Uta Lauer: Ich mache mit »edition naundob« Bücher in Einfacher Sprache

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Uta Lauer

Mein Name ist Uta Lauer. Ich bin Verlegerin. Mein Verlag heißt edition naundob.

Ich mache Bücher in Einfacher Sprache. Das heißt Bücher für Menschen, denen das Lesen aus verschiedenen Gründen schwerer fällt als anderen. Sei es, weil sie in der Schule nicht gut klargekommen sind oder weil sie eine Behinderung haben, älter sind und das Konzentrationsvermögen nachlässt, oder weil Deutsch nicht ihre Erstsprache ist und sie die Sprache nun lernen.

Ich mache alles, was notwendig ist, um aus einem Manuskript ein fertiges Buch zu machen und dieses zu verkaufen. Eingereichte Texte lesen, auswählen, Kommunikation, Textarbeit und Verträge mit den Autor*innen, Layout, Covergestaltung, Presse, Marketing, Verkauf.

Nur vor der Buchhaltung drücke ich mich, die gebe ich ab an meine Frau, die mich auch in allen anderen Belangen kräftig unterstützt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den Verlag betreibe ich nebenberuflich. Also arbeite ich an den meisten Tagen erst einmal in der EUTB (der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung), um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Abends kümmere ich mich noch um die wichtigsten Sachen, die den Verlag betreffen, wie Bücher verkaufen und dringende Mails beantworten. Wenn ein Buch auf der Zielgerade ist, sitze ich auch schon mal bis nachts und bastle am Layout oder am Cover.

An meinen Verlagstagen setze ich mich nach dem ersten Kaffee an den PC und schaue zunächst nach den unerledigten Mails. Der restliche Tag gestaltet sich ganz nach dem, was dran ist. Das ist sehr unterschiedlich. Entweder kümmere ich mich um das neue Manuskript, layoute den neuen Text, schaue, wer Illustrationen beisteuern könnte, feile am neuen Cover, beantworte Interviews, versuche Social-Media-Plattformen zu bedienen ohne mich dort zu verlieren und ganz manchmal schaffe ich es, meinen Schreibtisch aufzuräumen.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Die Digitalisierung macht mir meine Arbeit erst möglich. Ich habe den Verlag gegründet, weil meine Frau ihren Roman in Einfacher Sprache nicht unterbekommen hat. Und weil ich die Notwendigkeit sah, Menschen Zugang zu Literatur zu verschaffen, denen er bisher verwehrt war. Nur durch PC und Internet war es mir nebenberuflich möglich, mir das nötige Wissen für diese Arbeit anzueignen und Werbung breit zu streuen trotz kleinem Budget. Ohne die heutige Technik ginge das nicht für mich.

Inzwischen ist es auch üblich geworden, Lesungen online stattfinden zu lassen. Das ist eine wunderbare Möglichkeit, ein breites Publikum zu erreichen. Viele unserer Leser*innen sind nicht mobil und könnten nur unter großem Aufwand an einer Präsenzlesung teilnehmen. Trotzdem bin ich froh, dass wieder Lesungen in Präsenz und Begegnung im echten Leben stattfinden können.

Meine Arbeit verändert sich auch, weil die Leichte und Einfache Sprache immer bekannter wird. Ich muss nicht mehr jedem erklären, was das ist und für wen das gut sein soll. Es gibt inzwischen mehrere Verlage, die sich stark machen dafür und immer bekannter werden. Leichte Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten wird gefördert im Rahmen der UN-BRK und des BTHG. Die Lebenshilfe Berlin fördert mit ihrem Projekt »Einfach lesen!« und macht damit klar, dass man in Einfacher und in Leichter Sprache Literatur machen kann, die richtig gut ist. Das alles macht meine Arbeit Stück für Stück leichter.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Wir feiern jedes einzelne Buch als Erfolg. Und alle Autor*innen, die Einfache Sprache als literarisches Stilmittel verwenden. Und natürlich all unsere Leserinnen und Leser.

Ganz aktuell freue ich mich über ein Manuskript von Almut Anders, dass in diesem Jahr noch zum Buch werden wird und zwei neue Autorinnen, die angefragt haben. Und nicht zuletzt ist es absolut großartig, dass es wieder Präsenzveranstaltungen gibt wie die Schlossgeschichten in Wartin und den Lesemarathon am 28.05. zum Tag der Leichten Sprache im Rahmen der Special Olympics.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

In allererster Linie hakt es an der Zeit. Ich finanziere den Verlag quer. Als teures Hobby sozusagen. Ich muss anderweitig arbeiten, um mein Leben und den Verlag zu finanzieren. Das allerdings frisst meine Zeit. Es ist ein Problem, für das ich noch keine Lösung gefunden habe.

Das andere Problem ist unsere Zielgruppe. Menschen, die im Erwachsenenleben schlecht lesen können, hatten es in der Schule schon nicht leicht. Für die meisten war der Deutschunterricht eine Qual, Bücher haben sie als etwas erlebt, das nicht für sie bestimmt ist.

Wir haben aber festgestellt, wenn diese Menschen beginnen, Bücher in Einfacher Sprache zu lesen, also Bücher, die sie verstehen und die sie in ihrer Lebenswelt berühren, sind sie begeistert. Sie fangen an zu lesen. Dafür bedarf es einer Menge Aufklärung und Überzeugungsarbeit auf vielen Ebenen. Ich denke, dass die Veränderung Zeit braucht aber auf einem guten Weg ist. Bei aller Kritik zu nicht gelungener Inklusion, es gibt ihn, den gemeinsamen Unterricht. Und auch in Förderschulen lernen die Kinder inzwischen häufiger Lesen. Kinder, denen das Lesen schwer fällt, werden besseren Zugang zu Literatur finden. Inzwischen gibt es wunderbare Übersetzungen von Klassikern und Bestsellern in Einfache Sprache. So dass Schüler*innen, denen das Lesen schwer fällt, im gemeinsamen Unterricht die gleichen Bücher lesen können wie ihre Klassenkamerad*innen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Jemand mit viel Geld im Gepäck, der die Einfache Sprache und vor allem einen Ein-Personen-Verlag fördern will.

Jemand, der was von Marketing versteht und sich auf uns und unsere speziellen Zielgruppen einlässt.

Vielleicht Fernsehsender wie RTL, da ich vermute, dass viele Personen aus unserer potentiellen Leser*innenschaft dort angesprochen werden können.

Wo finden wir Sie im Internet?

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Ganz unbedingt Ingrid Kaech. Außer, dass sie eine wunderbare Lektorin für edition naundob ist, die bereit war, sich in die Anforderungen der Einfachen Sprache einzuarbeiten, betreibt sie das Schriftstellerhaus/Phase1. Dort können Autor*innen sich voll und ganz dem Schreiben widmen, Kurse belegen, sich vernetzen ohne vom Alltag gestört zu werden.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

»Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk« von Jaroslav Hasek. Ich habe es anlässlich des Krieges in der Ukraine wieder mal rausgekramt.

 

Foto (c) privat


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