Nadine Rendl: Ich bin Teil des Haymon Verlags und für die Pressearbeit zuständig

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Nadine Rendl: Ich bin Teil des Haymon Verlags und für die Pressearbeit zuständig

Ich bin Teil des Haymon Verlags, einem österreichischen Independent-Verlag. Seit nun ziemlich genau drei Jahren bin ich für die Pressearbeit zuständig – das Kommunizieren über unsere Neuerscheinungen mit Redakteur*innen, Kritiker*innen und Multiplikator*innen ist also mein Job und zugleich eine dadurch entdeckte Leidenschaft. Außerdem betreue ich seit einigen Monaten den Instagram-Account des Verlags. Dazu gehört das Gestalten interessanter und ästhetischer Beiträge genauso wie die Kontaktherstellung und Zusammenarbeit mit Bookstagrammer*innen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Glücklicherweise ist in meinem Job kaum ein Tag wie der andere. Neben gewissen Fixpunkten wie das Beantworten von Mailanfragen und internen Meetings, gestalte ich meine Projekte titel- und anlassbezogen individuell. Das Aufspüren neuer, spannender Medien und Stimmen und die Kontaktherstellung und -pflege sind in jedem Fall wichtige Teile meiner Arbeit, die sich als Konstanten betrachten lassen.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Dass digitale Medienformen auch vor der Pandemie relevant waren und funktioniert haben, ist klar. Im letzten Jahr haben sich aus der Notwendigkeit heraus neue Formen der digitalen Literaturvermittlung entwickelt. Manches hat sich bewährt, anderes hingegen war nicht mehr als ein Versuch. Sich auf Veränderungen auf diesem Gebiet einzustellen, ist in meinen Augen essenziell, wenn man am Ball bleiben möchte. Daher haben auch wir beispielsweise mit unseren Badewannenlesungen eine Antwort auf ausgefallene oder verschobene Lesungen gegeben. Die Homepage der Verlagsbuchhandlung Haymon bei uns im Haus reagierte auf die wiederholten Schließungen mit der Implementierung eines 3D-Rundgangs mittels Virtual-Reality-Brillen-Unterstützung. Ein Relaunch der Verlags-Homepage ist der nächste Schritt, den wir gerade angehen. In meinem konkreten Tätigkeitsbereich spüre ich die Veränderung hin zum Digitalen am stärksten einerseits an den Zoom-Meetings, die meine Pressereisen neuerdings ersetzen und andererseits daran, dass der klassischen Literaturkritik im Print immer weniger Raum zugestanden wird. Besprechungen und Autor*inneninterviews werden immer mehr ins Internet verlagert. In dieser Hinsicht lautet meine Devise: neugierig bleiben, nicht stillstehen und auf Veränderungen eine Antwort haben.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Wir im Verlag haben eine unbändige Lust auf neue Ideen, neue Stimmen und neue Blickwinkel. Es gibt nicht einen richtigen Weg, es gibt nicht eine richtige Position. Es gibt so viele Augen, die die Welt unterschiedlich sehen. Und diese Vielfalt wollen wir mit unseren Büchern feiern. Unter diesem Motto ist unser Herbstprogramm entstanden – die Autor*innen, Geschichten und Protagonist*innen darin sind genau das, was wir zeigen wollen. Dieses Programm ist allein in seiner Existenz ein riesiger Erfolg für uns.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Das zwischenmenschliche Miteinander, die Kontaktpflege, der kurze Plausch zwischendurch – das ist etwas, das mir nicht nur intern aufgrund notwendiger Sicherheitsmaßnahmen fehlt.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

In meiner Funktion als Pressezuständige: alle, die sich für unser Programm interessieren und Beiträge zu unseren Büchern und Autor*innen machen möchten. Darüber hinaus freue ich mich immer über neue Kontakte zu Multiplikator*innen wie Bookstagrammer*innen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Ich bin eine große Freundin der Verlagshäuser Mentor, &Töchter und Literarische Diverse.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

»Im Park der prächtigen Schwestern« von Camila Sosa Villada.

 

Foto (c) Haymon Verlag


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