Arwed Vogel: Ich leite die Literarische Sommerakademie Schrobenhausen

Die Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen sichtbar werden lassen. Unser Ziel ist es, die Leute damit noch enger in den Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Arwed Vogel: Ich leite die Literarische Sommerakademie Schrobenhausen

Ich leite die Literarische Sommerakademie Schrobenhausen, kurz LISA. Hier geben bekannte Autorinnen und Autoren eine Woche lang Schreibkurse und berichten von ihren literarischen Erfahrungen. Dieses Jahr findet die LISA zum vierzehnten Mal statt. Gefördert wird sie vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.

Außerdem bin ich freiberuflicher Schriftsteller und Dozent an der LMU, in der Erwachsenenbildung und in meinem eigenen Projekt, dem Freien Literaturprojekt München. Ich habe Romane und Jugendnovellen geschrieben sowie zahlreiche Bücher über Erzählmethoden für alle Schularten, aber auch für Erwachsene. Für den VS, den Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, engagiere ich mich als Landesvorsitzender Bayern. Und ich bin im Vorstand der Stiftung Literatur.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Wenn ich nicht unterrichte, arbeite ich vorwiegend am Computer. Ich schreibe und beantworte viele E-Mails und nehme häufig an Videokonferenzen teil. Zwischendurch bereite ich Konzepte und Anträge für den VS vor, organisiere Lesungen oder Festivals, zuletzt das Carl-Amery-Festival. Auch die LISA erfordert viel Vorbereitung: Sie findet im August statt und im November beginnen wir schon wieder mit der Planung fürs nächste Jahr. Schön ist es, wenn es mir gelingt, mehrere Stunden freizuschaufeln für die Unterrichtsvorbereitung, die inhaltliche Arbeit und das Lesen von Manuskripten. Das eigene Schreiben ist auf den Abend beschränkt: ab 21 Uhr bis Mitternacht, wenn im Haus Ruhe herrscht und niemand mehr anruft.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Die Kommunikation wird schneller und umfangreicher. Vieles lässt sich leichter planen und kommunizieren durch Videokonferenzen. Gleichzeitig nimmt die Arbeitsmenge zu und manchmal stresst es mich, dass ich eine Mail beantworte und sofort kommen drei Reaktionen darauf, die wieder eine Antwort erfordern … Aber wenn ich dann sehe, dass sich auf einmal eine Teilnehmerin aus Australien zu einem meiner Online-Kurse anmeldet, ist dieser Stress schnell vergessen und die Freude über die Chancen überwiegt. Seit Beginn der Pandemie experimentiere ich mit auch mit Mischformen aus Präsenz- und Onlineunterricht und ich bin überrascht, wie gut das funktioniert.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Als Erfolg sehe ich vor allem, dass ich gut durch die Corona-Zeit gekommen bin. Auch 2021 und 2022 konnten wir die Literarische Sommerakademie anbieten. Wir haben neue Formate mit weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmern entwickelt und vieles ins Freie verlagert. So sind zum Beispiel die »Literarischen Spaziergänge« entstanden, ein Format, das so gut ankommt, dass wir es beibehalten werden. Was meine eigenen Kurse angeht, freue ich mich vor allem, dass meine Online-Konzepte sich bewährt haben und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diesen Schritt mit großer Experimentierlust mitgegangen sind. Im Seniorenstudium habe ich sogar Teilnehmerinnen, die sich aus diesem Anlass ihren ersten eigenen Laptop zugelegt haben und mittlerweile wirklich firm sind in Computerfragen.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Ich versuche, Menschen für das literarische Schreiben zu begeistern, für den Entwurf künstlerisch interessanter Projekte, das Schreiben als existentiell bereicherndes Lebensmoment. Manchmal irritiert es mich, wie viele Menschen sich von außerliterarischen Kriterien in ihrem Urteil über Literatur, auch über die eigene, beeinflussen lassen. Statt nach ihrer eigenen literarischen Stimme suchen manche nur nach einem Bestseller-Rezept. Das finde ich wahnsinnig schade.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Alle, die sich für einen guten Zusammenhalt unter Autorinnen und Autoren stark machen und gegen das Konkurrenzdenken.

Wo finden wir Sie im Internet?

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Da gibt es so viele! Weil ich gerade mit der LISA beschäftigt bin, fallen mir spontan natürlich unsere Dozentinnen und Dozenten ein: Ulla Lenze, Judith Kuckart, Anna Katharina Hahn, Thomas Kastura und Norbert Niemann. Lydia Daher wäre sicher auch eine tolle Interview-Partnerin. Oder Niels Klaunick. Aber wie gesagt: Die Liste ließe sich endlos weiterführen.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

Fridolin Schley: »Die Verteidigung«

 

Foto (c) privat

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