Social Networks ≠ Communities

Wenn Leute wie wie in diesem Falle Dr. Bernd Buchholz über Plattformen wie Facebook sprechen, nennen sie sie häufig Communities. Das stört mich immer, weil es aus meiner Sicht für ein zentrales Missverständnis steht:

Social Networks sind nach meinem Verständnis Plattformen, auf denen Leute kommunizieren und interagieren können. Communities sind nach meinem Verständnis Gruppen von Menschen, die durch ein gemeinsames starkes Interesse oder Merkmal verbunden sind. Beide Sachen sind nicht gleichzusetzen. Social Networks wie Facebook sind nicht automatisch auch eine Community. In Social Networks können hingegen diverse Communities aktiv sein.

Wenn man Facebook als Community verstehen wollte, was wäre dann das verbindende Element? Dass die Leute Facebook nutzen? Dann müsste man auch von einer Briefschreiber-Community oder TV-Seher-Community sprechen. Ebenso irritierend finde ich daher, wenn in den „klassischen“ Medien und auf Seiten der Parteien (Bsp.: SPD) von der Internet-Community gesprochen wird, als ob die Internet-Nutzer streng abzugrenzen wären von den Bewohnern der „normalen“ Welt.

Bildquelle: gregoryjameswalsh (CC-Lizenz)

  • Pingback: Vielleicht sollte sich Dr. Bernd Buchholz mehr Zeit für Social Media nehmen? | Leander Wattig()

  • Eine sehr informative Website, sehr zu empfehlen

  • Anonymous

    das stimmt. communities bestehen aus menschen, die sich mehr oder weniger emphatisch und explizit als „mitglieder“ begreifen.

    soziale digitale „netzwerke“ sind dynamische strukturen, die sich über verbindungen und knoten definieren. diese knoten sind funktionen, schaltstellen (auch wenn natürlich meistens ein individueller mensch dranhängt).

    communities haben in der regel (irgendeine) netzwerk-dimension, aber nur die wenigsten netzwerke fallen zusammen mit „communities“.

    facebook selbst ist eine software-infratsruktur, diemit ihrem design und tool-mix bestimmte typen von netzwerk-effekten (und damit auch von wirklichen „netzwerken“) begünstigt. so wie es anders und konsequenter Twitter tut.
    aber auch facebook-gruppen (sagen wir mal: „piraten in der SPD“) sind noch nicht digitale netzwerke im vollen sinn. sie sind eine relativ statische infrastruktur, die netzwerk-effekte (im sinn von TimO’Reilly) ermöglicht, aber real sehr oft gar nicht erzeugt.

    um aber „netzwerk“ im vollgültigen und eigentlichen sinn zu sein, braucht es mehr als eine vernetzte menge von FOAF-knoten.

    das wäre nämlich erst eine kritische masse von netzwerk-ereignissen, von impulsen und kettenreaktionen, die zusammen soziale und semantische effekte erzeugen, die anders nicht zustande kämen. zum beispiel #zensursula in der twitter- und Blogosphere. (vgl. notizen unter http://etherpad.com/rebootdnetzwerk )

    wie man solche lebendigen „netzwerke“ gezielt designen, erzeugen oder jedenfalls wahrscheinlich machen kann, ist eine schwierige frage.