iPhone App „Epiphany Recorder“: Erlebtes nachträglich festhalten

Der Alltag hat viel Ähnlichkeit mit dem Medienkonsum. Wir wissen immer erst hinterher, was der Tag an Ereignissen und Begegnungen bereit gehalten hat. Das gleiche gilt für den Kontakt mit anderen Menschen. Auch hier wissen wir immer erst nach dem Gespräch, wie interessant diese gewesen sind.

Natürlich können wir uns verschiedener Ersatz-Informationen bedienen. So wissen wir, dass wir bspw. auf Kongressen mehr erleben als wenn wir nur zu Hause sitzen. Auch über die Personen, welche wir treffen und mit denen wir uns unterhalten, ist uns oft einiges bekannt. So können wir abschätzen, ob sie Interessantes zu berichten haben. Letztlich ist man hinterher aber immer schlauer.

Nun kommt es gar nicht selten vor, dass man etwas Spannendes erlebt hat und es gern festgehalten hätte. Bisher war man darauf angewiesen, vorab eine Wahrscheinlichkeitsabschätzung zu machen, ob es sich lohnt, die Kamera oder das Aufnahmegerät anzuschalten. Dank der sehr interessanten iPhone-Applikation Epiphany Recorder ist auch ein anderer Weg möglich:

Epiphany lets you easily capture moments that you would have missed. Just tap the Remember that! button to save the last 2 mintues of audio and continue recording as long as you want.

The brilliance of Epiphany is that it is always recording but only saves a file when something happens that you want saved. Choose how long into the past Epiphany „Remembers“- 2 min., 1 min., 30 sec., or 15 sec. When something happens that you want to save, tap the Remember that! button. It will save what is in memory and keep recording until you tap the Finish clip. button. Create short, interesting clips and throw the rest away!

Diese Applikation zeichnet also permament alles auf und speichert bei Bedarf einen Teil des Mitgeschnittenen ab. Dadurch hat man die Möglichkeit, das in der Rückschau als bewahrenswert Erkannte nachträglich zu speichern. Das finde ich grandios.

Nun ist es ja so, dass die Bevölkerung und auch die städtische Umgebung immer stärker von Multimedia-Geräten wie dem iPhone oder auch Kameras durchdrungen werden. Außerdem werden diese Geräte in einem atemberaubenden Tempo immer leistungsfähiger. Zudem ist Speicher nicht mehr knapp und wird in Zukunft überall in Unmengen und sehr günstig verfügbar sein (Stichwort Cloud Computing). So wird es langfristig möglich sein, „alles“ um uns herum aufnehmen und bei Bedarf abzuspeichern. Vielleicht kann man irgendwann auch „alles“ aufnehmen und „alles“ speichern. Spätestens dann haben wir es geschafft, Zeitreisen zu ermöglichen.

  • Katharina

    Lustigerweise kenne ich dieses App schon (bzw. etwas ähnliches) ….ich wurde durch Zufall auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt von französischen Austauschstudenten über interkulturelle Fragestellungen interviewt und einer ließ (nachdem gefragt wurde) das Tonband bzw. das Iphone mitlaufen. Ich fand witzig. Unterscheidet sich dieses App den wesentlich von anderen „Aufnahmefunktionen“?
    Toll finde ich eine Applikation (Shazam) mit der man unbekannte Musikstücke aufnehmen und dann taggen kann. Die Titel werden in einer Datenbank abgefragt, dann angezeigt und in einer Liste gespeichert. Die Vielfalt der angebotenen Apps ist wirklich überwältigend ;-)
    Viele Grüße

  • Der wesentliche Unterschied bei dieser Applikation ist, dass sie die ganze Zeit über aufnimmt, das Aufgenommene aber nur bei hinterher erkanntem Bedarf abspeichert. So kann man quasi die Vergangenheit festhalten, was aus meiner Sicht ein prima Ansatz ist. Es handelt sich also gerade nicht um die übliche Aufnahmefunktion, die ja viele anbieten.
    :-)
    Danke für den Shazam-Tipp.

  • Das ist doch schecklich, wenn alles potenziell aufgezeichnet wird. Man schimpft immer über den Überwachungsstaat, das hier toppt sämtliche Gruselvorstellungen die ich bisher hatte zu dem Thema.

  • Bei den Zeitreisen würde ich gern eine Einschränkung machen: Der Applikation fehlt die Funktion für Reisen in die Zukunft – auf das werden wir wohl noch eine Weile warten müssen. :-)

  • @Baynado
    Dass tendenziell „alles“ aufgezeichnet wird, lässt sich leider kaum verhindern. Man denke nur an ein Google Maps mit kürzeren Intervallen der Aktualisierung – bspw. minütlich. Da kann einem schon mulmig werden. Entscheidender ist aus meiner Sicht aber letztlich der Umgang mit derlei Daten.

    @Matthias Schwenk
    Stimmt, Zeitreisen in die Zukunft lassen sich so nicht bewerkstelligen. Das Problem ist ja, dass es eine Vergangenheit gibt, aber viele Möglichkeiten der Zukunft. Das verkompliziert das Ganze etwas. Aber irgendein Apple 2.0 wird das Problem sicher lösen. :)

  • die App erscheint mir eigentlich nicht wirklich sinnvoll. Erstens wird warscheinlich der Akku nach wenigen Stunden die Hufe hoch machen und zweitens trage ich mein iPhone jedenfalls nicht am Band um den Hals, sondern eher in Taschen der Hose oder Jacke. Die Mitschnitte wären dann kaum zu gebrauchen. hmmm… hat irgendwer überhaupt damit schon Erfahrung gesammelt? Wäre gut zu wissen wie sich die Funktion in der Praxis bewährt.