düsseldorf gesehen habe. Mit seinem Blog und seinen Videos erreicht er Hundertausende – ganz ohne Plattenfirma und Management. Solche Menschen inspirieren mich.

Wo finden wir Sie im Internet?

gutjahr.biz
twitter.com/gutjahr
facebook.com/gutjahr
facebook.com/richardgutjahr

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Mathias Vietmeier

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weitere Interviews mit Kreativen über ihre Vermarktungs-Erfahrungen
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Interview: Emily Bold über ihre Vermarktungs-Erfahrungen als Self-Publishing-Autorin

Wer sind Sie und was machen Sie?

Mein Name ist Emily Bold. Ich schreibe seit 2008 historische Liebesromane und Jugendbücher. Im Mai 2011 habe ich mit „Gefährliche Intrigen“ meinen Debüt-Roman über Amazons Kindle Direct Publishing (KDP) veröffentlicht und damit einen der Kindle-Bestseller 2011 gelandet. Mittlerweile habe ich 3 weitere Bücher sowie einen englischsprachigen Titel publiziert. Meine Bücher sind in fast allen großen Buchhandelsshops als eBooks erhältlich und seit Anfang Juni dank Amazons Create-Space-Programm nun auch als Taschenbücher.

Lässt sich Ihr Erfolg in Zahlen ausdrücken?

  • 4 Romane in 1 Jahr veröffentlicht, über 300.000 Worte pure Leidenschaft ;)
  • 1 Übersetzung ins Englische
  • Insgesamt 25.000 verkaufte eBooks
  • Mehrere hundert Taschenbuchverkäufe in der kurzen Zeit, die diese nun erhältlich sind.

Mein größter Erfolg ist aber JEDER EINZELNE LESER, der sich von meinen Geschichten gut unterhalten fühlt und dem ich mit meinen Protagonisten Logan und Emma, Payton und Sam, Drew und Julia oder Adam und Josie einige romantische Stunden bescheren darf.

Stichwort Vermarktung: Wo sehen Sie die wichtigen Ursachen für Ihren Erfolg?

Als Amazon mit KDP startete, war ich fast von Anfang an dabei. Dabei konnte ich viel lernen. Als Indie-Autor hat man alle Fäden in der Hand, und tatsächlich mache ich alles selbst. Das beginnt beim Cover über Formatierung bis hin zur Konvertierung meiner Bücher in die entsprechenden Formate. Das schafft Glaubwürdigkeit. Außerdem pflege ich sehr engen Kontakt zu meinen Lesern und nehme mir Lob, aber natürlich auch Kritik sehr zu Herzen. Daran kann man wachsen und sich weiterentwickeln.

Welche konkreten Vermarktungsmaßnahmen waren besonders erfolgreich und warum?

Hierauf eine Antwort zu geben ist schwierig, denn der Buchmarkt reagiert nicht immer so, wie man es erwarten würde. Einen tollen Schub habe ich nach einem TV-Beitrag von RTL 2 über mich und die Frankfurter Buchmesse bekommen, auch Zeitungsartikel sind natürlich positiv für die eigene PR. Allerdings sind dies Dinge, die man selbst kaum steuern kann. Absolut wichtig sind für mich die Social-Media-Kanäle, allen voran Facebook, gefolgt von Twitter und Google +. Besonders auf Facebook herrscht reger Austausch mit meinen Lesern, die ich auch immer wieder durch kleine Gewinnspiele oder Anderes zu „belohnen“ versuche – ich denke, dies bindet langfristig und scheint mir am geeignetsten, sich erfolgreich zu vermarkten.

Welche konkrete Vermarktungsmaßnahme hat wider Erwarten gefloppt und warum?

KDP Select war für mich nicht so erfolgreich, wie ich gehofft hatte. Ich habe dieses Angebot von Amazon für meine englische Übersetzung „The Curse-Touch of eternity“ wahrgenommen und hatte mir davon auf dem US-Markt mehr erwartet, allerdings ist es dort aufgrund der schieren Masse an Büchern extrem schwierig, vom Leser überhaupt wahrgenommen zu werden.

