Katharina König: Die Digitalisierung hat meine Tätigkeit im Nomos Verlag überhaupt ermöglicht

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Katharina König

Zurzeit bin ich Volontärin, bald Lektorin im Juristischen Lektorat des Nomos Verlags. Der Nomos Verlag ist ein juristischer Fachverlag mit Sitz in Baden-Baden.

Ich bin Juristin, habe in Berlin und Freiburg studiert, nach einem kurzen Forschungsaufenthalt in Warwick (England) an der Uni Freiburg über ein rechtsvergleichendes Thema promoviert und in Bucaramanga (Kolumbien) einen Abschluss als Rechtsanwältin gemacht.

Aufgewachsen bin ich in einem Kunsthistorikerhaushalt in Berlin, die Faszination für Bücher – angefangen vom Schreibprozess bis hin zur tatsächlichen Herstellung – stammt aus meiner Kindheit. Nicht nur bei meiner jetzigen beruflichen Tätigkeit, sondern auch vorher als ehrenamtliche Mitarbeiterin in einem Oxfam-Buchshop und als »Weihnachtsläuferin« im Berliner Buchpalast »Dussmann – Das Kulturkaufhaus« bin ich meiner Leidenschaft für Bücher treu geblieben.

Mich begeistern andere Länder und Kulturen, Kolumbien ist neben Deutschland meine Heimat.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Die einzige Konstante in meinem Arbeitstag ist, dass es immer anders kommt als gedacht.

Die Themenbereiche, die ich bearbeite, sind sehr vielseitig. So arbeite ich momentan zeitgleich an Buchprojekten u.a. zum Nachbarrecht, Strafrecht, aber auch zu einem englischsprachigen Werk zum US-amerikanischen Zivilrecht. Neben dem Praktikerbereich gehört zu meiner Arbeit die Akquise und Betreuung von Wissenschaftstiteln.

Mein Tag beginnt meistens mit einer kurzen Besprechung zur Abstimmung mit meinem Kollegen, der mein Volontariat verantwortet. Dann arbeite ich selbständig oder in Teamarbeit mit meinen Kollegen an den Buchprojekten. Das bedeutet konkret konzentrierte Manuskriptarbeit und der Austausch mit Autorinnen und Autoren per E-Mail und Telefon. Darüber hinaus helfen mir Gespräche mit dem Lektoratsleiter dabei, das Berufsbild »Lektor/Lektorin« in einem Wissenschaftsverlag, den Umgang mit Sprache und das große Ganze in der Verlagsarbeit besser zu verstehen.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Die Corona-Pandemie fordert von uns allen ja gerade nicht nur im beruflichen Kontext ein Umdenken. Dieses Jahr begleitet vermutlich die meisten von uns das ständige Gefühl, dass sich die Dinge verändern oder ändern müssen. Mein Arbeitsalltag ist davon natürlich auch stark geprägt. Die fortschreitende Digitalisierung hat meine Tätigkeit im Verlag überhaupt ermöglicht, denn den Großteil meines Volontariats habe ich Corona-bedingt aus der Ferne absolviert (dazu gleich).

In meinem Berufsalltag gab es innerhalb der vergangenen Monate die große Veränderung hin zu mehr digitaler Kommunikation und der Digitalisierung von Arbeitsprozessen. Besprechungen mit mehr als drei Personen finden über Teams statt. Teams erleichtert uns auch den Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen – im Homeoffice oder sogar bei kurzen Rückfragen innerhalb des Verlagshauses.

Unsere digitale Bibliothek, die Nomos eLibrary, hat in diesem Jahr noch einmal an Bedeutung gewonnen. Durch die Corona-Pandemie ist die Frage nach der Relevanz des E-Books natürlich wieder brandaktuell. Ständige Veränderung geschieht deshalb in den Bereichen Positionierung von Print und Digitalem sowie der digitalen Lehre, aber auch intern bei der Verbesserung von Workflows anhand von digitalen Tools.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Mein Volontariat ist bedingt durch die Corona-Pandemie anders verlaufen als geplant. Zu Beginn des Volontariats habe ich aus Kolumbien gearbeitet und konnte nicht zum vereinbarten Zeitpunkt ausreisen, weil die kolumbianische Regierung frühzeitig die Grenzen geschlossen und den internationalen Flugverkehr komplett eingestellt hat. Die äußeren Bedingungen mit strengen Quarantäneregeln in Kolumbien über viele Monate waren nicht einfach, sind aber meiner Arbeit zugutegekommen. So konnte ich z.B. intensiv an dem Entstehen des Handbuchs – ausgerechnet und thematisch passend – zum neuen Infektionsschutzrechts mitarbeiten. Dass mein Kollege und ich zusammen dieses Buch in Rekordzeit zur Veröffentlichung bringen konnten, ist für mich ein das Volontariat prägender Erfolg.

Erst seit kurzem kann ich in Baden-Baden im Verlagsgebäude arbeiten. Die freundlichen Kolleginnen und Kollegen vor Ort und im Homeoffice haben mir ein herzliches Willkommen bereitet; es ist für mich ein großer persönlicher und beruflicher Erfolg, dass ich mich innerhalb von kurzer Zeit und unter den aktuellen von Corona geprägten Bedingungen schnell in den Arbeitsalltag einfügen konnte.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Beruflich ist es für mich eine ständige Herausforderung, wie wir im Verlag sagen, die Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten. Das ist manchmal trickreich, immer spannend. Darüber hinaus verlangt Lektorat einen bestimmten Ton, der alle an einem Projekt Beteiligten dazu bringt, ihren bzw. seinen Teil auch pünktlich beizutragen.

Für die Arbeit bin ich nach Baden-Baden gezogen; das Heimisch-werden ist unter Pandemie-Bedingungen etwas seltsam. Dank der schönen Stadt, die ich jedem und jeder für einen Besuch empfehle, der tollen Landschaft und meinen Freunden aus der Umgebung finde ich mich aber mehr und mehr ein.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Im Juristischen Lektorat suchen wir nach neuen Kolleginnen und Kollegen. Interessierte können mich gerne kontaktieren.

Jederzeit freue ich mich darüber hinaus über jeglichen Austausch mit anderen, die in der Verlagsbranche arbeiten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Den Nomos Verlag finden Sie unter www.nomos.de, den Nomos Shop unter www.nomos-shop.de (innerhalb Deutschlands ist der Versand kostenlos!), mein LinkedIn-Profil unter linkedin.com/in/katharina-julia-koenig.

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Die Verlegerin Charlotte Kramer (Verlag Müller & Schindler sowie Faksimile Verlag) arbeitet als Deutsche in Spanien und macht spannende Sachen mit Faksimiles. Im Erscheinen ist beispielsweise ein verrücktes Stück zu einer bebilderten Prachthandschrift der Sainte Chapelle in Paris, einem Königspsalter sogar mit einer Nachbildung des zu der Originalhandschrift gehörenden Einschlagstoffes.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

Persönlich hat mich »Das Geräusch der Dinge beim Fallen« des kolumbianischen Juristen und Romanautors Juan Gabriel Vásquez beeindruckt. Es ist nicht nur sprachlich unheimlich schön (auch in der deutschen Übersetzung), sondern gibt auch einen tollen Einblick in die neuere kolumbianische Geschichte.

Beruflich hat mich das Handbuch »Das neue Infektionsschutzrecht« des Herausgebers Prof. Kluckert beeindruckt. Ein in Umfang und Expertise der beteiligten Autoren vergleichbares Werk gibt es derzeit nicht auf dem Markt.

 

Foto (c) Katharina König


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