Kategorie: Allgemeines

Schüchternheit und Erfolg auf Bühnen sind kein Widerspruch

Es ist immer wieder faszinierend, dass sich viele Leute wie hier offensichtlich auch Jimmy Fallon nicht vorstellen können, dass man in der Öffentlichkeit stehen, abliefern und dennoch schüchtern sein kann. Und dass sich das nicht grundsätzlich ändert, nur weil man Erfolg hat. Auch als Weltstar mit unfassbarer Karriere über Jahrzehnte hinweg. Bei Cher unterstreicht die ganze Körpersprache ihre Aussage. Ich find’s gut, wenn solche Leute das ab und an mal thematisieren, weil es anderen echt Mut macht.

Die Lautkarte der Emotionen

Sprache ist alt. Noch älter sind Laute der Verständigung, die relevante Empfindungen transportieren können. Wissenschaftler von UC Berkeley haben das mal untersucht und 24 Arten von unterscheidbaren Emotionen rausgefiltert, die wir auf diese Weise vermitteln. Und sie haben daraus eine Karte gebastelt, wo man sich das jeweils in Abstufungen anhören kann. Mega. Sicher auch praktisch, um es beispielsweise für Roboter oder Sprachassistenten einzusetzen.

Die Welt braucht nicht mehr Erfolg

„The plain fact is that the planet does not need more successful people. But it does desperately need more peacemakers, healers, restorers, storytellers, and lovers of every kind. It needs people who live well in their places. It needs people of moral courage willing to join the fight to make the world habitable and humane. And these qualities have little to do with success as we have defined it.“
David W. Orr

Foto: Christian Siedler (CC-Lizenz by-nd)

(via swissmiss)

Der eigene Weg ist lang

Grad gedacht: hui, Oktober war doch die Zeit. Köpper ins kalte Wasser. Nach einigen Kundenprojekten schon als Student hab ich mich vor inzwischen 11 Jahren mit Überreichung des Diploms in Leipzig selbstständig gemacht. Alter weißer Mann kommt näher. Jeder ist da anders und alles ist ok, aber ich wollte immer was machen, das mich in der Abschätzung eben auch als alter weißer Mann noch begeistern wird, und mir da entsprechend was aufbauen. Zugleich war ich nie der Typ, der schon mit 5 wusste, was genau das ist. Nicht mal Lokführer wollte ich werden. Dann geht es nur übers schrittweise Ausprobieren und Schärfen, was dann gerne mal ein paar Jahre dauert, auch wenn man erfolgreich ist, und was nie ganz zu Ende geht. Wenn ich jedenfalls eines gelernt hab in der Zeit, dann dass man echt an sich glauben muss – bei gleichzeitiger Demut. Sobald man da ins Schwanken gerät, schwankt alles. Passiert eh ab und an, völlig ok, aber man sollte halt nicht aus der Kurve fliegen. Letztlich könnten wir noch viel mehr Initiativen und Formate gebrauchen, die den Leuten Mut machen und Wege aufzeigen, wie man „sein Ding“ finden kann. Zumindest für die, die so ähnlich gepolt sind. Weil das dann einfach ein gutes, eben ein sich selbst gemäßes Leben ist. In der Summe kommt uns das zudem als Gesellschaft zugute und es reichte ja auch nicht, einfach nur ein bedingungsloses Grundeinkommen zu haben, wenn ohne Plan. Ich unterstütze für meinen Teil alles, was in diese Richtung geht und die/den Einzelne(n) auf dem eigenen Weg stärkt. Denn der ist lang. Weiter geht’s.

Arne Helm hat jedenfalls alles richtig gemacht, wie ich irgendwann mal auf Hiddensee entdeckt hab. :)