Was machen Sie selbst und was erledigen andere für Sie?

Im Prinzip mache ich alles selbst. Covergestaltung, Formatierung, Konvertierung in die verschiedenen Endformate bis hin zur Vermarktung. Nur das Lektorat für meine Bücher übernimmt ein externer Dienstleister. Auch die englische Übersetzung von „The Curse-Touch of eternity“ hat eine professionelle Übersetzerin übernommen. Außerdem habe ich einen Distributionspartner für die meisten großen Buchshops wie Buch.de, Thalia, Weltbild usw.

Was würde Ihnen bei der Vermarktung noch helfen, d.h., was ist ein typisches Problem?

Teilweise wird es einem als Selbstverleger nicht gerade leicht gemacht. Es gibt z. B. eine große deutsche Buchcommunity, die einen nur als Autor akzeptiert, wenn man für einen Verlag schreibt – ein wenig antiquiert, wie ich finde. Ein typisches Problem ist für mich sicherlich Zeitmangel. Als Mutter zweier Kinder kommen die natürlich zuerst, erst dann meine schriftstellerische Arbeit sowie deren Vermarktung. Ein weiterer Punkt ist die Distribution in andere Buchshops, die man als Autor nicht direkt beliefern kann. Hier gibt es eine mittlerweile sehr große Auswahl an Dienstleistern, unter denen es auszuwählen gilt. Dass jeder andere Konditionen anbietet und natürlich auch dass die Preise für die Distributionsleitsungen nur schwer vergleichbar sind, macht die Sache nicht gerade leichter. Sorgfältig zu vergleichen ist unabdingbar.

Welchen Vermarktungsansatz würden Sie wählen, wenn Sie heute neu starten würden?

Ich würde früher beginnen, mich Autor zu nennen. Denn erst, als ich mir dies zugestand, erkannte ich den Weg, den ich gehen wollte. Und damit konnte ich mich dann auch als Emily Bold darstellen. Mich nicht so lange hinter dem Roman verstecken, sondern gleich durchstarten.

Welcher andere Kreative – den vielleicht noch nicht jeder kennt – fällt Ihnen ein, der in der Vermarktung Vorbildhaftes leistet?

Da fällt mir sofort Tom Schopper ein, der mit seinem Runa-Epos neue / besondere Wege in der Buch-Vermarktung geht. Tom ist wirklich toll und jemand, mit dem ich hoffentlich mal irgendwann einen Milchkaffee in Wien trinken werde ;)

Wo finden wir Sie im Internet?

http://emilybold.de
http://facebook.com/emilybold.de
http://www.youtube.com/user/EmilyBoldTV
http://twitter.com/emily_bold

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Emily Bold

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weitere Interviews mit Kreativen über ihre Vermarktungs-Erfahrungen
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Großartige TEDx-Performance von Nardwuar zum Thema „Do It Yourself!“

Ich habe neulich ja auf die großartigen Künstler-Interviews von Nardwuar the Human Serviette hingewiesen. Jetzt habe ich eine noch großartigere TEDx-Performance von ihm aus dem Jahr 2010 zum Thema DIY gefunden. Unbedingte Anseh-Empfehlung! So verrückt er auch rüberkommen mag – man lernt nicht zuletzt deshalb eine Menge von ihm.

Punk Rock Journalist Nardwuar the Human Serviette wants to take you on a journey into his do-it-yourself world of investigation and adventure. Through hard work, meticulous preparation and a tremendous passion for finding out interesting facts and tidbits, he sets the stage for unexpected situations and spontaneous reactions. It is an upfront and unconventional style that has resulted in verbal attack, physical threats, desertions, and some the most insightful and genuinely engaging conversations with the biggest names in music and popular culture you might ever witness.

(Video, 23 min.)