Judith Holofernes: Diktieren hat mein Schreiben revolutioniert

Die Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen sichtbar werden lassen. Unser Ziel ist es, die Leute damit noch enger in den Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Judith Holofernes: Diktieren hat mein Schreiben revolutioniert

Ich bin Judith Holofernes. Ich bin von Haus aus Songwriterin, habe aber gerade ein Buch bei Kiepenheuer und Witsch veröffentlicht: »Die Träume anderer Leute«.

Judith Holofernes: Diktieren hat mein Schreiben revolutioniert

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Wenn ich schreibe, dann ziehe ich mich meistens in meine Arbeitswohnung zurück, weil zuhause zu viel los ist. Große Teile eines Arbeitstages verbringe ich, zumindest phasenweise, aber auch draußen, weil ich die ersten Entwürfe beim Spazierengehen diktiere. Tatsächlich schreiben tue ich dann an einem Stehtisch, wippend auf meinem Trampolin. Ehrlich.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Die Tatsache, dass das mit dem Diktieren inzwischen so gut klappt, hat mein Schreiben revolutioniert. Ich habe dieses Buch mit Dragon Dictate entworfen, ein Programm, das lernfähig ist und dem ich die vielen Wortschöpfungen beibringen kann, die ich benutze. Leider funktioniert Dragon inzwischen nicht mehr für Mac und ich muss mir was Neues überlegen.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Mein Buch ist in die Top 20 der Spiegel Bestsellerliste eingestiegen! Außerdem habe ich gestern eine Mail von einem Schriftsteller bekommen, den ich sehr liebe, und er hat mir gesagt, wie toll er es findet. Das ist eigentlich noch toller als das mit der Spiegel-Liste!

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Jetzt in der Veröffentlichungsphase finde ich es schwierig, mich nicht im Internet zu verlieren, und ich empfinde es als wahnsinnig unangenehm, ein so persönliches Buch zu promoten, auch wenn die Rückmeldung eigentlich sehr schön ist. Ich würde am Liebsten vorspulen und »Judith Holofernes, die letztes Jahr dieses schöne Buch veröffentlicht hat« sein.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Jemand, der diese Art von »Vulnerability Hangover« kennt und mir sagen kann, dass es vorbei geht? Und: Schreibende, die Alternativen zu Dragon Dictate empfehlen können.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf der Crowdfunding-Plattform Patreon: www.patreon.com/judithholofernes Dort habe ich die letzten drei Jahre mein Buch öffentlich vor mich hingeschrieben, und meine Abonnent*innen konnten mitlesen und haben mich quasi erstlektoriert.

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Hannes Wittmer, ehemals Spaceman Spiff, schreibt sehr schöne und interessante Essays auf seinem Blog, und lebt ausschließlich von kleinen und großen Summen, die ihm seine Leser*innen überweisen.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

»Dschinns« von Fatma Aydemir fand ich ganz, ganz toll. Ein wunderbarer Roman, der mir einen Teil von Welt und Innenwelt eröffnet hat, in den ich vorher keinen echten Einblick hatte.

 

Foto (c) privat



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