Frankfurter Buchmesse 2018

Wollte dieses Jahr ursprünglich kürzer bleiben, aber am Ende wurden es doch wieder 6 Tage – voller Sonne, Sommergefühl, mit unzähligen tollen Menschen und Begegnungen, wichtigen Themen, vielen Projekten und auch ein bisschen Frankfurt-Liebe, die ich mit mir trage, seit ich hier gewohnt hab. Buchmessen können immer noch dieses Flow-Gefühl erzeugen, das sehr besonders und anziehend ist, wenn man es mal erlebt hat. Zugleich hatte ich den Eindruck, dass nicht nur etliche Verlagspartys abgesagt wurden, sondern dass sich auch alle möglichen Empfänge, Feiern und Zusammenkünfte schneller leerten als „früher“. Wenn ich überlege, mit welchen positiv Verrückten man vor 6, 7, 8 Jahren noch so unterwegs war, dann sind viele davon gar nicht mehr in der Branche und vielleicht fehlt das dann halt irgendwann auch einfach. Man spürt natürlich auch den wirtschaftlichen Druck ob des Buchkäuferschwunds. Zugleich sehe ich überall Menschen, die gute Geschichten lieben und suchen und die sich über tiefe Inhalte mit anderen, die ihr Thema teilen, zusammenfinden und was erleben wollen. Da geht so viel, es sieht dann vielleicht nur auch mal etwas anders aus. Neige ja eh dazu, eher die Chancen zu sehen, und wünsche mir noch mehr Aufbruchstimmung für die nächsten Jahre. Ich mach da auf jeden Fall mit. – Jetzt erstmal zurück nach Berlin, wo es ja auch ganz schön ist. ?

Jeder Tag im Internet so

 

Etwas Gutes passiert. – „Aber es hat auch Nachteile.“

Etwas Gutes passiert. – „Aber es hätte auch besser sein können.“

Etwas Gutes passiert. – „Das ist aber nicht neu.“

Jüngst immer beliebter: Etwas Gutes passiert. – „Das ist Fake News.“

 

„Wer über Rechtspopulismus einfach nur berichtet, wird ein Teil von ihm.“

Lesenswertes Interview von ZEIT ONLINE mit Jay Rosen zum Kernproblem der heutigen politischen Öffentlichkeit und dem Journalismus im Wandel:

Eine Lehre ist: Wer über Rechtspopulismus einfach nur berichtet, wird ein Teil von ihm. Es reicht nicht aus zu sagen: „Das ist passiert, also berichten wir darüber.“ Eine andere Mahnung lautet: Weil Trump ein völlig schamloser Politiker ist, ist es unmöglich, ihn mit irgendetwas zu beschämen. Es bringt nichts, ihm vorzuhalten, wie viel negatives Feedback er für diese oder jene politische Maßnahme bekommen würde. Denn Trump lebt von der Kontroverse. Gewissermaßen lebt er sogar vom Hass gegen ihn, denn der hilft ihm, das Land weiter zu polarisieren. Wenn ein Medium nicht zu einem Teil der rechtspopulistischen Agenda werden möchte, dann muss es eine eigene ‚reporting agenda‘ entwickeln und öffentlich machen. 

 

„Journalisten werden die Öffentlichkeit selbst verteidigen müssen“

„Sie schaffen das!“

Unterhaltsamstes Veranstaltungserlebnis der letzten Wochen: Stehe auf einer Abendveranstaltung bei der Live-Musik am Gang. Ein älterer Herr schlendert entspannt vorüber, stoppt aber unvermittelt und schaut mich an, in die Augen: „Sie schaffen das!“, während er mir auf die Schulter klopft, „Sie sehen so aus, als schaffen Sie das!“ Dreht sich sofort weg und schlendert entspannt weiter.

Seitdem denke ich insgeheim, da ist eine Marktlücke.

9 Jahre

Mein Studienende ist jetzt genau 9 Jahre her und seitdem bin ich selbstständig. Eigentlich alles, was ich seitdem gemacht habe und heute mache, hab ich mir selbst ausgedacht oder hab es aktiv angestoßen. Das ist ein gutes Gefühl. Ich hab mich irgendwann in die Buchbranche und ins Internet verliebt und wollte immer beides in Kombination ein bisschen mitgestalten. Das war schon ok bisher. Gleichzeitig hab ich bestimmt alle Fehler gemacht, die man so machen kann. Auch heute hab ich noch Momente, wo ich alles infrage stelle oder Panik schiebe. Jetzt nicht ständig, aber doch. Ich hab einfach Riesenrespekt vor jedem, der einen unternehmerischen Weg länger geht. Manchmal wünschte ich mir noch mehr eine Kultur, wo man auch mal über solche Aspekte sprechen kann, ohne dass sofort unterstellt wird, es laufe wohl nicht. Ich wünsch uns jedenfalls allen immer neuen Mut für den eigenen Weg, wobei ja letztlich völlig egal ist, ob der selbstständig oder angestellt gelabelt ist.