Mona Gabriel: Ich arbeite seit mehr als 25 Jahren als freie Lektorin

Die Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von Menschen beantwortet, die »was mit Büchern« bzw. Publishing machen. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen sichtbar werden lassen. Unser Ziel ist es, die Leute damit noch enger in den Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Mona Gabriel: Ich arbeite seit mehr als 25 Jahren als freie Lektorin

Ich heiße Mona Gabriel und arbeite seit mehr als 25 Jahren als freie Lektorin. Ursprünglich angefangen habe ich mit Übersetzungslektoraten für große Verlage. Da ich zweisprachig (englisch/deutsch) bin, fällt es mir leicht, Unstimmigkeiten in Übersetzungen aufzuspüren und durch bessere Formulierungen auszugleichen. Inzwischen arbeite ich auch für Selfpublisher und bearbeite auch Texte von deutschen Autoren.

Zur Vernetzung und besseren Unterstützung untereinander bin ich Mitglied im Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren und außerdem Gründungsmitglied des Lektorenverbands Textwache.

2022 habe ich außerdem mein erstes Sachbuch veröffentlicht mit dem Titel »Zuhause, aber trotzdem fremd – Wie deutsche Expats den Rückkehrschock bewältigen«.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Am Vormittag ist meine Hauptarbeitszeit am jeweils aktuellen Lektoratsauftrag. Nachmittags arbeite ich vorwiegend an Netzwerk-Themen, beantworte E-Mails oder surfe auf der Suche nach Inspirationen im Netz. Der Austausch mit Kollegen, der im Home-Office ja meist zu kurz kommt, findet oft bei einem gemeinsamen Mittagessen oder bei Netzwerktreffen am Nachmittag statt.

Wie verändert sich Ihre Arbeit (z.B. durch die fortschreitende Digitalisierung)?

Seit der Corona-Pandemie werden immer mehr Erstgespräche auch per Video-Call geführt und für mich persönlich hat sich auch die Möglichkeit ergeben, Online-Workshops anzubieten. Allerdings gibt es bei mir zunehmend Probleme mit dem Internet-Provider. Ich hoffe, dass die vielen Ausfälle in der letzten Zeit nun nicht zur Gewohnheit werden. Denn zur Recherche und zum schnellen Nachschlagen ist der Zugriff aufs Internet auch fürs Lektorieren unersetzlich geworden.

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Die erfolgreiche Fachtagung des VFLL e.V. inklusive Jubiläumsfeier im September 2022 in Halle. Das war eine Gemeinschaftsanstrengung eines wunderbaren Teams und hat vorab viel Kraft gekostet. Umso schöner, dass die Fachtagung so ein toller Erfolg war.

Das Erscheinen meines Buches »Zuhause, aber trotzdem fremd – Wie deutsche Expats den Rückkehrschock bewältigen« im Mai 2022. Da steckt von den ersten Interviews, über das Schreiben, die verschiedenen Überarbeitungen bis zur Herstellung mein ganzes Herzblut drin. Besonders schön fand ich, dass so viele langjährige Kolleginnen mich bei den verschiedenen Arbeitsschritten unterstützen konnten und ich mein Projekt bei ihnen stets in besten Händen wusste.

Mona Gabriel: Ich arbeite seit mehr als 25 Jahren als freie Lektorin

Schließlich ist noch das neu gestartete Fantastik-Programm bei Panini zu nennen, bei dem ich die Lektorate der großartigen Shannon Chakraborty übernehmen durfte. Ihre Daevabad-Trilogie ist auf dem besten Weg, ein voller Erfolg zu werden. Völlig zu recht, wie ich finde. 

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Im letzten Jahr gab es viele Verschiebungen bei der Zuarbeit durch Übersetzer und Autoren. Irgendwie ist immer jemand krank, überlastet oder es gibt sonstige Widrigkeiten. Das macht die Planung schwierig und führt zu Arbeitsverdichtung vor Abgabeterminen. Auch die Urlaubsplanung wird dadurch gelegentlich ziemlich chaotisch.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Fürs Lektorat: Verlage, die an einer langfristigen  und zuverlässigen Zusammenarbeit interessiert sind, sowie erfahrene Selfpublisher, die eine langfristige Begleitung ihrer Projekte wünschen.

Fürs Buch: Organisationen und Firmen, die ihren Auslandsrückkehrern Unterstützung anbieten möchten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Marianne Eppelt, Lektorin und Vorsitzende der Bücherfrauen e.V..

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

Ich lese besonders gerne Familiengeschichten, und da fallen mir zwei Bücher ein:

Iris Wolff: »Die Unschärfe der Welt«

Die Autorin erzählt in einer fast betörenden, schwebenden Sprache von den Verbindungen und Lücken einer Familie aus dem Banat.

Fatma Aydemir: »Dschinns«

Die Lebenswirklichkeit von Menschen mit Migrationsgeschichte ist in Teilen auch meine eigene, aber vor allem ist »Dschinns« wunderbar erzählt und die verschiedenen Perspektiven geben Einblick in die Geschichten hinter der Einwanderungsgeschichte.

 

 

Foto (c) privat

Anzeige (falls eingeblendet)