Nächstes großes Ding: Informationsbewertung

Ein allseits beliebtes Diskussionsthema ist „das nächste große Ding“. Erst hatten wir Google, Facebook und Twitter. Jetzt kandidieren u.a. Wolfram Alpha, Bing und Google Wave.

Ich denke, ein nächstes großes Ding ist allgemein das Thema Informationsbewertung. Warum? Die Kosten der Informationsaussendung sind für den Sender dank des Internets und der digitalen Technik auf quasi Null gesunken. Daher erleben wir diese enorme Informationsflut. Die höchsten Kosten liegen daher heute beim Informationsempfänger, der vor der momentan kaum lösbaren Aufgabe steht, das für ihn Relevante aus der Informationsflut fischen zu müssen.

Die Instrumente, die dem Informationsempfänger hierzu bisher zur Verfügung stehen, sind in vielen Fällen nicht sehr wirkungsvoll. Ein Beispiel: Das wesentliche Relevanzkriterium bei Twitter ist die Zeit. Die jüngste Nachricht erscheint im System zuoberst. Das ist so, als ob bei Google immer der jüngste Suchfund als erster angezeigt würde. Es gibt natürlich allerlei Versuche, Tweets mit Metadaten anzureichern. Es besteht aber zweifellos noch Verbesserungspotenzial. Ich für meinen Teil habe jedenfalls schon manches Mal ebenso verzweifelt wie vergeblich bestimmte interessante Tweets gesucht, die ich mangels entsprechender Metadaten aber nicht mehr auffinden konnte.

Jedenfalls ist meine Annahme, dass wir gerade auf dem Feld der Relevanzbewertung von Informationen noch einige sehr erfolgreiche Unternehmen erleben werden – vielleicht ja auch das nächste große Ding.

Bild: miamabanta

14 Kommentare

  1. Der Gedanke ist im Kern nicht von der Hand zu weisen. Allerdings bin ich skeptisch, ob wir da neue Unternehmen sehen werden. Denn schon heute basieren einige Geschäftsmodelle zumindest teilweise auf Bewertungen – so etwa Amazon, aber auch Qype.

    • Es wird da sicher nicht nur die eine Lösung geben. Aber warum sollte es nicht auch Unternehmen geben, die sich rein auf die Bewertung konzentrieren? Macht Google ja letztlich auch mit der Suche.

  2. Anonymous

    dieses kleine ding hier ist ein wichtiger schritt zur Twitter/Google-informationsfilterung:

    http://userscripts.org/scripts/show/43451

    aber umsonst, natürlich. das große geschäftsmodell erkenne ich hier nicht. vielleicht so etwas wie Bing, falls das wirklich einmal geht, die simplen fragen der normalos a la „wann geht der nächste zug von Freising nach Berlin“ zu beantworten. was ich intuitiv bezweifle, aber wer weiß.

    • Ja, das ist eine prima Sache! Ich denke, wer für das Problem der Informationsbewertung wirkungsvolle (Teil-)Ansätze liefert, verdient auf jeden Fall Geld am Ende. Wie auch immer. Siehe Google mit seiner Suche.

  3. Ich kann Leander da nur beipflichten und glaube nicht, das Qype oder Amazon eine ausreichende Antwort geben: Je mehr die klassischen Medien ihre Empfehler und Filterfunktion verlieren (und die Kooperation zwischen Goolge News und Nachrichtenagenturen ist ja nur ein weiterer Schritt), desto mehr bedarf es eines neuen Systems, zumal man sich immer weniger auf Medien verlassen mag, je nischiger die Tehmen werden.

    Zumindest habe ich schon lange vor der Schwemme in meinem Feedreader und Twitter-Accounts kapituliert ;-)

    • Wie sagte Prof. Dr. Peter Kruse in einem Interview: Die alten Medien verlieren ihre Bewertungsfunktion schneller als die neuen Medien neue wirkungsvolle Informationsbewertungsansätze aufgebaut haben. Das ist ein Problem. Lösungen sind heiß begehrt.

  4. Die von dir propagierte Lösung existiert schon in verschiedenen Teilbereichen und müsste nur zu einem ganzheitlichen Ansatz verdrahtet werden. Ich denke das sich aus Social Bookmarking-Diensten und Aggregatoren wie FriendFeed schon zu einem großen Teil eine Relevanz ablesen lässt. Der große Nachteil dieser Lösungen ist bisher jedoch noch, das man keinen Meta-View einnehmen kann in dem alle zusammengehörenden Information/Links zu einem Bild zusammen gefügt werden. So eine Art Rivva nur für das gesamte Web und natürlich auch für KommentareReaktionen.

    • Ansätze existieren zweifellos – auch gute. Ich denke nur, dass noch eine Menge Luft nach oben ist auf allen Ebenen: auf der der einzelnen Dienste und auf den Meta-Ebenen.

  5. @rene fischer, also jetzt bin ich mal so frei und behaupte, dass mein kleines Gründerkonzept eigentlich genau in diese Richtung geht: Feedreading mit Social Bookmarking und Memetracking verbinden. Und der Output – die nach Themen sortierten Meme-Mags – hätten durchaus ein kleines Vermarktungspotential. Würde mich freuen, wenn hier jemand ein Mini-Startup mitmachen möchte.
    Sebastian @Trendschau.
    @Leander, sorry, wenn ich mich hier so reinmische…

  6. Benjamin

    Das ist auf jeden Fall derzeit ein massives Defizit und im Bereich Nachrichten/Hintergrundinformation meiner Meinung nach eines der Hauptargumente für Zeitungen/Zeitschrifen (neben ausführlich recherchierten umfangreichen Artikeln).

    Wäre es nicht naheliegend, dass sich hier die Medienkonzerne versuchen ein (neues) Standbein aufzubauen? Schließlich ist das eine Kernkompetenz der Zeitungen: Informationen sichten und bewerten. Vielfach wird beklagt, dass Journalisten teilweise aus Blogs abschreiben – aber warum auch nicht, wenn man die Informationen geprüft hat (natürlich kein wörtliches Abschreiben…)

    • Ich glaube, öfter noch schreiben Blogs von Journalisten ab ;)

      Die Zeitungen versuchen ja, diese Funktion auch online wahrzunehmen. Nur die Mittel sind oft noch nicht so geeignet. Was online sicherlich anders ist, ist, dass man den Content nicht immer selbst erstellen muss/sollte. Von Content Creators zu Content Curators …

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