Buch-Schüler zeigen: Offenheit gegenüber digitalen Medien ist keine Altersfrage

n110768785620231_4362Es wird ja zu Recht betont, dass Offenheit gegenüber digitalen Medien und den Chancen neuer Technologien keine Altersfrage sei. In vielen Fällen sind es aber ältere Leute, die diesbezüglich eher skeptisch sind. Um zu zeigen, dass es auch anders geht, wird dann gern auf einzelne Beispiele von Menschen über 50 verwiesen, die gegenüber digitalen Medien sehr aufgeschlossen sind.

Dass das Alter nicht der entscheidende Faktor ist, zeigt auch das folgende Beispiel – aber anders herum. Hier sind es gerade junge Leute, die sich gegen „neue“ Medien aussprechen. Schüler von mediacampus frankfurt | die schulen des deutschen buchhandels warnen vor zu großer Offenheit gegenüber den „neuen“ Medien, weil sie fürchten, dass darüber das Buch vergessen wird. Daher haben sie einen offenen Brief an die Geschäftsführerin des mediacampus geschrieben, in dem es u.a. heißt:

Für uns ist Wirtschaft ein Mittel für den Zweck Buch, und nicht das Buch der zufällige Gegenstand des Wirtschaftens.
Wir hoffen, dass das Medium Buch seine zentrale Stellung auf dem mediacampus behält.
Wir sehen die Gefahr, dass der Schwerpunkt zu einseitig auf die Neuen Medien gesetzt wird – es wäre nicht die erste Blase, die platzt.

Der komplette Brief findet sich beim Literaturcafé.

16 comments

  1. Schüler 162 says:

    Eventuell nur den Börsenblatt Beitrag gelesen? Der Brief enthält deutlich mehr als nur die oben genannten Zitate. Die Kernaussage ist nämlich definitiv nicht, dass man sich den neuen Medien verweigern möchte. Es geht um Transparenz, um offene Gespräche und um die Frage „Wohin entwickelt sich der Beruf Buchhändler/in?“.
    Ich finde es schade, dass dieser Brief so polemisch behandelt wird, doch Gott sei Dank gibt es noch viele Andere, die die wahren Ängste und Inhalte darin erkennen.

    Mit freundlichen Grüßen, ein Schüler der Buchhändlerschule Frankfurt

    • Wie Sie gelesen haben werden, habe ich im Beitrag auf den Artikel des Literaturcafé verwiesen, wo der komplette Brief einsehbar ist, den ich zuvor natürlich gelesen habe. Zudem habe ich bei „Ich mach was mit Büchern“ eine offene Diskussion angestoßen: http://bit.ly/9KtQIZ Als allzu polemisch empfinde ich mein Vorgehen daher nicht. Das Zitat findet sich aber nun einmal in dem Brief. Ist doch schön, dass der Brief auf so viel Aufmerksamkeit trifft. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass Ihr Anliegen und die dahinter liegenden Sorgen missverstanden/verkannt werden.

    • P.S.: Ich teile auch Ihr von mir vermutetes inhaltliches Anliegen, dass das, wofür Bücher klassisch stehen, bewahrt werden sollte. Es geht aber eben darum und weniger um das Buch als papiernen Gegenstand. Wenn wir uns darauf einigen, kämpfen wir für die gleiche Sache.

  2. Lisa Marie Kurth Andreas Foth says:

    Wir freuen uns über die lebhafte Diskussion und möchten als Mitautoren des Briefes dazu nochmals klarstellen: Es geht uns vor allem um eine offene Kommunikation. In Bezug auf den personellen Wandel und in Bezug darauf, welche Richtung die Schule und die Ausbildung nehmen. Bei diesen Entscheidungen sollten Auszubildende einbezogen werden.
    Wir sind nicht gegen die neuen Medien! Wir warnen nur vor einem Hype. Wir glauben nicht, dass sie das Buch langfristig komplett ersetzen – man denke nur daran, wie schnell Datenträger veralten; unser Buch gibt es seit 1450! Daneben wird es viele andere Publikationsformen geben, je nach technischem Stand und Zielgruppe.
    Natürlich geht es um den Handel mit Inhalten. Und der Handel mit ihnen ist nötig, sonst würden sie nicht oder weniger produziert. Aber es kann hierbei nicht wie – vielleicht – bei anderen Handelsgütern nur um den Gewinn gehen. Denn wir handeln mit einem Kulturgut und davon soll es so viel wie möglich geben. Wenn wir aber vergessen, das zu betonen und zu leben, gefährden wir die Preisbindung. Dann können Verlage keine Projekte mehr fördern, die mehr kulturell als wirtschaftlich bereichern. Das ist es, was wir verhindern wollen. Und wir möchten weiterhin von Menschen ausgebildet werden, die das auch so sehen.
    Bevor wir uns einstweilen in die IHK-Prüfungsvorbereitung verabschieden schlagen wir eine Podiumsdiskussion vor, an der zum Beispiel 2 Mitglieder des Börsenvereins, 2 VertreterInnen der Schule und 2 Auszubildende teilnehmen.

    • Ich habe gerade beim Literaturcafé folgenden Kommentar geschrieben:

      Ich finde solche Diskussionen super, weil sie am Ende immer etwas bringen – für alle Seiten. Daher habe ich sie auch mit Hinweisen hier (http://bit.ly/9BifqE) und hier (http://bit.ly/9KtQIZ) zu befördern versucht und auf den Beitrag hier hingewiesen.

