Der Trend geht zur Zweit-Identität

Bei Facebook erlebt man immer wieder, dass Personen zwei Profile anlegen, um ihre private und ihre berufliche Identität voneinander zu trennen. Natürlich könnte man theoretisch auch die Privatsphäre-Einstellungen und Listen für die Content-Steuerung nutzen, um diesen Effekt zu erzielen. Aber zum einen ist es offensichtlich für viele Leute einfacher, unterschiedliche Profile zu unterhalten, und zum anderen können sie auf diesem Wege auch unterschiedliche Profilbilder verwenden, was sonst eben nicht möglich ist. (Wäre das nicht vielleicht eine Entwicklungsoption für Facebook, dass man verschiedene Profil-Bilder für verschiedene Kontakte hinterlegen kann? Bei dieser Gelegenheit könnten sie auch gleich meine Idee von vor 2 Jahren aufgreifen und das Altern abbilden lassen.)

Wenn man aber schon private und berufliche Präsenzen unterhält, böte es sich für manche Fälle ja auch an, komplett unterschiedliche Identitäten zu nutzen und dies auch konsequent zu tun. In Großbritannien ist dies beispielsweise legal möglich und auch gar nicht teuer. Wie ich hier via Nerdcore gelernt habe, bietet/bot Heath Bunting vom so genannten Identity Bureau eine neue Identität mit allem drum und dran für nur 500 Euro an:

One day Heath Bunting realized that in the UK it is legal to have several identities, if they are not for criminal purposes. He set up an ‚Identity Bureau‘ to allow ordinary people to buy new, official and legal UK identities at reasonable cost (500 euros.) It might start with something as banal as a supermarket loyalty card and from there, a new identity builds up that gets more and more coherent. The identity is based both on intangible and tangible materials. Bunting hands the ready-to-use identity inside a suitcase where the buyer can find supermarket loyalty cards, transportation cards, a mobile phone number, letters sent by governmental departments to an address in the UK, etc. The identity also exists in a less tangible way as the new person is inserted inside a web of shopping, library or transportation cards, bills, government correspondence, and other „personal“ data. The person also belongs to a network made of other people, organizations, and institutions. The new identity allows you to have a bank account, free health care and a social security number in the country.

(Video, 5 min.)

Weiter gedacht: Man kauft sich für 500 Euro eine Zweitidentität, engagiert einen Social-Media-Ghostwriter und lässt sich ähnlich wie bei World of Warcraft und anderen Internet-Rollenspielen quasi via Gold farming seine Zweitidentität „aufleveln“, bevor man sie dann übernimmt:

Gold farming is playing a massively multiplayer online game to acquire in-game ‚virtual‘ currency which is then sold to other players. People in China and in other developing nations have held full-time employment as gold farmers.

So kann man – das notwendige Kleingeld vorausgesetzt – ganz unterschiedliche Leben leben und muss sie nicht erst mühevoll von Null an aufbauen, sondern übernimmt die Identitäten bereits mit einer Historie und einem facettenreichen Social Graph. Das wäre doch ein attraktiver Entertainment-Zweig, in dem sehr reale Erlebniswelten geschaffen werden könnten – im „echten“ Leben. Wenn man Publikumsverlage als Erlebnis-Agenturen weiterdenkt, wäre das sogar ein sehr naheliegendes Betätigungsfeld für sie.

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von fotologic

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7 Kommentare

  1. Spitzenidee. Marc Canter (Erfinder von Director) hatte schon vor 5 Jahren vor, eine Art Director für digitale Personas zu erfinden. Warte ich bis heute drauf ;)

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