Antonia Schulemann: Beim »GH Medienhaus Berlin« dreht sich alles um das gedruckte Buch

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Antonia Schulemann: Beim »GH Medienhaus Berlin« dreht sich alles um das gedruckte Buch

Ich bin Unternehmerin, Beraterin und Autorin, mein Start-up, die »GH Medienhaus Berlin GmbH«, habe ich im Herbst 2021 gegründet.

Bei uns dreht sich alles um das gedruckte Buch. Wir entwickeln und publizieren Bücher für Unternehmer/innen und Institutionen – vom ersten konzeptionellen Gedanken bis hin zum fertigen Druckwerk. Durch gezielte Vermarktung platzieren wir die Bücher erfolgreich im Handel. An das Medienhaus angeschlossen ist unsere eigene Verlagsbuchhandlung in der Großen Hamburger Straße in Berlin-Mitte. Dort verkaufen wir neben den Publikationen auch besondere Vintage Books – eine Nachfrage, die sich in den großen Trend-Metropolen entwickelt und steigt. Es geht dabei primär gar nicht mal ums Lesen, sondern um die Würdigung wertvoller, alter Bücher.

Jüngst haben wir unter dem Dach unseres Verlags unser eigenes Imprint – das Indie-Label »Books On Mars« – gegründet. Unter Books On Mars publizieren wir Literaturwerke der neuen Gegenwart zu gesellschaftlich und kulturell relevanten Themen in verschiedenen Genres, als Sachbücher, Romane/Dystopien und auch als Bildbände. Dabei lautet das Credo: In allen Werken ist der Blick auf die Zukunft gerichtet. Das Logo – einen schwarzen Monolithen – hat übrigens der zeitgenössische Künstler Felix Kiessling für uns entworfen.

Antonia Schulemann: Beim »GH Medienhaus Berlin« dreht sich alles um das gedruckte Buch

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

5 Uhr morgens aufstehen, für Aufgaben, für die ich Ruhe und Fokus brauche. Ab 9 Uhr geht’s, je nach Bedarf, im Büro oder in der Verlagsbuchhandlung in der Großen Hamburger Straße los. Das Team ist noch jung, kaum ein halbes Jahr alt – aber wir funktionieren zusammen toll, sodass ich immer mehr Außentermine wahrnehmen kann – in der Gewissheit, »der Laden läuft«. Mein Arbeitstag läuft zwischen 16.00 und 17.30 aus, damit ich Zeit für meine Familie und mein Privatleben habe. Dank desselben Biorhythmus gehen wir zuhause zur selben Zeit schlafen und so habe ich genügend Erholung, bis mich meine innere Uhr am nächsten Morgen wieder um 5 Uhr weckt. Die zwölf Stunden Arbeit täglich werden durch gutes Essen, oft ausgelassene Begegnungen mit interessanten Persönlichkeiten und kurzen Spaziergängen, die ich bewusst mache, unterbrochen. Wenn ich bisher Zeit meines Lebens im Schwerpunkt kreativ gearbeitet habe, liegen die Aufgaben heute mehr im Management und den Finanzen.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Als Kind des digitalen Wandels (2001 bin ich ins Berufsleben eingestiegen) bin ich in beidem gut geschult. Für mich lag die Herausforderung von Anfang an darin, wie »analog« von »digital« profitieren kann. Diese Strategien entwickele ich seit über 15 Jahren für Kunden und nun für mein eigenes Unternehmen. Unser Produkt ist Print, die Vermarktung ist online – und die Möglichkeiten, die uns digital geboten werden, sind fantastisch. Auch für das Medium Buch.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Ein neues Coffee Table Buch, das zum November erscheint, mit sehr starken Protagonistinnen. Die Gründung von »Book on Mars«. Die Idee eines Literaturwettbewerbs mit namhafter Jury.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Kunden unser Geschäftsmodell zu verdeutlichen. Es gibt noch keine Vergleichswerte, insbesondere das Marketing fragt als erstes nach den sofortigen Reichweiten. Um diese schnellen Impulse geht es bei einer Buchveröffentlichung aber nicht. Es geht um nachhaltige Effekte – wie beispielsweise Glaubwürdigkeit in der Spitzenexpertise. Dann steht ein erfolgreich platziertes Buch auch auf der Top-Position im Google Ranking.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Interessante Unternehmerpersönlichkeiten, die eine starke Geschichte über sich oder das Unternehmen erzählen. Wir kümmern uns um den Rest. Von der Findung des Sujets, dem Ghostwriting, der Buchentwicklung und dem Druck bis hin zu der erfolgreichen Platzierung im Handel.

Wo finden wir Sie im Internet?

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Es sind vermehrt die kleinen Verlagshäuser, die Debutautoren/innen ihre verdiente Plattform für innovative Ideen geben. Das ist erstaunlich. Denn für kleine Häuser ist allein der Druck eines Buches (und das bei den derzeit steigenden Papierpreisen) jedes Mal ein enormes finanzielles Unterfangen, was nicht nur theoretisch die Existenz kosten kann. Wer also interessiert ist an neuen literarischen Ideen und frischen Impulsen, werfe einen Blick auf die Independent-Verlagshäuser in Deutschland.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

»Talking to Strangers« von Malcolm Gladwell.

 

Foto (c) GH Medienhaus Berlin GmbH


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