Sind Blogger wirklich naiv?

Als Blogger – gerade wenn man in der Wirtschaft beruflich tätig ist – wird man häufig etwas mitleidig betrachtet. Ganz so, als ob man zu naiv wäre zu verstehen, dass man sein Wissen doch nicht einfach so ins Internet stellen, also verschenken sollte. Dieses habe doch Wert und gehöre möglichst teuer verkauft. Eine Ansicht, die besonders in Deutschland und allgemein in Europa verbreitet zu sein scheint. Luis Suarez (IBM) dazu:

There is still this notion that knowledge is power and as soon as I let my knowledge go by sharing it with others I lose my power.

Ich persönlich sehe das etwas anders und eher wie Hugh MacLeod: “selling by giving”, or, “gift economics”

Doch bin ich bei weitem nicht der Einzige, der sich mehr Freigebigkeit wünschen würde und sie auch für vorteilhaft für den Gebenden hält:

 

Um zu erklären, dass sich Teilen doch lohnen kann, muss man nicht irgendeine Art neue Geheimwissenschaft bemühen. Dieser Umstand wird lange schon untersucht und Vieles ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Wobei man kein Nobelpreisträger sein muss, um den Zusammenhang zu verstehen oder zumindest zu erahnen. Schon unsere Ahnen wussten: „Wer gibt, dem wird gegeben.“ Unter diesem Titel ist vor 10 Jahren auch folgender Telepolis-Artikel erschienen, der allein schon viel verdeutlicht:

Allerdings ist die Voraussetzung für die Belohnung der Großzügigen, die in dem Experiment auch am meisten virtuelle Franken aufhäufen konnten, dass die anderen eben auch wissen müssen, dass und wie oft man etwas gegeben hat. (…) Im Grunde sagt das Experiment, dass der Großzügige in einer Gemeinschaft am besten fährt, der am besten seine guten Taten öffentlichkeitswirksam darstellen kann – und dass ein geschickter Egoist gelegentlich auch langfristig denken muss und durchaus auch dann zu seinem Vorteil gelangen kann, wenn er nicht sofort belohnt wird.

In einer Zeit, da uns das Internet ermöglicht, andere in unsere Köpfe schauen zu lassen und so Transparenz herzustellen, lohnt es sich also, Wissen zu teilen. Das Teilen kann einen sogar schützen. Beispielsweise dann, wenn man in einem Unternehmen arbeitet, wo es Usus ist, dass die Früchte des eigenen Kopfes von anderen geerntet werden. Vielleicht ist das aber auch ein Grund, warum sich gerade viele Entscheider schwer tun mit dem Internet. Es erschwert so manchen bewährten und sehr vorteilhaften Prozess des „Abschöpfens“.

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