Lesetipp: Die Ära des gedruckten Buches geht zu Ende. Kein Grund zur Trauer

Der sehr interessante Artikel von Jürgen Neffe hebt sich in seiner Tiefgründigkeit erfrischend von vielen anderen Beiträgen zum Thema ab und ist ein absoluter Lesetipp – auch wenn man über viele Argumente sicherlich lange diskutieren könnte:

ZEIT ONLINE: Die Ära des gedruckten Buches geht zu Ende. Kein Grund zur Trauer

Zwei beispielhafte Auszüge:

Die Frage, ob »wir« das wollen, ist so müßig wie die, ob wir Privatfernsehen wollten oder Handy oder Internet. Ist der Geist aus der Flasche, kehrt er nicht mehr dorthin zurück. Kommende Generationen werden kaum glauben, dass er je hineingepasst hat. Wie das Leben selbst, so erobert sich als Ausdruck seines Bewusstseins die Kultur auf Dauer jeden verfügbaren Raum. Die Grenzen zwischen dem Buch und dem Rest der Medienwelt werden sich schließlich so vollständig verlieren wie die zwischen Werbung und Unterhaltung. Am längsten dürften sich noch Genres wie Roman, Biografie oder Wörterbuch gegen andere und neue Formen behaupten – bis wir »Buch« nur noch gebrauchen wie heute die »Feder« der Autoren.

(…)

Die Verlage scheinen gerade erst zu begreifen, dass sie sich neu erfinden müssen (bei Wörterbüchern, Lexika, Stadtplänen oder Landkarten stehen sie schon erheblich unter Druck). Vor ihnen liegt das Kunststück, wenn sie nicht untergehen wollen, über den eigenen Schatten zu springen und dabei deutliche Substanzverluste zu verkraften. Auch bei gleichen Auflagen wird es weniger Umsätze geben, weniger Arbeitsplätze und vermutlich auch weniger Verlage. Die größten Überlebenschancen sollten jene haben, denen das entleibte Buch nicht nur als austauschbare Handelsware gilt, sondern als individuelles Werkstück individualistischer Urheber. Nie war deren innovativer Geist gefragter als in Zeiten, da das Buch als Datensatz im gleichen technischen Format wie Bild und Ton mit allen anderen Medien um Aufmerksamkeit und Stücke vom Zeitbudget buhlen muss.

Bild: Vali…

via: Thomas Knüwer

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