Cleveres Geschäftsmodell: Kaffeesatzlesen über das Web

Im Best-Practice-Blog bin ich auf ein sehr cleveres Geschäftsmodell gestoßen: Wahrsagen als Service über das Netz:

Eine Weberfolgsstory ist das Wahrsagerportal AuntyBinnaz, das 2011 von dem türkischstämmigen Ernst&Young-Consultant Sertac Tasdelen online gestellt wurde und von Singapore aus betrieben wird. Der jährlich Umsatz beträgt mehr als 1 Mio USD und wird vorwiegend mit türkischen Kunden gemacht. Topseller ist die Kaffeesatzleserei, die umgerechnet 6 USD kostet. Dafür darf der Kunde zwischen knapp 20 Kaffeesatzlesern auswählen, ein Foto vom Kaffeesatz machen, ein Formular ausfüllen, das Foto anhängen und die Bezahlung durchführen. Anschliessend gibt es das Ergebnis.

Das Ganze funktioniert kinderleicht und der Umsatz wird geteilt zwischen Portalbetreiber und Wahrsager – perfekt:

7 comments

    • Na, dann können wir ja konsequenterweise auch gleich eine Branchen-Initiative zur Bereinigung zahlreicher Verlagsprogramme starten. ;) So gesehen ist der Börsenverein ja der Meister-Zyniker, indem er von den Gutgläubigkeitsausnutzern Geld kassiert. :)

      • Der Unterschied ist, dass der Börsenverein als Verband (im meinen Augen zurecht) zur Neutralität gegenüber seinen Mitglieder verpflichtet ist. Das ist aber immer noch was anderes, als explizit lobend auf ein Angebot hinzuweisen, dass gutgläubige Menschen ausnutzt.

        Sorry, Leander, aber bei diesem Esoterik-Kram geht mir echt die Hutschnur hoch. Die machen ihr Geld vermutlich zum großen Teil mit Leuten, die verzweifelt sind und nach Strohhalmen suchen, an denen sie sich aufrichten können.

        (PS: Ich bin nicht der Börsenverein.)

        • Selber umsetzen würde ich sowas auch nicht unbedingt, aber ich finde es auch nicht schlimmer als das, was vielerorts sonst – auch in der Buchbranche – passiert, weshalb ich mit der moralischen Keule zurückhaltend bin. Auf der Ebene wiederum finde ich es eben clever gemacht und durchaus auch erwähnenswert.

  1. Ich finde es auch sehr spannend. Würde es selbst aber nicht praktizieren. Es beschreibt weniger ein Geschäftsmodell für Verlage – eher direkt für Autoren oder Künstler aus anderen Branchen. Der Autor verkauft in diesem Fall direkt seine personalisierte Literatur (Romansnippets, Lyrisches oder eben Aphorismen) – oder eben Reliquien (Fingernägel, Haare, Shirts, Unterwäsche, Blut, etc) an seine Leserschaft. Wenn der Autor eine gewisse Konsekrationsmacht hat, kann das ein sehr zukunftsfähiges Modell sein. – Vielleicht können Agenturen und Verlage in diesem Fall wieder als Vermittler helfen, Plattform und direkte Distribution zur Verfügung stellen – oder den Autor beraten, wie er das Pricing für seine Fingernägel gestalten soll (oder eben für die Snippets). – Das mag jetzt auch erstmal etwas zynisch klingen, – aber wird demnächst vielleicht auch verstärkt jemand machen. (Strukturen des beliebten katholischen Kultmarketings aufgreifen) – Spannend sind diese Geschäftsmodelle auch gerade – weil sie auf der Schnittstelle von anerkannt (weißer Markt, Buch, Hugendubel, Börsenverein) und Esoterik (schwarzer Markt, Substanz, Statusmeldung, Rapidshare etc,) sind. Vielleicht kann man genau an dieser Schnittstelle produktive Schnittstellen für Verlage, Agenturen und Autoren sichtbar machen. … Also – weiter so, schönes Fundstück und dank euch auch für die Diskussion.

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