Isabelle Liegl: Eine Lehrerin wird auch auf Basis meines Buchs eine Grundschule gründen

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Isabelle Liegl: Eine Lehrerin wird auch auf Basis meines Buchs eine Grundschule gründen

Ich bin Isabelle Liegl, Mutter von zwei mittlerweile jungen Männern, die in den USA und England leben. Vor langer Zeit habe ich ebenfalls in NYC gelebt, in Deutschland Betriebswirtschaft studiert und promoviert, um dann alle 10 bis 15 Jahre eine neue Herausforderung zu suchen. Zuerst war es eine Computerfirma, dann der Beginn der Selbstständigkeit in Human Resources, gefolgt von der Gründung einer Einrichtungsfirma. Zuletzt habe ich das Schreiben von Büchern entdeckt. Ich kann nur über Erziehung und Bildung schreiben, aber das tue ich voller Leidenschaft und aus einer sehr anderen und internationalen Perspektive, bedingt durch meine internationale Familie und den internationalen Werdegang auch unserer Kinder. Mit den Themen Erziehung und Bildung beschäftige ich mich seit 13 Jahren.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Immer sehr unterschiedlich und mit vielen »Baustellen« in sehr verschiedenen Bereichen. Ich muss ziemlich flexibel zwischen den Themen springen und mich auf Neues einstellen und konzentrieren können. Klappt nicht Immer. Auch im Einrichtungsbereich sitzt man immer mehr vor dem Computer. Ansonsten sehr viel telefonieren. Was ich genieße, ist das Schreiben von Texten, auch das Beantworten von Fragen, aber auch das Erstellen von Einrichtungskonzepten. Beide Tätigkeiten sind für mich, obwohl sie ganz unterschiedlicher Provenienz sind, ein beinahe meditativer Vorgang, in den ich versinke, um nach langer Zeit wieder aufzutauchen. Kreativ zu sein ist einfach ein wunderschönes Gefühl.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Früher war ich sehr viel mehr unterwegs, bei Kunden, auf Messen, in Showrooms. Das hat sich aufgrund der Digitalisierung und der Pandemie verringert. Beim Bücherschreiben, beim Beantworten von Anfragen, Pressemitteilungen, der Kommunikation mit Initiativen, Stiftungen, Lesern etc. hat sich nicht viel geändert. Bücher schreibe ich auf meinem uralten, geliebten Labtop. Alles andere erledige ich am Schreibtisch. Ich bin immer noch nicht besonders gut, wenn es um Social Media geht. Mir fehlt dazu einfach die Geduld. Leider gab es keine Lesungen mehr. Das wird sich hoffentlich bald ändern.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Mein neues Buch ist bei einem Verlag erschienen, dessen Mitarbeiter neugierig, klug, mutig und dynamisch sind. Auch mein Lektor war eine große Freude. Der Inhalt des Buchs mit dem Titel »Schule – Darf’s auch etwas mehr sein?« hat zwei Menschen inspiriert, die Großes vorhaben. Eine Lehrerin wird auch auf Basis meines Buchs eine Grundschule gründen. Haltung und Inhalt des Buchs sind für sie nicht nur inspirierend, sondern konzeptionell wertvoll und vor allem umsetzbar. Das ist das wirkliche Problem, das wir im Bildungsbereich haben. Geschrieben wird viel, aber umgesetzt wird fast nichts.

Etwas ganz anderes hat ein Unternehmer vor. Er möchte auf Basis meines Buchs, das in Konzept und Inhalt einfließen wird, eine Konferenz starten, die die Deutschen aus ihrem Zukunftstiefschlaf reißen soll. Auch er ist international breit aufgestellt und kann nicht fassen, wie sehr der Wandel der Welt mit seinen Herausforderungen von Politikern und Bildungsträgern ignoriert wird.

Beide Vorhaben ehren mich sehr und könnten als Antwort auf mein Buch nicht wichtiger und zukunftsweisender sein. Darüber bin ich sehr glücklich. Ansonsten hat meine Einrichtungsfirma die Pandemie gut überstanden und ich kann mich über die Auftragslage nicht beklagen.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Wenn Eltern mein Buch lesen, ist das sehr gut, weil sie verstehen müssen, dass die Schule nicht nur der Allgemeinbildung dienen kann, sondern die Kinder befähigen muss, mit den Anforderungen der VUCA-Zukunft zurecht zu kommen. Wenn Schulleiter und Lehrer mein Buch lesen, ist das besonders gut, denn die Zukunft braucht keine Unterrichtsbeamte, sondern Potentialentwickler, die ihre gesellschaftspolitische Aufgabe wahrnehmen können und wollen. Wenn Universitäten mein Buch lesen würden, wäre dies unbescheidenerweise eine Aufforderung, die Ausbildung und Weiterbildung unserer Lehrer auf den neuesten Stand zu bringen und vor allem landesweit zu vereinheitlichen. Wären Politiker bereit mein Buch zu lesen, wäre das ein echter Fortschritt, denn sie haben die Macht sogenannte Leuchtturmschulen zu einem flächendeckenden Phänomen werden zu lassen. Sie können das wilhelminische Schulmodell in Richtung Schule mit Weitsicht, Kreativität und Lebensraum verändern. Sie sind es, die Lehrpläne umsetzen und Schulabschlüsse gestalten. Sie bestimmen, ob die Kompetenzen privater und wirtschaftlicher Initiativen und Vereine genutzt werden. Sie sind für die Zukunft unserer Kinder verantwortlich und haben die Bildungschancen unserer Kinder in ihrer Hand.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Alle, die sich für Verbesserungsvorschläge und Lösungen für alle Schulformen interessieren, die oftmals bereits seit vielen Jahren in Leuchtturmschulen, in Internationalen Schulen und in Schulen im Ausland existieren. Natürlich sind die Presse und Medien sehr hilfreich, denn sie sind bei weitem fortschrittlicher und realistischer als manches Buch oder manch Entscheidungsträger.

Wo finden wir Sie im Internet?

Sie finden mich unter www.isabelle-liegl.com und unter www.ladoucefrance-design.com. Außerdem bei Facebook, Instagram, und sehr vernachlässigt bei Twitter und LinkedIn.

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Die Buchkinder Leipzig e. V., die letzte Woche mit dem deutschen Verlagspreis ausgezeichnet wurden.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

»Menschlichkeit in Zeiten der Angst« von Julia Leeb.

 

Foto (c) Agentur sgarandspice


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