Victor Kümel: Die Pandemie hat dem Literaturbetrieb die Webcam angemacht

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Victor Kümel: Die Pandemie hat dem Literaturbetrieb die Webcam angemacht

Ich bin Teil von Kabeljau & Dorsch, einem Label für junge Literaturvermittlung in Berlin. Ich mache eher selten was mit Büchern, aber viel mit Literatur. Zum Beispiel eine literarische Late Night Show, in der ein unvollendetes Manuskript im Mittelpunkt steht, oder einen Podcast, der die Wirklichkeit mit den Werkzeugen der Fiktion auseinandernimmt, oder ein digitales Literaturmagazin, dessen Texte man nicht auf Papier drucken könnte.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Literaturprojekte mache ich freiberuflich neben einer Vier-Tage-Woche als Marketing Manager der Kulturzeitschrift Merkur, also auch viel in den Abendstunden und am Wochenende. Typische Arbeitstage kenne ich da natürlich nicht. Als Literaturvermittler in Berlin ist jeder Tag ein Diamant, ein einzigartiges Ringen um Form, das nur aus sich selbst heraus zu begreifen ist.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Die Pandemie hat dem Literaturbetrieb quasi ungefragt die Webcam angemacht, und natürlich haben alle am Anfang ein bisschen blöd geguckt und sich von unten in die Nase gefilmt und hallo hallo hört man mich. Aber inzwischen gibt es richtig viele gute Literatursachen im Internet. Wir finden dieses Jahr auch vor allem digital statt: Gerade habe wir eine Pilotfolge der Show »Werk in progress« im Roten Salon der Volksbühne aufgezeichnet, die kommt im Mai ins Internet, und die Lesereihe »Kabelau & Dorsch« wird statt in der Kneipe als Podcast stattfinden. Klar kann das analoge Veranstaltungen nicht ersetzen, aber erst mal ist das neu und erfreulich. Und bleibt hoffentlich, auch wenn sich wieder alle anfassen können.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Das letzte Mal Sektlaune war, als wir endlich diese neue Webseite fertig hatten: kabeljau-und-dorsch.de

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Es fällt mir schwer, über die Kante der Pandemie zu schauen. Ich denke gerade nur noch so Dinge wie: Erst mal bitte alle gesund bleiben. Erst mal bitte alle nicht in die Depression abrutschen. Erst mal bitte alle auf sich und die anderen aufpassen. Dann sehen wir weiter.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Wir sind für die Lesereihe immer auf der Suche nach neuen Texten. Wir freuen uns, wenn unser Open Call weitergeleitet wird und neue Menschen und Gruppen erreicht.

Wo finden wir Sie im Internet?

kabeljau-und-dorsch.de, Facebook, Instagram

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Unabhängige Lesereihen, 54 Books, WORD Magazin, Volte Books

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

»Alle Hunde sterben« von Cemile Sahin.

 

Foto (c) Schirin Moaieri


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