Dr. Dunja Voos: 2002 gab ich den Arztberuf zugunsten des Medizinjournalismus auf

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Dr. Dunja Voos: 2002 gab ich den Arztberuf zugunsten des Medizinjournalismus auf

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Eigentlich bin ich ausgebildete Fachärztin für Arbeitsmedizin. Doch schon 2002 gab ich den Arztberuf zugunsten des Medizinjournalismus auf. Ich arbeitete bei verschiedenen Zeitschriften und Verlagen, bis im Jahr 2005 meine Tochter zur Welt kam. Im selben Jahr gründete ich mein Blog www.medizin-im-text.de/blog, um psychische Erkrankungen aus psychoanalytischer Sicht zu erklären. Aus dieser Arbeit sind die Ideen für meine beiden Bücher entstanden.

Da psychoanalytisches Wissen meiner Meinung nach viel zu wenig verbreitet ist, schrieb ich zunächst das Buch “Kleine Kinder richtig verstehen”, das 2009 im Humboldt-Verlag erschienen ist. Hier beschreibe ich, wie sich die Psyche kleiner Kinder entwickelt und was die Begriffe “orale, anale und ödipale Phase” genau bedeuten. Obwohl dieses Konzept “verstaubt” klingt, ist es hochaktuell.

Über mein Blog erhielt ich auch zunehmend Anfragen, ob es ein Buch gibt, das die psychoanalytische Therapie erklärt. Da ich im deutschsprachigen Raum keines finden konnte, schrieb ich es kurzerhand selbst: “Psychoanalyse tut gut – ein Ratgeber für Hilfesuchende” ist im August 2011 im Psychosozial-Verlag erschienen. Der Verlag war so begeistert, dass ich gleich gefragt wurde, weitere Bücher zu schreiben. In Gedanken ist mein nächstes Buch schon fast fertig. Nun brauche ich nur noch etwas mehr finanzielle Sicherheit, um mit dem nächsten Buch zu beginnen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Da ich alleinerziehende Mutter eines Schulkindes bin, muss ich mir meinen Tag gut einteilen. Meistens stehe ich um 5 Uhr auf und gehe direkt an den Schreibtisch. In dieser Zeit kann ich am besten und ungestörtesten schreiben. Wenn ich um 7 Uhr meine Tochter wecke, habe ich meistens schon ein gutes Stück Arbeit geschafft. Und wenn um acht der Schulbus weg ist, geht’s direkt wieder an den Schreibtisch. Bis zum Mittag arbeite ich meistens stramm durch, damit ich den Nachmittag mit meiner Tochter gestalten kann. Manchmal kann ich abends noch ein Stündchen Arbeit anhängen, aber in der Regel bin ich – wie wohl die meisten Mütter – um 20.15 Uhr “rechtschaffen müde”; dann freue ich mich über Filme wie “Mord mit Aussicht”, das “Traumschiff” oder andere, ähnlich anspruchsvolle Sendungen 😉

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Im August 2011 gab es für mich einen großen Einschnitt. Da ich in den letzten zwei Jahren intensiv an meinem Buch gearbeitet habe, habe ich mich allein auf meinen Hauptauftraggeber als “Geldgeber” verlassen. Zwar hatte ich hier und da weitere Kunden, jedoch habe ich nicht aktiv und systematisch akquiriert. Ich war meinem Auftraggeber sehr dankbar, dass es so laufen konnte. Kaum war mein Buch erschienen, musste dieser Auftraggeber, ein japanisches Unternehmen, jedoch seinen deutschen Zweig schließen.

Meine Arbeit verändere ich jetzt dahingehend, dass ich meine Netzwerke ausbaue. Glücklicherweise bin ich schon seit einigen Jahren Mitglied des Netzwerkes www.texttreff.de. Hier haben sich Frauen zusammengeschlossen, die beruflich mit Texten zu tun haben – überwiegend sind es Freiberuflerinnen. Dieses Netzwerk ist für mich unentbehrlich. Während meiner Arbeit bin ich ständig an mein “virtuelles Texttreff-Großraumbüro” angeschlossen. Aber ich vernetze mich auch verstärkt über XING, Google plus und Twitter. Ich nutze diese Kanäle zur Akquise. Außerdem baue ich mein Blog und meine E-Mail-Beratungen aus. Sobald sich die Arbeit mit neuen Auftraggebern wieder eingependelt hat, möchte ich mit dem nächsten Buch starten.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein typisches Problem ist, dass das Bücherschreiben so schlecht bezahlt wird und dass ich meine Arbeit immer aufteile in “Geldverdienen” und “Selbstverwirklichung” – obwohl ja das Bücherschreiben auch echte Arbeit ist. Doch nicht immer kommt es mir so vor. Sobald ich mein Material zusammenhabe, sobald die Recherche abgeschlossen ist, ist das Buchschreiben für mich wie “Urlaub”. Fast immer, wenn ich ein Kapitel abgeschlossen habe, fühle ich mich “erholt” und zufrieden. Ich würde mir wünschen, dass es Möglichkeiten gäbe, für das Buchschreiben so bezahlt zu werden wie für jeden anderen Job auch. Wenn ich lese, dass manche Autoren gute Agenten finden und erst einmal einen Vorschuss von mehreren 10.000 Euro erhalten, dann habe ich immer das Gefühl, grundsätzlich etwas falsch zu machen 😉

Wo finden wir Sie im Internet?

www.medizin-im-text.de ist meine Geschäftsseite
www.medizin-im-text.de/blog – mein Blog rund um die Psychoanalyse und Psychosomatik
twitter.com/dunjavoos

Bildquelle: Dr. Dunja Voos

—————————————-
Blog-Abo: Dr. Dunja Voos: 2002 gab ich den Arztberuf zugunsten des Medizinjournalismus auf Feed Dr. Dunja Voos: 2002 gab ich den Arztberuf zugunsten des Medizinjournalismus auf E-Mail Dr. Dunja Voos: 2002 gab ich den Arztberuf zugunsten des Medizinjournalismus auf Facebook Dr. Dunja Voos: 2002 gab ich den Arztberuf zugunsten des Medizinjournalismus auf Twitter


Anzeige (falls eingeblendet)

Kommentar schreiben