Verena Minoggio: Die besten Bücher sind die, von denen jeder Leser meint, er hätte sie selbst machen können (Blaise Pascal)

Verena Minoggio
Verena Minoggio

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Verena Minoggio, ich bin Gesellschafterin und Verlagsleiterin unseres Unternehmens Goldegg Verlag, nebenbei halte ich Vorträge über die Arbeit im Sachbuchlektorat in der Werkstätte Buchverlag. Mit BuX. Verlagsservice fahren wir auch noch eine weitere Schiene, bei der wir für andere Verlage Bücher, E-Books, Daten herstellen und Verfahren entwickeln, die alles verknüpfen.

Wie so viele stolperte ich zufällig in die Branche – im Nachhinein kann ich gar nicht verstehen, dass ich diesen Weg nicht von Anfang an zielgerichtet beschritten habe, war ich doch von Kindheit an eine Leseratte. Doch in Österreich gibt es keinen typischen Ausbildungsweg in das Verlagsgeschäft, deshalb bin ich vermutlich gar nicht auf die Idee gekommen. Nach vielen Jahren in Anwaltskanzleien landete ich in einem großen juristischen Verlag und betreute dort als Lektorin Wirtschaftssachbücher und Ratgeber. Ich lernte alles von der Pike auf, Herstellung, Konzept, das ganze Verlagsgeschäft. Mit meinem Partner, Mag. Elmar Weixlbaumer, betreiben wir außerdem ein Verlagsservice, das sich mit der Herstellung von Büchern und Online-Medien für andere Verlage beschäftigte. Irgendwann keimte die Idee, es selbst mit einem Sachbuchverlag zu wagen. Und so gründeten wir den Goldegg Verlag.

Wir verlegen Bücher im Bereich Gesellschaft, Business/Wirtschaft und Gesundheit/Leben – und mit jedem Tag wird es spannender. Nun haben wir uns bereits einen guten Namen gemacht und durften viele Leserinnen und Leser, Buchhändlerinnen und Buchhändler mit unseren Büchern überzeugen. Täglich lernen wir immer noch dazu und freuen uns über jedes neue Buch, das erscheint und das wir mit viel Liebe betreuen und in den Markt bringen.

Das Zitat, das ich in den Titel gestellt habe, trifft es ganz gut: Ein Buch soll spannend sein, die Leute unterhalten, gleichzeitig aber die Sachkompetenz des Autors geschickt verpacken, sodass die Leserinnen und Leser auch hochkomplizierte Zusammenhänge verstehen und quasi nebenbei Neues lernen. Wenn das gelingt, ist ein Sachbuch gut. Wenn Leser meinen, so ein Buch hätten sie auch selbst zusammengebracht, ist es geglückt, denn die monatelange Arbeit, die oft dahinter steckt, die Inhalte in dieser Weise zu transportieren, sieht dann keiner mehr.

Diese Arbeit ist spannend, man lernt unglaublich viele interessante Menschen und ganz verschiedene Bereiche des Lebens kennen und man ist gestalterisch tätig. Ein wunderbarer Job!

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Das Internet hat natürlich für einen Verlag sehr viel Arbeitserleichterung gebracht und die neuen Kommunikationsmittel erleichtern den direkten Zugang zu den Kundinnen und Kunden. Ansonsten haben wir – durch unsere Tochterfirma BuX. Verlagsservice – natürlich die besten Voraussetzungen, was die technische Umsetzung der Anforderungen der digitalen Medien betrifft. Da sind wir immer auf dem neuesten Stand der Dinge.

Bis jetzt hat aber das E-Book-Geschäft noch keine große Bedeutung. Ich bin gespannt, wie sich das iPad auswirken wird. Persönlich glaube ich eher, dass die Leute vermehrt über Smartphones kommunizieren werden und dann mit ihrem Laptop arbeiten. Ein iPad finde ich zum Arbeiten unterwegs unpraktisch, weil man den Bildschirm nicht aufstellen kann und nur um etwas zu lesen, brauche ich nicht noch ein zusätzliches Ding. Aber ich bin gespannt, wohin der Weg führt. Wir sind auf alles vorbereitet.

Mit BuX. bieten wir auch Beratung für andere Verlage an, die Hilfe brauchen, um die Technik in den Griff zu kriegen oder neue Wege zu beschreiten. Wir sind hier in der Verlagsbranche mit Vorteilen versehen: Meiner Erfahrung nach gibt es nämlich entweder Verleger, die aus der Buchbranche selbst kommen, denen aber der technische Background fehlt, oder Techniker, die das Verlagsgeschäft nicht begreifen und die nicht viel Ahnung von Satz haben, und beide wissen oft nicht, wie sie das eine mit dem anderen sinnvoll verknüpfen können. Hier haben wir einen entscheidenden Vorteil zu bieten, weil wir eben einerseits das Verlags-Know-how haben, andererseits aber auch die technische moderne Herstellung beherrschen, mit strukturiertem XML genauso gut umgehen können, wie mit anderen Programmen.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wir entwickeln uns laufend weiter, Probleme betrachten wir als Herausforderungen.

Woran wir im Goldegg Verlag laufend arbeiten ist die Verbesserung unserer Bücher, konzeptionell und auch beim Layout. Ein Cover zu entwickeln, ist spannend und ein intensiver Arbeitsprozess. Es dauert oft lange, bis wir hier zufrieden sind.

Bei BuX. Verlagsservice ist die Herausforderung immer am Puls der Zeit zu bleiben, hier ändert sich sehr viel sehr rasant und gerade jetzt müssen – vor allem Fachbuchverlage – zusehen, dass sie nicht den technischen Anschluss verlieren. Hier arbeiten wir daran, unsere technischen Lösungen für unsere Kunden optimal und maßgeschneidert weiterzuentwickeln.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.goldegg-verlag.com
www.bux.cc
http://www.goldegg-verlag.at/goldegg/index.php?page=298
http://www.facebook.com/pages/Goldegg-Verlag/156639364507
http://twitter.com/goldeggverlag

Bildquelle: Verena Minoggio
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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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