      Was ich spontan beim Lesen des Briefes vermisst habe, ist eine Orientierung auf den Kern der Sache. Es geht doch weniger um das papierne Buch als vielmehr um das, wofür es steht. Um das zu bewahren, ist aus meiner Sicht aber gerade eine Offenheit für die “neuen” Medien notwendig. Sonst dominieren bald ausschließlich die so genannten Branchenfremden den Markt und denen sind das Buch und wofür es steht oft herzlich egal.

      Zudem ist mir der Brief zu wenig konstruktiv. In Zeiten des Wandels sieht man immer zuerst, was nicht mehr so gut funktioniert. Die Lösungsansätze gilt es zu erarbeiten. 1450 war auch noch nicht klar, wie unser Buchmarkt später aussehen würde. Das gilt es zu erkämpfen. Hier fehlen mir im Brief aber die konstruktiven Vorschläge und Angebote. Kritisieren ist leicht. Befürchten auch. Gestalten schon weniger. Und wer soll die Zukunft gestalten, wenn nicht der Branchennachwuchs??? Zudem gibt es gerade für Nachwuchsleute Chancen zuhauf. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum das oft so wenig positiv gesehen wird.

      Den vorschlag für eine Podiumsdiskussion finde ich gut. Aber warum wieder ein so enger Kreis der Diskutanten? Warum nicht auch ein paar Web-Leute einladen, um so den Blick zu weiten? Schließlich sind bspw. Blogger auch eine Art neuer Kleinverleger. Oder warum nicht jemand aus dem Musik- oder aus dem Film- oder aus dem Games-Markt einladen?

  3. Frauke Ehlers says:

    Die Erweiterung der Mitdiskutanten die Leander Wattig vorschlägt kann es bei dem Kooperationspartner SMI geben, weil dort genau dieser weitere Begriff von Medienwirtschaftenden berufsbegleitend ausgebildet werden bzw. wurden. Zu letzteren gehöre ich selbst zum Beispiel auch, und das durchaus als gefühlte Vertreterin der Buchbranche.

  4. Ich habe mir den Brief nun 2 x durchgelesen und finde die entbrannte Diskussion dazu sehr gut. Als versteckte Aussage sehe ich aber auch die Ängste bei den Auszubildenden. wo geht die Fahrt hin … was mache ich als Buchhändler ohne gedruckte Bücher. Die gesamte Diskussion findet sich nicht nur bei den den herangehenden Buchhändlern wieder, nein auch innerhalb der Verlagsbranche. Was auch die Diskussionen beim Buchcamp 2010 immer wieder an`s Licht brachte. Verlage müssen sich endlich öffnen, anderen Leseformen des Buches, angepasst nach den Verhalten des Lesers und damit Ihre Auszubildenden mit einbeziehen in diesen Prozess. Kulturgut kann vieles sein, Neues sein, Anderes sein …

  5. Schüler 162 says:

    Entschuldigung für die verspätete Antwort, gerade ein wenig im IHK Prüfungsstress.
    Ich denke der Brief hat zumindest eine konstruktive Wirkung und zwar die, dass mittlerweile darüber auf vielen verschiedenen Plattformen diskutiert wird. Anscheinend wurde damit auch ein ziemlich empfindlicher Nerv getroffen.

    Schnell nach den Klausuren und dem Abschied von der Schule einen Haufen Lösungs- bzw. Verbesserungsvorschläge aus dem Ärmel zu schütteln…also ich glaub was die Branche in all den Jahren nicht geschafft hat, das schaffen wir auch nicht in knapp 2 Tagen…soviel zum Thema „Konstruktivität“. Es ist ein Statement, es soll ein Gespräch anregen.

    Der Vorschlag die Podiumsdiskussion zu erweitern stößt bestimmt nicht auf Ablehnung (behaupte ich einmal) und ich halte dies auch für eine interessante Idee, solange sie sich nicht anmaßen uns vorzuschreiben wie unser Berufsbildung auszusehen hat. Sowas habe ich schon erlebt. Wer beim sagenumwoben „Nintendo-Tag“ auf der Buchhändlerschule dabei war, weiß was ich meine.
    Wir werden hier bestimmt nicht von neuen Medien abgeschottet, sondern bekommen einen guten, umfangreichen Eindruck in die mittlerweile nicht mehr vernachlässigbaren Sparten wie DVD’s etc.

    So, genug für heute, morgen wird es ernst!

  6. Jutta Kölschbach says:

    Hallo Lisa, hallo Andreas,
    so wie ich es verstehe, wolltet Ihr auch auf die Zustände in Ffm. hinweisen, was leider etwas untergegangen ist. Wer die aber nicht hautnah miterlebt, wird nur den Glanz des „mediacampus“ sehen. Was dort gerade mit Dozenten und Schülern geschieht, wird doch völlig unter den Tisch gekehrt.
    Schade, dass Euer Anliegen derart kommentiert wird. Denke, jede Menge Fachschüler und Fernlehrgänger der letzten zwei Jahre sind Eurer Meinung und könnten einiges zu einer lebhaften Diskussion beitragen.

  7. Die internen Zustände kann ich natürlich gar nicht beurteilen – viele der anderen Kommentatoren auch nicht. Ich kann mich nur auf die Teile des offenen Briefes beziehen, die allgemeine Aussagen treffen. Das wiederum zu tun, halte ich für legitim, eben weil es sich um einen offenen Brief handelt.

    Dass es mediencampus-intern Probleme/Optimierungsbedarf geben kann, stelle ich also in keiner Weise in Frage!

    Dies nur zur Klärung :)

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