Buchverlage bieten Media-for-Equity schon lange. – Das Modell als Chance für Self-Publishing-Autoren?

Eric Ries sagt nicht als Einziger, man solle Bücher wie Start-ups denken und somit von Start-ups erprobte Verfahren im Umgang mit Situationen hoher Unsicherheit auch auf diesem Felde anwenden. Ein Verfahren, welches Start-ups schon länger nutzen, nennt sich Media-for-Equity und erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Warum?

Aus Sicht der Start-ups und E-Commerce-Anbieter kann es dabei durchaus Sinn machen, Werbezeiten gegen Umsatz- oder Firmenbeteiligung einzutauschen. Angesichts des Wettbewerbs sind sie gezwungen, ihre Wahrnehmung schleunigst zu erhöhen.

Kein Wettbewerb aber ist intensiver als der um Aufmerksamkeit für Inhalte-Produkte wie Bücher. Auf dem Buchmarkt erscheinen jedes Jahr ca. 100.000 Novitäten. Hinzu kommen alle vorher publizierten Bücher. Hinzu kommen alle anderen Medien und Inhalte. Hinzu kommen alle anderen Betätigungsmöglichkeiten.

Vor diesem Hintergrund habe ich mich gefragt, ob 1.) das Media-for-Equity-Modell nicht recht nah an einem Buchverlagsmodell ist und ob 2.) das Media-for-Equity-Modell in der gedanklichen Fortführung für manche Autoren nicht eine Chance sein könnte?

Zu 1.) Wenn ein Medienunternehmen den Media-for-Equity-Ansatz wählt, geht es ja in Vorleistung und wagt eine Wette auf die Zukunft. Nur wenn sich das Start-up gut entwickelt, klappt es mit Gewinnen bzw. einem Exit. Ganz ähnlich ist es bei der Beziehung Buchverlag-Autor. Natürlich leistet ein klassischer Buchverlag für seine Autoren und deren Bücher im Idealfall noch mehr als „nur“ die Sichtbarmachung (die aber auch hier ganz erfolgskritisch ist, s.u.). Er wird auch im Bereich „Produkt- und Unternehmensentwicklung“ aktiv, indem er in Sachen Lektorat unterstützt, das Produkt gestaltet und drucken lässt, die Autorenmarke entwickelt und manches mehr. All das passiert, wie gesagt, im Idealfall. Dafür gibt der Autor aber auch weitreichend Nutzungsrechte seines Werkes ab. Sowohl Medienunternehmen, die den Media-for-Equity-Ansatz wählen, als auch Buchverlage managen jedenfalls ein Risiko-Portfolio.

Zu 2.) Könnte das Media-for-Equity-Konzept in seiner konsequenten Fortführung nicht eine Chance für Bestseller-Autoren sein, die sich in Richtung Self-Publishing „selbstständig“ machen oder es ohnehin sind? Im Rahmen der verlagsinternen Konferenz „Ullstein Uni“ der Ullstein Buchverlage, wo ich auch einen Vortrag gehalten habe, beschrieb der Self-Publishing-Bestseller-Autor Markus Albers („Meconomy„) als die am schwersten zu ersetzende Funktion klassischer Verlage den Bereich (Buchhandels-)Vertrieb bzw. Sichtbarmachung von Büchern. Den Rest könne man sich im Zweifel von anderen Dienstleistern hinzukaufen. Ließe sich hier nicht ansetzen, indem Erfolgsautoren, die ihr Potenzial ja schon nachgewiesen haben, mit neuen Büchern direkt auf große Medienhäuser und Buchhandelsunternehmen zugehen und Deals verhandeln, bei denen sie wie bei Media-for-Equity garantierte Präsenz gegen eine Umsatzbeteiligung an gegenwärtigen oder sogar auch künftigen Büchern tauschen?

Soweit ein spontaner Gedanke. Natürlich skaliert das Geschäftsmodell Buchautor nicht so gut wie das von Start-ups wie Zalando & Co. und es weist andere Risiken auf. Vielleicht sind die Möglichkeiten autorenseitig trotzdem noch nicht ausgeschöpft?